Silvester 2015 Die Horrornacht von Köln – Der Staat hat ganz einfach versagt!


„Sie waren wie eine Armee“


Wie ein Türsteher die Horrornacht von Köln erlebte

Um 19 Uhr geht es los: „6er-Gruppen, 10er-Gruppen, 12er-Gruppen von Nordafrikanern. So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt Ivan Jurcevic. „Sie kamen mir vor wie eine richtige Armee.“

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Jurcevic ist seit 1989 Türsteher. An Silvester bewacht er – wie in den Vorjahren – den Eingang des Kölner Hotels Excelsior. Es liegt westlich in Sichtweite der Domplatte.

„Die kamen mit Bier- und Schnapsflaschen in der Hand. Die meisten sind schon rumgetorkelt“, erinnert er sich hinterher.

###### In der Silvesternacht ##### Massive Übergriffe vor Kölner Dom

„Come with me“

Sofort beginnt der Ärger: Hotelgäste, die zum Rauchen vor dem Eingang stehen, werden angepöbelt: „Gib mal Zigarette“, habe es geheißen. „Come with me“, machen sie erwachsene Frauen an.

Zu gleicher Zeit läuft Peter Erkelenz mit seiner Frau über den Domplatz. Erkelenz ist Bruder des CDU-Stadtrats Martin Erkelenz und nennt sich selbst einen „Ur-Kölner“. Erkelenz wundert sich über die Mengen von Arabisch sprechenden jungen Männern. Die Stimmung ist aggressiv. Erkelenz ist besorgt und geht schnell weiter zu seiner Einladung.

Gegen 22 Uhr eskaliert die Situation an der Domplatte endgültig: Böller und Raketen fliegen in die Menge. Von seiner „Kunstbar“ östlich des Doms aus beobachtet Barbesitzer Paolo Campi das Treiben: „Absolut asozial“, sagt er. „An Silvester ist es aber immer asozial vor dem Dom. Ob das dieses Jahr schlimmer war, kann ich gar nicht sagen.“ Auch dass vor allem Nordafrikaner unterwegs gewesen seien, wie es heißt, kann er nicht bestätigen.

Bei Ivan Jurcevic vor dem Hotel Excelsior wird es währenddessen richtig schlimm: Zwei junge Frauen flüchten vor Nordafrikanern, wie er sagt, zu ihm und bitten um Hilfe.

„Mit mir ist im Notfall nicht gut Kirschen essen“

Die Verfolger kommen nach und bedrohen den erfahrenen Kampfsporttrainer. „Ich bin 1,98 Meter groß und wiege 130 Kilo. Mit mir ist im Notfall nicht gut Kirschen essen“, sagt der ansonsten ruhig und freundlich auftretende Jurcevic.

Als ihn die Verfolger angreifen, haut er einen von den Füßen und zieht sich in den Hoteleingang zurück. Die anderen rücken nach. „Da habe ich einem vor die Brust getreten, dass er drei Meter durch die Luft geflogen ist. Dann war erst mal Ruhe“, sagt der gebürtige Kroate, der seit 40 Jahren in Deutschland lebt.

Die Angreifer hätten ihn noch bedroht: „Wir kommen wieder und machen dich kalt“, hätten sie ihm auf Englisch zugerufen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Direktion des Excelsior die Gäste bereits gebeten, nicht mehr vor dem Hotel zu rauchen. Die stehen jetzt im ersten Stock und betrachten das Geschehen vor dem Dom mit schreckgeweiteten Augen.

Randalierer prügeln sich untereinander

Derweil ziehen Hundertschaften der Bereitschaftspolizei auf. Jurcevic kann sehen, wie sie mit Feuerwerkskörpern beschossen werden. Auch die Einsatzkräfte scheinen Angst zu haben.

Nach Mitternacht: Vor dem Hotel wird überall geprügelt. Jurcevic beobachtet eine Messerstecherei. Die mutmaßlichen arabischen Nordafrikaner machen ebenso Jagd auf Schwarzafrikaner, die aus Ländern südlich der Sahara kommen.

Die Randalierer prügeln sich auch untereinander: Vor Jurcevics Augen wird einer mit einer Flasche bewusstlos geschlagen. Als der Schläger anfängt, auf den Kopf des Bewusstlosen einzutreten, greifen Jurcevic und der Türsteher einer benachbarten Kneipe ein.

Keine Zeit für Anzeigen

Polizisten kommen dazu. Der Mann wird festgenommen – und später wieder freigelassen, weil sämtliche Gefängnistransporter total überfüllt sind. Zum Abschied spuckt der Festgenommene noch auf die Scheibe des Polizeiwagens. „Fuck the police“, schreit er Jurcevic ins Gesicht. Der verliert die Nerven und schlägt den Mann zu Boden, wie er sagt.

Um 1:30 Uhr kommt Peter Erkelenz mit seiner Frau von seiner Silvesterparty und will die S-Bahn nach Hause nehmen. Doch die S-Bahnstation am Hauptbahnhof ist gesperrt.

Vor Erkelenz steht eine Polizistin in Uniform. Ein Mann springt von hinten auf sie zu, greift ihr in die Jackentasche und versucht zu fliehen. Sie verfolgt ihn und ringt ihn zu Boden. Es folgt eine Standpauke. Das ist alles. Für Festnahmen oder Anzeigen ist das Chaos zu groß, müssen die Beamten zu viele Brandherde auf einmal bekämpfen.

Erkelenz erfährt auch, warum die S-Bahn nicht fährt: Dort laufen Randalierer auf den Schienen herum, greifen Fahrgäste an und liefern sich Verfolgungsjagden mit der Polizei. Mit der S-Bahn wird es in dieser Nacht nichts mehr. Erkelenz und seine Frau, die selbst ungeschoren aus dem Chaos herauskommen, nehmen die Straßenbahn.

Planen Nazis eine Racheaktion an Ausländern?

„Ich habe richtig Angst“, sagt Erkelenz. „Auch vor dem, was am Karneval passieren könnte.“

Erst zwischen fünf und sechs Uhr morgens ebben die Übergriffe ab. Die Chaoten verziehen sich. Nur ein paar Schnapsleichen bleiben zurück. Inzwischen sind bei der Polizei die ersten Anzeigen übel belästigter Frauen eingelaufen. Eine Frau soll vergewaltigt worden sein. Viele gehen nicht gleich zu Polizei, ziehen sich erst einmal geschockt zurück. Erst bis Dienstag laufen 90 Anzeigen ein. Nur wenige mutmaßliche Täter sind festgenommen worden.

„Hier sind überall Hände an mir dran“


Sie wurden begrabscht, ausgeraubt und ausgelacht – so berichten Augenzeugen und Betroffene von den Übergriffen rund um den Kölner Hauptbahnhof an Silvester. Die Stimmung war offenbar äußerst aggressiv. Viele berichten von sexuellen Übergriffen.


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Übergriffe an Silvester im Kölner Hauptbahnhof (Symbolbild)

Julia W. (40), war in der Silvesternacht mit ihrem Freund auf dem Weg nach Troisdorf. Sie musste im Kölner Hauptbahnhof auf den Zug warten und berichtete dem****WDR****:

„Die Stimmung war aggressiv. Plötzlich wurde ich von hinten – ohne dass mein Freund es sah – von mehreren Männern angegrabscht. Ich kann sagen, dass es mehrere waren, da zeitgleich Hände an meinen Brüsten und an meinem Po waren.“

Ein junger Mann wartete mit seiner Freundin im Bahnhof vor dem Aufgang zu einem abgesperrten Gleis. Er erzählte dem WDR-Fernsehen:

„Dann ging es von allen Seiten los. Meine Freundin stand hinter mir und die hat irgendwann nur noch panisch gesagt: ‚Ich muss hier weg, ich muss hier weg. Hier sind überall Hände an mir dran.‘ Es war überhaupt nicht mehr zuzuordnen, wer das überhaupt war. (…) Die hat mich ganz fest an die Hand geklammert und hat mir nur noch ins Ohr geflüstert: ‚Lass uns hier verschwinden. Lass uns hier verschwinden. Ich hab Angst.‘ (…) Die Situation war extremst angespannt und aggressiv. Auch dadurch, dass die Mädels auch nicht wirklich bestimmen konnten, wer es genau war. Also selbst ich mit meiner Freundin an der Hand habe von umschlagenden Mädels Schläge abbekommen, weil die sich einfach nur noch versucht haben, sich zu wehren – egal wer hinter ihnen stand. (…) Man muss leider dazu sagen, es waren keine mitteleuropäischen Leute. Zumindest war eine starke arabische Ausprägung dabei. Die haben auch kein Deutsch gesprochen. Alles auf Arabisch kommuniziert. Ein paar Schimpfwörter verstehe ich und die musste ich mir dann leider auch anhören. War wirklich sehr unschön. Egal wo man hingeguckt hat, man hat eigentlich nur in Gesichter geguckt, die einen höhnisch angelacht haben. Es war sehr unschön.“
Jaqueline Kiefer aus Völklingen (Saarland) erzählte im Saarländischen Rundfunk:

„Wir waren mittendrin. Meine Schwiegertochter ist auch unsittlich berührt worden. (…) Neben uns stand eine Frau fix und fertig, gezittert, vor dem Kollabieren. Die wurde an ihren langen blonden Haaren auf den Boden gezogen. Jemand schmiss sich über sie, hat sie erzählt. Sie wurde von ihrem Mann getrennt und sprach nur Englisch. Es war Wahnsinn. Dann haben wir uns über die Domplatte ans Rheinufer durchgekämpft und da kamen die uns auch alle entgegen. Einer hat meiner Schwiegertochter in den Schritt gegriffen. Es war wirklich krass. Und auch nachher am Rheinufer. Die haben keine Berührungsängste. Die waren alle höchstens um die 20.“

Sascha Frohn, Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, war Augenzeuge und berichtete dem WDR:

„Keiner wusste mehr, wo er hinlaufen sollte. Wir selber standen mit dem Rücken an der Wand und haben beobachten können, wie sämtliche Diebstähle in unserem Umkreis stattfanden. Wie deutsche Mädels betatscht wurden, einfach so in einer Gruppe. Die Deutschen haben sich nach und nach hier verzogen. Es war einfach so, dass ich von einer zwischen 50 bis 60 arabischer Kultur stämmigen Personengruppe umzingelt war. Die kamen auch zu uns hin, Shakehands, und dann versuchten sie in die Tasche reinzugreifen. Unserem Organisator sind 850 Euro gestohlen worden aus der Tasche.“

Jutta Roggendorf ist WDR-Mitarbeiterin und erzählte:

„Die Menschen, die zum Rhein wollten, waren alle sehr verunsichert, weil die Jungs warfen einfach immer Böller und man kann ja nicht sehen, was sie werfen. Es war sehr laut, es krachte. Vor allen Dingen der Weg am Römisch-Germanischen Museum dieser Durchgang, da waren Geräusche – wenn ich Krieg kennen würde, würde ich es mir wahrscheinlich so vorstellen. Polizei haben ich leider keine gesehen.“
Eine junge Frau berichtete dem WDR:

„Eigentlich waren es nur Männer. 50 Männer ungefähr. Die waren alle glaub ich einer Nationalität – arabischstämmig. Kommt vielleicht blöd, aber es entspricht einfach der Wahrheit. Die Stimmung allgemein war aggressiv. Die Atmosphäre war sehr gefährlich. Die haben halt erst mal am Hintern so ein bisschen gestreift. Und dann wurden sie ein bisschen direkter, sage ich mal. Das war dann aber auch der Punkt, wo ich wirklich sauer wurde. Ich habe um mich geguckt und die sahen alle ähnlich aus und ich hab mir irgendeinen gepackt und wollte fast schon zuschlagen.“

Ein Polizist mit 25 Jahren sagte dem „Express“:

„Kurz nach Mitternacht kamen die ersten Frauen auf uns zu. Weinend und geschockt schilderten sie, wie sie massiv sexuell belästigt worden seien. Wir hielten daher Ausschau nach Frauen in der Menge. (…) Ich bekam sie zu packen. Sie schrie und weinte. Man hatte ihr den Slip vom Körper gerissen. Ihre drei Freundinnen konnten wir nicht aus dem Pulk retten, denn wir selbst wurden mit Böllern beworfen.“

Anmerkung der Redaktion: Die Polizei Köln wollte auf WDR-Nachfrage hierzu keine Stellungnahme abgeben. „Die uns jetzt vorliegenden Anzeigen sind zwar gesichtet. Vernehmungen stehen aber noch aus. Wir können deshalb noch keine Auskunft zu solchen Details geben“, sagte eine Polizeisprecherin.

Eine 50-Jährige sagte dem Magazin „Emma“:


„Ich wollte mit meiner Freundin eigentlich nur kurz durch den Bahnhof gehen, um im Brauhaus auf der anderen Seite ein Bier zu trinken. Aber schon, als wir auf dem Bahnhofsvorplatz ankamen, habe ich plötzlich nur noch Männer gesehen. Es waren Hunderte. Und sie haben uns behandelt wie Freiwild.“

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Stand: 05.01.2016, 13.28 Uhr

 

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Veröffentlicht am 5. Januar 2016 in Deutschland heute Abend, Tagesthemen und mit , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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