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Wir alle tun es jeden Tag und doch wissen nur wenige wie es funktioniert – Kommunikation


Kommunikationsmodelle: Diese sollten Sie kennen


Hand aufs Herz: Wie viele Kommunikationsmodelle kennen Sie? Wenn Sie nicht gerade Kommunikationswissenschaften studieren, ist die Antwort wahrscheinlich ein leicht beschämtes Gar keins… Damit sind Sie jedoch keineswegs allein. Die Funktionsweisen der Kommunikation werden oftmals einfach als selbstverständlich und gegeben hingenommen, ohne sich weitere Gedanken darüber zu machen oder diese zu hinterfragen. Es würde zwar zu weit gehen, dies als veritable Bildungslücke zu bezeichnen, doch gibt es gute Gründe, um sich genauer mit einigen Kommunikationsmodellen zu beschäftigen. Allen voran: Sie verbessern Ihre eigene und können Missverständnisse vermeiden. Wir stellen Ihnen deshalb einige Kommunikationsmodelle vor, die jeder kennen sollte, da sie nicht nur sehr bekannt sind, sondern für ein besseres Verständnis untereinander sorgen…

Was sind Kommunikationsmodelle?

Wissenschaftler interessieren sich seit jeher dafür, wie die Kommunikation zwischen Menschen funktioniert, welche Faktoren dabei eine Rolle spielt und wie so es dabei so oft zu Problemen kommt. Trotz zahlreicher Forschungsergebnisse ist es jedoch kaum möglich, zu einem endgültigen Schluss zu kommen und eine umfassende und perfekte Beschreibung der Kommunikation festzulegen.

Um das komplexe Thema dennoch zugänglich und verständlich zu machen, gibt es Kommunikationsmodelle. Ziel dabei ist es, die Zusammenhänge, Ebenen und Prozesse der Kommunikation möglichst einfach und in kleinerem Rahmen darzustellen.

Kommunikation wird auf Grundpfeiler herunter gebrochen, die zeigen, wie wir mit anderen kommunizieren und welche Probleme wir für eine erfolgreiche Kommunikation überwinden müssen. Mit den Jahren haben sich dabei diverse Kommunikationsmodelle entwickelt, die teilweise aufeinander aufbauen oder auch unterschiedliche Ansätze nutzen, um die Verständigung zu erklären.

Viele Köche verderben den Brei und viele Wissenschaftler entwickeln viele Kommunikationsmodelle. Wir haben ein kleines Best Of von vier Kommunikationsmodellen zusammengestellt, die jeder kennen sollte – auch wenn Sie sich nicht hauptberuflich mit Kommunikation beschäftigen.

Missverständnisse kennt schließlich jeder und wer würde nicht gern die eigene Kommunikation verbessern? Diese Kommunikationsmodelle zeigen, wie wir miteinander kommunizieren und wo wir dabei auf Probleme stoßen:

* Das Eisbergmodell

Die Entwicklung des Eisbergmodells geht auf zwei große Namen zurück: Sigmund Freud, von dem die Grundidee des Unterbewussten stammt und zudem Paul Watzlawick, der dieses Konzept in den Bereich der Kommunikation übertragen hat. Der Eisberg dient dabei als Bild, dass die unterschiedlichen Bereiche der Kommunikation verdeutlicht.

Nur ein vergleichsweise geringer Anteil des Eisbergs von knapp 20 Prozent ist Sichtbar, der Rest verbirgt sich unterhalb des Wassers, bleibt auf den ersten Blick unsichtbar für das menschliche Auge. Ähnliches gilt laut Eisbergmodell für die Kommunikation. Die sogenannte Sachebene, wie Zahlen, Fakten und andere Daten oder rationale Informationen, machen den kleinen Teil der Kommunikation aus – etwa 10 bis 20 Prozent eben.

Größer und oftmals noch wichtiger ist die Beziehungsebene mit bis zu 90 Prozent Anteil an der zwischenmenschlichen Kommunikation. Es sind Gefühle, Erfahrungen, Ängste, aber auch Triebe des Menschen. Während die Sachebene verbal kommuniziert wird, ist die Beziehungsebene Teil der nonverbalen Kommunikation, durch Körpersprache, Mimik und Gestik.

Die beiden Ebenen dieses Kommunikationsmodell unterscheiden sich von einander, stehen aber dennoch in Zusammenhang. So kommt es häufig zu Konfliktsituationen, wenn Sach- und Beziehungsebene nicht in Einklang gebracht werden. Das zeigt sich schon in einem einfachen Beispiel: Gibt es Probleme auf Beziehungsebene, beispielsweise durch negative Gefühle zwischen den beiden Seiten der Kommunikation, wird auch die Sachebene gestört und Aussagen werden falsch verstanden.

* Das Vier-Seiten-Modell

Das sogenannte Vier-Seiten-Modell (manchmal auch als Vier-Ohren-Modell oder Nachrichtenquadrat bezeichnet) stammt von dem deutschen Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schultz von Thun. Dieses Kommunikationsmodell unterscheidet in jeder Nachricht vier verschiedene Ebenen:

  • Die Sachebene. Hier geht es um die Frage: Was genau wird gesagt? Dabei handelt es sich um Daten, Fakten, und Informationen.
  • Die Selbstoffenbarung. Mit jeder Kommunikation gibt der Sprecher etwas von sich selbst preis. Das geschieht oftmals unbewusst, doch ermöglicht einen Einblick in die Gefühlswelt und Persönlichkeit des Senders einer Nachricht.
  • Die Beziehungsebene. Auch über das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger einer Nachricht werden durch die Nachricht Informationen übermittelt. Wertschätzung und Respekt, Abneigung, ein enge Beziehung oder Distanz. Sowohl Wortwahl als auch Körpersprache und Mimik zeigen, wie die beiden Kommunikationsseiten zueinander stehen.
  • Der Appell. Der Sender möchte mit seiner Aussage immer auch etwas bewirken und eine Reaktion des Empfänger hervorrufen. So kann direkt aufgefordert werden, etwas zu tun oder weniger offensichtlich eine Handlung (oder deren Unterlassung) angeregt werden.

Konflikte entstehen laut diesem Kommunikationsmodell, wenn die vier Seiten einer Nachricht von Sender und Empfänger unterschiedlich gedeutet oder gewichtet werden. Auf Seiten des Empfängers spricht man deshalb auch vom Vier-Ohren-Modell, wobei mit jedem Ohr eine der Ebenen gedeutet wird.

* Die Transaktionsanalyse

Bereits vor rund 60 Jahren entwickelte der amerikanische Psychologe Eric Berne die Transaktionsanalyse. In seiner Arbeit unterteilte er das menschliche Verhalten bei der Kommunikation in drei Zustände.

  • Das Eltern-Ich
  • Das Erwachsenen-Ich
  • Das Kind-Ich

Als Eltern-Ich bezeichnet Berne Kommunikationsverhalten, wie es häufig in der Erziehung zu beobachten ist. Insbesondere Zurechtweisung, Korrektur oder das Umsorgen. Das Kind-Ich zeigt sich durch albernes, verspieltes, spontanes oder auch trotziges Verhalten. Im Gegensatz dazu ist das Erwachsenen-Ich durch respektvolle, sachliche, rational durchdachte und reflektierte Kommunikation geprägt.

Dabei ist die Kommunikation nicht grundsätzlich auf einen Ich-Zustand begrenzt. Jeder Mensch ist dazu in der Lage, zwischen den verschiedenen Bereichen hin- und herzuwechseln. Entscheidend dafür, welcher Ich-Zustand in der Kommunikation zum Tragen kommt, sind Erfahrungen, die Vorgeschichte zur aktuellen Kommunikation, Gefühle und Wünsche.

Welcher Ich-Zustand in der Kommunikation im Vordergrund steht, kann eine Menge über das Verhältnis zwischen den beiden Parteien verraten. Auch zeigt dieses Kommunikationsmodell, dass Konflikte dann auftreten, wenn unterschiedliche Zustände aufeinandertreffen. Parallele Kommunikation auf einer Ebene führt zu Verständnis dem anderen Gegenüber und bedeutet häufig erfolgreiche Kommunikation.

Trifft aber beispielsweise eine Erwachsenen-Ich auf ein Kind-Ich, prallen sehr unterschiedliche Formenaufeinander, die sich kaum vereinen lassen. Um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, muss dann eine der beiden Seiten den eigenen Ich-Zustand hinterfragen und ändern.

Das Kommunikationsmodell kann auch Ihre eigene Kommunikation verbessern. Sollte Ihnen beispielsweise vorgeworfen werden, sich über andere zu stellen und diese zu bevormunden oder herumzukommandieren, befinden Sie sich zu häufig im Eltern-Ich. Werden Sie hingegen nicht ernst genommen, sollten Sie das Kind-Ich verlassen und versuchen, im Erwachsenen-Ich zu kommunizieren.

* Das Sender Empfänger Modell

Die beiden Mathematiker Claude Shannon und Warren Weaver wollten lediglich die telefonische Kommunikation verbessern, als diese noch sehr störungsanfällig war. Herausgekommen ist nach einiger Überarbeitung ein Kommunikationsmodell, dass die Interaktion zwischen Menschen relativ simpel deutlich macht und dabei zeigt, wo Probleme auftauchen können – das Sender Empfänger Modell.

Die Idee: Jede Kommunikation besteht aus zwei Seiten, einem Sender, der eine Nachricht oder Information weitergeben möchte und einem Empfänger, der diese erhält. Um die Nachricht zu übermitteln, wird diese vom Sender kodiert, was kompliziert klingt, eigentlich aber nur bedeutet, dass diese in Sprache oder Körpersprache zum Ausdruck gebracht wird.

Der Empfänger seinerseits muss diesen Code verstehen und entschlüsseln, also die gleiche Sprache sprechen oder die Signale des Körpers richtig deuten und verstehen können. Vollständig wird die Kommunikation, wenn der Empfänger ein Feedback zurücksendet, dass er die Nachricht verstanden (oder eben falsch verstanden) hat. Zu Missverständnissen kommt es nach diesem Kommunikationsmodell, wenn auf einer der beiden Seiten ein Fehler gemacht wird.

Treffend formulierte diese Möglichkeit Paul Watzlawick, der sich ebenfalls Gedanken zu diesem Kommunikationsmodell machte: Gedacht ist nicht gesagt, gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht gewollt, gewollt ist nicht gekonnt, gekonnt und gewollt ist nicht getan und getan ist nicht beibehalten.

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Wenn das Unternehmertum von Gier und Dummheit geprägt wird…


Gefahr der Gier: Was Betrug begünstigt


Die Geschichte wiederholt sich immer wieder – und immer wieder überrascht sie einen auch: Wie kann es sein, dass hochbezahlte Menschen in Top-Positionen irgendwann anfangen, sich betrügerischen zu bereichern, zu stehlen, Spesenabrechnungen zu frisieren, Steuern zu hinterziehen? Woher kommt diese scheinbar grenzenlose (und grenzenlos dumme) Gier? Oft sind es Lappalien für die diese Menschen ihren Job und guten Ruf riskieren, Dinge, die sie sich locker legal leisten könnten. Studien erkennen inzwischen psychologische Muster dahinter…

Gier Definition: Unfähig aus Fehlern zu lernen

Macht korrumpiert, keine Frage. Es wäre aber zu einfach, diese charakterliche Deformation und Gier allein auf Manager und Machtmenschen zu reduzieren. Jeden kann es treffen, Gierverführt überall – auf der Beletage ebenso wie im Großraumbüro.

Laut Definition und Duden ist Gier das „auf Genuss und Befriedigung, Besitz und Erfüllung von Wünschen gerichtetes, heftiges, maßloses Verlangen“. Der Würzburger Wissenschaftler Patrick Mussel wiederum, der schon seit Jahren über die Gier forscht, bezeichnet sie als „exzessives Streben nach materiellen Gütern„. Jemand der den Hals nicht voll bekommt, zeichne sich durch die Bereitschaft aus, sein Streben auch auf Kosten von anderen zu betreiben.

Bei verschiedenen Studien stellten Mussel und seine Kollegen unter anderem fest, dass gierige Menschen schlechter aus ihren Fehlern lernen.

 

Dazu nutzen die Forscher ein einfaches Experiment mit Luftballons. Die mussten ihre Probanden maximal aufpumpen um auch einen maximalen Geldgewinn zu erzielen. Platzte der Ballon allerdings, gab es nichts.

Nachdem die Wissenschaftler die Teilnehmer, allesamt Wirtschaftsstudenten, zunächst per Fragebogen nach ihrer Neigung zur Gier unterschieden hatten, beobachteten sie nun deren Verhalten. Und siehe da: Die Gierigen unter ihnen veränderten ihre Strategie auch dann nicht, wenn ihre Ballon zuvor schon ein paar Mal geplatzt waren. Kurz: Sie ignorierten alle Warnhinweise und gingen jedes Mal hohe Risiken ein.

Dabei ist Gier kein Kavaliersdelikt. Werden Mitarbeiter erwischt, die nicht zwischen Mein und Dein unterscheiden können, die bei der Spesenabrechnung schummeln oder vorteilhafte Geschenke annehmen, fliegen diese in der Regel fristlos oder werden von Arbeitgebern zur Kündigung„im gegenseitigen Einvernehmen“ gedrängt. Egal, ob es um Summen geht, für die es eigentlich nicht lohnt, Kopf und Kragen zu riskieren. Oft geht es um Kopierpapier, Briefumschläge, Druckertinte.

Muel Kaptein von der Rotterdam School of Management hat sich dem Phänomen vor einiger Zeit angenommen und dabei 52 Faktoren ausmachen können, die solches Fehlverhalten begünstigen. Hier eine Auswahl:

Vorbild

Mitarbeiter registrieren durchaus die Werte und Moraldes eigenen Arbeitgebers. Spüren und beobachten sie tagtäglich, wie Kunden hintergangen, Zulieferer über den Tisch gezogen und Kollegen ausgenutzt werden, leidet mit der Zeit auch die eigene Rechtschaffenheit darunter. Man könnte auch sagen: Dank des schlechten Vorbildes werden die Betroffenen blind für die Folgen und tatsächlichen Kosten des Betrugs. Es ist ein bisschen wie mit dem Broken-Windows-Effekt: Wenn in einer Straße nur ein Haus mit ein paar zerborstenen Fensterscheiben steht, dann dauert es nicht lange, bis der ganze Wohnblock verfällt.

Tunnelblick

Die Menschen fokussieren sich zu sehr auf die Ziele oder mit dem Erreichen verbundene Prämien. So ein Ansporn ist nicht zwangsläufig verkehrt. Wird er aber zur Hauptsache, ist den Betroffenen irgendwann jedes Mittel recht, um zu diesem Ziel zu gelangen. Ähnlich wie beim sogenannten Korrumpierungseffekt.

Konformität

Und natürlich spielt auch sozialer Druck eine Rolle. Um Kollegen und Mitstreitern zu gefallen, vielleicht sogar zu imponieren, tun Menschen Dinge, die sie normalerweise nicht tun würden. Hauptsache, zum Team dazugehören

Euphemismen

Nicht selten werden für dubiose Praktiken Schönfärbereien und verschleiernde Begriffe verwendet. Aus Steuerhinterziehung wird ein Steuersparmodell; aus Bestechung wird Verkaufsförderung; aus Diebstahl_werden _Sachzulagen zum Gehalt.

Entfremdung

Wenn Mitarbeiter nur noch das Gefühl haben, ein kleines Rad im Getriebe zu sein und dass sich das Top-Management auf einer ganz anderen, weit entfernten Umlaufbahn bewegt, dann fällt es ihnen leichter, im Unternehmen nur noch eine leere und anonyme Quelle zur persönlichen Bereicherung zu sehen.

Selbsterhöhung

Manche meinen, sie schuften härter und leisten mehr als alle anderen. Nur bezahlt ihnen das keiner, und auch die erwartete Wertschätzung dafür bleibt gefühlt aus. Also gleichen diese Menschen den Missstand eben auf eigene Hand aus.

Neid

Die Menschen sehen den Reichtum ihrer Chefs, Kollegen oder Kunden und wollen auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Alles andere wäre ja auch ungerecht. Also nehmen sie sich erst nur ein kleines Stückchen vom Kuchen – und hat das keine negativen Folgen, werden es immer größere und immer mehr. Kathleen Vohs, Psychologie-Professorin an der Universität von Minnesota, konnte in Sachen Neidbereits nachweisen: Allein die ständige Präsenz von Geld und Wohlstand, macht Menschen selbstsüchtiger.

Polarisierung

In einer Firmenkultur, die nur Gewinner oder Verlierer kennt, neigen die Menschen stärker dazu, zu betrügen. Immer nur zu den Verlierern zu gehören – wer will das schon? Dasselbe gilt übrigens auch für Nullfehlertoleranz: Dürfen Mitarbeiter keine Fehler machen oder werden die unverhältnismäßig bestraft, neigen diese sofort dazu, diese zu verheimlichen und zu vertuschen.

Schlaflosigkeit

Es klingt kurios, deckt sich aber mit einigen Studien: Übermüdung wirkt sich negativ auf die Moral aus. Wenn wir schlapper werden, sind wir anfälliger für Versuchungen, weil damit unsere Selbstkontrolle geschwächt wird. So konnten beispielsweise schon vor einiger Zeit Forscher am Walter-Reed-Institut nachweisen, dass ausgeschlafene Menschen moralischer entscheiden als müde.

Folgenlosigkeit

Der Kölsche sagt: _Et hätt noch emmer joot jejange._Freilich in einem anderen Zusammenhang. Aber die Denke ist dieselbe: Wenn es bisher folgenlos blieb, zu lügen und zu betrügen, nehmen das viele auch für die Zukunft an – und machen weiter.

Wer keine Chancen sieht, betrügt

Sobald der Druck steigt, fangen die Leute an zu betrügen. So jedenfalls lautet das Fazit eines Experiments (PDF) der beiden Wissenschaftlerinnen Christiane Schwieren und Doris Weichselbaumer.

Die hatten 33 Studenten und 32 Studentinnen zu einem Computertest eingeladen. Allerdings gab es dabei unterschiedliche Belohnungsmodi:

  • Die eine Hälfte der Probanden erhielt für jeden komplettierten Testabschnitt einen Geldbetrag;
  • die zweite Hälfte bekam das Geld nur dann, wenn sie mit ihren Ergebnissen auch noch zu den besten ihrer jeweiligen Gruppe gehörten. Die zweite Variante erzeugte also wesentlich mehr Wettbewerbsdruck.

Was nun passierte, überraschte selbst die Forscherinnen: Mit dem Wettbewerbsdruck stieg auch die Neigung, zu betrügen. Insbesondere schlechtere Studenten oder jene, die sich wenig Chancen auf einen Erfolg ausrechneten, behumsten am meisten. „Es sieht so aus, dass ein System, in dem die Menschen für sich keine fairen Erfolgschancen erkennen, Maßnahmen ergreifen, die sie zumindest das Gesicht wahren lässt“, schreiben die Autorinnen. Heißt: Wer glaubt, eh schlechte Karten zu haben, versucht die Chancen durch Betrug auszugleichen.

 

Hinter der Gier steckt nicht selten das Prinzip der gelernten Sorglosigkeit, wie es auch Dieter Frey, Professor für Sozialpsychologie an der Ludwig-Maximilians Universität in München, nennt. Erst klaut einer ein paar Kugelschreiber, dann nimmt er Batterien mit, schließlich lässt er den Drucker mitgehen oder gleich den ganzen PC.

Sind doch Bagatellen! Alles längst abgeschrieben!, denkt mancher. Und weil das niemand kontrolliert, wird der Umgang mit Firmengeldern und -eigentum immer großzügiger, bis die Grenze zur Untreue oder zum Betrug längst überschritten ist.

Auch nach Freys Erkenntnissen steigert sich das Verlangen, sich zu bereichern, in vier kleinen Schritten. Sie können diese lesen, wie typischen Phasen auf dem Weg zu unethischem Verhalten – oder wie einen kleinen Selbsttest, wann Sie selbst vielleicht schon so gedacht haben oder gar gerade denken…

  1. Das tut doch jeder!
    Ob es wirklich jeder tut, wissen die Betroffenen natürlich nicht. Aber es klingt wie eine gute Rechtfertigung. Allerdings können sie auch keinen danach fragen, denn tief im Inneren nagt ihr Gewissen, dass es doch nicht korrekt ist, was sie da machen. Andererseits: Jeder hat Dreck am Stecken. Wer suchet, der findet. Sollen die sich mal nicht so haben, wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein und so. Mag sein. Dumm nur, wenn man gerade nach ihren Sünden sucht.

  2. Es steht mir zu!
    Da hat sich einer zwei Monate intensiv um das Projekt gekümmert, bis in die Puppen geschuftet, Frau und Kinder nur an Wochenenden gesehen und jetzt, mit dem Abschluss, dem Unternehmen einen Millionenumsatz eingehandelt. Was ist da schon eine läppische Druckerpatrone, die man sich mitnimmt? Außerdem hat man ja auch von zuhause gearbeitet. Stimmt. Aber warum fragen diese Menschen dann nicht gleich den Chef nach der Dreigabe? Vielleicht schenkt er ihnen noch eine zweite Patrone dazu. Vielleicht aber auch nicht.

  3. Die wissen doch gar nicht, was sie an mir haben!
    Wer so denkt, leidet höchstwahrscheinlich an chronischer Selbstüberschätzung – oder, wie es die Psychologen nennen, an kognitiver Dissonanz. Wer hart arbeitet, viel leistet, darf sich etwas gönnen. Dass es im Tagesverlauf immer mal kurze Erholungspausen gibt, einen Plausch mit Kollegen bei Kaffee, mag noch normal sein. Bedenklich wird es dann, wenn solche Konversationen zur Arbeitsflucht ausarten und sie beginnen, während der Arbeitszeit einkaufen zu gehen oder Werbegeschenke und Büroutensilien bei Ebay verticken.

  4. Der Ehrliche ist der Dumme!
    Viele denken: In dem Laden wird dir nichts geschenkt. Man ist hier doch nur Arbeitssklave. Also ist es nur fair, für ein wenig Ausgleich zu sorgen, um der systematischen Ausbeutung ein Schnippchen zu schlagen. Eine virtuose Erklärung – von Unrechtsbewusstsein keine Spur. Und ein sicherer Weg in den Abgrund.

Wie man sich davor schützen kann?

Letztlich vor allem durch kritische Selbstreflexion. Indem Sie sich selbst an die Kandare nehmen und sich guten Freunden anvertrauen, die Ihnen einen Spiegel vorhalten. Die ungeschminkten Kommentare solcher Vertrauter schärfen das Bewusstsein darüber, was geht und was nicht.

Hören Sie auf diese Freunde – und auf Ihr Gewissen!

Steuern: Schäubles Schatzkammer – Steuerexplosion statt Schuldenexplosion


USA
Staatsverschuldung
Das Finanzsystem
Zinseszins führt zum Kollaps

 

Steuern – Wie der deutsche Staat die Menschen immer mehr enteignet und eine riesige Vermögensumverteilung betreibt…


Liebe Freunde und Kollegen,

Ende August 1955 lud der damalige Bundesfinanzminister Fritz Schäffer (1888-1967) Experten zu einer „Aussprache über die Steuerschätzungen für die Rechnungsjahre 1955 und 1956“ ein. Die Sitzung fand knapp einen Monat später am 20. September in Bonn statt und gilt als Gründungsveranstaltung des „Arbeitskreis Steuerschätzungen“, der im Februar 2017 sein 150. Sitzungsjubiläum feiern konnte. Die Zusammensetzung scheint allerdings kaum gendermäßig korrekt.

Gestern präsentierte der amtierende Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (Jahrgang 1942) die Ergebnisse der turnusmäßig im Mai stattfindenden ersten Vorausschätzung des Jahres und damit der 151. Sitzung in Bad Muskau. Danach fallen allein die Steuereinnahmen im laufenden und kommenden Jahr um 25 Milliarden Euro höher aus, als bei der letzten Schätzerrunde im November 2016 taxiert.

Als er die Additionen der Steuerexperten vorstellte, kommentierte Schäuble: „Nun kann in der nächsten Legislatur die Steuersenkung folgen. Darüber wird bei und nach der Bundestagswahl entschieden.“ Und an die Bundesländer gewandt fügte er hinzu: Auch sie sind gut aufgestellt. „Mit den Entlastungen durch den Bund erhalten sie weiteren finanzpolitischen Spielraum, der ab 2020 mit der Neuregelung des Länderfinanzausgleichs noch größer werden wird. Damit können die Länder die nötigen Investitionen in mehr Bildung und Infrastruktur angehen.“

(Quelle: Ju­bi­lä­ums­sit­zung des Ar­beits­krei­ses „Steu­er­schät­zun­gen“, Bundesministerium der Finanzen, 21.02.2017,http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerschaetzungen_und_Steuereinnahmen/Steuerschaetzung/2017-02-21-Sondersitzung-Steuerschaetzung.html

und: Steuern. Ergebnisse der 151. Sitzung des Arbeitskreises „Steuerschätzungen“ vom 9. bis 11. Mai 2017 in Bad Muskau 11.05.2017, http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2017/05/2017-05-11-pm-steuerschaetzung.html )

Diese beachtlichen Zahlen liefern den Anlass für einen Rückblick auf die Entwicklung der Steuereinnahmen seit der Wiedervereinigung und ein paar grundsätzliche Überlegungen.

Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden 1999-2021 in Mrd. EUR

Treffen die Prognosen aus dem beschaulichen Bad Muskau ein, wo der Arbeitskreis diesmal getagt hatte, würden sich die Einnahmen der Gebietskörperschaften 2021 gegenüber dem Jahr nach dem Mauerfall fast verdreifacht haben. Mal sehen, was bis dahin auch mal durch Steuersenkungen im Portemonnaie der Bürger bleibt.

Denn Steuern haben ein beachtliches Beharrungsvermögen, das sie gegen kräftige Senkungen immun macht. Beispiel: Solidaritätszuschlag, volkstümlich „Soli“. Man schrieb das Jahr 1991 und Deutschland hatte sich im Zweiten Golfkrieg verpflichtet, etwa 15 bis 20 Prozent der Kosten zu übernehmen, damals 16,9 Milliarden DM. Die Regierung Kohl wollte dafür 22 Milliarden DM aus einem auf ein Jahr befristeten Solidaritätszuschlag bekommen.

Gesetzentwurf vom 11. März 1991: „Mehrbelastungen ergeben sich nicht nur aus dem Konflikt am Golf … sondern auch für die Unterstützung der Länder in Mittel-, Ost- und Südeuropa … hinzu kommen zusätzliche Aufgaben in den neuen Bundesländern.“ Bei den Verlängerungen ab 1995 wurden dann die Kosten der deutschen Einheit zur Begründung in den Vordergrund gestellt.

(Quelle: Solidaritätszuschlag, Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Solidarit%C3%A4tszuschlag

Kassenmäßige Steuereinnahmen nach Stuerarten1950-2016, http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerschaetzungen_und_Steuereinnahmen/2-kassenmaessige-steuereinnahmen-nach-steuerarten-1950-bis-2015.html )

Inzwischen haben die Finanzminister von 1995 bis 2016 mittels Soli gut 275 Milliarden Euro aus den solidarischen Steuerzahlern herausgeleiert. Und ganz großzügigerweise soll er ab 2020 – wenn es nach Schäuble geht – schrittweise bis 2030 abgebaut werden. Können Sie sich noch an die Unterstützung der Oststaaten erinnern. Haben Sie beim Brausen über ostdeutsche sechsspurige Autobahnen noch den Eindruck, dort müsse forciert gefördert werden?

Aber der Soli blieb eisern erhalten, so wie die Schaumweinsteuer, die einst des Kaisers Flotte mitfinanzieren sollte und noch heute jedes Jahr gut 400 Millionen Euro einbringt. Seitdem mit der Wiedervereinigung wenigstens ein gravierender Teil des alten Kaiserreiches wieder unter einer gemeinsamen Regierung zusammengefasst ist, waren es fast 13 Milliarden Euro, die Sekttrinker zum Wohle des Vaterlandes im wahrsten Sinne des Wortes beisteuerten.

Am Ende noch die grundsätzlichen Gedanken dazu: Sie können getrost davon ausgehen, dass in einem demokratisch regierten Staat ein Hang zur Steuererhöhung besteht. Warum? Weil es mehr Politiker gibt, denen ein schöner Gedanke für ihr neues Lieblingsprojekt kommt, mit denen sie ihre Wähler verwöhnen können, als knorzige Typen, die die Steuern senken wollen. Der großzügige Spendierer ist in jedem Kleintierzüchterverein beliebter als der knauserige Kassenwart.

Demokratie ist möglicherweise die beste existierende Gesellschaftsform, aber deshalb nicht ohne Nachteile. Da ließen sich auch andere Beispiele finden. Etwa, dass der Volksvertreter mit der großen Klappe mehr Eindruck macht als der stille Überleger. Dass die Großschnauze die besseren Ideen hat, ist aber nicht in jedem Fall gegeben.

Schade, dass sich meine langjährige Lieblingspartei von ihrem Lieblingsthema Steuersenkung weitgehend verabschiedet hat, mit dem sie 2009 total erfolgreich in den Wahlkampf gezogen war. 14,6 Prozent der Stimmen brachten simple Botschaften wie die folgende damals der FDP.

Heute stehen zum Thema im 2015 verabschiedeten „Leitbild der Freien Demokraten“ gerade noch so wolkige Hinweise wie: „Der Staat soll nicht das Maximum an Steuern kassieren, das dem Bürger gerade noch abgenommen werden kann, sondern maßvoll genau so viel, wie er für seine eigentlichen Aufgaben braucht.“ Gähn. Da wird Herr Lindner dann bollerstolz sein, wenn er im Bund diesen September seine sechs Prozent bekommt und den Fleischtöpfen wieder etwas näher treten darf – nicht einmal die Hälfte des Steuersenkungs-Wahlkampfes 2009. Sehen Sie sich das aktuelle Leitbild mal als Schaubild an.

(Quelle: FDP, https://www.fdp.de/content/grundsatzprogramme )

Liest sich alles ganz nett, keine Frage. Aber das würden doch auch viele Zeitgenossen bei anderen Parteien gerne unterschreiben. Oder was ist das mit „Freiheit und Menschenrechte weltweit“? Da könnte doch auch ein AfD-ler oder ein LINKE-Mann/Frau seine Unterschrift drunter setzen. Oder „Weltbeste Bildung für jeden“ oder „Liebe zur Freiheit“ oder „Faire Spielregeln“. Wie schon gesagt, keine schlechte Absicht, aber beliebig. So schafft man ein Me-Too-Produkt.

Peter

Der Sozi hat oft Pech…
„Ekel Alfred“

„Anne Will“, „Hart aber Fair“ und die Nachrichtensendungen im öffentlich-rechtlichen TV – Inszenierungen einer brutalen und Gewaltverherrlichenden Streitkultur!


Verschwörungstheorien gibt es nicht nur im Netz. Mittlerweile werden uns diese, tagtäglich in Talkrunden und in den Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Sender, in die bundesdeutschen Wohnzimmer übermittelt. Allerdings ist das nur die eine Seite einer enthemmten Propaganda.

Es darüberhinaus ein gefährliches Spiel das wir gerade in Talkrunden und Nachtenformaten der öffentlich-rechtlichen erleben!

Mittlerweile geben die Talkrunden und die Nachrichtensendungen eine Richtung, für den Umgang mit Andersdenkenden vor, die einem Angst macht.
Diese Anschläge, die wir aktuell in Deutschland erleben, sind auch eine Folge einer wild um sich schlagenden Politik, die sich der Folgen einer Gewaltverherrlichenden Medienpropaganda-Maschine offensichtlich nicht einmal bewusst ist.

 


Da werden im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unbequeme Experten regelrecht „geschlachtet“.
Zuerst musste sich der Nahost-Experte Lüders am Sonntag in der Talkrunde bei Anne Will, von dem völlig entgleisten Ex US Botschafter Kornblum ungestraft, als Verschwörungstheoretiker diffamieren lassen und dann, man dachte eigentlich jetzt haben wir die unterste Stufe an Eskalation erreicht, da musste man
leider erkennen, das war nicht einmal der Rubikon der Entgleisungen. Wer sich am Montag den Auftritt des BildBlödls Julian Reichelt bei Hart aber Fair, angetan hat musste erkennen, das andersdenkende Menschen in Deutschland zum Abschuss freigegeben sind. Dort wurde ein Ex NATO Planungsoffizier und Bundeswehr Pilot, der mit seinem Insiderwissen interessante Aussagen machte dermaßen verunglimpft und beleidigt, dass man sich fragen muss, wohin uns das alles noch führen wird.

 


Es erweckt mittlerweile den Eindruck, als ob man seitens des Establishments den Straßenkampf erleben möchte.
Wer hätte davon etwas?
Diese Frage sollte man sich stellen und sich auch die Antwort schnellstens bewusst machen. Wenn in den Medien eine Verrohung im Umgang mit anderen Meinungen und Menschen, dermaßen vorangetrieben wird, dann führt das zwangsläufig auch zu einer Verrohung bei den Menschen im Umgang mit anderen Meinungen. Die eine Folge sind die zunehmende Enthemmung im Umgang mit Gewalt, der Anstieg der Terroranschläge liefert dazu einen Hinweis, aber nicht nur im Lager der Extremisten erzielt diese Enthemmung ihre Wirkung, auch bis dahin ganz normale Menschen werden plötzlich zu Gewaltbereiten „Tätern“ – siehe der Rentner der mit der Sprengung einer Kirche, wegen des Kirchengeläuts, drohte, oder der Autofahrer der mit seinem Pkw und einer Gasflasche in das Rathaus von Verden gefahren ist, bis hinzu den vielen kleinen Gewaltexzessen, von denen wir gar nichts hören.
Ja, die Grüne Abgeordnete Göring-Eckhard hat wohl recht…Deutschland wird sich verändern….
Eskalation wohin man schaut, es ist widerlich…

P.S.
Julian Reichelt und Erfahrung?
Meine Güte, der Junge hat nichts in seinem, offensichtlich von allzu viel Reiki Erziehung geprägten Leben auf die Reihe gebracht. Was sagt uns das mit 20 Abitur gemacht und dann, mit Vitamin B von Papa und Mama, immerhin eine Praktikantenstelle bei Springer geschafft.
Ich empfand die Facebook Profil Angabe „Schule des Lebens“ eigentlich bisher eher lustig, aber seit es diesen Herrn Reichelt gibt, der ja nicht mehr als diese „Schule des Lebens“ Qualifikation vorzuweisen hat, bin ich nur noch entsetzt.
Ja, die Dummen sind wohl immer die lautesten, diesen Anspruch erfüllt Julian Reichelt auf jeden Fall.👎

 

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Grillen, am besten gleich ein ganzes Spanferkel am Spieß


Spanferkel grillen….mmmhhhh….Ich habe so richtig Lust darauf…


 

Vor dem Spanferkel Grillen wird die Schwarte rautenförmig eingeritzt.

Die Königdisziplin für alle Grill-Fans: ein ganzes Spanferkel grillen! Spanferkel sind Ferkel im Alter von höchstens 6 bis 8 Wochen, die noch gesäugt werden. Ihr Fleisch ist besonders hell und zart. Wer leidenschaftlich gern am Grill steht, auf Würstchen und Co. aber keine Lust hat, kann beim Spanferkel Grillen sein ganzes Können zeigen. Spanferkel grillen – die besten Tipps:

Nach dem Spanferkel Grillen wird das Fleisch vom Ferkel geschnitten.

Ein ganzes Spanferkel grillen – das Highlight für Gäste!

Spanferkel grillen – Tipp 1: Spanferkel und Grill beschaffen

Ein ganzes Spanferkel zum Spanferkel Grillen finden Sie nicht im Supermarkt. Bestellen Sie Ihr Ferkel zum Spanferkel Grillen am besten beim Metzger Ihres Vertrauens.

Er gibt Ihnen Auskunft über Herkunft und Qualität des Ferkels zum Spanferkel Grillen und wählt ein Tier mit dem gewünschten Gewicht aus. Ein 15 kg schweres Spanferkel reicht zum Spanferkel Grillen für 15 bis 20 Personen.

Zum Spanferkel Grillen benötigen Sie einen speziellen Grill mit entsprechend großer Grillfläche sowie einem drehbaren Spieß. Einen solchen Grill zum Spanferkel Grillen können Sie beim Metzger, Grillverleih oder Partyservice in Ihrer Nähe ausleihen.

Spanferkel grillen – Tipp 2: Zeitplanung

Je nach Größe des Spanferkels dauert allein das Spanferkel Grillen 5-8 Stunden. Sie benötigen aber vor dem Spanferkel Grillen zusätzlich Zeit zum Anheizen des Grills und zur Vorbereitung des Ferkels.

Das Spanferkel muss zum Spanferkel Grillen bereits am Vortag gewürzt und die Schwarte rautenförmig eingeritzt werden. So können die Gewürze gut einziehen und das Spanferkel wird beim Spanferkel Grillen schön knusprig.

Idealerweise lassen Sie das Spanferkel von Ihrem Metzger zum Spanferkel Grillen vorbereiten – er hat die entsprechenden Kühlräume, um das ganze Schwein bis zum Spanferkel Grillen am nächsten Tag hygienisch und sicher zu kühlen.

Falls Sie ein Spanferkel-Grillen mit mehreren Gästen planen, kommen weitere Party-Vorbereitungen hinzu.

Spanferkel grillen – Tipp 3: Spanferkel grillen

Sobald die Holzkohle zum Spanferkel Grillen glüht, wird der Spieß mit dem Spanferkel darüber eingehängt. Durch ständiges Drehen des Spießes wird das Spanferkel beim Spanferkel Grillen gleichmäßig gegart.

Sie können den Spieß beim Spanferkel Grillen per Hand drehen – und sich regelmäßig ablösen lassen – oder einen Grill mit Motorantrieb auswählen.

Damit die Schwarte beim Spanferkel Grillen schön kross wird und nicht austrocknet, sollten Sie das Spanferkel beim Spanferkel Grillen immer wieder mit Flüssigkeit bestreichen – zum Beispiel mit einer Mischung aus Öl und Bier. Um Ohren, Pfoten und Schwanz des Spanferkels beim Spanferkel Grillen vor dem Verbrennen zu schützen, können Sie diese Stellen mit Alufolie umwickeln.

Bevor Sie das Fleisch nach dem Spanferkel-Grillen vom Ferkel schneiden und an Ihre Gäste verteilen, sollten Sie das Spanferkel unbedingt durchgaren. Machen Sie die Garprobe mit einem Bratenthermometer: Das Fleisch sollte an der dicksten Stelle 75 °C bis 80 °C heiß sein.

Das Grillgerät…Der Spanferkel-Spießgrill


Der Spanferkelgrill:

Die Stative:

In der Verpackung erhalten Sie jeweils zwei Stative an denen sich der Spieß dreht. Jedes der Stative ist leicht auseinanderzubauen und somit perfekt für den Transport und Lagerung geeignet. Die Höhe der Stative beträgt 50 cm. Beide haben Gleitschienen, mit deren Hilfe man die Höhe des Spießes einstellen kann. Auf den Trägern sind Kugellager eingebaut, die den Motor die Arbeit erleichtern, unnötigen Lärm durch Reiben des Metals vermeiden und obendrein den Spieß schützen. Achten Sie bitte darauf ob andere Hersteller das auch bieten. Die Stative sind aus massiven 2mm Stahl gebaut, was Langlebigkeit garantiert.

Der Spieß:

Die Länge beträgt 165 cm, die Breite 33,7 mm. Dank der optimalen Länge und Belastbarkeit von 50 kg, kann man damit ein ganzes Schwein oder Schaaf aufspießen. Es müssen nich mal der Kopf oder die Beine entfernt werden, was von der vizuellen Seite her gesehen, sehr wichtig ist wenn Sie den Braten vor den Gästen zubereiten. Andere Hersteller bieten oft nur kürzere und dünnere Spieße aber wir haben keine Kosten gescheut damit Sie zufrieden sind. Der Votrteil eines längeren Spießes ist das der Motor weit genug von der Hitze des offenes Feuers entfernt ist, was wieder zur Langlebigkeit beiträgt. Der Spieß ist komplett aus rostfreiem Stahl gebaut. Einschliesslich des Verbindungsteils und der drei Gabeln, die zum Festmachen des Fleisches dienen. Der Spieß ist aus zwei Teilen und kann auch zum braten von Hühnern, Puten und anderem verwendet werden.
Der Grillspieß ist komplett aus Edelstahl gefertigt! Am Markt gibt es billige Varianten, die nicht aus 100% rostfreien Materialien wie Edelstahl gefertigt sind, sondern aus Eisenteilen.

Lieferumgang:

1. Spieß ca. 165cmx3,37cm (2/1)

2. 2+1 Gabeln

3. 2 Stative 50 cm höhe

4. 2 Kugelgelagerte Trägern

5. Kurbel für Handbetrieb

6. Bedienungsanleitung

7. Elektromotor 230 V, 50 Hz, 28.8 Nm, 3 U/min (für 50 kg)

8. Motorgehäuse

9. Stromkabel

10. Kupplung für Spieß

11. Halter für Motor

12. Kleinmaterial

Warnhinweis: Nach Norm VDE 0620-1

Instalation nur durch Personen mit einschlägigen elektrotechnischen Kenntnissen und Erfahrunegn.

Spanferkelgrill bauen aus Edelstahl – Drehgrill Bauanleitung


Spanferkel vom eigenen Grill – ein erfüllbarer Männertraum. Wir haben für Sie eine Anleitung, die Sie zum definitiven Grillkönig Ihrer Nachbarschaft macht. Mit unserem Spanferkelgrill (der sich im übrigen auch perfekt für Hähnchen, Rollbraten und anderes „Drehgrillgut“ eignet) können Sie ein komplettes Spanferkel für eine Gartenparty grillen.

Der Grill wird aus soliden, mit kleinen Ausnahmen baumarktüblichen Teilen gefertigt und lediglich verschraubt – Schweißkenntnisse und ein Schweißgerät sind nicht nötig. Trotzdem ist der Grill aus Edelstahl und ein echter, solider Blickfang. Grillen Sie mit!

Werkzeuge

  • Winkelschleifer
  • Blechschere
  • Bohrmaschine
  • HSS (Stahl-) Bohrer, Größe 8 und 12
  • Schraubenschlüssel oder Ratsche mit Stecknuss, Größe 8
  • Stahlfeile
  • Metallsäge

Bauskizze für Spanferkelgrill

Materialliste

2x Edelstahl-Eckprofil, 4×4 cm 180 cm

2x s.o.140 cm

2x Edelstahl-Vierkantrohr, 2×4 cm110 cm

2x Edelstahl-Vierkantrohr, 2×4 cm60 cm

2x 1,5 mm Edelstahlblech130x70 cm

1x 1,5 mm Edelstahlblech130x90 cm

1x Edelstahl-Kellerrost99,5×69,5 cm

2x Edelstahlplatte 10×10 cm

2****8x Sechskantschrauben, rostfreiM8, 20 mm

2x SechskantschraubenM8, 50 mm

4x MaschinenschraubenM3, 30 mm

4x SechskantschraubenM10, 50 mm

28x Unterlegscheiben , rostfreiM8

28x Muttern, rostfrei M8

4x Muttern, rostfreiM3

4x Flügelmuttern, rostfreiM10

4x Flügelmuttern, rostfreiM8

13x Winkelverbinder mit M8-Bohrung50x50x40x2,0 mm

8x Flachverbinder80x40x2 mm

2x Edelstahlscharniere40x40 mm

1x Edelstahlriegel

2x Edelstahlwanne (Gastrobedarf)ca. 80×30 cm

1x Grillmotor für Grillgut ab 25 kg

1x Grillspieß, min. Ø 8 mm

Bleche abkanten – vor dem Zusammenbau

Abkantbank für Schraubstöcke

Um den Grill richtig zusammenbauen zu können, brauchen Sie zwar kein Schweißgerät, aber eine Abkantbank. Da so etwas nicht jeder im Keller hat, hilft Ihnen ein Karosseriebau- oder Schlosserbetrieb sicherlich bei dieser Aufgabe weiter. „Abkanten“ heißt: Blech in einem exakten Winkel biegen (umfalzen). Die von Ihnen besorgten Bleche müssen folgendermaßen abgekantet werden:

  • die beiden Plattformbleche (Edelstahlbleche mit 1,5 mm, 130×70 cm) werden um 5 cm rundum abgekantet. An den Ecken fällt dabei, logischerweise, ein quadratischer Verschnitt mit 5 cm Seitenlänge an. Bewahren Sie diesen unbedingt auf für die Scharniermontage!

  • das Blech für den Feuerkasten (1,5 mm, 130×110 cm) wird 10 cm rundum abgekantet. Hier fällt ein Verschnitt von 10×10 cm an jeder Ecke an; behalten Sie diesen unbedingt für die Riegelmontage.

Selbstverständlich können Sie auch zu Hause abkanten. Die nebenstehende Abkantbank macht Blecharbeiten an Ihrer Werkbank zum Vergnügen und rentiert sich nach mehrmaligem Gebrauch schnell.

Grill Grundgerüst zusammenbauen

Nehmen Sie zunächst die vier langen Eckprofile zur Hand: Hier müssen insgesamt 12 Löcher vorgebohrt werden, um die erste und zweite Plattform des Grills zu befestigen.

Nehmen Sie einen der Winkel und legen Sie ihn in das Profil ein. Zeichnen Sie nun durch das große Loch hindurch jeweils auf einer Höhe von 50 cm und 100 cm (von unten gesehen, Oberkante des Winkels) auf den vier Stahlprofilen die Bohrlöcher an. Bohren Sie nun mit dem 8mm-HSS-Bohrer die zwölf Löcher aus.

Nehmen Sie nun die beiden Plattformbleche mit der 5 cm Abkantung zur Hand. Legen Sie auch hier den Winkel jeweils in die vier Ecken, zeichnen Sie das Bohrloch an und bohren Sie durch das Blech hindurch.

Nun werden die Bleche mit den Pfosten verschraubt: Stecken Sie zwei M8-Schrauben mit Unterlegscheiben durch die Löcher im Stahlprofil, stecken Sie dann die Blechplattform auf. Zur Stabilisierung kommt noch ein Winkel darüber, Mutter drauf und anziehen. Wenn Sie alle acht Stellen oben und unten verschraubt haben, steht das Gerüst.

Jetzt kommt der „Feuerkasten“ dran: Nehmen Sie das um 10 cm abgekantete Blech zur Hand und setzen Sie alle Ecken einen Verstärkungswinkel von innen. Markieren Sie dabei, wie im vorherigen Schritt, die Löcher, bohren Sie mit dem 8 mm-HSS-Bohrer hindurch und schrauben Sie die Winkel mit Unterlegscheiben fest.

Bohren Sie nun an der unteren, verstärkten Seite zwei Löcher für die Scharniere mit 10 cm Abstand zum linken und rechten Ecke und einem Abstand von 3 cm zum Rand mit ins Blech. Schrauben Sie die Scharniere nun am Blech fest.

Bohren Sie jetzt mittig durch die übrig gebliebenen, quadratischen Blechstücke mit jeweils 5 cm Seitenlänge mit dem 8mm-Bohrer ein Loch. Stecken Sie nun eine 50 mm-M8-Schraube durch eine Unterlegscheibe, dann durch eines der Bleche, dann durch das Scharnier, dann durchs Kellerrost und dann durch das zweite Blech, den Abschluss bilden eine zweite Unterlegscheibe und die Mutter.

Bohren Sie nun an der Oberseite des Feuerkastens mittig (bei 50 cm) mit dem M8-Bohrer 2,8 cm vom Rand entfernt ein Loch ins Blech. Schrauben Sie nun, mit Unterlegscheiben, einen der Winkel darauf. Der Winkel sollte etwa 3 mm vor dem Rand aufragen. Schrauben Sie nun den Schließbügel für den Riegel an den Winkel an; eventuelle müssen Sie hier zusätzliche Löcher in den Winkel bohren.

Nun wird der Riegel am Rost verschraubt: Nehmen Sie die beiden quadratischen Blechreste mit 10 cm Kantenlänge zur Hand und setzen Sie den Riegel mit 4 Befestigungsschrauben so durch den Rost hindurch, dass vorn und hinten ein Blech als Verstärkung sitzt.

Nun wird noch die Befestigung des Kastens verschraubt: Montieren Sie an den beiden kurzen Seiten des Kastens an der Rückwand jeweils 10 cm von den Ecken entfernt die vier Flachverbinder. Verschrauben Sie nun den Feuerkasten mit dem Grill, etwa 10 cm über der oberen Plattform wie in der Zeichnung gezeigt.

Drehspieß-Vorrichtung bauen

Nehmen Sie nun den 12 mm-HSS-Bohrer zur Hand und bohren Sie rechts und links in jeden der Pfosten im Abstand von 8 cm (von oben) jeweils mittig 4 Löcher. Diese dienen später der vertikalen Verstellung.

Jetzt werden auf den beiden 2×4 cm-Stahl-Vierkantrohren entsprechend der zuvor gebohrten Löcher (Wasserwaage zur Ausrichtung benutzen!) mittig Markierungen angezeichnet. Bohren Sie auch hier mit dem 12 mm-Bohrer hindurch. Nun werden die beiden Schienen mit den M12-Schrauben, Unterlegscheiben und den Flügelmuttern (außen!) mit der Konstruktion am zweiten Loch von oben handfest verschraubt.

Nun wird die horizontale Verstellung montiert: Schrauben Sie zunächst im Abstand von jeweils 5 cm, gemäß der Zeichnung, die Flachverbinder mit M8-Schrauben vorn und hinten an die Spießhalterung. Anschließend werden die beiden 110 cm – Stahl – Vierkantrohre in die „U-Vorrichtung“ eingelegt.

Verbunden mit einem Grillspieß lässt sich das Grillgut so vor der Hitzequelle horizontal vor- und zurück schieben mit einem Spielraum von 25 cm nach vorn und hinten.

Grillmotor montieren

Nun wird der Grillmotor montiert. Achten Sie bei der Auswahl des Motors auf die Belastbarkeit: Ein Spanferkel kann bis zu 25 kg wiegen, daher sollten Sie nur einen Motor kaufen, der mindestens 30 kg Grillgut bewegen kann. Auch eine Eigenkonstruktion aus einem langsam laufenden Elektromotor und einer Fahrradkette ist möglich, wir würden Ihnen aber zu einem fertigen Motor raten.

Den Motor befestigen Sie an der rechten Seite, dabei müssen Sie gegebenenfalls ein wenig improvisieren. Nicht alle Grillmotoren arbeiten nach dem gleichen Funktions- und Befestigungsprinzip.

Spanferkelgrill: Erstes Angrillen

Nun haben Sie alle Komponenten fertig montiert – Zeit, den Grill einzuweihen. Füllen Sie zunächst den Feuerkasten etwa halb hoch mit Grillbriketts, diese haben eine lange Brenndauer und eine kontinuierliche Hitzeentwicklung. Stellen Sie dann die Ascheauffangschale unter den Feuerkasten. Fügen Sie nun festen oder flüssigen Grillanzünder hinzu und lassen Sie die Kohle sorgfältig durchglühen bis sie oberflächlich mit einer weißen Ascheschicht bedeckt ist.

Nun kann das Schwein eingehängt werden: Stecken Sie das Ferkel auf den Grillspieß, drücken Sie die Halteklammern ins Fleisch und legen Sie das Grillgut in die Haltevorrichtung ein. Zum Anbraten sollte es etwas näher an die Flamme herangeführt werden. Stellen Sie die Fettauffangschale unter. Nun können Sie den Grillmotor einschalten – und warten. Zur Bestimmung des Garpunktes empfehlen wir ein Bratenthermometer. Wir wünschen guten Appetit.

Wer profitiert vom Bild des „bösen Russen“? Woher stammt das Bild eigentlich?


Leider ist kein Videomaterial sowohl von Kabel1 als auch von n-tv ausgestrahlten sehr gut gesendeten Dokumentation, mehr auffindbar.
Der Kalte Krieg (The Cold War Files) (Großbritannien, 2015)

DO 19.1., 21:05 Uhr, kabel eins Doku Während des beinahe 40 Jahre andauernden Kalten Krieges stand die Welt kurz vor der totalen nuklearen Zerstörung. Was hat es mit der Theorie auf sich, dass dieser nervenzermürbende Krieg auf dem Lügenkonstrukt eines einzigen Mannes gründet? Reinhart Gehlen, ehemaliger Chef des Geheimdienstes der Deutschen Armee, soll unwahre Informationen weitergeleitet haben. Lediglich ein kurzer Trailer ist noch abrufbar

Hintergründe:
Woher stammt eigentlich das Bild vom bösen Russen?
Die Antworten findet man in unserer eigenen Geschichte.
Versetzen wir uns dafür einmal zurück in die Jahre 1943/1944…

Die anfängliche Blitzkrieg Euphorie ist in Deutschland längst verflogen. Sowohl in der Bevölkerung als auch an verschiedenen Stellen des Nazi Machtapparats glaubt man nicht mehr an einen Sieg. Für viele stellte sich schon damals die Frage, was kommt nach dem Krieg?
Mit dieser Frage beschäftigten sich auch schon damals die vermeintlichen Sieger.
Für die einen würde die Kriegsniederlage zwangsläufig auch zum Ende ihres privaten Daseins führen, ob als Hingerichteter oder als verurteilter Kriegsverbrecher, keine wirkliche Überlebensperspektive…
Für die Anderen stellte sich die Frage nach dem Nachkriegsdeutschland als Siegermacht.
Auf beiden Seiten gab es schon zu Zeiten des Krieges entsprechende Überlegungen und Vorbereitungen.
Die Briten und die USA entwickelten schon frühzeitig ihren „Re-Education“ Plan für das Nachkriegsdeutschland und auch auf Seiten der Nazis gab es diverse Pläne für das „Danach“. Es wurden Fluchtpläne vorbereitet, Kriegsbeute versteckt und manch seltsame Koalitionen wurden geschmiedet. Manche dieser Geschichten, wie die von Adolf Eichmann oder Klaus Barbie, sind uns heute bekannt.
Wenig bekannt hingegen sind die Geschichten von Reinhart Gehlen – CIA Deckname „UTILITY“ – dem damaligen Chef der Spionageabteilung „Fremde Heere Ost“ und auch die Geschichte des ersten deutschen Nachkriegskanzlers, Konrad Adenauer.
An dieser Stelle sollte sich jeder noch einmal intensiv mit den näheren Umständen beschäftigen – 1943/1944 der Krieg war noch in vollem Gange…
Aus der damaligen Sicht wäre es völlig abwegig gewesen anzunehmen der spätere BND Chef könnte einmal Reinhart Gehlen heißen, oder?
Aber auch die Vorstellung ein Konrad Adenauer könnte der erste deutsche Bundeskanzler werden, war im Grunde unmöglich. Man stelle sich vor, der Mann war nicht mehr als ein Kölner Bürgermeister den kaum jemand in Deutschland überhaupt kannte. Noch dazu trat er für eine, bis dahin nicht existierende Partei, der CDU gegen eine SPD an, die schon damals eine lange und unbefleckte politische Geschichte vorzuweisen hatte.
Wie konnte es unter diesen Umständen überhaupt zu einem Bundeskanzler Adenauer kommen?

Die Antworten darauf sind vielen nicht bekannt.

Schon 1944 wurden von US Spezialeinheiten geeignete politische Führungskräfte für ein Nachkriegsdeutschland gesucht. Adenauer hatte dabei das große Glück, dass einer der maßgeblichen US Offiziere den schrulligen Rheinländer noch aus der Zeit des 1. Weltkriegs kannte und sich bei der Suche an ihn erinnerte. Zwischen Adenauer und diesem US Offizier fand schon vor Kriegsende ein Gespräch dazu statt.

Der Fall Gehlen ist zum einen ein Paradebeispiel für das unmoralische Spiel der Geheimdienste und zum anderen für eine der gravierendsten geopolitischen Folgen für die Welt nach dem 2. Weltkrieg verantwortlich.

Auch an dieser Stelle muss man sich nochmals der Situation von 1943/1944 bewusst werden – die USA waren unser Kriegsgegner gemeinsam mit Russland und den anderen Alliierten bekämpfte man das Naziregime. Warum kam es eigentlich zu dieser Feindschaft zwischen Russland und den USA?
Gerne wird uns dazu das Märchen von der angeblichen kommunistischen Weltherrschaft erzählt. Aber wie sollte ausgerechnet Russland, das Land das die meisten Kriegsopfer zu beklagen hatte, das noch dazu im inneren unter Stalin genug zu leiden hatte und wirtschaftlich am Boden lag, sich mit der kommunistischen Weltherrschaft beschäftigen? Wenn es ein Land neben Deutschland gab, das genug vom Krieg hatte, dann wohl Russland.

Und doch kam es schon bald nach dem Ende des 2. Weltkriegs zum „Kalten Krieg“.

Und an dieser Stelle kommt Reinhart Gehlen ins Spiel. Er, der mit seinem Spionage-Netzwerk „Fremde Heere Ost“ über einen damals einzigartigen Zugang zu dem, für die USA und Briten völlig unbekannten Land Russland hatte, hatte etwas von unglaublichem geopolitischem Wert in der Hand.
In den Geheimdienst Archiven der US-Regierung kann sich jeder der Lust und Zeit hat und es ganz genau wissen will, die umfangreichen Original Dokumente aus der Zeit durchstöbern. Der eifrige Rechercheur wird dabei unter anderem auf hochinteressante Schriftstücke von einem Treffen in der Schweiz von 1943 zwischen R. Gehlen und einem Special Agent Dulles, stoßen.

Manchmal sind es die kleinen Zufälle, die uns bestimmen und die Geschichte lenken.

Die Gebrüder Dulles, ja auch ein Flughafen in USA wurde nach einem der Brüder benannt, waren damals maßgebliche Akteure, die die Nachkriegs-Weltgeschichte mitbestimmten.
Beide hatten beste Kontakte in die damalige Welt des Kapitals. Mit ihren Verbindungen zur Nazifreundlichen „Schröder Bank“ war eine gute Basis für eine äußerst fruchtbare Beziehung zum Nazi-Spion Gehlen gegeben.

Zurück zum historischen Wendepunkt der Beziehungen zwischen Russland und den USA.

Es war dieses historische Dreiecksverhältnis zwischen den Interessen Dreier Personen, die wesentlich zu den Rollen der USA, Russland und dem Nachkriegsdeutschland geführt hat.

Da war der deutsche Nazi General, der eigentlich auf der Anklagebank in Nürnberg hätte sitzen müssen, aber für die Amerikaner zum Schlüssel in die geheime Welt Russlands gebraucht wurde.
Da war der unbescholtene, unbekannte, rheinische Regionalpolitiker Konrad Adenauer, der mit allen Mitteln, gegen einen schier übermächtigen SPD Kandidaten, Bundeskanzler werden wollte und Deutschland zurück auf der weltpolitische Bühne sehen wollte.
Da waren die USA, in einer für sie ganz neuen Rolle, als Weltmacht und den daraus resultierenden Notwendigkeiten. Aber mit einer großen Lücke in Sachen Russland.

Kurzum, diese Konstellation führte im Ergebnis dazu, dass sich die USA dazu entschlossen auf die Karte „Gehlen“ zu setzen und damit bis in die späten 50er Jahre zu 100% ein von Gehlen geprägtes Russland Bild hatten. Gehlen wiederum musste sich vor allem vor den Russen nach dem Krieg fürchten, denn er war maßgeblich für den Tod von tausenden russischer Kriegsgefangener verantwortlich. Seine einzige Überlebenschance war also die USA gegen Russland zu positionieren, denn nur dann waren seine Informationen für die Nachkriegszeit für die USA von strategischer Bedeutung. Gehlen dürfte daher schon weit vor Kriegsende für den amerikanischen Geheimdienst, der von Allen Dulles geleitet wurde, gearbeitet haben.
Das erfolgreiche Dreigestirn komplettierte dann auch noch Konrad Adenauer, der sich ebenfalls die guten Kontakte Gehlens zu Nutze machte. Gehlen bzw. die USA machten Adenauer zum Kanzler und Gehlen wurde mit dem Aufbau des ersten bundesrepublikanischen Geheimdienstes in Pullach, zuerst unter Federführung der CIA, später dann als BND, beauftragt.
Adenauer nutzte Gehlen unter anderem auch dazu die SPD auszuspionieren und sogar der spätere Kanzlerkandidat W. Brandt wurde von Adenauer widerrechtlich bespitzelt. Selbst die CDU nutzte Gehlen zum Aufbau eines Parteieigenen Geheimdienstes, der nachweislich zumindest bis in die Ära H. Kohls aktiv war, Stichwort „Zaunkönig-Stiftung“

Manchmal ist die Welt ganz klein…
Reinhart Gehlen, Konrad Adenauer und Allan Dulles schufen den bösen Russen. Nur dadurch konnte Nachkriegsdeutschland seine weltpolitische Bedeutung erhalten, die es ohne die Feindschaft zwischen den USA und Russland niemals hätte erlangen können.
http://www.kabeleinsdoku.de/tv/verschwoerungstheorien/video/13-der-kalte-krieg-reinhart-gehlen-als-schluesselfigur-clip?utm_source=twitter&utm_medium=social&utm_term=social_onsite&utm_campaign=kabeleinsdoku.de&utm_content=share_video_bottom

Meine Wochenendarbeit ist fertig…
Ich frage mich schon sehr lange womit sich die deutsche Außenpolitik erklären lässt.
Warum stimmt mein Deutschlandbild einfach nicht mit dem überein, wie sich deutsche Politik seit Jahrzehnten gebärdet?
Ich bin für Frieden, im Grunde auch für eine EU, für soziale Gerechtigkeit und durchaus auch für eine Ressourcen schonende Umwelt- und Wirtschaftspolitik. Eigentlich sind das doch alles ebenso von fast allen etablierten Parteien propagierte politische Inhalte ihrer Politik. Und doch klafft immer öfter eine unglaubliche Lücke zwischen der verkündeten und der praktizierten Politik.
Also habe ich mir mal die Arbeit gemacht die Hintergründe und Zusammenhänge der praktizierten Politik besser verstehen zu können.
Mein Fazit ist erschreckend….ok, viele werden das als eine weitere Verschwörungstheorie abtun, aber das ist wegen der vielen historischen Fakten tatsächlich kaum denkbar…
Nein, zusammengefasst komme ich zu der Überzeugung einer ziemlich beängstigenden Kontinuität der geopolitischen Praxis.
Die EU, die USA, der Ost-Westkonflikt und mittendrin das geschlagene kleine Deutschland, dass offensichtlich immer wieder als Zentrum der Weltpolitik aufblitzt.
Sind wir auf dem Weg zum 4. Reich?
Politik verstehen – Historische Zusammenhänge Teil 1-4 Allen Dulles

https://derblauweisse.wordpress.com/?s=Politik+verstehen

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Teil 2: Vom OSS zur CIA

Teil 3: Zwei Jahrhunderte Rückstand im Spionagegeschäft

Teil 4: Von Kuba über Kennedy bis Vietnam

CIA Archiv

CIA Files on Reinhard Gehlen

Politik verstehen – Historische Zusammenhänge erkennen Teil 4 Allen Dulles


Von Kuba über Kennedy bis Vietnam


Die schmutzigen Tricks des Allen Dulles (Teil 4/4)

Geheimdienstchef Allen Dulles versagte bei der CIA-gesteuerten Invasion in der kubanischen Schweinebucht kläglich. Nach den Kennedy-Attentat dominierte und manipulierte der umstrittene Schattenmann die hiermit befasste Warren-Kommission. Seine letzten Einsätze bestritt der pensionierte Spion gegen ultrarechtsgerichtete Landsleute.

Teil 1: Über einen Täuschungskünstler, der die Welt zu seiner Bühne machte

Teil 2: Vom OSS zur CIA

Teil 3: Zwei Jahrhunderte Rückstand im Spionagegeschäft

Bereits 1955 hatte Dulles den kubanischen Diktator Fulgencio Batista in Havanna bei einer guten Zigarre über die Gefahren des Kommunismus aufgeklärt. Auf dem Hinweg hatte er in Florida den streitbaren Geschäftsmann Joseph Kennedy besucht und bei dieser Gelegenheit dessen Sohn John kennen gelernt. Batista, der den Großteil der Staatseinnahmen abzuzweigen pflegte und die Infrastruktur verlottern ließ, gestattete den Aufbau eines CIA-Büros, das dem kommunistischen Übel entgegenwirken sollte.

Joseph Kennedy. Foto: sec.gov

Cuba libre

Am 1. Januar 1959 war einem kubanischen Rechtsanwalt nach mehreren Anläufen seine Revolution gelungen. Während Fidel Castro 16 Monate in den Wäldern untergetaucht war, hatte er sich als Meister der Täuschung erwiesen und beispielsweise Interviews mit Journalisten durch vorgetäuschte Meldegänger „stören“ lassen, die von fiktiven Einheiten berichteten. Das Militär des im Volk verhassten Diktators überschätzte Castros Streitmacht maßlos, die in Wirklichkeit nur aus einer Hand voll Kämpfer bestand, genannt die Barbudos (die Bärtigen).

Während die eigentliche Revolution beinahe ublutig verlief, verspielte Castro Sympathien durch Exekutionen von politischen Gegnern. Die CIA hielt Castros Regime für instabil und dachte laut 2005 veröffentlichten Akten sogar daran, ihm Waffen und Geld anzubieten. Eisenhower hielt ihn nicht für wichtig genug und zog eine Partie Golf einem Treffen vor. Stattdessen empfing ihn Vizepräsident Nixon, der Castro zwar nicht für einen Kommunisten hielt, jedoch eine „naive Haltung zum Kommunismus“ diagnostizierte. Nachdem sich Castro Industrieller sowie der Mafia entledigt hatte, wollte man in Washington nicht länger zusehen.

James Bond vs. Fidel Castro

Spionageromantiker Dulles war ein großer Fan von Ian Flemings James Bond-Romanen. Auch, wenn 110 einem 007 in der echten Spionagewelt keine Überlebenschance gab, sandte er dem mit ihm inzwischen befreundeten Senator John F. Kennedy jeweils den neuesten Bond mit seinen fachmännischen Randbemerkungen. Als Kennedy 1960 mit Fleming und einem CIA-Mann dinierte, fragte dieser den Autor, wie denn wohl James Bond Fidel Castro beseitigen würde. Fleming fantasierte, Bond würde Flugblätter über einen erfundenen amerikanischen Nuklearunfall in der Karibik lancieren und verbreiten, eine atomare Verseuchung setze sich speziell an Gesichtshaaren an. Dies würde Castro und seine Barbudos dazu veranlassen, sich umgehend zu rasieren, wobei die Machos zwangsläufig ihr Gesicht verlören.

Als man Dulles diesen albernen Flaks erzählte, reagierte der CIA-Chef nicht etwa amüsiert, sondern wies seinen Giftmischer Sidney Gottlieb aus dem MK Ultra-Programm an, einen Weg zu finden, um bei Castro Haarausfall auszulösen. Ein anderer verworfener Plan sah vor, in Istanbul einen als kubanischen Gefangenen posierenden Agenten zu präsentieren, der von einer „Deportation nach Sibirien“ geflohen sei. Dulles Vorschlag, Anschläge auf kubanische Zuckerraffinerien zu verüben, wurde von Eisenhower abgelehnt, da man diese schnell reparieren könne. Zu diesem Zeitpunkt war selbst Dulles gegen eine Liquidation gewesen. Nixon befürwortete jedoch Dulles Vorschlag, Castro durch eine mit LSD präparierte Zigarre bei einer wichtigen Rede der Lächerlichkeit preiszugeben.

Barbudos

Die CIA startete eine Propagandakampagne per Radio, unterschätzte allerdings völlig die Loyalität der Kubaner zu Castro, der sie von einem brutalen Regime befreit und vielen erstmals Zugang zu staatlichen Versorgungssystemen verschafft hatte. Unter den nach Florida und Louisiana geflüchteten Castro-feindlichen Kubanern rekrutierte die CIA zunächst Agenten für eine „Gegenrevolution“, die in einem geheimen Lager in Panama in Sabotage, Attentaten und im Organisieren von Widerstandszellen ausgebildet wurden. Eisenhower hatte darauf bestanden, dass keine Spur zu ihm zurückzuverfolgen sein dürfe und von allen Beteiligten Eide zur absoluten Geheimhaltung gefordert. Mindestens 60 exilkubanische Geheimagenten wurden nach Kuba eingeschmuggelt und mit Material aus der Luft versorgt – so der Plan. Von den 30 Fallschirmabwürfen verfehlten 90% ihr Ziel, die restlichen führten Castros Geheimdienst zu denjenigen Geheimagenten, die man noch nicht abgefangen hatte. 48 Stunden nach Beginn dieser Operation 40 verstummte auch das letzte Lebenszeichen.

Wahlkampf mit der Zuckerinsel

Angesichts Castros 60.000 Männer bedurfte es einer Armee. In geheimen Trainingslagern in Guatemala bildete die CIA eine solche Streitmacht aus, zunächst 500 Kämpfer. Dulles baute eine Exilregierung auf, die nach Beginn einer Gegenrevolution nach Kuba eingeflogen und über Funk offiziell um amerikanische Hilfe nachsuchen sollte. Vizepräsident Nixon wollte sich mit der Befreiung Kubas vom „Kommunismus“ für den anstehenden Präsidentschaftswahlkampf empfehlen und wie seinerzeit Kriegsheld Eisenhower nach dem D-Day glänzen. Der Zeitplan erwies sich jedoch als zu knapp bemessen.

Den Gepflogenheiten entsprechend wurde während des Wahlkampfes auch der Gegenkandidat über die Sicherheitslage von Dulles persönlich ins Bild gesetzt. Entgegen einer verbreiteten Legende, der auch Nixon aufsaß, hatte Dulles Kennedy nur solche Erkenntnisse verraten, die ohnehin der Presse zu entnehmen waren, insbesondere nichts über die Invasionspläne. Kennedy wiederum attackierte die Regierung dafür, sich Castro gegenüber als zu weich zu erweisen, was den sich verraten fühlenden Nixon irrtümlich in Rage und Dulles in Misskredit brachte.

JFK

Am 8.November 1960 gewann John F. Kennedy die Wahl mit einer hauchdünnen Mehrheit. Ausschlaggebend waren die Stimmen etwa in Chikago gewesen, welche dort sowie in vier weiteren Bundesstaaten auf Manipulation an den Wahlurnen durch das Organisierte Verbrechen beruhten. Die Mafia, welche auch die Gewerkschaften auf Kennedy-Kurs gebracht und ihren Hofmusikanten Frank Sinatra in den Wahlkampf für den Katholiken eingespannt hatte, wollte sich mit dieser Gefälligkeit den neuen Präsident geschmeidig halten.

Insbesondere dessen Bruder Robert, der sich in Kongressausschüssen telegen als starker Mann gegen die Mafia positioniert hatte, galt es in Abhängigkeit zu bringen. Nachdem speziell die Gangster der Ostküste zuvor nach Kuba ausgewichen waren, hatte der Mob an einer Gegenrevolution ein besonderes Interesse. Doch die Kennedys spielten ein doppeltes Spiel, sehr zum Leidwesen von Carlos Marcello, dem Paten der Südstaatenmafia, dem die amerikanische Staatsangehörigkeit fehlte und der insoweit verwundbar war.

Invasionspläne

Als Dulles Kennedy in die Invasionspläne einweihte, verschwieg er ihm, dass Eisenhower diese keineswegs genehmigt hatte. General Lyman Louis Lemnitzer, der die Pläne mit dem Generalstab erörterte, erkannte wie seine Kollegen sofort, dass die Aktion wegen der zu geringen Streitmacht ohne professionell militärische Hilfe scheitern musste. Dennoch gab er eine positive Empfehlung – vielleicht deshalb, weil er der absehbar beschädigten CIA endgültig die Zuständigkeit für verdeckte Kriege abzujagen trachtete. Zudem empfand der karikaturhafte General für den militärisch niederrangigen Nachfolger des Fünfsterne-Generals Eisenhower, der die Wahl gestohlen hatte, tiefste Verachtung. Sollten die Amateure doch das Militär rufen, wenn sie nicht alleine zurecht kämen. Auch Dulles und andere CIA-Planer machten sich hinterher Vorwürfe, Kennedy gegenüber ihre Skepsis nicht geäußert zu haben.

Lyman Louis Lemnitzer. Foto: jcs.mil

Schweinebucht

Für eine erfolgreiche Anlandung war die Zerstörung der kubanischen Luftwaffe unerlässlich, welche der Missionsplaner William K. Harvey, der damals den Berlin-Tunnelbau geleitet hatte, vehement einforderte. Kennedy lehnte den Einsatz amerikanischer Flugzeuge kategorisch ab und ließ lediglich einen einzigen Bomber zu, der mit kubanischen Hoheitszeichen maskiert wurde. Als Cover-Story wollte man einen desertierten kubanischen Piloten inszenieren. (Das später der Presse präsentierte „kubanische“ Flugzeug wies eine Kuppel modernerer Bauart auf als die Maschinen, die sich in Castros Besitz befanden.) Harvey ignorierte den Befehl des Präsidenten und setzte acht Bomber ein. Selbst dem Außenminister hatte man die Invasion verschwiegen, der entsprechende Meldungen gutgläubig dementierte.

Die Luftangriffe zerstörten nur die Hälfte der kubanischen Luftwaffe, die wiederum erfolgreich CIA-Frachter mit Munition versenkte. Als Anlandungsziel war ein Strand gewählt worden, dessen Zugang zu den Schutz bietenden Bergen von einem Mangrovengestrüpp versperrt wurde und zudem sumpfig war. Da sich die CIA auf Karten von 1895 verlassen hatte, war dies den Strategen unbekannt. Zudem waren die Verschwörer längst von Castros Geheimdienst infiltriert worden und wurden bereits erwartet. Weder die versprochenen Fallschirmabwürfe mit Munition trafen ein, noch sonst eine Luftunterstützung. Auch die bereitstehende Marine wartete vergeblich auf ihren Einsatzbefehl. 1.189 Exilkubaner wurden festgenommen, während über 114 ihr Leben ließen. Der Tod von vier amerikanische Piloten blieb ein Staatsgeheimnis, weshalb man die Witwen belog. Auch Castro hatte Hunderte Tote zu beklagen. „Castro ist kein Kommunist, aber Sie tun alles, damit er einer wird“ hatte Chruschtschow einst kommentiert.

Abgang

Kennedy machte gar nicht erst den Versuch, die Rolle der USA in dieser vorgetäuschten Revolution abzustreiten. Zunächst kündigte Kennedy wutschnaubend an, die CIA „in Tausend Stücke zerschlagen“ zu wollen. Schließlich befasste er mit der Aufsicht über die Spionagebehörde seinen Bruder Robert, der ebenfalls ein Spionageenthusiast gewesen war und die Anzahl der verdeckten Aktionen vervielfachte. Obwohl Dulles nun unhaltbar geworden war, nahm JFK ihn gegen Kritiker öffentlich wie auch innerhalb der Regierung in Schutz. Im September 1961 schließlich stellte Dulles seinem engen Freund Senator Prescott Bush seinen Nachfolger John McCone vor, ebenfalls ein besonders antikommunistisch eingestellter Republikaner. Dulles führte seinen gleichaltrigen Nachfolger auf einer Europareise bei den Stationschefs ein, verschwieg ihm jedoch die illegalen Postöffnungen, MK Ultra sowie die Attentatsversuche auf Castro.

Nachdem die CIA gescheitert war, schlug der militärische Stabschef Lemnitzer eine militärische Lösung vor. Um eine solche der Weltöffentlichkeit gegenüber zu „rechtfertigen“, griff Lemnitzer tief in die eigentlich der Agency gehörende Trickkiste und schlug vor, terroristische Angriffe auf amerikanische Schiffe oder Flugzeuge unter falscher Flagge vorzutäuschen oder tatsächlich durchzuführen, die Kuba angelastet werden sollten. Verteidigungsminister McNamara lehnte ab.

Elimination by Illumination

Der CIA war jede Strategie recht, Castro zu diskreditieren. Für den Fall des Scheiterns der ersten bemannten US-Raumfahrtmission plante man, dieses dem kubanischen Geheimdienst in die Schuhe zu schieben. John Glenns Flug glückte.

Der verrückteste Plan, den die CIA damals ausheckte, war die Inszenierung der Wiederkunft Jesu Christi. Nach einer entsprechenden Kampagne sollte von einem U-Boot aus der Nachthimmel pyrotechnisch illuminiert werden. Dieses „göttliches Signal“ sollte christliche Kubaner ermutigen, den atheistischen Diktator zu stürzen. Diese Komödie wurde jedoch nie aufgeführt.

CIA-Campus

In seinen letzten Dienstjahren hatte Dulles viel Energie auf die Konstruktion der neuen Zentrale in Langley verwandt. So träumte Dulles von einer Art Universitäts-Campus, der das elitäre Selbstverständnis der CIA betonen sollte. Mit Fassung ertrug es der pensionierte Spion, dass McCone seine schönsten Vorschläge gestrichen hatte: So sollte das Büro ursprünglich über mehrere Türen verfügen, die es seinen Besuchern ermöglicht hätten, ihn unbemerkt und voneinander ungesehen aufzusuchen. Mit einem Kommunikationssystem sollte jeder Agent sofort zu kontaktieren sein.

In Dulles Vision hätte wohl nur noch Walter Schellenbergs legendärer Schreibtisch gefehlt, in dem angeblich ein Maschinengewehr gegen unliebsame Besucher eingebaut gewesen sein soll. Realisiert wurde jedoch wenigstens sein Rohrpostsystem, eines der größten der Welt, in welchem die amerikanischen Spione ihre Geheimnisse im Haus herumsausen lassen konnten. Da eine Plakette hätte entfernt werden können, bestand Dulles auf der Eingravierung seines Namens in die Wand. Der von Kennedy eingeweihte Campus sollte knapp vier Jahrzehnte später jedoch nach Prescotts Sohn in „George Bush Center for Intelligence“ umbenannt werden.

Kubakrise

„Wenn ich Chruschtschow wäre, ich würde Atomraketen nach Kuba bringen,“ meinte Robert Kennedy. Derartiges war inspiriert von den US-Raketen an der sowjetisch-türkischen Grenze auch dem Moskauer Schachspieler in den Sinn gekommen, der ein gekonntes wie zynisches Verwirrspiel trieb, in welchem die von Dulles hinterlassene CIA keine allzu große Hilfe bot.

Das gefährliche Ratespiel der Amerikaner mochten einige KGB-Leute nicht mehr weiter mit ansehen. Anfang der 60er tauchten einige geheimnisvolle Überläufer auf, über die Historiker noch heute grübeln, ob sie authentisch waren, oder ob ein doppeltes oder gar dreifaches Spiel gespielt wurde. Manche vermuten, Chruschtschows KGB-interne Kritiker hätten der zum Spionieren unbegabten CIA auf diesem Kanal kommunizieren wollen, dass die Sowjetunion entgegen Chruschtschows Bluff damals nur über ein dramatisch geringeres atomares Potential verfügte, als man es in Langley und im Pentagon argwöhnte. Kurioserweise waren es verantwortungsbewusste CIA-Leute, die sich zweimal überlegten, ob sie diese Informationen wirklich an das Pentagon weitergeben sollten: Sie befürchteten, die Verwundbarkeit könnte die Falken zu einem Erstschlag ermutigen. Le May etwa wollte die Kubakrise durch einen atomaren Angriff beenden.

Dallas

Am 22. November 1963 beging John F. Kennedy Selbstmord.

Er tat dies, indem er in einem offenen Wagen fuhr, obwohl der Secret Service Tage zuvor zwei Attentatsversuche vereitelt hatte, bei denen von Hochhäusern aus geschossen werden sollte.

Er tat dies, indem er sich mit Menschen umgab, für die politischer Mord ein legitimes Mittel zum Zweck darstellte.

Er tat dies, indem er die Südstaaten besuchte, denen er die Abkehr von der tief verwurzelten Rassentrennung mit Nachdruck aufzwang.

Er tat dies, indem er in das Revier des mit seinem Bruder befehdeten und in Morden seit vier Jahrzehnten routinierten Mafioso Carlos Marcello reiste, der mit seiner Südstaatenmafia die damals für ihre Korruption bekannte Dallas-Polizei kontrollierte.

Er tat dies, indem er das Absteigen seiner Personenschützer vom Cabrio und den Abstand zur Motorradeskorte akzeptierte, obwohl er an Menschenmassen vorbeifuhr, in denen auch mit ultrarechten Amerikanern, aber auch mit aufgebrachten Exilkubanern gerechnet werden musste, von denen viele im benachbarten Louisiana untergebracht waren.

Er tat dies, indem er u.a. die Verantwortung für ein laufendes Programm an blutigen Terroranschlägen auf Kuba trug, jedoch auf die Auswahl einer Reiseroute vertraute, die an einer Stelle mangels Zuschauermassen ein perfektes Schussfeld bot.

Er tat dies, indem er an ausgerechnet diesem Tag auch einen geheimen Boten nach Kuba geschickt hatte, der diskret ausloten sollte, wie die Spannungen künftig beigelegt werden könnten – sich also wie in der Kubakrise als zu weich gegenüber dem Kommunismus erwies.

„Habt ihr meinen Bruder getötet?“ fragte ein aufgebrachter Robert Kennedy die CIA.

Anti-Kennedy-Flugblatt am Tag vor seinem Tod in Dallas

Warren-Kommission

Als der sofort zum Präsident vereidigte Lyndon B. Johnson eine Kommission zur Klärung des Attentats unter der Leitung von Richter Earl Warren zusammenstellte, stand Dulles Name ganz oben auf der Liste. Johnson wollte weder hören, dass der Mord ein Werk Moskaus, noch eines Havannas sei, da die politischen Folgen nicht wünschenswert erschienen. Ermittlungen in Richtung der innenpolitischen Gegner, denen Dulles selbst angehörte, verboten sich. Von Dulles erwartete man eine reibungslose Verbindung des Gremiums zur CIA. Im Gegenteil schützte Dulles die Agency vor geheimnisgefährdeten Untersuchungen. Der Spymaster erwies sich als eifrigstes Mitglied der Kommission, die allerdings nur selten tagte und sich 10 Monate Zeit nahm.

Keine Mafia

Auch gegen die amerikanische Mafia wollten die Mitglieder der Warren-Kommission nicht so recht ermitteln: Richter Warren war mit dem Mafiaanwalt Murray Chotiner befreundet, der u.a. den Bruder der Privatsekretärin von Südstaatenmafioso Carlos Marcello vertrat. Hale Boggs stammte aus Louisiana und war Marcello wegen Wahlkampfspenden verpflichtet. Ebenfalls aus Louisiana kam Staatsanwalt Leon D. Hubert, der dort für seine Zurückhaltung gegenüber der Marcello-Organisation bekannt war. Die Senatoren Richard Russel und John Sherman Cooper hatten kein Interesse daran, dass der Mord an Bürgerrechtler Kennedy weißen Rassisten aus dem Süden angelastet werden würde – wie etwa dem Schwarzen-Hasser Marcello, der für seine hohen Spenden an den rassistischen Ku-Klux-Klan bekannt war.

Der Mann, der die Warren-Kommission zusammengestellt hatte, war vorher Senator im von Marcello kontrollierten Texas gewesen: Der neue Präsident Johnson, der die Kennedys ebenfalls hasste. Selbst der berühmte Bezirksstaatsanwalt von New Orleans, Jim Garrison, der später den Kennedymord erfolglos der CIA nachzuweisen versuchte, hatte mit Marcello lange seinen Frieden gemacht und fand nichts dabei, dass der Mafioso ihm kostenlose Hotelaufenthalte in Las Vegas, Spielkredite und eine günstige Immobilie ermöglichte. Garrison brachte zahlreiche Anzeigen gegen die Mafia zu Fall und profitierte wie Hoover von der bis in die 70er Jahre durchgehaltene Mär, es gäbe keine landesweit organisierte Mafia – andernfalls hätten er und Hoover ihre Unfähigkeit gegenüber dem organisierten Verbrechen einräumen müssen.

Familienjuwelen

Dulles hatte allerdings einen noch pikanteren Grund, die Mafia aus den Ermittlungen herauszuhalten, denn er musste ein delikates Geheimnis des toten Präsidenten, dessen Bruder und der CIA schützen: Die Regierung Kennedy hatte zur Beseitigung von Castro einen Mord in Auftrag gegeben – an die Mafia.

Wie in den Mitte 2007 freigegebenen Familienjuwelen nachzulesen ist, hatte die CIA bereits im August 1960 über den Mafioso Johnny Roselli zu Al Capones Nachfolger Sam Giancana und zum ehemals kubanischen Drogenkönig Santos Trafficante Kontakt aufgenommen. Man beschloss, Castro zu vergiften. Im Februar 1961 war auch der Justizminister der neuen Regierung, Robert Kennedy, in den Mordplan eingeweiht worden. Die Zusammenarbeit ausgerechnet Robert Kennedys mit der Mafia war deshalb so ungeheuerlich, weil dieser sich im Wahlkampf die Bekämpfung der Mafia auf die Fahnen geschrieben hatte und sich eine unerbittliche Vendetta mit dem Südstaatenmafioso Carlos Marcello lieferte, der als Pate von Amerikas ältester italo-amerikanischer Mafiafamilie formell dem landesweiten Syndikat vorsaß – das es nach damals offizieller Darstellung gar nicht gab.

Dem passionierten Taucher Castro wollte man einen mit Pilzsporen verseuchten Taucheranzug schenken, ihm explosive Muscheln auslegen und auf alle nur erdenklichen Arten vergiften. Ausgerechnet am Tag von Kennedys Ermordung war an einen Agenten eine als Kugelschreiber getarnte Giftspritze geliefert worden.

Von den auf Initiative von Robert Kennedy wieder aufgenommenen Mordplänen an Castro wussten außer den Kennedy-Brüdern und den beteiligten Mafiosi, soweit bekannt, nur noch Allen Dulles und sein Gewährsmann Richard Helms. Nicht einmal der neue Präsident Johnson oder der amtierende CIA-Chef McCone sollen eingeweiht gewesen sein. Das sollte auch so bleiben.

Alleintäter

Der Fall konnte jedoch ohne Behelligung der in Betracht kommenden Parteien abgeschlossen werden, wenn man der Öffentlichkeit einen verwirrten Täter präsentieren konnte, der aus eigenen Motiven ohne Unterstützung Dritter gehandelt hatte. Man benötigte einen „nützlichen Idioten“.

Nur wenige Minuten nach dem Attentat war der Polizei ein solcher Alleintäter zur Fahndung präsentiert worden, der angeblich auch einen Polizisten erschossen hatte. Der Verdächtige war in einem Kino festgenommen worden, das zur Kette des patriotischen Milliardärs Howard Hughs gehörte – einem langjährigen CIA-Partner, der seine Kinos der Firma als Agentenbasen für illegale Inlandsoperationen zur Verfügung stellte.

Hatte der Verdächtige Lee Harvey Oswald die Tat auch vehement bestritten und sogar vor einer Fernsehkamera geäußert, er solle lediglich als Sündenbock missbraucht werden, so konnte er sich nicht mehr in einem Gerichtssaal gegen den Mordvorwurf verteidigen. Marcellos Statthalter in Dallas, der dort einen von der Mafia betriebenen Nachtclub für korrupte Polizisten leitete, bekam einen Anruf, begab sich daraufhin ins Polizeipräsidium und erschoss den Verdächtigen. Ähnlich hatte es sich seinerzeit beim Mord an Louisianas Gouverneur Huey Long abgespielt, dessen angeblicher Attentäter sofort erschossen wurde, was allen Beteiligten lästige Ermittlungen ersparte.

Auf Dulles ging die Alleintätertheorie zurück, die zu dem Schluss führt, der sich in einem fahrenden Auto bewegende Kennedy sei ohne Anvisierungszeit mit einem neugekauften billigen Repetiergewehr mit falsch eingestellter Zielvorrichtung von einer einzigen Kugel erschossen worden, die trotz durchschlagener Knochen und Autositze nahezu unversehrt blieb, dennoch aber Materialspuren in der Hand des gleichfalls getroffenen Senators Conally hinterließ. Die zahlreichen Zeugenaussagen über Schüsse, die als von vorne kommend wahrgenommen wurden, sollten das Ergebnis des Warren-Reports ebenso wenig trüben wie die erste Obduktion in Dallas, die von der durch Militärärzte in Washington durchgeführten Obduktion dramatisch abwich.

Oswald und die CIA

In der geladensten Sitzung der Warren-Kommission wurde die Frage diskutiert, ob Oswald möglicherweise Verbindungen zum FBI oder zur CIA gehabt hatte. Dulles vermied ein Verhör der CIA-Offiziere, indem er seinen erstaunten Beisitzern eröffnete, dass eine Befragung sinnlos sei, da Geheimes nun einmal abgeleugnet werden würde. Auch die Frage, ob von den Offizieren denn wenigstens unter Eid eine ehrliche Antwort zu erwarten sei, verneinte Dulles. Ob ein Offizier denn wenigstens seinem Vorgesetzten wahrheitsgemäß antworten würde, ob Oswald zur CIA gehöre? „Vielleicht, vielleicht auch nicht. – Wenn es ein schlechter wäre, würde er es nicht.“

Dulles ließ seine Kollegen wissen, dass ein CIA-Offizier einzig seinem Präsidenten, nicht aber etwa dem Außenminister oder dem Verteidigungsminister Rechenschaft schuldig sei. Stillschweigend hatte er damit zum Ausdruck gebracht, dass weder der Vorsitzende Richter am Obersten Gerichtshof, noch ein Kongressausschuss „seine“ CIA zu befragen habe.

Die Kommission wollte jedoch wissen, weshalb ein Ex-Marine, der drei Jahre in der Sowjetunion gelebt und unbehelligt wieder die amerikanische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, nicht die Aufmerksamkeit der CIA geweckt hatte. Im Gegenteil beschwor Oswalds russische Frau vor der Kommission ihre Annahme, ihr Mann habe für die CIA gearbeitet. Soweit er sich erinnern könne, meinte Dulles, habe er vor dem Attentat keine Kenntnis des Mannes gehabt. Dies war irreführend, denn der Spionagechef befasste sich grundsätzlich nicht mit den Namen der Feldagenten. Dulles lehnte es auch ab, für die Kommission in der CIA Dokumente einzusehen, da es bei besonders heiklen Einsätzen grundsätzlich keine Aufzeichnungen gäbe, damit sie abgeleugnet werden könnten. Obwohl Dulles eine Beurteilungsgrundlage lange bestritten hatte, präsentierte er schließlich die Aussage, Oswald sei kein CIA-Mann gewesen.

Ebenso wenig gäbe es Erkenntnisse, dass Oswald ein russischer Agent gewesen sei. Auch der umstrittene KGB-Überläufer Jury Nosenko verneinte Dulles gegenüber diese Frage, wobei Dulles Warrens und Hoovers Forderung, Nosenko zu vernehmen, erfolgreich abwehrte. Dulles Rivale FBI-Chef Hoover, der sich auf seine Weise mit der Mafia arrangiert hatte, sabotierte ebenfalls die Kommission, der er seine eigenen Erkenntnisse vorenthielt – etwa die über den ominösen David Ferrie, der Verbindungen zu Oswald, der CIA und Marcello hatte.

1978 sollte sich bei einer Untersuchung des Kongresses herausstellen, dass Oswald in die Mordpläne an Castro verwickelt war. Der kubanische Sicherheitsdienst hatte offenbar gut daran getan, Oswald seinerzeit ein von ihm nachgesuchtes Treffen mit Castro zu verweigern. Oswald war zudem wie Ferrie Mitglied einer rechtsgerichteten Jugendorganisation gewesen, zu deren Gründungsmitgliedern auch der Eigentümer des Schulbuchverlagsgebäudes in Dallas gehörte, von dem man Schüsse vernahm.

David Ferrie (zweiter von links) and Lee Harvey Oswald (ganz rechts) bei der Civil Air Patrol (1955)

„The American people don’t read“

soll Dulles gesagt haben, als man sich sorgte, wie die Öffentlichkeit wohl auf die Schwächen seiner Alleintäterbehauptung reagieren würde. Der Warren-Report stieß in den USA auf breite Zustimmung, während er in Europa angezweifelt wurde. Alle Versuche, die Akten wieder zu öffnen, wehrte Dulles ab und reagierte in den Folgejahren unwirsch, wenn man ihn auf Ungereimtheiten ansprach. Es stehe doch alles im Bericht. Und der sei gut.

Mississippi Burning

Zu dieser Zeit reisten im Freedom Summer Tausende weißer Bürgerrechtler in die Südstaaten, um schwarzen Wählern bei der Registrierung zur Präsidentschaftswahl zu helfen. In der Gegend der Stadt Jackson verschwanden die weißen Aktivisten Andrew Goodman und Michael Schwerner sowie ihr schwarzer Kollege James Chaney spurlos. Der Fall schlug hohe Wellen. Zur Vermittlung mit den sturen Südstaatlern wählten Johnson, Robert Kennedy und Hoover einen konservativen Mann aus, der bekannt dafür war, sich keine Vorschriften von Washingtoner Bürokraten machen zu lassen.

Tatsächlich wurde der per Luftwaffe eingeflogene Seniorspion vom örtlichen Gouverneur herzlich empfangen, der Bedauern für die gutmeinenden, aber wohl kommunistisch fehlgeleiteten jungen Männer äußerte. Auch vom Sheriff, der dem Ku Klux Klan nahe stand, war nicht viel zu erwarten. Beim Abendessen klärten die Honoratioren der Stadt Dulles darüber auf, wie die Unruhestifter aus dem Norden die Schwarzen zu Ungehorsam verführten, weshalb man sie zurückschicken solle. Selbst dem konservativen Dulles, dessen OSS unter Donovan lange keine jüdischen Informanten akzeptiert hatte, war von diesem rassistischen Fundamentalismus verstört. Am andern Tag sprach der Pastorensohn erstmals mit einem katholischen Bischof, der ihm Schwarze vorstellte, die von den Übergriffen des Ku Klux Klan berichteten.

Zurück in Washington sprach Dulles von einem Terrorismus neuer Qualität und machte Vorschläge, wie diesem entgegengewirkt werden könne. Der Präsident bat Dulles, vor die Journalisten zu treten und die jungen Leute vor Reisen in den Süden zu warnen. Doch Dulles ließ in der Pressekonferenz nicht die kleinste Bemerkung in diese Richtung fallen, was ihm manche als Courage anrechneten.

Als das FBI schließlich die verbrannten Leichen der Vermissten fand, wiesen sie Schussverletzungen auf. Dem Schwarzen hatte man die Knochen gebrochen. 2005 wurde einer der Täter verurteilt.

„Oh, perhaps we have already intervented too much in the affairs of other peoples.”

Im Präsidentschaftswahlkampf verteidigte Dulles den Demokraten Johnson, der von dem rechtskonservativen Republikaner Barry Goldwater attackiert wurde. Johnson sandte Dulles 1964 an die vietnamesische Front, wo in Kreisen des Militärs die ultrarechte John Birch Society Zulauf gefunden hatte, die es zu besänftigen galt. Diese kultivierte die Verschwörungstheorie, seit Roosevelt seien alle amerikanischen Präsidenten sowie die Dulles-Brüder Bestandteil einer kommunistischen Verschwörung, welche den Staat unterwandert habe.

Auf seiner Vietnamreise dürfte Dulles wenig ausgerichtet haben, ließ jedoch bemerkenswerte Äußerungen fallen. Während er offiziell den Kriegskurs seiner Regierung unterstützte, äußerte er Skepsis, ob die verdeckten Aktionen erfolgsversprechend seien. Da an der Front die wenigsten Offiziere wussten, weshalb sie sich dort eigentlich engagierten, erkannte Dulles früh, dass es ein Problem geben werde, der amerikanischen Öffentlichkeit den Sinn der Kriegshandlungen zu erklären.

Das US-Militär fand bald jedoch wieder Schiffe, die attackiert werden wollten.

Die von Dulles hinterlassene CIA sollte auch im Vietnamkrieg versagen. Die Vorstellungskraft der Analysten reichte nicht aus, um dem geheimen Tunnelsystem des Vietcong auf die Schliche zu kommen. Ebenso wenig konnten sich die Amerikaner vorstellen, dass Menschen, die aus Autoreifen hergestellte Sandalen trugen, in der Lage waren, mit umgebauten Radios amerikanischen Militärfunkverkehr abzuhören und entsprechend vorgewarnt den Bombardements zu entkommen.

Public Relations

Der Spion im Ruhestand musste jedoch an einer neuen Front kämpfen. Die Presse, die er stets zu kontrollieren verstand, bekam Wind von der zwei Jahrzehnte zuvor begonnenen verdeckten CIA-Finanzierung der Nationalen Studenten Organisation sowie deren Partner in Westeuropa, um sie in den Feldzug gegen den Kommunismus einzuspannen. Selbst Journalisten, mit denen Dulles langjährige Freundschaften gepflegt hatte, sparten nicht mit Kritik, so dass Dulles mit ihnen offen brach.

Sein Image besserte der inzwischen zum Großvater gewordene Dulles mit zwei populären Büchern auf: Great True Spy Stories und Great Spy Stories from Fiction.

Es war dies die Zeit, als in Partnerdiensten langjährige Doppelagenten in hohen Positionen enttarnt worden waren. Die darauf einsetzende Suche nach einem hochrangigen Spion in den eigenen Reihen führte zu einem hausinternen Klima der Verschwörung, das die riesige Spionagebehörde lähmte.

Tod

Als Dulles im Januar 1969 auf dem Sterbebett lag, befand sich in seiner Reichweite Kiplings „Kim“. Das „Große Spiel“ ging für den Schattenkrieger friedlich zuende. Das Vermächtnis der Dulles-Brüder, der Kalte Krieg, überdauerte noch zwei Jahrzehnte. Die Verschlagenheit und Brutalität, mit welchen die Dulles-Brüder in vielen Ländern vorgegangen waren, hatten sich im Gedächtnis nicht nur der Betroffenen tief eingeprägt. Obgleich sich die CIA-Methoden langfristig nur selten bewährt hatten, behielt sie die Firma bei.

Präsident Nixon kommentierte Dulles Tod: „But because of him — the world is a safer place today.“ Mancher mag versucht sein, den ersten Teil des Satzes zu streichen.

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Zwei Jahrhunderte Rückstand im Spionagegeschäft


Die schmutzigen Tricks des Allen Dulles (Teil 3/4)

In den 50er Jahren versuchte die Regierung Eisenhower, andere Nationen durch verdeckte Operationen zu kontrollieren. Zum Kampf gegen den Kommunismus wurde Dulles ermächtigt, im Ausland Politiker und Militärs zu bestechen, Wahlen zu fälschen, zu verleumdenden Terrorismus zu inszenieren, fremde Staatschefs zu töten, Revolutionen zu steuern und verdeckte Kriege zu führen.

Teil 1: Über einen Täuschungskünstler, der die Welt zu seiner Bühne machte

Teil 2: Vom OSS zur CIA

„You have got to have a few martyrs. Some people have to get killed.“

> CIA-Chef Allen Dulles, 1953, freigegeben 2003

Als erster CIA-Direktor war 1947 Admiral Roscoe Hillenkoetter eingesetzt worden, dessen kurioseste Leistung im Schutz von Staatsgeheimnissen der Luftwaffe bestand. So waren Tests von geheimen Flugzeugen und Spionageballons aufgefallen, welche Beobachter für UFOs hielten. Die geheimnisgefährdende UFO-Forschung überwachte Hillenkötter später persönlich.

Foto:CIA educational materials

Covert Actions

Allen Dulles trat anfangs lediglich als Berater der CIA auf. Offizieller Leiter der „Abteilung für spezielle Operationen“ war ab 1948 OSS-Veteran, Wallstreet-Anwalt und Alkoholiker Frank Wisner. Zuvor hatte Wisner ein Jahr als CIA-Stationschef in Berlin fungiert, wo er gerade einmal einen einzigen Agenten geworben und während der Berlin-Blockade eine militärische Lösung vorgeschlagen hatte.

Als Cover für die Kontrolle des CIA-finanzierten „Radio Free Europe (RFE)“ rekrutierten Dulles und Wisner amerikanische Honoratioren wie die Herausgeber von Newsweek und der New York Times sowie den Filmproduzenten Cecil B. DeMille. Auch die US-Zeitungen sollten im Sinne der CIA berichten, die im Gegenzug kooperativen Journalisten Informationen zuspielte.

Im OSS-Stil wollte Wisner den Kommunismus durch per Fallschirm abgesetzte Agenten zurückdrängen, die Sabotage verüben und Untergrundorganisationen aufbauen sollten. Für die Planung dieser „Covert Actions“ waren George Kennan und James Forrestal verantwortlich. Forrestal nahm sich bereits 1949 in der Psychiatrie das Leben, auch Wisner wurde 1956 manisch depressiv und erschoss sich 1965, Kennan wurde Alkoholiker.

Fallschirmagenten

2005 wurden bislang geheime Akten freigegeben, welche das volle Ausmaß von Wisners Fallschirmagenten dokumentieren. Wisner rekrutierte in Westeuropa Kriegsflüchtlinge, die er im Schnellverfahren zu Agenten ausbilden ließ und in ihr Heimatland entsandte.

Einige sprangen direkt über Moskau mit dem Fallschirm ab, Hunderte über Albanien, Jugoslawien, den Karpaten und der Ukraine. Die meisten der Fallschirmagenten wurden bereits bei der Landung von den sie erwartenden gegnerischen Abwehrdiensten abgefangen, welche die CIA-Trainingslager in Deutschland längst mit eigenen Agenten infiltriert hatten.

Die ungebetenen Spione in Stalins Imperium erwartete der Tod. Eine wesentliche Ursache der Fehlschläge waren die Trinkgelage zwischen CIA-Abwehrchef James Jesus Angleton und seinem britischen Amtskollegen Kim Philby gewesen, bei denen Anglelton Details streng geheimer Operationen ausplauderte – die Doppelagent Philby sofort an das KGB weitergab.

Die CIA, die über 400 Millionen $ ihres Etats von 587 Millionen $ in Wisners sinnlose und kontraproduktive Covert Actions zu investieren pflegte, war in der Sowjetunion absolut blind. Als die Sowjets bereits 1949 überraschend die erste Atombombe gezündet hatten, glaubte die CIA zunächst an einen Propagandatrick.

Zwar hatte die CIA keine Information darüber, ob der Gegner über eine oder über tausend Atombomben verfügte, wohl aber offerierte man dem Präsidenten die beruhigende Nachricht, den Sowjets stünden die zum Transport der tödlichen Fracht erforderlichen Raketensysteme erst 1969 zur Verfügung. Bereits 1957 sollte Sputnik die USA überfliegen.

Während sich Wisner vergeblich um fähige Agenten hinter dem „eisernen Vorhang“ bemühte, führte er nicht einen einzigen Agenten dort, wo die USA am meisten welche benötigt hätte.

Korea

Der Koreakrieg traf die CIA 1950 völlig unvorbereitet, weshalb CIA-Chef Hillenkoetter gegen Eisenhowers früheren Stabschef General Walter Bedell Smith ausgetauscht wurde. Wisner rekrutierte Tausende Koreaner und Chinesen, die nach ihrer Schnellausbildung als Geheimagenten über Nordkorea abgesetzt wurden. Nicht einer kehrte lebend zurück.

Walter Bedell Smith. Foto: moscow.usembassy.gov

Nachdem CIA-gesteuerte Koreaner versehentlich das Schiff des südkoreanischen Präsidenten beschossen, wies auch dieser die CIA umgehend außer Landes. Die Spionageagentur gab hinsichtlich eines möglichen Kriegseintritts Chinas dem Präsidenten Entwarnung. Dieser sah sich plötzlich mit einer überraschend aufgetauchten 300.000 Mann starken chinesischen Streitmacht konfrontiert.

Erfolglos bemühte man sich um amerikanische Agenten, die gewillt waren, über China abzuspringen. Man versuchte es schließlich mit Chinesen, die wie ihre in Osteuropa eingesetzten Kollegen ihren Einsatz mit dem Tod bezahlten. Wisners im Schnellverfahren ausgebildeten Geheimkrieger, die vom Militär als Amateure bewertet wurden, stifteten allerhand Schaden, aber keinerlei Nutzen. Wisners Versuch, in Korea ein Spionagenetz aufzubauen, wurde zu einem lukrativen Nebenerwerb für CIA-eigene Märchenerzähler vor Ort. Von den tatsächlich geworbenen koreanischen Informanten stellten sich praktisch alle als umgedrehte Doppelagenten heraus.

Selbst Bedell Smith war der Ansicht, die CIA solle operative Aufträge dem Militär überlassen und sich stattdessen auf den Nachrichtendienst konzentrieren – bei dem die CIA noch immer keine Ergebnisse vorzuweisen hatte. Doch Wisner hatte eine starke Lobby.

Special Plans

Lobbyist Allen Dulles, der die Außenpolitik im Council of Foreign Relations beeinflusste, stänkerte in Memoranden an den Präsidenten gegen die seiner Ansicht nach schwache Führung der CIA.

Aufgrund des Totalversagens in Korea wurde der Kritiker auf einen eigens geschaffenen Posten in die CIA berufen. Seine als „Special Plans“ deklarierte Abteilung kümmerte sich in Wirklichkeit um die Covert Actions. Zwischen dem Befehlsstrukturen favorisierenden General und dem doppelzüngigen Anwalt waren Spannungen vorprogrammiert.

Der clevere Anwalt wusste Misserfolge ungleich besser zu verkaufen. Dulles schwadronierte gegenüber Mitgliedern des Kongresses von „CIA-Guerillas“ in Korea. Später, als Erfolge ausblieben, seien diese Guerillas wohl in Schwierigkeiten geraten oder umgedreht worden. In Wirklichkeit hatte es nie welche gegeben.

Den Phantomarmeen lieferte die CIA Waffen im Wert von 152 Millionen $ und sandte Hunderte von weiteren Fallschirmagenten, die entweder umkamen oder in jahrelange Kriegsgefangenschaft gerieten. Eine schließlich von der CIA gesponserte Armee eines Li Mi hatte schließlich vom Krieg genug und setzte sich ins „goldene Dreieck“ ab, um ein Drogenimperium aufzubauen.

Glaubt man Dulles’ 2003 freigegeben Worten von 1953, so hatte er sich nichts vorzuwerfen und würde jederzeit wieder entsprechend handeln.

Organisation Gehlen

Genauso wenig wie die CIA-Guerillas in Korea, existierte auch das „Spionagenetz“ des deutschen Generals Reinhard Gehlen hinter dem „Eisernen Vorhang“. Gehlen hatte seit dem Krieg unter US-Patronat den offiziell nicht existierenden deutschen Auslandsgeheimdienst „Organisation Gehlen“ aufgebaut, in dem zahlreiche nationalsozialistisch belastete Deutsche eine Bleibe fahnden. Die „Org“ gewann ihre Information durch Befragung von Kriegsheimkehrern und heimliche Postöffnungen.

Wie Wisner hatte Gehlen zahlreiche nach Deutschland verschlagene Osteuropäer zum Aufbau eines Spionagenetzes gen Osten geschleust, die nicht zuletzt dank hochrangiger Doppelagenten wie Heinz Felfe ebenfalls ins Verderben marschiert waren.

Gehlen war ein begnadeter Verschwörungstheoretiker, der zeitlebens fest davon überzeugt gewesen war, dass es keine zehn Jahre bis zur sowjetischen Invasion dauere. Mangels brauchbarer Quellen im Osten sog sich Gehlen die von Dulles nachgefragten Märchen aus den Fingern, was dem Westen ein maßlos übertriebenes Bild der militärischen Leistungsfähigkeit der Sowjetunion beschied.

Auch in den folgenden Jahrzehnten sollten sich die Org und ihr Nachfolger, der Bundesnachrichtendienst, als zuverlässige Lieferanten für aufblasbare Desinformation bewähren.

Strahlende Propaganda

Die Öffentlichkeit zu täuschen war in den 50er Jahren keine große Kunst. Die Regierung verbog sogar die Naturgesetze: Der amerikanischen Öffentlichkeit ließ man etwa durch prominente Wissenschaftsjournalisten einreden, Atombomben hinterließen keine Strahlung und verbreitete in einer Kampagne Optimismus, einen Atomkrieg durch Suchen von Deckung zu überleben, was jedoch gleichzeitig die Hysterie vor einem sowjetischen Angriff schürte.

Bei Atombombentests in Nevada fuhren gutgläubige Familien an das Testgelände heran, um Blitz und Druckwelle beim Barbecue zu genießen. Wer die konzertiert in den Medien propagandierte Meinung infrage stellte, wurde als „links“ oder „soft on comunism“ angesehen. Letzteres war auch Dulles Standardvorwurf, wenn jemand die Notwendigkeit seiner Aktionen hinterfragte.

Aufgrund spektakulärer Spionagefälle herrschte in den USA eine Hysterie vor russischen Agenten. Obwohl nicht einmal die CIA irgendwelche Informationen über Stalins Absichten hatte, wussten gute Amerikaner jedoch, wie mit den Kommunisten zu verfahren sei.

CIA-Chef Walter Bedell Smith vermochte Wisner und Dulles nicht nur nicht zu kontrollieren, er wusste nicht einmal, was die Beiden in der Welt so alles taten. Er beauftragte schließlich einen General mit einer Untersuchung der hauseigenen Aktivitäten – und war von den Ergebnissen schockiert.

So betrieb die CIA in Japan, Deutschland (Oberursel) und am Panamakanal geheime Gefangenenlager und entwickelte menschenverachtende Verhörmethoden. Seit 1950 hatte die CIA bei der Suche nach Wahrheitsdrogen mit LSD an Kriegsgefangenen experimentiert.

Westeuropa

Seit 1952 rekrutierte Wisner in Westdeutschland frühere Angehörige der Hitler-Jugend für den Aufbau einer geheimen „stay behind“ Armee, die sich im Fall eines sowjetischen Angriffs überrollen lassen und hinter den Linien Sabotage und Widerstand hätte organisieren sollen.

Etliche versteckte Lager für Waffen im Partisanenkampf wurden angelegt. Die sich nach einer früheren Organisation benennenden „Jungdeutschen“ glaubten, von „überwinterten“ Nazis geführt zu werden, während in Wirklichkeit die CIA die Fäden zog.

Einige liefen aus dem Ruder, indem sie Listen mit zu ermordenden kommunistischen und sozialdemokratischen Politikern führten. Nachdem sie mit der Abarbeitung der Liste begonnen hatten, flogen ganze Netzwerke auf, was einen Skandal auslöste, der jedoch nicht mit der CIA in Verbindung gebracht werden konnte.

Die Existenz der Gladio genannten geheimen Einzelkämpfer-Organisation blieb dem Bundestag bis zu den 90er Jahren unbekannt, als in diversen anderen NATO-Staaten Gladio-Einheiten aufflogen.

Ostberlin

Wisner hatte in Ostberlin das „Komitee freier Juristen“ ausfindig gemacht, das Kritik an der kommunistischen Führung übte. Wisner versuchte, die Gruppe zu bewaffnen. Da die Stasi nicht schlief, waren die freien Juristen umgehend alles andere als frei.

Als es 1953 in Ostberlin zum Arbeiteraufstand kam, war die CIA hiervon völlig überrascht. Für Pläne, die Dissidenten zu bewaffnen, war es zu spät.

Polen

Als vielversprechend präsentierte sich die polnische Untergrund-Organisation WIN, die mit der CIA kooperierte und erstklassige Informationen lieferte – so glaubte Dulles wenigstens und lieferte Spezialgerät und finanzielle Mittel in Millionenhöhe.

Tatsächlich war WIN eine seit 1947 andauernde Täuschungsoperation des polnischen Geheimdienstes, der auf diese Weise seine Gegner von Anfang an kontrollierte. Die Aktion wurde auf ihrem Höhepunkt in den polnischen Medien propagandistisch enthüllt.

Zu allem Überfluss hatte „WIN“ die Gelder der CIA an die italienischen Kommunisten weitergeleitet: Die CIA hatte den ideologischen Feind finanziert!

Stalin

Dulles, der bereits Hitler hatte liquidieren wollen, hatte auch auf Stalin ein Attentat geplant. Der sowjetische Diktator hätte bei einem Besuch in Paris erschossen werden sollen.

CIA-Chef Bedell Smith lehnte den Staatsmord ebenso ab wie Dulles Plan, die chinesische Regierung durch einen Flugzeugabschuss zu beseitigen.

Regierung Eisenhower

Bedell Smith gelang es nie, Wisner und Dulles unter Kontrolle zu bringen. Als Eisenhower 1953 die Präsidentschaftswahlen gewann, machte er seinen wichtigsten außenpolitischen Berater John Foster Dulles zum Außenminister, während Allen Dulles gegen vehementen Protest von Bedell Smith dessen Posten übernahm.

Mitbewerber Donovan kam nicht zum Zuge. Dessen zunehmend wunderliche Art wurde später als Geisteskrankheit erkannt, die zu Wahnvorstellungen über in New York einfallende Kommunisten führte.

CIA-Chef

Dulles Amtsantritt wurde vom Drama um seinen einzigen Sohn Allen Macy Dulles überschattet. Dieser hatte sich bislang vergeblich bei seinem Vater um Anerkennung bemüht und diese nun durch seinen freiwilligen Einsatz in Korea gesucht.

Der Spionagechef selbst hatte nie eine Uniform getragen oder wirklich sein Leben für sein Land riskiert. Sein Sohn erlitt in Korea eine schwere Kopfverwundung und bestritt seine restlichen Tage als apathischer Krüppel.

Während der spröde John Foster selbst bei seinen eigenen Mitarbeitern unbeliebt war, verstand es Allen mit seinem Charme, Kongressmitglieder und Ausschüsse zu manipulieren. Dulles verschaffte der CIA durch intensive Kontaktpflege mit prominenten Journalisten ein positives Image, obwohl nahezu keine Spionageerfolge vorzuweisen waren.

Die zahlreichen Desaster blieben praktischerweise Staatsgeheimnisse. Ebenso wie in den USA zementierte Dulles auch in Westdeutschland den Einfluss der CIA in den Medien. Als verlässlicher Partner wurde insbesondere der Verleger Axel Springer gerühmt. Für einen direkten Draht nach Deutschland sorgte Schwester Eleonor Dulles, die als „Mother of Berlin“ berühmt wurde.

Der junge Verleger, der wenig später die Bild-Zeitung erfinden sollte: Axel Springer Ende der 40er Jahre. Foto: dpa

Die Dulles-Brüder tauschten jede Nacht ihre Erkenntnisse aus und stimmten sich ab. Allen betrachtete sich als Werkzeug seines stets tonangebenden großen Bruders, des fanatischen Antikommunisten und Architekten des Kalten Kriegs – der fortan gelegentlich heiß werden sollte.

Da die CIA im Korakrieg noch immer keine Erfolge vorzuweisen hatte, war Dulles nun jedes Mittel hierzu recht. Entgegen den strengen US-Postgesetzten ließ er im New Yorker Flughafen die Briefe kontrollieren. Die benötigten Räume waren so eingerichtet, dass diese bei Auffliegen binnen Stunden ohne Spuren verlassen werden konnten.

MK Ultra

Sogar Hellseher ließ der Pastorensohn testen. Um Kriegsgefangene und potentielle Doppelagenten auf ihre Ehrlichkeit zu überprüfen, beauftragte Dulles den Militärchemiker Sidney Gottlieb mit der Perfektionierung von Wahrheitsdrogen, mit denen er bereits seit Kriegsende Menschenversuche an Kriegsgefangenen durchgeführt hatte.

Dulles wollte jedoch auch wissen, ob durch chemische, psychische und physische Manipulation Gehirnwäsche möglich sei. Der damals populäre Science Fiction-Roman „The Manchurian Candidate“, in welchem die Kommunisten Menschen ohne ihr Wissen zu Attentätern ausbildeten, die auf ein bestimmtes Codewort ihre programmierten Mordaufträge ausführten, inspirierte Dulles zu entsprechenden Forschungsaufträgen.

Im Rahmen dieses MK Ultra genannten Programms heuerte Dulles den damals prominentesten US-Zauberkünstler John Mulholland an, der Methoden entwickelte, wie CIA-Agenten ihren Gegner unauffällige Wahrheits-, Betäubungs- oder Morddrogen verabreichen könnten.

Dulles kannte wenig Skrupel: Die Drogen wurden nicht nur an Tieren und Kriegsgefangenen getestet, sondern auch an Amerikanern, denen etwa in einem inszenierten Bordell versetzte Drinks verabreicht wurden.

Das Programm wurde vom mysteriösen Tod des Militärbiologen Frank Olson überschattet, bei dem ein Taschentuch mit Mulhollands Initialen gefunden wurde.

MK Ultra wurde so geheim gehalten, dass weder der Präsident, noch Dulles Amtsnachfolger McCone später hierüber aufgeklärt wurden. Auch Zauberkünstler Mulholland nahm sein Geheimnis mit ins Grab.

Iran

Im Iran hatte der gewählte Premierminister Mohammad Mossadegh die anglo-britische Erdölgesellschaft verstaatlicht, die einseitig von den iranischen Bodenschätzen profitierte.

Mohammad Mossadegh. Foto: Wikimedia Commons

Als der britische Geheimdienst bei den Vorbereitungen eines Putsches durch General Zahedi aufgefallen war, bat Churchill die finanziell besser ausgestattete CIA um Hilfe, die er unter Verweis auf den britischen Beitrag im Koreakrieg einforderte.

Als Allen Dulles dem National Security Council den geplanten CIA-gesteuerten Putsch im Iran schmackhaft machen wollte, tischte er Geschichten über einen bevorstehenden kommunistischen Umsturz auf. Würde der Iran kommunistisch werden, fiele ein Staat nach dem anderen wie umfallende Dominosteine dem Kommunismus anheim. Die iranischen Ölfelder dürften keinesfalls in die Hände der Sowjetunion geraten.

In Wirklichkeit war Mossadegh Nationalist. Im Gegenteil hatte er die kommunistische Partei verbieten lassen, zuvor sogar selbst kommunistische Truppen vertrieben. Wohl um mit den USA zu pokern hatte er Verhandlungen mit dem sowjetischen Botschafter begonnen, was Dulles zur Untermauerung seiner Verschwörungstheorie benutzte.

Truman glaubte kein Wort und hoffte, Mossadegh durch Geld gefügig machen zu können. Dennoch wurde General Zahedi unterstützt. Kermit Roosevelt, Enkel des Ex-Präsidenten und seit Jahren CIA-Mann vor Ort, organisierte schließlich gemeinsam mit den Briten in der Operation Ajax terroristische Anschläge u.a. auf islamische Geistliche, die Mossadegh untergeschoben wurden.

Als Zahedi mit seinem Putsch losschlagen wollte, war der Plan bereits aufgeflogen und wurde im Rundfunk verkündet. Zudem stellte sich heraus, dass Zahedi nicht einen einzigen Soldaten unter sein Kommando gebracht hatte. Während sich Zahedi in einem CIA-Haus versteckt hielt, übernahm nun die CIA den Aufbau der Revolutionsarmee. In Flugblättern verleumdete man Mossadegh sowohl als Kommunisten als auch als Juden.

Die CIA bestach schließlich eine Vielzahl an politisch desinteressierten Iranern, die Mossadegh eine Revolte initiierten, die in einen Putsch mündete, der dreihundert Menschen das Leben kostete.

Während des Staatsstreichs hielt sich Dulles in einem Hotel in Rom auf – gemeinsam mit Shah Reza Pahlavi, der seinerzeit aufgrund von Wahlbetrug iranischer Staatschef gewesen und 1949 als Mandant von Sullivan & Cromwell von Dulles in die amerikanische Gesellschaft eingeführt worden war.

Pahlavi empfahl sich als künftiger Diktator. CIA-Mann Kermit Roosevelt war noch an einer Reihe ähnlicher Operationen beteiligt, bevor er in die Ölindustrie wechselte.

Guatemala

Ebenso wie im Iran war an Dulles bevorzugtem Urlaubsort ein ihm nicht genehmer Staatschef gewählt worden. Die Landwirtschaft Guatemalas wie die weiterer Länder der Region war bislang praktisch vollständig von der United Fruit Company (UFCO)kontrolliert worden, welche den Bauern ihr Land abgepresst und einseitig profitierten hatte, sich für die lokale Infrastruktur Guatemalas jedoch nicht verantwortlich fühlte.

Im Rahmen einer Bodenreform enteignete Präsident Jacobo Arbenz Guzmán die US-Firma und bot die Rückzahlung des einstigen Kaufpreises an. Die United Fruit Company, zu deren Aktionären etwa der Mafioso Meyer Lansky gehörte, wurde von Sullivan & Cromwell vertreten.

Der zum Kanzleichef aufgestiegene John Foster Dulles, selbst Aktionär der UFCO, sowie sein im Verwaltungsrat der UFCO sitzender Bruder, zugleich amtierender CIA-Chef, wollten sich derartiges nicht bieten lassen.

Zu den ersten Plänen gehörte Allen Dulles Vorschlag, den Kaffeeexport durch lancierte Gerüchte über einen Pilzbefall zu sabotieren.

Die CIA ließ den PR-Spezialisten Edward BernaysArbenz zum Kommunisten stilisieren:: und bildete „Revolutionskräfte“ aus, die nach Guatemala geschmuggelt wurden. Zur psychologischen Kriegsführung benutzte die CIA sowohl die einflussreiche katholische Kirche als auch Gangster und bestach hohe Militärs.

Die CIA lancierte 1954 Falschmeldungen über einen Währungsverfall, der zu Panikkäufen führen sollte und vermeldete schließlich die angebliche Kapitulation der Streitkräfte. Ein Millionär stellte der CIA Flugzeuge zur Verfügung, die mit Guatemalas Hoheitszeichen maskiert worden waren. Hiermit sollte eine übergelaufene Luftwaffe simuliert werden.

Stimmenimitatoren täuschten falsche Radionachrichten vor, die unter der Bevölkerung Panik auslösen sollten. Die irregeführten Soldaten ergriffen die Flucht – so jedenfalls stellte die CIA ihren coup d’etat dar, der zum Mythos wurde. Sogar Eisenhower gegenüber tischte Dulles das Märchen auf, der Putschist Castillo Armas hätte nur einen einzigen Mann verloren – tatsächlich waren es 43.

Der Erfolg der Mission beruhte nicht wirklich auf den gerühmten Täuschungsmanövern, sondern in erster Linie auf militärischer Gewalt und ein Quentchen Glück. „What we wanted to do was a terror campaign“ kommentierte CIA-Mann Howard Hunt.

Dulles nutzte die Gunst der Stunde, um das noch immer schwache Spionageressort der CIA aufzuwerten, und lancierte ein Märchen, das wieder mal ein Schiff betraf: Ein polnischer Agent hätte die CIA von dem schwedischen Frachter „Alfhem“ berichtet, der aus der Tschechoslowakei eine Ladung Waffen nach Guatemala exportiert hatte, die zur ultimativen Bedrohung hochstilisiert wurde.

Das Schiff habe während seiner Reise ab Europa unter CIA-Beobachtung gestanden. Entgegen der Darstellung vieler Geschichtsbücher erfuhren die USA in Wirklichkeit erst von dem Schiff, als es die Fracht bereits in Puerto Barrios gelöscht hatte. Dulles instruierte seine Mitarbeiter, zur Wahrung des Ansehens der CIA nachhaltig den eigenen Präsidenten zu belügen.

McCarthy vs. Dulles

Obwohl die CIA von der allgemeinen Hysterie vor den Kommunisten vital profitierte, wurde ausgerechnet der Verschwörungstheoretiker und Schweralkoholiker Senator Joseph McCarthy für die CIA zu einer ernsthaften Bedrohung: Frustrierte CIA-Leute hatten ihren Dienst quittiert und McCarthy über die Missstände informiert.

Der Senator forderte, die CIA nicht von der parlamentarischer Kontrolle auszunehmen und beschuldigte sie, kommunistisch unterwandert zu sein. Im Gegensatz zu den vielen Verleumdungen auf McCarthys berühmter Liste traf diese Anschuldigung tatsächlich zu, so etwa bei den zahlreichen im Ausland rekrutierten Doppelagenten.

Dulles, der nichts so sehr befürchtete wie Untersuchungen seiner illegalen Aktivitäten, sabotierte das Verhören seiner Leute, ließ „Joe“ in Gesellschaft wissen, dieser werde seine Leute nicht befragen und verwanzte McCarthys Büro. 2004 freigegeben Dokumenten zufolge spielte Dulles McCarthy Kuckuckseier zu und lancierte eine verdeckte Schmutzkampagne.

Schließlich intrigierte er erfolgreich bei Vizepräsident Nixon. Dulles hatte die Unantastbarkeit der nun niemandem Rechenschaft schuldigen CIA durchgesetzt, was selbst ihm wohl gesonnene Journalisten deutlich kritisierten. Es sollte zwei Jahrzehnte dauern, bis es zu effizienten parlamentarischen Untersuchungsausschüssen kam – nach Dulles Tod.

Chruschtschows Geheimrede

Als Stalin 1953 eines offenbar natürlichen Todes starb, hatte Dulles mangels Agenten im Osten nicht die geringste Ahnung, wer nun mit welcher Agenda in Moskau die Macht übernehmen würde.

Nachdem schließlich der neue Parteichef Nikita Chruschtschow im Kreml eine geheime Rede gehalten hatte, in welcher er den Stalinismus verurteilte, setzte Dulles alles daran, den Text zu bekommen.

Richard Nixon und Nikita Chruschtschow. Foto: archives.gov

Da die Russen im Spionagegeschäft zwei Jahrhunderte voraus waren, fehlten noch immer CIA-Quellen. Der ungleich besser vernetzten israelischen Geheimdienst half aus. Dulles lancierte die Rede in der Presse, welche den Text vor deren Freigabe durch den Kreml druckte. Zum Erstaunen von Dulles dementierte der Kreml die Rede nicht, rügte aber Ungenauigkeiten.

Dulles lancierte daraufhin gefälschte Versionen der Rede, welche Chruschtschow unglaubwürdig machen sollten. Nichts konnte der CIA schlimmeres passieren, als ihr Feindbild zu verlieren.

Die von Dulles zur Unzeit veröffentlichte Rede hatte den für die CIA unerwarteten Effekt, dass sich Dissidenten etwa in Polen zu Unruhen ermuntert sahen, die von Anfang an keine Chance hatten und blutig beendet wurden.

Chruschtschow betrachtete Dulles langfristig als seinen direkten Gegenspieler und schlug ihm einmal lakonisch vor, man könne sich doch die Spione teilen, dann müsse man sie nur einmal bezahlen.

Out of Control

Der Air Force Colonel Jim Kellys, Gründungsmitglied der CIA, sandte an Eisenhower einen Bericht über die Zustände in der CIA. So hatte Kellys herausgefunden, dass ein 1948 angeblich von Kommunisten ermordeter CBS-Reporter tatsächlich von rechtsgerichteten Kräften aus dem CIA-Umfeld umgebracht worden war.

Nachdem Kellis Eisenhower u.a. vom ganzen Ausmaß des Debakels mit WIN unterrichtet hatte, ließ der Präsident einen General eine Untersuchung durchführen. Viele CIA-Stationschefs hielten Dulles antikommunistischen Feldzug für zu emotional und beklagten die Verhältnisse in der nahezu unkontrollierten Organisation.

Dulles gelang es, den vernichtenden Report geheim zu halten, sogar vor Wisner. Parlamentarische Untersuchungskommissionen schüchterte er stets mit „Let’s not have another Pearl Harbour“ ein – obwohl sein Spionageapparat in Moskau nicht einen einzigen wertvollen Agenten hatte, der nicht sofort aufgeflogen war.

Eisenhower selbst sandte drei Vertrauensleute, welche die CIA gründlich untersuchen sollten. Da Dulles nach dem „need to know“ Prinzip verfuhr, vermochte er die verdeckten Operationen weitgehend geheim zu halten.

Doppelter Boden

Dulles benötigte dringend Erfolge und setzte nun zunehmend auf technische Aufklärung. Bereits seit 1949 hatten die Briten in Wien unter der russischen Botschaft einen geheimen Tunnel gegraben („Operation Silver“), um die Telefonleitungen anzuzapfen. Die westlichen Geheimdienste waren von den gewonnenen Erkenntnissen ebenso beeindruckt wie das KGB, dem der Doppelagent George Blake dieselben umgehend geliefert hatte.

In Berlin wollte man einen ähnlichen Coup landen, in dem man gemeinsam mit den Amerikanern einen Tunnel unter einen im Ostsektor befindlichen Telefonknotenpunkt grub. Diese von Dulles genehmigte und von dem Alkoholiker William K. Harvey durchgeführte „Operation Gold“ beanspruchte ein Höchstmaß an Tarnung, um die Bauarbeiten zu kaschieren.

Die zahlreichen Auswerter eingerechnet, beschäftigte das Projekt 350 Mitarbeiter. Aufgrund des von der Abhörelektronik erwärmten Bodens hätte der über dem Tunnel geschmolzene Schnee beinahe die Aktion enttarnt. Dies wäre jedoch nicht erforderlich gewesen, denn auch diesen Tunnel hatte Blake vor dem ersten Spatenstich verraten.

Im Rahmen einer perfekt inszenierten Propaganda-Kampagne wurde der Tunnel nach 11 Monaten 1956 schließlich „zufällig bei Wartungsarbeiten gefunden“ und zeitlich geschickt von Chruschtschow der Weltöffentlichkeit präsentiert, wobei der Desinformationsexperte aus taktischen Gründen die britische Beteiligung verschwieg und einzig der CIA diesen klaren Bruch Völkerrechts anlastete. (Das Tunnelbauen konnten die Amerikaner auch Jahrzehnte später nicht lassen.)

Darüber, warum das KGB die Abhöraktion so lange gewähren ließ und dabei den Verlust wertvoller Geheimnisse in Kauf nahm, ist viel spekuliert worden. Während oft vermutet wurde, das KGB habe die CIA mit Desinformation gefüttert und aufgrund der Vielzahl an Informationen die Auswertung blockiert, vertreten manche Historiker die Auffassung, man habe den antikommunistischen Verschwörungstheoretikern auf dieses Weise ein realistisches Bild der Sowjetunion aus erster Hand angeboten.

Die CIA fand nicht den geringsten Hinweis auf einen sowjetischen Angriffskrieg. Dies hinderte Dulles jedoch nicht, weiterhin deren Kampfkraft und Angriffslustigkeit maßlos zu übertreiben. Von der Furcht vor dem Fulda Gap profitierte vor allem die Rüstungsindustrie.

U2

Unter größter Geheimhaltung, insbesondere innerhalb der CIA, ließ Dulles zeitgleich zur Tunnelmission allerhand Fluggeräte für die Luftspionage über der Sowjetunion konstruieren. Bereits seit Kriegsende hatten die USA völkerrechtswidrig systematisch sowjetischen Luftraum überflogen.

Schließlich wurde ein Höhenaufklärer namens U2 realisiert, der für die damalige sowjetische Luftabwehr unerreichbar war. In die Existenz der U2 waren im Weißen Haus nur sechs Personen eingeweiht worden.

Die USA bestritten die Überflüge und taten sowjetische Beschwerden als Feindpropaganda ab. Chruschtschow bot den USA spöttisch an, ihnen soviel Luftbilder wie sie wollten zur Verfügung zu stellen. Ebenso wie der Spionagetunnel brachte die Luftauswertung keine Erkenntnisse über einen drohenden Angriffskrieg.

Im Gegenteil hatten die Russen als Kriegsbeute Schienenstränge aus Ostdeutschland herausgerissen und nach Sibirien verfrachtet. Im Falle einer Invasion hätten der schienenbasierten Roten Armee erforderliche Versorgungslinien gefehlt.

Japan

Kishi Nobusuke (1956)

Glück beim Nation-Building widerfuhr der CIA in Japan. Dort gelang es, den japanischen Politiker Kishi Nobusuke aufzubauen. Ausgerechnet der Mann, der die Kriegserklärung an die USA unterzeichnet und wegen Kriegsverbrechen inhaftiert gewesen war, wurde der erfolgreichste japanische CIA-Agent: Kishi bekleidete Ende der 50er Jahre zweimal das Amt des Regierungschefs. Bis 1970 finanzierte die CIA die japanische Regierungspartei.

Ungarn

Als es 1956 in Ungarn zu Unruhen kam, trat Dulles’ Radio Free Europe RFE auf den Plan. Wie erst etliche Jahrzehnte später freigegebene Protokolle beweisen, ermutigte RFE die Aufständischen vor und während der Revolte und verbreitete, der Aufstand werde von 80% der Bevölkerung getragen.

RFE erklärte die Handhabung von Molotow-Cocktails und versprach Waffen sowie militärischen Beistand. Tatsächlich aber hatten die USA nicht die Absicht, einzugreifen. Moskau fügte sich in das von den Dulles-Brüdern gezeichnete Bild des machtgierigen Aggressors und beendeten den Aufstand mit Panzern. Das Vertrauen der Ungarn in die CIA-Propaganda kostete über 3.000 Menschen das Leben.

In 75 Tage um die Welt

1956 unternahm Dulles mit seiner Frau eine ausgedehnte Weltreise, die als „bekannteste Geheimmission“ CIA-Geschichte schrieb. Mit einem CIA-Flieger besuchte er allerhand Länder, wo der mächtige Mann wie ein Staatsoberhaupt empfangen wurde.

Waren normale Spione im Allgemeinen eher für Diskretion bekannt, so liebte der verhinderte Außenminister Allen Dulles seine Präsenz in den Medien. Statt die CIA-Zentrale zu tarnen setzte Dulles gegen interne Widerstände sogar Hinweisschilder durch. Seine CIA sollte Glanz und patriotischen Stolz versprühen.

Ägypten

Der zunächst kooperative Nasser hatte in Ägypten CIA-Bestechungsgelder u.a. in den Bau eines Minaretts investiert, das er gegenüber dem Nil Hilton platzierte. Nachdem Nasser den Suezkanal verstaatlicht hatte, stellte sich der britische Geheimdienst eine Lizenz zum Töten Nassers aus.

Dulles wollte Nassers Zigaretten vergiften. Eisenhower hingegen favorisierte eine langfristige Kampagne gegen Nasser, zumal dieser mit der Sowjetunion sprach. Ohne das geringste von der CIA vernommene Anzeichen griff eine britisch-französisch-israelische Allianz Ägypten an. Nicht einmal über die Pläne befreundeter Nationen vermochte Spionageromantiker Dulles seinen verdutzten Präsidenten zu informieren.

Syrien

In Syrien hatte die CIA 1949 einen Staatschef eingesetzt, dessen sich die Ba’th-Partei und die kommunistischen Partei vier Jahre später entledigten. 2003 bekannt gewordene Dokumente des damaligen britischen Verteidigungsministers belegen detailliert, wie die CIA und das britische SIS 1957 versuchten, Syrien als „Sponsor von Terrorismus“ zu diskreditieren, indem sie „national conspiracies“ und „strong armed activities“ in Jordanien, Libanon und Irak verübten, die einer syrischen Moslemischen Bruderschaft angelastet werden sollten.

Der Anschein von Instabilität sollte die Stabilität schwächen. Ein als Diplomat akkreditierter CIA-Mann versuchte, syrische Offiziere zu kaufen. Der auf der Todesliste stehende syrische Geheimdienstchef war der CIA jedoch einen Schritt voraus. Die Offiziere nahmen das Geld freundlich an und präsentierten den Anwerbeversuch im Fernsehen.

Irak

Auch beim irakischen Staatschef Abd al-Karim Qasim, der 1958 gegen das pro-britische irakische Königshaus geputscht hatte, konnte Dulles nicht ausschließen, dass dieser eines Tages dem Kommunismus huldigen würde. Um ihm diese Versuchung zu ersparen, versuchte er erfolglos, Qasim ein mit Sporen verseuchtes Taschentuch aus der MK Ultra-Giftküche zuzuspielen.

Schließlich vergab die CIA den Mordauftrag an externe Fachleute der Ba’th-Partei, die das Vorhaben nach mehreren Anläufen jedoch erst 1963 auszuführen vermochten. Einer der 1958 geworbenen CIA-Mordagenten sollte es 1979 zum Staatschef bringen, bis ihm die USA seine Position 2003 wieder entrissen.

Indonesien

Selbst Vizepräsident Nixon hatte gegenüber der CIA konstatiert, dass der indonesische Präsident Sukarno kein Kommunist war – genauso wenig wie Mossadegh oder Abenz. Da Sukarno jedoch gegenüber Moskau und Washington gleichermaßen Neutralität wahren wollte und Indonesien über beachtliche Erdölvorkommen verfügte, erkannte Dulles eine nicht zu tolerable Anfälligkeit für Kommunismus.

Im örtlichen Leiter der CIA-Station, einem Kolonialisten und Alkoholiker, fand Dulles wieder einen geeigneten Verschwörungstheoretiker, der die gewünschten Einschätzungen lieferte. Hinzu kam, dass sich die blockfreien Staaten 1955 in einer Konferenz anschickten, miteinander zu kooperieren.

Dem National Security Council, der derartigen „Kommunismus“ nicht dulden konnte, gab Dulles in 2003 veröffentlichten Dokumenten eine Card Blanche. Obwohl die CIA Sukarnos politischen Gegner finanzierte, gewann Sukarno die folgende Wahl haushoch, während etwa die indonesischen Kommunisten nur geringe Erfolge erzielten.

Obwohl der US-Botschafter die CIA darüber informierte, dass das indonesische Militär loyal hinter Sukarno stand, beschlossen die Dulles-Brüder, die „kommunistische Bedrohung“ durch den Aufbau einer „Revolutionsarmee“ zu beenden.

Obwohl die Pläne an die Öffentlichkeit gelangt waren, schmuggelte die CIA 1958 Waffen ein. Sukarnos antikommunistisch eingestellten Offiziere, die zuvor selbst in den USA ausgebildet worden waren und sich als „Söhne Eisenhowers“ bezeichnet hatten, entdeckten und bombardierten Eisenhowers CIA-Armee. Ein „Sohn Eisenhowers“ erhielt sogar von einem nicht über den Geheimkrieg informierten US-Major auf Anfrage benötigte Landkarten.

Da die „Rebellen“ dringend militärische Unterstützung benötigten, die Operation von den USA jedoch plausibel abzuleugnen sein musste, sandte Dulles polnische Bomberpiloten, die seit den Albanienmissionen für die CIA flogen. Durch die dann tatsächlich abgeschossenen Piloten wurden die USA auf diese Weise nicht kompromittiert.

Entgegen Eisenhowers ausdrücklichem Befehl setzte Dulles dennoch einige US-Kampfpiloten ein, die die Schiffe versenkten. Der amerikanische Pilot Al Pope wurde abgeschossen und stand inklusive seiner geborgenen Einsatzpläne als lebender Zeuge für die Machenschaften der USA zur Verfügung. (Als sich der spätere Diktator Sukarno der Sowjetunion annäherte, sollte die CIA 1967 eine zweite Chance bekommen.)

Dulles hatte seinen Chef erneut gründlich blamiert. Ein ähnlich peinlicher Absturz sollte sich bald wiederholen – unter ungleich delikateren Bedingungen. Trotz Kritik konnte Dulles sich und die Zuständigkeit für verdeckte Aktionen halten. Der inzwischen depressiv gewordene Wisner wurde gegen den Leiter des U2-Programms, Richard Bissell, ausgetauscht.

Als Außenminister John Foster Dulles 1959 verstarb, schmälerte dies den politischen Einfluss des kleineren Bruders empfindlich. Dieser adaptierte die Rolle des harten Antikommunisten nun erst recht.

Kongo

Auch im Kongo hatte 1960 ein Politiker geglaubt, ein an Bodenschätzen reiches Land ohne den Bündnispartner USA selbstbestimmt regieren zu dürfen. Patrice Lumumba, der sich ebenfalls nie als Kommunist gesehen hatte, schickte sich an, ein afrikanischer Fidel Castro zu werden, zumal er mit Moskau sprach.

Selbst nach einem Staatsstreich unter CIA-Protektion schien der Gestürzte noch mächtig zu sein. Um sicher zu gehen, dass Lumumba nicht dem Kommunismus anheim fiel, schlug Pastorensohn Dulles dem Präsidenten und dem inzwischen eingerichteten Watchdog-Komitee die Liquidierung vor, welche verklausuliert akzeptiert wurde.

Dulles wies seinen Giftmischer Sydney Gottlieb aus dem MK Ultra-Programm an, Lumumbas Ermordung vorzubereiten. Der Name der Operation „Wizard“ (Zauberer) schien auf Mulholland anzuspielen.

Die CIA versuchte erfolglos, diverse mit Kontaktgiften kontaminierte Gegenstände wie Zahncreme, Frühstück, Kondome usw. zu lancieren. Die Tricks erwiesen sich nicht als praxistauglich. Lumumba wurde schließlich von seinen politischen Gegnern im Beisein von CIA-Leuten ermordet und die Leiche in Säure aufgelöst.

Dominikanische Republik

Der US-freundliche Diktator Rafael Trujillo hatte sich zwar als zuverlässiger CIA-Partner erwiesen, war jedoch wegen massiver Menschenrechtsverstöße und einem Attentat auf den venezolanischen Präsidenten nicht mehr tragbar gewesen. Bevor jemand anderes auf die Idee eines Putsches kommen konnte, besorgte dies die CIA.

Daraufhin wurden Waffen zunächst an die US-Botschaft geliefert. Einige hatten jedoch Bedenken, wie die Reaktion bei Bekannt werden amerikanischer Beteiligung ausfallen würde. Bis heute ist unklar, mit wessen Gewehren Trujillo zwei Wochen später sein Ende fand.

Sowjetunion

Nach Annäherung mit Chruschtschow in Camp David wollte Eisenhower das Klima vor dem bevorstehenden Pariser Friedensgipfel nicht durch weitere Flüge der U2 gefährden. Der Leiter des Programms, Richard Bissell, wollte zunächst auf ausländische Spionagepiloten zurückgreifen.

Schließlich ignorierte er einfach das Ansinnen und ließ ohne Wissen von Dulles die U2 sogar Moskau überfliegen. Für den Fall eines Absturzes über Feindgebiet hatten die U2-Piloten den Befehl, sich selbst zu töten. Als Cover-Story sollte die U2 als wissenschaftliches Forschungsflugzeug der NASA ausgegeben werden.

Als 1960 eine U2 vermisst wurde, versicherte Dulles dem Präsidenten, der Pilot könne aus dieser Höhe einen Absturz unmöglich überlebt haben. Eisenhower reiste Tage später zum Friedensgipfel nach Paris, wo er das angebliche Spionageflugzeug ableugnete.

Die Blamage war perfekt, als der abgeschossene Pilot Gary Powers lebend nebst geborgenen Einsatzplänen präsentiert wurde. Chruschtschow ließ den Gipfel platzen.

Militärisch-Industrieller Komplex

Die Erkenntnisse von Dulles Spionageagentur über die Sowjetunion hielten sich in überschaubaren Grenzen. So schätzte die CIA 1960 die Anzahl der auf die USA gerichteten sowjetischen Atomraketen auf 500 Stück. Tatsächlich waren es vier.

Im Januar 1961 hielt jemand im amerikanischen Fernsehen eine merkwürdige Rede. Er warnte die Nation vor einem militärisch-industriellen Komplex und einem unheilvollen Anwachsen unbefugter Macht, welche die demokratischen Prozesse gefährde.

Der Redner war nicht etwa ein kommunistischer Verschwörungstheoretiker – er war der scheidende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Teil 4: Von Kuba über Kennedy bis Vietnam

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Die schmutzigen Tricks des Allen Dulles (Teil 2/4)


Die schmutzigen Tricks des Allen Dulles (Teil 2/4)

Der ehemalige Diplomat und Wallstreet-Anwalt Allen Dulles versuchte sich während des Zweiten Weltkriegs persönlich als Geheimagent im neutralen Bern. Von dort knüpfte der Europakenner Kontakte zum deutschen Widerstand und rekrutierte Agenten. Nach dem Krieg beriet er die Regierung beim Aufbau eines neuen Geheimdienstes.

Teil 1: Über einen Täuschungskünstler, der die Welt zu seiner Bühne machte

Zu Beginn seiner Arbeit sammelte das OSS alles, was an Informationen über Deutschland zu erhalten war und befragte hierzu Emigranten, Seeleute und sonstige Reisende. Man legte einen Fundus an deutschen Kleidungsstücken an, damit sich Agenten nicht etwa durch einen auf amerikanische Weise angenähten Knopf verrieten. Auch Dulles beteiligte sich monatelang unter größter Geheimhaltung auch seiner Familie gegenüber am Aufbau der Organisation. Schließlich wurde entschieden, in der neutralen Schweiz eine Anlaufstelle des OSS für Informanten zu eröffnen. Aufgrund seiner europäischen Kontakte und seiner Sachkenntnis kam für die Leitung kaum jemand anderes als Dulles infrage.

Bern

Als offenbar letzter Amerikaner reiste Dulles legal in die Schweiz ein, wobei er das besetzte Vichy-Frankreich durchqueren musste. Dulles Anwesenheit und Funktion waren vor Ort ein offenes Geheimnis, was sich als nützlich für Informanten erwies, welche nach einem Ansprechpartner suchten. Um Überläufern sympathischer zu wirken kleidete sich Dulles ortsüblich und schlichter ein, als es dem Status eines Wallstreet-Anwalts gebührt hätte. Da allerhand Deutsche aus unterschiedlichen Gründen die Schweiz bereisten, brauchte sich Dulles – Codename „110“ – nicht ins Feindesland zu bewegen. Die Gestapo rechnete nicht damit, dass ein hochrangiger Geheimdienstler eine Reise nach Europa riskieren würde und vermutete Wirtschaftsspionage als Grund für Dulles Anwesenheit. Tatsächlich dürfte Dulles am Finanzplatz Schweiz auch diskrete Angelegenheiten für Sullivan & Cromwell-Kunden geregelt haben. Selbst nach Kriegseintritt belieferten amerikanische Sullivan & Cromwell-Mandanten wie Standard Oil Deutschland mit kriegswichtigen Gütern, was einigen später Anklagen wegen Verrats einbrachte, etwa 1942 Dulles Freund Prescott Bush. Die Geschäfte waren so pikant, dass Dulles dem späteren Abwehrchef der CIA James Jesus Angleton zur Auflage machte, ihn und viele seiner Geschäftspartner niemals über diese Angelegenheiten zu verhören.

Prescott Bush. Foto: U.S. Congress

In Bern ging Dulles ein Verhältnis mit der lebenslustigen Mary Anne Bancroft ein, die zum Freundeskreis Psychologen C.G. Jung gehörte. Jung („Agent 488“) wurde ein wichtiger Ratgeber und machte 1945 etwa Eisenhower zugeleitete Vorschläge, wie die Deutschen psychologisch von der Zwecklosigkeit des Widerstandes gegen die Alliierten bewegt werden könnten. Bancroft führte Dulles in die Berner Gesellschaft ein und klärte den puritanischen Pastorensohn über die Natur seiner ersten Informanten auf: Der erste Agentenring, zu dem der konservative Dulles Kontakte geknüpft hatte, bestand aus einem Netzwerk homosexueller Männer der europäischen Oberschicht, die an konspiratives Verhalten gewohnt waren.

Die weitreichenden Kontakte der Sullivan & Cromwell-Familie ermöglichten Dulles Zugang sowohl zu Mitgliedern der Vichy-Regierung als auch zum gaullistischen Widerstand. Kontakte zu den französischen Kommunisten im Untergrund, die mit ihm selbst kaum gesprochen hätten, verschaffte er sich durch einen vorgeschobenen Mittelsmann. Bezüglich der deutschen Hitler-Gegner erwies sich der gut vernetzte Geschäftsmann Gero von Schulze-Gaevernitz als hilfreich, der in Bern als Dulles rechte Hand fungierte.

Dulles Spionagetätigkeit in Bern war an sich illegal, wurde aber von den Behörden nicht beanstandet, weil diese insoweit den Überblick wahren konnten. Wenn der Amerikaner allerdings in einer Sprache telefonierte, welche die Schweizer nicht verstanden, brach schon einmal die Leitung zusammen.

Eduard Schulte

Einer der ersten wichtigen Sullivan & Cromwell-Kontakte war der deutsche Industrielle Eduard Schulte, seinerzeit Wehrwirtschaftsführer, der u.a. von einem Besuch Himmlers in einem Lager in Auschwitz berichtete. Nunmehr bestand Gewissheit, dass die Nazis ihren Vernichtungswillen gegen die Juden, der bislang von vielen als propagandistisches Gerede abgetan worden war, tatsächlich in industriellem Stil in die Tat umsetzten. Die Reaktion auf den begonnenen Holocaust blieb jedoch verhalten. Zu geheimen Kommandoaktionen im OSS-Stil sah man sich nicht veranlasst. Auch von der Geheimwaffe V2 wusste Schulte zu berichten. Aufgrund nachlässiger Codierung der Funksprüche wurde Schulte von der Gestapo als Verräter enttarnt, konnte vor dem Zugriff jedoch noch rechtzeitig gewarnt werden.

Dulles hatte gehofft, Schulte nach dem Krieg als deutschen Politiker aufbauen zu können. Dessen Vergangenheit sollte sich jedoch als zu belastet erweisen. Schulte war in Geschäfte mit Zwangsarbeitern in schlesischen Mienen involviert gewesen, mit denen man auch Dulles Mandant Prescott Bush in Verbindung brachte.

Hans Bernd Gisevius

Der in Zürich stationierte Agent des deutschen Geheimdienstes „Abwehr“, Hans Bernd Gisevius nahm mit Dulles Tuchfühlung auf. Als Gisevius in einem Abwehr-Bericht über einen geheimen Besuch eines Deutschen mit den Initialen „HBG“ bei Dulles las, konnte dessen Koch als deutscher Spion ausgemacht werden. Gisevius klärte Dulles darüber auf, dass seine Codes geknackt waren und verschaffte ihm Kontakt zum Widerstand im deutschen Militär.

Hans Bernd Gisevius

Washington war von Dulles sonstigen Informationen wenig begeistert. Insbesondere Dulles Prognosen erwiesen sich oft als falsch, etwa die Fehleinschätzung, Hitler würde 1943 keinen Russlandfeldzug wagen. Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass Dulles die psychologische Wirkung des Bombenkrieges auf die deutsche Zivilbevölkerung als viel zu gering beurteilt hatte. Dulles Ruf wurde jedoch überraschend von einem Selbstanbieter gerettet.

Fritz Kolbe

Ein Mitarbeiter des auswärtigen Amtes in Berlin war zu dem Schluss gekommen, dass der Krieg und das Hitler-Regime so schnell wie möglich beendet werden müssten – mangels Alternativen durch Verrat der eigenen Leute. Auf einer Dienstreise nach Bern schmuggelte er eine Vielzahl an Geheimdokumenten, in dem er sie mit Bindfaden um seine Schenkel schnürte, damit sie keinen Abdruck unter seiner Kleidung hinterließen. Aus eigenem Antrieb bot Fritz Kolbe sein Material der britischen sowie der amerikanischen Botschaft an, die ihn jedoch als möglichen deutschen Doppelagenten und Provokateur abtaten. Als letzte Anlaufstelle nannte man ihm Dulles Büro. Nach anfänglicher Skepsis war Dulles jedoch überwältigt von der Menge der Dokumente, die Kolbe im Akkord abgeschrieben hatte.

Fritz Kolbe. Foto: U.S. Government Archives

Kolbe wollte sich seinen Verrat nicht bezahlen lassen und akzeptierte auf Drängen von Dulles lediglich Spesen wie etwa für Schweizer Schokolade, welche er einer Berliner Beamtin mitbrachte, die ihm nicht zuletzt deshalb weitere Reisen in die Schweiz genehmigte. Kolbe, der Jahrzehnte lang nur unter seinem Agentenpseudonym George Wood bekannt war, lieferte unter Lebensgefahr nicht weniger als 1.600 Geheimdokumente aus dem Außenministerium und gilt als der möglicherweise wichtigste Spion des Zweiten Weltkriegs. Es war Kolbe, der vor jenem deutschen Spion namens „Cicero“ in der Britischen Botschaft in Ankara warnte.

Ein großes Problem stellte die Menge von Kolbes geliefertem Material dar, die es nach Washington codiert zu übermitteln galt. Tragischerweise erkannte das OSS zunächst nicht die Qualität des Materials, da es im Widerspruch zu den Erkenntnissen anderer scheinbar besserer Quellen stand und man es daher für lancierte Desinformation hielt. Erst der britische Geheimdienstmann (und russische Doppelagent) Kim Philby bestätigte durch Abgleich mit entschlüsselten deutschen Funksprüchen die Echtheit von Kolbes Dokumenten.

Valkyrie

Im März 1943 nahmen auch konservative Deutsche, die vor allem eine sowjetische Diktatur fürchteten, Kontakt zu Dulles auf, etwa Carl Friedrich Goerdeler. Geplante Mordanschläge auf Hitler sowie der Vorschlag, sich nach einem Putsch mit Deutschland zu verbünden und stattdessen gemeinsam gegen die Sowjets zu kämpfen, waren Dulles nicht unsympathisch. So hatten etwa die Amerikaner und Briten den Sowjets verschwiegen, dass sie den Code der deutschen Verschlüsselungsmaschine Enigma gebrochen hatten, und ihnen bei den verlustreichen Kämpfen im Osten insoweit keine Hilfe geboten.

Roosevelt jedoch akzeptierte einzig eine bedingungslose deutsche Kapitulation. Dulles vehement vertretene Gegenansicht, diese Politik führe für das Land und jeden einzelnen Deutschen in die Katastrophe, interessierte Washington nicht. Während auch Churchill eine bedingungslose Kapitulation forderte, war dies nicht die Position Moskaus gewesen. Seine zunehmend hochrangigen deutschen Gästen scheint Dulles nicht für eine bedingungslose Kapitulation gewonnen zu haben. Die Chance, den Krieg um über ein Jahr zu verkürzen, wurde vertan. Beim gescheiterten Attentat vom 20. Juli war Dulles nur Zaungast.

Falschspieler

Die wesentlichsten nachrichtdienstlichen Erkenntnisse wurden im Zweiten Weltkrieg nicht von klassischen Spionen gewonnen, sondern durch Luftaufklärung und Funkentschlüsselung. In den letzten Kriegsjahren spielten insoweit geheimdienstliche Desinformationsmanöver und Kriegslisten eine zunehmend größere Rolle. Der britische Geheimdienst hatte im eigenen Land fast alle deutschen Agenten heimlich enttarnt und spiegelte durch koordiniert simulierte Agentenfunksprüche den deutschen Aufklärern ein falsches Lagebild zu.

Das gleiche Spiel vollführte der deutsche Geheimdienst „Abwehr“ in den besetzten Niederlanden, wo ebenfalls fast alle Funkagenten des dortigen Widerstands „umgedreht“ worden waren. Um London eine noch existierende niederländische Widerstandsbewegung vorzutäuschen verübte die Abwehr Anschläge auf eigene Objekte wie Schiffe und Funkmasten. Alliierte Agenten, die sich mit den vermeintlichen Widerständlern treffen wollten, gingen in die Falle.

Um von der geplanten Landung in der Normandie abzulenken wurden in einer intensiven Desinformationskampagne Vorbereitungen für eine scheinbare Landung in Calais vorgetäuscht, etwa durch Attrappen von Lastenseglern und geschäftigen Rüstungsbetrieben, welche die deutsche Luftaufklärung in die Irre führen sollten, sowie durch gestreute Gerüchte in ausländischen Zeitungen. Auch das deutsche Militär imitierte etwa ganze Flughäfen und tarnte die Originale, um alliierte Bombardements fehlzuleiten.

Um von Berlin abzulenken inszenierte man Bauarbeiten an einer „Alpenfestung“, in welche scheinbar die deutsche Staatsleitung verlegt worden sei. Bei der Ardennenschlacht waren sich auch die an Materialknappheit leidenden deutschen Generäle für keinen schäbigen Trick zu schade: So maskierten sich Regimenter mit scheinbaren US-Uniformen, um sich zu Überraschungsangriffen an alliierte Verbände anzuschleichen. Absolute Geheimhaltung, Funkstille und Funktäuschungen waren wesentliche Faktoren, welche die unsausweichliche Niederlage jedoch nur verzögern sollten.

Cianos Bücher

In der Schweiz traf auch Mussolinis Tochter ein, deren Mann Graf Galeazzo Ciano bei ihrem Vater in Ungnade gefallen und gerade exekutiert worden war. Ciano war Zeuge der Geheimgespräche zwischen Mussolini und Hitler gewesen, worüber er ausgiebig Tagebuch geführt hatte. Die Comtesse Ciano schmuggelte auf ihrer Flucht die Tagebücher, indem sie sich die Fracht um den Bauch band und so eine Schwangerschaft vortäuschte.

Eine Veröffentlichung der von Dulles besorgten Dokumente wäre für die psychologische Kriegsführung von hohem Wert gewesen, jedoch konnte über die Abdruckrechte erst eine Einigung erzielt werden, als der Krieg bereits beendet war.

Bei der Landung in Italien kooperierten die Amerikaner mit örtlichen Mafiaclans, wobei man sich hierzu der Kontakte von in den USA inhaftierten Mafiosi bediente, die zu Vermittlungszwecken unkonventionell freigelassen wurden.

Operation Sunrise

In den letzten Kriegstagen hatte Dulles unter höchster Geheimhaltung die hohen SS-Leute Karl Wolff und Walter Rauff empfangen, deren Kontakte er für den von Dulles längst geplanten Kampf gegen die Sowjets rekrutierte – die eigentlich noch Verbündete waren. Wolff, der direkt Himmler unterstand und persönlich für den Mord an 300.000 Juden verantwortlich gewesen war, wurde von Dulles zum „Dissidenten“ stilisiert und konnte 17 Jahre unbehelligt als Waffenexporteur prosperieren. Rauff, der u.a. für die Morde durch „Gaswagen“ verantwortlich gewesen war, konnte nach Chile entkommen. Dulles ersparte vielen seiner späteren Kooperationspartner die Haft in Internierungslagern, wie sie etwa sein später wichtigster Mann General Reinhard Gehlen erdulden musste, sowie Gerichts- und Entnazifizierungsprozesse. Nicht wenige Historiker betrachten die Operation Sunrise genannte Geheimaktion als den Beginn des Kalten Krieges.

Karl Wolff

Ende des OSS

Wie bereits nach dem Ersten Weltkrieg reiste Dulles ins nun zerstörte Berlin. Wie Donovan wollte er den im Krieg improvisierten Geheimdienst in Friedenszeiten fortführen. Doch das OSS hatte weder die Militärs, noch die Partnerdienste überzeugt. Die Rivalität zwischen dem erfahrenen britischen Geheimdienst und den Wallstreetcowboys hatte seltsame Blüten getrieben. Während die dem Pentagon angegliederte erfolgreiche Signalspionage der damals absolut geheimen NSA fortgeführt wurde, waren die Erkenntnisse aus der klassischen Spionage des OSS schwach geblieben.

Von den geknackten japanischen und deutschen Funksprüchen hatte man das vom Gegner schnell infiltrierte OSS von Anfang an ferngehalten. Als Japan 1943 den Versuch des OSS bemerkte, aus der Botschaft in Lissabon ein Codebuch zu stehlen, änderte es sofort die bereits geknackte Verschlüsselung, so dass die Signalspione für den Rest des Krieges blind blieben. Auf einer Cocktailparty in Bukarest hatte Donovan sogar seine Brieftasche verloren, die von einer Tänzerin an die Gestapo geliefert wurde. Der Bericht über die Mantel und Degen-Spione, deren Fehler Tausende französischer Widerständler das Leben gekostet hatte, fiel vernichtend aus.

Durch eine Indiskretion des FBI-Chefs J. Edgar Hoover, der von Anfang an gegen das OSS opponiert hatte, gelangten die Pläne des rechtskonservativen Donovan an die Presse und lösten eine nicht unberechtigte Furcht vor einer Art amerikanischen Gestapo aus. Auch der kurz darauf vereidigte Präsident Harry Truman hielt nichts von Spionageromantik und löste die geringgeschätzte Organisation im September 1945 innerhalb von 10 Tagen auf. Die Abwehr feindlicher Agenten wurde durch das 1942 vom Militär gegründete Counter Intelligence Corps (CIC) übernommen, die Sammlung von Auslandsinformationen von einer Central Intelligence Group (CIG). Daraufhin erhoben die OSS-Veteranen ein Klagegeschrei, gründeten eine gut vernetzte 1.300 Mitglieder zählende OSS-Gesellschaft und rühmten sich ihrer angeblichen Heldentaten in Hunderten von Romanen, Comics und sogar einem Spielfilm.

New York

Dulles kehrte zurück zu Sullivan & Cromwell. Sein Bruder John Foster Dulles, inzwischen Hauptberater des republikanischen Gouverneurs und späteren Präsidentschaftskandidaten Thomas Dewey, war 1944 im Wahlkampf von der Demokratischen Partei öffentlich als Wall Street-Manipulateur angegriffen worden, dessen Beziehungen zur Schroeder-Bank und zur deutschen Industrie Hitlers Aufstieg erst möglich gemacht hätten. Dies hinderte John Foster jedoch nicht daran, seinen Einfluss bei der Gründung der Vereinten Nationen geltend zu machen. Die Offerte New Yorks, Gastgeber des aus dem Pariser Völkerbund hervorgegangenen Parlaments zu werden, war dem Geheimdiensthistoriker James Bamford zufolge ein Danaergeschenk: Auf diese Weise war es für die Signalspione der NSA einfacher, die Abgeordneten vor Ort abzuhören. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg waren die Dulles-Brüder mit der Finanzierung des Wiederaufbaus des im Krieg zerstörten Europas, insbesondere Deutschland befasst, dem Marshall-Plan.

Good Germans

Allen Dulles kämpfte gegen die öffentlichen Meinung an, alle Deutschen seien Nazis gewesen und verwies auf die „Good Germans“. 1947 veröffentlichte er sein Buch „Germany’s Underground“, das auch auf deutsch erschien und erstmals in den USA Partei für deutsche Dissidenten gegen Hitler ergriff. Das Buch wurde ein Flop, rief jedoch ein „Komitee gegen den Dritten Weltkrieg“ auf den Plan, das öffentlich darauf hinwies, dass derselbe Allen Dulles, der „die Deutschen entschuldige“, sich einst für Hitlers Bankiers verwandt hatte. Schwer wog insbesondere der Hinweis auf Dulles Freundschaft mit Hitlers Reichswehrminister Schulte. Dies ließ Dulles Bemühungen für eine Kooperation mit Deutschland und dessen Industriellen in einem ungünstigen Licht erscheinen.

Lobby

Dulles selbst sprach sich öffentlich gegen die Gründung eines staatlichen Auslandsgeheimdienstes aus, der aufgrund bürokratischer Hindernisse ineffizient sei. Tatsächlich jedoch wollte er nichts anderes als die Arbeit des OSS fortzusetzen. Er engagierte sich in zahlreichen außenpolitischen Pressure Groups und organisierte die Gründung scheinbar durch private Spenden gestützter Propagandainstrumente, welche die europäische Bevölkerung im Westen wie im Osten subversiv im Sinne der USA beeinflussen sollten, die tatsächlich jedoch verdeckt von der US-Regierung finanziert wurden.

Trotz Dulles konservativer Einstellung sprach er sich dafür aus, in Europa linke Intellektuelle verdeckt zu fördern, da sie hierdurch von noch linkeren Kommunisten isoliert und letztere geschwächt werden sollten.

Central Intelligence Agency (CIA)

Nach zwei Jahren Lobbyarbeit beschloss der Kongress im September 1947 erneut den Aufbau eines direkt dem Präsidenten unterstehenden Geheimdienstes. Bei den Gründungsverhandlungen hatte Dulles die Spionageverdienste des OSS maßlos übertrieben, erweckte den Eindruck, man wolle gewaltfrei im Ausland Informationen sammeln und bräuchte nur wenige hundert Mitarbeiter (1953 bereits 10.000). Im später verabschiedeten Aufgabenkatalog des National Security Act fand sich jedoch unter Punkt 3 die Aufgabe, die subversive Einmischung in die Angelegenheiten anderer Völker und Staaten für den Fall vorzubereiten, dass eine solche Einmischung notwendig werden solle. Die USA erklärten als erste Nation der Welt in Friedenszeiten Subversion auf fremdem Staatsgebiet zu einem offiziellen Mittel der Politik. Geleitet wurde der Dienst zunächst von Militärs.

Italien

Zu den ersten subversiven Operationen der CIA gehörte die Bekämpfung der italienischen Kommunisten. Hierzu finanzierte die CIA verdeckt die US-freundliche Partei Democratia Christiana. Die benötigten Gelder organisierte ein gewiefter und gut vernetzter Wallstreetanwalt namens Allen Dulles. Damit nicht genug: Dulles arrangierte, dass 5% der Mittel, die in den Marshall-Plan flossen, über Umwege, die man heute Geldwäsche nennen würde, der CIA für verdeckte Missionen zur Verfügung standen. Die Democratia Christiana gewann die Wahl und erfreute sich auch in den kommenden Jahrzehnten amerikanischer Geldkoffer.

Frankreich

Auch die französischen Kommunisten, die auf einen großen Streik hin arbeiteten, wollten von der CIA gemaßregelt werden. Durch Bestechung einzelner Funktionäre gelang es, die mächtige französische Gewerkschaft in einen kommunistischen und einen gemäßigten Flügel zu spalten und hierdurch entscheidend zu schwächen.

Bogotazo

Während einer Diplomatenkonferenz in Kolumbien kam es in Bogota zu einem Bombenattentat, das die öffentliche Meinung Kommunisten zuschrieb, obwohl sich später herausstelle, dass es sich um eine private Vendetta gehandelt hatte. Präsident Truman hatte von der CIA keinerlei Informationen über die „kommunistischen Umtriebe“ erhalten. Das vermeintliche Versagen der CIA wollten die Republikaner im anstehenden Wahlkampf ausschlachten. Allen Dulles, der den republikanischen Präsidentschaftskandidat Dewey unterstützte, verhinderte jedoch eine politische Beschädigung der CIA durch das Bogotazo genannte scheinbare Fiasko, als deren künftiger Direktor er sich ins Spiel brachte. Zwar wurde Truman unerwartet wiedergewählt, sodass Dulles nicht zum Zuge kam, jedoch sollte sich seine parteiübergreifende Loyalität für die Spionageagentur langfristig auszahlen.
Teil 3: Zwei Jahrhunderte Rückstand im Spionagegeschäft
Teil 4: Von Kuba über Kennedy bis Vietnam

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Über den berüchtigten Wallstreetanwalt Allen Dulles (1893-1969) steht in deutscher Sprache kaum Literatur zur Verfügung. Dies ist angesichts der Bedeutung dieses nie gewählten Politikers, der das Dritte Reich mitfinanzierte, die CIA aufbaute, den Kongress, seine Präsidenten sowie die gesamte Welt belog und der Familie Bush den Weg ebnete, erstaunlich. 60 Jahre nach Gründung der CIA soll im Folgenden versucht werden, die Biographie des umstrittenen Geheimdienstlers nachzuzeichnen.

Alan Dulles. Bild: National Archives and Records Administration

Als der 21jährige Allen Welsh Dulles 1914 an Bord der MS Olympic den Atlantik überquerte, um ein Jahr an einer christlichen Missionsschule in Indien zu unterrichten, las er mit Begeisterung Rudyard Kiplings Spionageroman „Kim“(1901), in welchem ein englischer Waisenjunge unter Indern aufwächst und von einem trickreichen Geheimagenten in das „Große Spiel“ eingeführt wird. Das „Große Spiel“ hatte bereits Dulles’ Großvater John Watson Foster gespielt, ein Bürgerkriegsgeneral und angesehener Anwalt, der als US-Außenminister 1893 das Königreich Hawaii besetzt hatte, um dort Amerikaner vor angeblichen, tatsächlich aber selbst inszenierten Unruhen zu beschützen. Das Amt des US-Außenministers sollte 1915 auch Dulles Onkel Robert Lansing bekleiden, 1953 schließlich Allens Bruder John Foster Dulles, und auch er selbst hatte es lange angestrebt.

Allen Dulles war als Sohn eines presbyterianischen Geistlichen in einer der privilegiertesten Familien Watertowns aufgewachsen und hatte bereits als Kind allerhand von der Welt gesehen. Schon kurz vor seinem 8. Geburtstag hatte Dulles ein 26 Seiten langes Büchlein über den Burenkrieg geschrieben, von welchem sein stolzer Großvater General Foster 700 Exemplare drucken ließ, um sie zugunsten von Kriegsgeschädigten zu verkaufen. In Princeton war Dulles von Woodrow Wilson unterrichtet worden, der seit 1912 das Präsidentenamt bekleidete.

Nach seinem Indienabenteuer, in dem er wie Kiplings Mowgli auf eine gefährliche Schlange traf, Fakire bewunderte und auf einem Elefanten ritt, reiste Dulles weiter nach China, um mit seinem berühmten Großvater befreundete Machthaber zu besuchen. Diese waren jedoch während der Unruhen nach dem Zerfall des Kaiserreichs entmachtet worden. Auch für Dulles hatte nun das „Große Spiel“ begonnen.

Erster Weltkrieg

Dulles trat nach seiner Heimkehr in den diplomatischen Dienst ein und nahm 1916 eine Arbeit als Botschaftssekretär in Wien auf. Dort war das diplomatische Corps gerade vom Skandal um Spionageabwehrchef Oberst Alfred Redl, schockiert, der posthum als Doppelagent des Zaren enttarnt worden war. Hier lernte Dulles nicht nur die Gepflogenheiten des diplomatischen Parketts kennen, sondern wurde auch in nachrichtendienstlichen Codes unterwiesen.

Nach dem Kriegseintritt der USA zog sich die amerikanische Delegation 1917 in die neutrale Schweiz nach Bern zurück, damals eine Hochburg ausländischer Agenten. Dulles lehnte das Gesuch eines damals unbekannten russischen Exilpolitikers namens Wladimir Iljitsch Uljanow nach einem Treffen ab, dem er ein Tennismatch mit einer jungen Dame vorzog. Noch Jahrzehnte später ärgerte sich Dulles, den später als Lenin bekannt gewordenen Mann unterschätzt zu haben und machte es sich zur Regel, nie wieder eine Chance auszuschlagen, einen potentiellen Agenten zu rekrutieren.

Versailler Vertrag

Der inzwischen zum politischen Offizier beförderte Jungdiplomat reiste 1919 nach Paris, wo er gemeinsam mit seinem Bruder John Foster Dulles Onkel Robert Lansing bei den Friedensverhandlungen zum Versailler Vertrag beriet. Da die USA damals nur Militärnachrichtendienste unterhielten, nicht jedoch einen Auslandsgeheimdienst, verfügte die Delegation nicht über ein einziges Papier über den aufkommenden Bolschewismus. Als in Ungarn die Bolschewiken an die Macht kamen, befürchtete der 26jährige Dulles Kettenreaktion anderer Staaten und arbeitete seinen ersten Plan für eine militärische Intervention aus, welcher dem US-Präsidenten vorgelegt wurde. Dulles erster Versuch zu einem gewaltsamen Eingriff in die Weltgeschichte wurde jedoch als langfristig kontraproduktiv abgelehnt. Dulles allerdings hatte seinen Kalten Krieg gegen jede Form von Kommunismus begonnen.

Nach der Unterzeichnung 1920 verbrachten die Gebrüder Dulles mehrere Monate in Deutschland, hauptsächlich im politisch gärenden Berlin. Der ältere Bruder John Foster war Anwalt in der New Yorker Industriekanzlei Sullivan & Cromwell geworden und nutzte die Zeit, um geschäftliche Kontakte anzubahnen, etwa zum Bankier Hjalmar Schacht, Hitlers späterem Reichswirtschaftminister. Allen Dulles knüpfte demgegenüber politische Kontakte und war nach dem Kapp-Putsch mit der Evakuierung von Amerikanern befasst.

Die Protokolle der Weisen von Zion. Titelbild der französischen Ausgabe von 1920

Zuhause machte er seiner künftigen Frau Clover einen Heiratsantrag, nur eine Woche, nachdem er ihr vorgestellt wurde. Das Paar zog zu Dulles neuem Einsatzort Konstantinopel. Während den Versailler Verhandlungen waren unter den Delegationen die offenbar von interessierter Seite lancierten „Protokolle der Weisen von Zion“ zirkuliert, die eine „jüdische Weltverschwörung“ suggerieren sollten. Das Papier machte Stimmung gegen die damals diskutierte Konzeption eines eigenen jüdischen Staates. Während seiner Zeit in Konstantinopel recherchierte er nun gemeinsam mit dem Journalisten Philip Graves die angebliche Authentizität der Dokumente, die sich als Fälschung des zaristischen Geheimdienstes erwiesen. Spätestens damals hatte Dulles die Effizienz von Desinformation begriffen. Der Einsatz für die Aufklärung seiner Regierung über die Fälschungen ist insoweit bemerkenswert, als dass sich Dulles entsprechend der damaligen Mentalität der weißen amerikanischen Oberschicht über Juden meist abschätzig geäußert hatte.

Aufgrund der ersten Schwangerschaft Clovers beendete Dulles seine Auslandseinsätze und machte auf Anraten seines Bruders neben dem diplomatischen Dienst in Washington in Abendkursen ein Anwaltsexamen. Als Präsident Harding überraschend starb, war es zufällig Dulles, der zur kurzfristigen Vereidigung des neuen Präsidenten Coolidge den vorgeschriebenen Verfassungseid telefonisch diktierte. Bemerkenswert war 1924 Dulles weitsichtiger Vorschlag, im Irak, der damals keine diplomatischen Beziehungen zu den USA unterhielt, unter der Tarnung eines Geschäftsmannes einen verdeckten Agenten zu unterhalten. Seiner Erfahrungen nach bekäme man nirgends bessere Informationen über die Welt als von den Männern der Erdölindustrie.

Als man Dulles das Amt des Botschafters in China anbot, schlug er aus, quittierte wegen schlechter Bezahlung 1926 den diplomatischen Dienst und trat in die Kanzlei seines Bruders ein, der dort zum Teilhaber aufgestiegen war.

Sullivan & Cromwell

Die auf Außenwirtschaft spezialisierte Industriekanzlei Sullivan & Cromwell war weitaus mehr als eine gewöhnliche Anwaltskanzlei. Zum Klientel der umtriebigen Anwälte gehörten etwa die Eisenbahnbarone, Chemiekartelle, Rohstoffimporteure, die Zuckerindustrie, der Rockefellers Standard Oil und sogar ganze Regierungen. Auch am Wiederaufbau Deutschlands verdiente Sullivan & Cromwell durch Vertrieb entsprechender Anleihen („Heidelberg Bonds“) mit. Hierzu lancierte man eigens eine PR-Kampagne, in welcher etwa deutsche Schnulzen-Opern für eine entsprechende deutschfreundliche Stimmung sorgten. Manche Manipulationen Cromwells waren weitaus weniger fein: Für die Betreibergesellschaft des Panamakanals hatte Cromwell seinerzeit verdeckt eine Revolution organisiert. Selbst den Präsidenten Taft und Roosevelt waren die Praktiken des umstrittenen Cromwell nicht geheuer. Bei seinem ersten Auftritt vor Gericht erlitt Allen Dulles eine Niederlage und betrat seither nie wieder als Anwalt einen Gerichtssaal. Seine Talente für Interessenvertretung lagen eher hinter den Kulissen.

Zu Allen Dulles Bereich gehörte insbesondere die Betreuung von Geschäfte mit der Deutschen Industrie. So saß Dulles etwa im Vorstand des Bankhauses Schroeder, das später die NSdAP finanzieren sollte. John Foster Dulles fungierte als amerikanischer Generalrepräsentant der deutschen IG Farben, dem damals größten Chemiekartell der Welt. Aufgrund seiner exzellenten Kontakte zur Politik und seiner Teilnahme an europäischen Abrüstungsverhandlungen war Allen Dulles auch für die Klientel aus der Rüstungsindustrie der geeignete Ansprechpartner. Auch der Hitlersympathisant Henry Fordgehörte zu seinen Klienten, obwohl Ford die von Dulles als Fälschung entlarvten „Protokolle der Weisen von Zion“ verlegte. Dulles pflegte unter anderem mit dem Präsidentschaftskandidat John W. Davis Freundschaft, der auf Kuba windige Geschäfte mit Zuckerrohr machte.

Hitlersympathisant Henry Ford

Dulles hielt zeitlebens geheim, dass er gemeinsam mit Davis 1933 Adolf Hitler kurz nach dessen Ernennung zum Reichskanzler persönlich aufgesucht hatte. Die beiden Amerikaner waren von Hitler unmittelbar vor einer großen Rede im Berliner Sportpalast empfangen worden. Hitler verglich die Friedensbedingungen des Versailler Vertrags mit denen des US-Bürgerkriegs, wobei er sich darüber aufregte, dass dem Süden Schwarze als Richter aufgezwungen worden waren. Dulles war von Hitler wenig beeindruckt, zumal dieser nicht wusste, dass ausgerechnet Dulles an der Ausarbeitung des kritisierten Versailler Vertrags beteiligt gewesen war. Aufgrund der unklaren Lage schloss Sullivan & Cromwell sein Berliner Büro, hielt jedoch weiterhin geschäftliche Kontakte.

Nachdem die Politik Hitlers auch in den USA Kritik hervorrief, wurde Sullivan & Cromwell janusköpfig: Allen Dulles kritisierte Hitler öffentlich und empfahl sich auf diese Weise bei jüdischen Bankiers, für die er mit Gründung von allerhand Scheinfirmen Kapital aus Deutschland abzog. Sein Bruder John Foster Dulles hingegen, mit dem Allen sogar sein Büro teilte, trat gegen eine Einmischung der USA in den Krieg ein. Eine Clique führender US-Industrieller, die mit Hitler enge Geschäfte machten, sowie Sullivan & Cromwell selbst unterstützten die isolationistischen Pressure Groups America First, als deren Aushängeschild der deutschfreundliche Charles Lindbergh fungierte, und die paramilitärische American Liberty League, die 1933 gegen Roosevelt sogar hatte putschen wollen. Dulles wurde Schatzmeister der New Yorker Republikaner und kandidierte 1938 für einen Sitz im Kongress. Nach seiner hohen Niederlage stellte er sich nie wieder einer Wahl.

Zweiter Weltkrieg

Roosevelt befürwortete den Kriegseintritt der USA, vermochte einen solchen jedoch ohne Angriff des Gegners politisch nicht durchzusetzen. Um einen entsprechenden Vorwand zu vermeiden, war es den deutschen Schiffen verboten worden, sich von US-Schiffen provozieren zu lassen, erinnerte man sich doch noch gut an die mysteriösen Umstände des deutschen Angriffs auf die MS Lusitania, der Amerikaner das Leben gekostet hatte und propagandistisch verwertet worden war. Notfalls solle man sich versenken lassen, so der deutsche Befehl.

Statt einem Schiff wie die USS Maine oder die MS Lusitania sollte es diesmal eine ganze Flotte sein, deren Verlust die USA zum Kriegseintritt bewegte: Ein US-Admiral, der die Atlantik-Flotte auf Hawaii zusammenziehen sollte, verweigerte diesen Befehl, da er den Japanern keinen unwiderstehlichen Köder präsentieren wollte. Der eigenwillige Militär wurde durch einen Admiral abgelöst, der nicht darüber informiert worden war, dass sich der Stützpunkt bei einer Übung als nicht zu verteidigen herausgestellt hatte. Nach dem Angriff auf Pearl Harbour, das Dank Dulles Großvater als US-amerikanischer Boden galt, implodierte die Lobby der Kriegsgegner über Nacht. Die US-Industrie stellte auf Kriegsproduktion um. Den 3.000 in Pearl Harbour getöteten Soldaten sollte die hundertfache Anzahl weiterer amerikanischer Todesopfer in Europa folgen.

Krieg der Gaukler – Im Geheimdienst seiner Majestät

Noch immer verfügten die USA über keinen institutionellen Auslandsgeheimdienst. Führende Industrielle trafen sich unter konspirativen Umständen einmal im Monat im Rockefeller-Gebäude, um von den Auslandsposten aufgeschnappte Nachrichten auszutauschen. Mitglied in der „The Room“ genannten Loge war der angesehene Kriegsheld und Anwalt William „Wild Bill“ Donovan, der sich in New York während der Prohibition auch einen Namen als Staatsanwalt gemacht hatte.

William „Wild Bill“ Donovan

Donovan wurde 1940 als Room-Emissär bei einer London-Visite von Premierminister Winston Churchill gründlich hereingelegt: In einer vom britischen Geheimdienst aufwändig organisierten Propagandaaktion wurde dem Millionär an allen Orten seines Besuchs vorgetäuscht, die Briten hätten unbändigen Kampfeswillen und zu diesem Zeitpunkt ausreichend militärischen Mittel, um Nazideutschland alleine zu besiegen, wären jedoch einem zusätzlichen Kampfgenossen gegenüber aufgeschlossen. Daraufhin empfahl Donovan seinem Präsidenten die militärische Zusammenarbeit mit den Briten. Roosevelt war ohnehin von Spionageromantik fasziniert, ließ durch geheime Büros rechtswidrig Briefe öffnen und bedauerte öffentlich das nachrichtendienstliche Defizit der USA gegenüber Ländern mit institutionellem Geheimdienst.

Überzeugungsarbeit für die Gründung eines professionellen zivilen Geheimdienstes leisteten 1940 zwei nach Washington gereiste britische Nachrichtendienstoffiziere: Spionagechef Admiral John Goodfrey und dessen rechte Hand, Bankier und Korvettenkapitän Ian Fleming, der später für seine Spionageromane über einen gewissen „James Bond“ berühmt werden sollte. Um die Landsleute von der Notwendigkeit eines neuen Geheimdienstes zu „überzeugen“ bediente sich die US-Regierung einer „psychologischen Operation“ („PsyOp“), einer Kollektivlüge: in der Presse, welche die konservativen Rivalen Hearst und Pulitzer dominierten, wurde erfolgreich der fiktive Mythos einer „5. Kolonne der Deutschen“ über angebliche geheime Saboteure lanciert, welche für die schnellen deutschen Siege am Anfang des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gemacht wurden und nun Amerika infiltrierten.

Tatsächlich beruhten die deutschen Eroberungen auf militärischen Ursachen. Sabotage-Aktionen waren dem deutschen Geheimdienstchef Admiral Wilhelm Canaris eigens verboten worden, um Amerika keinen Vorwand zum Kriegseintritt zu liefern. Anschläge auf Schiffe in amerikanischen Häfen verübten 1940/41 vielmehr die Briten, um US-Lieferungen an Nazideutschland zu verhindern. Die Anschläge wurden ausgerechnet den Deutschen angelastet. (Bereits der britische Geheimdienst wurde aufgrund einer Hysterie vor angeblichen deutschen Terroristen gegründet, die ein paranoider Verschwörungstheoretiker namens William LeQuex („Spies of the Kaiser“ 1909) in die Welt gesetzt hatte.)

Die von der amerikanischen Öffentlichkeit akzeptierte Lüge über die deutschen Phantomterroristen ermöglichte politisch die Durchsetzung der Gründung des „Office of the Coordinator of Intelligence (COI)“, das direkt dem Präsidenten unterstand und niemandem sonst Rechenschaft schuldig war. Das von „Wild Bill“ Donovan geleitete COI arbeitete so originell wie dilettantisch: Als Roosevelt gehört hatte, Japaner hätten panische Angst vor Fledermäusen, wurde ernsthaft der massenhafte Abwurf von Fledermäusen vorbereitet, was sich technisch jedoch als undurchführbar erwies.

Office for Strategic Services

1942 wurde die COI in das „Office for Strategic Services (OSS)“ überführt. Die militärischen Stabschefs beeindruckte Donovan mit vorgeblich durch das Agentennetz des „Room“ gewonnenen umfangreichen Informationen über die nordafrikanische Front. Tatsächlich hatte er das Material vom polnischen Geheimdienst. Anders als die dem Militär entstammenden Spione seiner Majestät scharte Donovan eine bizarre Truppe vorwiegend aus den Söhnen seiner Millionärsfreunde um sich, die wie Donovan im Krieg Ruhm und Ehre erwerben wollten. Das Führungspersonal des OSS rekrutierte sich aus den 60 „blaublütigsten Familien“ der USA, zu denen neben klassischen Industriellen und Bankern auch ein Filmproduzent, Komiker sowie der künftige Erbe eines großen Zirkusunternehmens gehörten. Donovan machte kaum einen Hehl daraus, dass das OSS durchaus auch wirtschaftliche Interessen verfolgen würde.

Donovan wollte die künftige Elite der USA nicht als Kanonenfutter verheizen, sondern sann auf unkonventionelle Strategien wie subversive Aktionen, wie er sie in unrealistischem Ausmaß auch den Deutschen unterstellte. Für geheime Einsätze hinter der Front ließ Donovan allerhand trickreiche Gerätschaften entwickeln, die später an die Spielzeuge des James Bond-Waffenmeisters Major Boothroyd „Q-Branch“ erinnerten: Tarnwaffen wie versteckte Messer und sogar Stiefelabsätze mit ausklappbaren Klingen, als Alltagsgegenstände maskierte Pistolen sowie schallgedämpfte Schusswaffen. Das OSS stellte zur psychologischen Kriegsführung Autoren, Schauspieler und Humoristen an, welche u.a. mit schwarzer Propaganda die Kampfmoral der Deutschen brechen sollten. Bekannteste Partnerin des OSS war Marlene Dietrich.

Dem US-Militär, dessen Waffengattungen traditionell miteinander rivalisierten, war das amateurhafte OSS von Anfang an suspekt und verhinderte erfolgreich dessen Beteiligung am Krieg gegen Japan. Donovan hingegen war der festen Überzeugung, eine Handvoll seiner Sabotage-Soldaten würden Legionen klassischer Soldaten ersetzen. Von den Zwei-Mann-Teams, die mit dem Fallschirm über Feindesland abgesetzten wurden, hatte man jedoch nur von einem je wieder etwas gehört. Das OSS kooperierte eng mit dem französischen Widerstand, jedoch wurden durch dilettantische Planung und Auswertung die meisten Mitglieder des Marquis getötet. Die Zusammenarbeit zwischen den erfahrenen Geheimdienstlern seiner Majestät und den Wallstreet-Cowboys wurde zunehmend von Misstrauen und entsprechenden Grabenkämpfen gelähmt.

Bei einem Agenten hatte Donovan jedoch eine glückliche Hand: Allen Dulles.1
Teil 2: Vom OSS zur CIA
Teil 3: Zwei Jahrhunderte Rückstand im Spionagegeschäft
Teil 4: Von Kuba über Kennedy bis Vietnam

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