Damals 1966: Angriff auf die Leitwährung, den US-Dollar…


Wir schreiben das Jahr 1966…
Frankreich und andere westeuropäische Staaten hätten Europa unabhängig von den USA machen können…
Aber…lesen sie selbst:

Der Wert des größten Goldschatzes der Welt, der in den Gewölben der New York Federal Reserve Bank in der Nähe der Wall Street aufbewahrt wird, hat sich durch diese Lieferungen seit Januar 1966 um etwa 350 Millionen Dollar vermindert. Während die Zentralbanken der meisten europäischen Länder sich damit begnügen, das durch Umtausch von Dollar erworbene Gold einfach in die für sie reservierten Tresorräume der New Yorker Reservebank schaffen zu lassen (Deutschland etwa hält den größten Teil seines Goldbestands in Amerika), besteht die Pariser Notenbank auf Anweisung von Finanzminister Michel Debré auf Auslieferung der Goldbarren. De Gaulle erscheint es unerträglich, daß Frankreichs Gold „dem Zugriff einer fremden Macht preisgegeben“ sein könnte.

Seit der General in seiner Pressekonferenz Anfang 1965 die Forderung vertreten hatte, das Gold wieder zur einzigen international anerkannten Reservewährung zu erklären, stellt Frankreich seine Devisentransaktionen ganz in den Dienst der gaullistischen Außenpolitik. Natürlich wissen auch andere Staaten, wie eng die Verbindung von Währungs- und Machtpolitik ist – aber keine europäische Regierung zieht daraus so harte, manchmal fast brutale Konsequenzen wie die Minister de Gaulles. Ihr Ziel ist klar definiert: Die nach der Konferenz von Bretton Woods im Jahr 1944 geschaffene Währungsordnung, die Dollar und Pfund eine bevorrechtigte Stellung einräumten, soll durch ein neues System ersetzt werden, das den wichtigsten kontinentaleuropäischen Währungen (zumindest aber dem Franc) ihre „Gleichberechtigung“ wiedergibt. Und: Paris soll zum ersten Finanzplatz Europas aufgewertet werden, nachdem die Londoner City diesen Rang als Folge der permanenten Pfundkrise immer mehr verliert.

Der Gold-Devisen-Standard, der 1944 beschlossen worden ist, hat Dollar und Pfund in den Rang international anerkannter Reservewährungen erhoben und damit praktisch dem Gold gleichgestellt. Inzwischen hat sich jedoch das wirtschaftliche Kräfteverhältnis verändert: Während Franc, Lira und Mark zu harten Währungen geworden sind, sprechen boshafte Währungspolitiker 1966 vom Pfund nur noch als dem „Reservekrüppel“. Auch der Dollar ist 1966 nur noch eine geduldete Leitwährung – abhängig vom guten Willen der Notenbanken, viele Milliarden Dollar in ihren Tresoren zu halten und nicht gegen Gold einzuwechseln. 1966 befinden sich rund 27 Milliarden Dollar in ausländischem Besitz – und jede Dollarnote ist, wie das Nachrichtenmagazin Time schrieb, „ein jederzeit einlösbarer Scheck auf den Goldhort in Fort Knox“. Wenn die USA alle diese „Schecks“ tatsächlich einlösen müßten (was praktisch nahezu ausgeschlossen ist), wären sie nicht zahlungsfähig: Die Goldreserven der USA sind nur noch halb so groß wie ihre Dollaraußenstände. Da aber niemand einen plötzlichen Zusammenbruch der internationalen Währungsordnung wünschen kann, nehmen alle Länder Rücksicht auf die USA – alle bis auf Frankreich.

Ende der 1950er bzw. Anfang der 1960er wäre eine „Kampfansage“ des damaligen Franc gegen den Dollar als lächerlich empfunden worden. Auch nach de Gaulles Pressekonferenz im Februar 1965 meinte ein hoher Beamter des US-Schatzamtes: „Alles was dieser Mann versuchen kann, ist, den Dollar ein bißchen zu ärgern.“

Aber obwohl der wirtschaftliche Abstand zwischen den USA und Frankreich noch immer gewaltig ist (das amerikanische Sozialprodukt ist 1966 siebenmal größer als das französische), nimmt Washington heute die Herausforderung sehr ernst. Immerhin hat de Gaulle erreicht, daß die amerikanischen Goldreserven auf ihren niedrigsten Stand seit 1938 Jahren gesunken sind.

Paris begann mit seiner Tauschaktion „Gold statt Dollar“ wenige Tage nach de Gaulles Ankündigung im Februar 1965. Zunächst ging man dazu über, neu zufließende Dollar sofort in Gold umzuwechseln. Später wurde dann der Goldanteil an den Währungsreserven erhöht. Ende 1964 hatte Frankreich nur 73 Prozent seiner gesamten Währungsreserven in Gold angelegt, im Sommer des Jahres 1966 dagegen bereits 86 Prozent. Die hohen Überschüsse in der französischen Zahlungsbilanz (1965 rund 3,6 Milliarden Mark) ließen den Goldschatz rasch wachsen. Allein 1965 tauschte Frankreich in New York 874 Millionen Dollar in Gold um – und war damit für mehr als die Hälfte des gesamten Goldverlustes der USA verantwortlich.

Anfang August 1966 konnte die Bank von Frankreich schließlich eine Bilanz vorlegen, bei deren Lektüre de Gaulle ein Gefühl des Triumphs gewiß nicht unterdrückt hat: Frankreich hatte es als erstes europäisches Land geschafft, einen Goldschatz im Wert von mehr als 20 Milliarden Mark anzuhäufen.

Im September 1966 verfügt Paris über gut drei Milliarden Mark mehr Gold als die Bundesrepublik, die in den Jahren des „Wirtschaftswunders“ unangefochten den ersten Rang unter Europas Goldhortern innehatte. Und niemand zweifelte daran, daß de Gaulle sich mit diesem Erfolg nicht zufriedengeben wird. Zwar kann Paris nicht seine gesamten Währungsreserven in Gold eintauschen, weil es eine gewisse Manövriersumme zur Finanzierung seines Außenhandels benötigt. Aber eine Erhöhung des Goldanteils auf 90 Prozent erschien möglich, und in Paris vermutete man, daß sie unmittelbar bevorsteht – als Antwort des Generals auf die Weigerung Washingtons, Computer für seine force de frappe zu liefern.

Der Fall der „Control Data 6000“ beleuchtet einige der Hintergründe der gaullistischen Politik gegen den Dollar. Für die Entwicklung einer einsatzfähigen Wasserstoffbombe benötigt Frankreich Hochleistungscomputer, wie sie gegenwärtig nur in den USA gebaut werden. Washington aber hat nach anfänglichem Zögern seiner Elektronikindustrie die Lieferung dieser Rechenanlagen untersagt. Inoffizielle Begründung: Die USA wollten die Ausbreitung von Atomwaffen wenn schon nicht verhindern, so doch mindestens verlangsamen. In Paris vermutet man allerdings, daß Frankreich außerdem für das Verlassen der NATO-Integration „bestraft“ werden sollte.

Das von Washington verhängte Computer-Embargo kam manchen gaullistischen Politikern gar nicht ungelegen. „Nun werden die naiven Europäer endlich aufhören, daran zu glauben, daß wir einfach von Lizenzen der amerikanischen Großindustrie leben können“,sagt man in Paris. In der Tat dürfte die amerikanische Liefersperre für bestimmte Computertypen zur Folge haben, daß die Forderungen nach eigener Aktivität der europäischen Industriestaaten auf den Gebieten moderner Technologie lauter werden.

Frankreich jedenfalls wurde nun gezwungen, sich eine eigene Computerindustrie aufzubauen. Die damals beiden letzten größeren rein französischen Unternehmen in dieser Branche sollten fusionieren und dann von der Regierung Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsaufträge im Wert von etwa 450 Millionen Franc erhalten. Dieser bis in Details vorbereitete Plan Calcul war Frankreichs zweiter Versuch, eine Computerindustrie aufzubauen – der erste endete mit der Eingliederung der französischen Firma Machines Bull in den Interessenbereich des amerikanischen Konzerns General Electric.

Die französische Regierung hatte sich damals sogar durch offene Intervention bemüht, die „Amerikanisierung“ von Bull zu verhindern. Hier schließt sich der Kreis: Frankreich hielt seinen europäischen Partnern vor, daß sie durch ihr Stillhalten gegenüber dem Dollar den „Ausverkauf“ ihrer Schlüsselindustrien an die Amerikaner überhaupt erst ermöglichen. „Allein die Bundesrepublik wäre in der Lage, etwa 1,5 Milliarden Dollar in Gold umzuwechseln – wenn die Deutschen das getan hätten, dann würde uns heute noch Bull und Euch noch die DEA gehören“, lautete damals ein Argument in Paris. Ohne Zweifel hätten, bei einer harten Politik der europäischen Notenbanken gegenüber dem Dollar die amerikanischen Investitionen drastisch gekürzt werden müssen. 1966 erreichen sie trotz aller Mahnungen der Regierung Johnson, die um Amerikas Zahlungsbilanz fürchtet, jedes Jahr neue Rekordhöhen: Nach Schätzungen des Departement, Commerce wird die US-Industrie 1966 etwa 24 Prozent mehr im Ausland investieren, allein in Europa 2,3 Milliarden Dollar.

Nicht nur in Frankreich sah man diese Kapitalinvasion mit einem gewissen Unbehagen. Nur: wenn die Amerikaner ausbleiben, ist es auch wieder nicht recht. Sogar das Frankreich de Gaulles hatte einen Versuch, US-Kapital auszusperren, nach kurzer Zeit wieder aufgegeben: Die europäischen Länder waren schon 1966 auf das technische know how und die Kapitalkraft der amerikanischen Großindustrie angewiesen.

De Gaulle wusste also, daß er trotz aller spektakulären Erfolge noch weit davon entfernt ist, den Dollar zur Abdankung als Leitwährung zwingen zu können. Immerhin war die Stellung des Dollars inzwischen so erschüttert, daß der Glaube an das System von Bretton Woods schwächer wurde. Es gab kaum einen international anerkannten Währungsexperten, der nicht eine Reform für unerläßlich hält – nur gingen die Meinungen weit auseinander, wie sie aussehen sollte.

Europäische Währungstheoretiker wollten damals vor allem die „permanente Inflation“ beseitigen, die Amerikas Zahlungsbilanzdefizite auslösen (weil durch sie Geld geschaffen wurde, dem in den Ländern, die Dollar anhäuften, kein Gegenwert gegenüberstand). Angelsächsische Theoretiker dagegen fürchteten mehr die Folgen eines plötzlichen Mangels an Liquidität, wenn bei ausgeglichener US-Zahlungsbilanz der Dollar knapp werden sollte. Hunderte von Analysen wurden vorgelegt, Dutzende von Therapien vorgeschlagen – aber nur wenige Experten hielten eine Reform für so dringlich wie der amerikanische Währungsfachmann Robert Triffin, der die Gespenster der großen Krise auftauchen sah. Triffin an die Repräsentanten des „Klubs der Zehn“, zu dem sich die Industrieländer innerhalb des Weltwährungsfonds zusammengeschlossen haben: „Die Vertreter des Zehnerklubs sollten jede Nacht vom Geist ihrer unglücklichen Vorgänger der Golddelegation des Völkerbundes gejagt werden, die am Morgen des 21. September 1931 aufwachten und vernahmen, daß ihre gründlichen und langwierigen Beratungen von den Ereignissen gegenstandslos gemacht worden waren ..“ Allerdings handelte nur ein Mann, dem man schwerlich den Ruf eines Experten zugestehen konnte: de Gaulle.

In Paris rechnete man sich aus, daß die Zeit gegen den Dollar arbeiteten würde. Am 1. Januar 1960 betrugen die Goldbestände der Vereinigten Staaten noch 19,5 Milliarden Dollar, bis 1966 hatten sie sich um fast ein Drittel vermindert. Wenn die Entwicklung im bisherigen Tempo weitergelaufen wäre, dann hätte die USA etwa im Jahr 1978 ihren letzten Goldbarren nach Europa verschifft – und schon lange vorher alle noch verbliebenen inneramerikanischen Deckungsvorschriften außer Kraft setzen müssen. Aber so weit hätte es gar nicht kommen müssen: Schon ein Absinken der Goldreserven unter die Grenze von 10 Milliarden Dollar wäre psychologisch ein Schock gewesen. Das Vertrauen in die amerikanische Leitwährung wäre dadurch so erschüttert worden, daß de Gaulle auf den Mitläufer-Effekt hätte zählen können, der schon 1966 immer mehr Notenbanken dazu veranlaßt hat, den Goldanteil an ihren Währungsreserven in aller Stille zu erhöhen.

Amerika hätte allerdings nicht einfach zugesehen, wie der Dollar in Gefahr geraten wäre. Die USA hatten auch damals durchaus Möglichkeiten, ihre Währung zu verteidigen:

  • Washington hätte durch drastische Sparmaßnahmen versuchen können, seine Auslandsausgaben einzuschränken und dadurch seine Zahlungsbilanz wieder ins Gleichgewicht bringen. Schwierigkeit: Amerikas Rolle als Weltmacht verschlingt Milliardenbeträge an Devisen – und die durch Vietnamkrieg und Great Society überhitzte Konjunktur trieb die Preise und verminderte so den Exporterlös.
  • Washington hätte versuchen können, seine Vorschläge einer Reform des internationalen Währungssystems durchzudrücken, die auf die Schaffung einer zusätzlichen Reservewährung hinausliefen. Dann wären US-Zahlungsbilanzdefizite nicht mehr allein in Gold, sondern schon damals in EURO als die „künstliche Währung“ bezeichnet, abgegolten worden.
    Schwierigkeit! Die kontinental-europäischen Experten hatten Vorbehalte, Frankreich war strikt dagegen.
  • Washington hätte versuchen können, allen Versprechungen zum Trotz, den Goldpreis zu verdoppeln (also praktisch den Dollar abwerten). Dann würden die Goldreserven viel länger reichen als jetzt.
    Schwierigkeit: Amerika hätte einen weltweiten Prestigeverlust hinnehmen müssen, weil sich die „Dollar-Gläubiger“ geprellt gefühlt hätten. Außerdem hätten ausgerechnet Südafrika und die damalige Sowjetunion als größte Goldproduzenten von einer solchen Lösung profitiert

Schließlich blieb Amerika aber vor allem noch, seine wirtschaftliche Macht einzusetzen. Das gesamte Auslandsvermögen der USA stellte 1966 einen Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar dar, während die ausländischen Fabriken in den USA, alle Dollarbestände und andere Forderungen zusammen nur rund 60 Milliarden Dollar ausmachten.

Der frühere französische Finanzminister Giscard d’Estaing, der wie die meisten Experten seines Landes de Gaulles Währungspolitik unerstützte, hat denn auch erklärt, auf die Dauer könne nur eine gemeinsame europäische Währung die Gleichberechtigung mit dem Dollar erreichen. In der Tat wäre ein EWG-Taler bereits 1966 die härteste Währung der Welt gewesen: abgesichert durch Gold und Devisen im Wert von 22 Milliarden Dollar.

Allerdings war dem General im Elysée der Preis für einen Sieg über den Dollar wohl zu hoch, denn er opferte seinen „souveränen Franc“ nicht, um ihn in einer supranationalen Währung aufgehen zu lassen!

Wie es danach weiter ging und was die USA bzw. das Wirtschaftssystem aus dieser Zeit gelernt hat:

  • Auflösung des 1944 noch vor Ende des 2. Weltkrieges von den Siegermächten beschlossenen Abkommens von Bretton Woods, das „streng zwischen erwünschter Handelsliberalisierung auf der einen und unerwünschter Finanzmarktderegulierung auf der anderen Seite“ unterschied.
  • 1971 erfolgte durch Richard Nixon eine weitere Deregulierung des Finanzmarktes, nämlich die Aufhebung der Bindung des US-Dollars an Gold, da sich Amerika mit dem Vietnamkrieg stark verschuldet hatte und daher diese Golddeckung nicht mehr vorhanden war.
  • England unter Margret Thatcher hob 1986 und Amerika hob 1999 unter Bill Clinton das Glass-Steagall Gesetz auf, was Alan Greenspann, der neue Notenbankchef der FED, bereits 1987 in einer seiner ersten Reden angeregt hatte. Jürgen Elsässer: „Der Kampf zur Abschaffung des Gesetzes dauerte 12 Jahre, allein die Chase Manhattan Bank und Citicorp gaben über 100 Millionen Dollar zur Beeinflussung von Kongressabgeordneten aus.“ – „Auf diese Weise konnten die Sparguthaben der Masse der Bevölkerung für Casinospiele angezapft werden.“
  • weitere Ausweitungen der den Banken für Spekulationsgeschäfte verfügbaren Geldmenge bestanden unter anderem darin, dass die Banken Kredite in ihren Büchern nicht mehr als solche ausweisen mussten, sondern über Verbriefungen in Wertpapiere umwandeln und damit die gesetzlich vorgeschriebene Eigenkapitalquote für Kredite umgehen konnten.

Auf diesem Wege gelang also, was sonst nie hätte gelingen können: eine unglaubliche Ausweitung der dem Finanzsystem (ohne den Staat beziehungsweise die Notenbanken und den Sparern) verfügbaren Geldmenge. Schließlich war auf diese Weise der Weg frei, um über eine gigantische aus dem Nichts geschaffene Geldmenge, hinter der keine reale Wirtschaft mehr stand, sondern nur noch unseriöse Finanzprodukte, Zertifikate, Derivate und Devisenhandel steckten, diesen „zynisch geplanten Anschlag der anglo-amerikanischen Finanzkreise“ (Webster Tarpley) durchführen zu können.

  • Die USA und Großbritannien haben sich entindustrialisiert. Spötter sagen, Wal Mart und Wall Street haben die USA zerstört. Der imperiale Anspruch der USA, dem sich GB anschmiegt, ist noch da. Die Mittel sind die US-Militärmaschine, die Geheimdienste, die Hegemonie über die Massenkultur und die Abhängigkeit der politischen Kasten der Länder des Westens und der arabischen Despotien. Doch China und Indien, aber auch die Staaten Lateinamerikas streben auf und bieten Paroli. China stellt sich dem Krieg aus dem Weltraum und dem Cyberwar, dem Krieg über die Computernetze. Die USA sind die verzweifelnde „einzige Weltmacht“. Sie wollen das Schwinden ihrer Hegemonie nicht wahrhaben und kämpfen dagegen an.
  • Der Kapitalismus ist in seiner finanzimperialistischen Phase. Nach alten Theorien dürfte dies die letzte und höchste Phase sein. Danach kommt der wirtschaftliche Kollaps. Der kommt deshalb, weil alle Volkswirtschaften von der Finanzbranche über verschiedene Verschuldungsstrategien ausgeräumt werden und sich die Eigentumstitel in immer weniger Händen der Ultrareichen und ihrer Helfer in den Investmentbanken konzentrieren. Irgendwann ist der Zustand erreicht, daß die Völker in aller Welt nicht mehr bereit sind, ihr Nationaleigentum abzugeben und für Schuldzahlungen ein erbärmliches Leben zu führen.
  • Die Macht in den Ländern des Westens und der Länder, deren Regierungen von der Gunst des Westens abhängig sind, liegt in den Händen der Finanzbranche. Es ist weltweit gelungen, Unternehmen als hochverschuldete Gebilde zu strukturieren, die auf den leisesten Pfiff aus der Finanzbranche reagieren müssen. Sie sind nicht mehr Teil der Volkswirtschaft, sondern der internationalen Finanzwirtschaft. Auch in Deutschland. Manfred Gburek hat in der Online-Ausgabe der Wirtschaftswoche in seiner Reihe „Geldgeklimper“ am 3.2.2011 geschrieben: „Anleger sind gut beraten, diese Überlegungen bereits während der aktuellen Aktieneuphorie in Betracht zu ziehen, zumal gerade deutsche Unternehmen besonders hohe Fremdkapitalanteile aufweisen. So haben Auswertungen durch die Osiris-Datenbank und die Unternehmensberatung McKinsey auf Basis der Daten aus dem Jahr 2009 ergeben, daß das Fremdkapital in der deutschen Autoindustrie mit 83 Prozent vom Gesamtkapital zu Buche schlägt, in der Energieversorgung mit 78 und im Handel mit 75 Prozent. In der Telekommunikation mit 72 und im Maschinenbau mit 70 Prozent Fremdkapitalanteil sind deutsche Unternehmen international gesehen sogar am höchsten verschuldet.“ 58 % der Aktien der DAX-Unternehmen befinden sich übrigens in ausländischem Besitz! Bei solchen Eigentumsverhältnissen in deutschen Schlüsselindustrien brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn unsere Nationalinteressen keine Rolle mehr spielen.

Wenn CDU/CSU und FDP sich weigern, ein Lobbyisten-Register aufzustellen, bedeutet das, daß die Steuerung der Regierung über die im ausländischen Eigentum befindlichen Konzerne ebenfalls nicht aufgedeckt werden darf. Die Deutschen sind in vieler Hinsicht nicht mehr Herr im eigenen nationalen Hause. Die Jugend in Deutschland erlebt das als Generation Praktikum oder Generation Chancenlos. Da scheint es ein Glück für die Oberschichten, daß es auch eine Generation Doof geben soll. Gefährlich wird es, wenn die Generation „Doof“ zur Generation „Wütend“ wird. In Ägypten ist das ganz schnell passiert.

„Angriff auf den Dollar.
China läutet das Ende des „Greenback“ ein.“

So lautete 2011 eine Schlagzeile. Schon damals deutete sich für viele Währungsexperten das Ende der Dollar-vorHerrschaft an. Für alle Länder, die den Dollar als Reservewährung nutzen, ist das Anwerfen der amerikanischen Notenpresse die reine Katastrophe. Das Reich der Mitte zog die Notbremse und stieg kurzerhand aus dem Dollar aus. Mehr noch: durch die Ankündigung der freien Konvertierbarkeit des Yuan wurde die chinesische Währung ihrerseits in die Rolle einer Welt-Reservewährung versetzt – und hat damit den USA und dem Dollar ihren Rang streitig gemacht. Im übrigen sind Teile der BRICS Staaten schon 2011/2012 dazu übergegangen, sich von der Dollar-Abrechnung unabhängig zu machen. Indien und der Iran beispielsweise begleichen ihre Ölrechnungen seitdem in Gold – auch das war schon eine eindeutige Fluchtbewegung aus dem strauchelnden US-Dollar.
„Angriff auf US-Dollar: BRICS-Staaten gründen eigenen Währungsfonds“ so lautete bereits 29.08.2013 der Titel eines Artikels auf heise.de.

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika machen angesichts von Währungsturbulenzen dem IWF mit einem eigenen Stabilitätsfonds Konkurrenz.

BRICS Staaten B rasilien R ussland I ndien C hina S üdafrika

BRICS Staaten
B rasilien, R ussland, I ndien, C hina, S üdafrika

Seit einiger Zeit entwickeln die BRICS-Staaten deutlich mehr Selbstvertrauen, wie mit Angriffen auf den US-Dollar als Leitwährung schon deutlich wurde. Nun gehen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika einen Schritt weiter und bauen einen gemein-samen Stabilitätsfonds auf. Darüber wird schon länger debattiert. Nun machen sie mit der Konkurrenz für den Internationalen Währungsfonds (IWF) ernst, in dem sie ebenfalls seit langem einen größeren Einfluss fordern. Der soll ihrer Wirtschaftskraft angemessen sein, die in der Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich gewachsen ist.

Brasilien hatte die Gründung eines Hilfsfonds vorgeschlagen. Der chinesische Vize-Finanzminister Zhu Guangyao kündigte die baldige Gründung auf einer Pressekonferenz angesichts eines informellen Treffens der Staats und Regierungschefs der fünf Länder an.

Der Vizepräsident der chinesischen Notenbank Yi Gang bestätigte, dass die BRICS-Staaten kurz vor einem Abkommen stünden. “Die Arbeitsgruppe zum Stabilitätsfonds bringt den Prozess aktiv voran” und Yi Gang erwartet einen “baldigen” Konsens und den Aufbau des Stabilitätsfonds.

War zunächst über ein Volumen von 240 Milliarden US-Dollar gesprochen worden, soll der Fonds zunächst über 100 Milliarden Dollar verfügen. China werde 41 Milliarden Dollar einbringen, Russland, Brasilien und Indien jeweils 18 Milliarden und Südafrika fünf. Der Fonds habe auch zum Ziel, den Einfluss des Dollars auf die Weltwirtschaft zurückzudrängen, wie es auch von Russland seit langem gefordert wird.

Dass der Fonds nun eiliger vorangetrieben wird, hängt auch damit zusammen, dass sich die Lage in einigen Ländern weiter verschlechtert. Einige nationale Währungen haben zuletzt deutlich an Wert verloren. Besonders hart trifft es Indien, allein am Mittwoch hat die Rupie erneut 3,7% ihres Werts eingebüßt. Seit Wochenbeginn verlor sie etwa 8% und seit Jahresbeginn sind es schon rund 23%. Auch der brasilianische Real ist im Keller, die Währungen anderer aufstrebender Länder wie die Indonesiens und der Türkei stürzen ebenfalls ab, wobei im letzteren Fall der Vorgang auch durch die Syrien-Krise weiter verstärkt wird.

Als Auslöser dieser negativen Entwicklungen ist, dass die US-Notenbank FED aus der sehr lockeren Geldpolitik aussteigen will. Als Folge wird vor allem in Asien gerade im großen Stil Geld abgezogen. Die Währungsturbulenzen sind die Folge davon, da das Finanzsystem wie ein Junkie regelrecht “süchtig” nach diesen regelmäßigen Liquiditäts-spritzen geworden ist.

Profitieren sollen von dem neuen Stabilitätsfonds aber auch Länder, die nicht zu den BRICS gehören. Da das Projekt als Konkurrenz zum IWF geplant ist, soll das bereit-gestellte Geld auch anderen Entwicklungsländern zur Verfügung stehen. Damit sollen nicht nur Kredite gesichert werden, sondern auch Investitions-, Innovations-, und Infrastrukturprojekte finanziert werden, um die Realwirtschaft in einer Krisensituation zu stützen.
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Veröffentlicht am 2. August 2014, in Deutschland heute Abend, Tagesthemen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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