Politik verstehen – Historische Zusammenhänge erkennen Teil 3 Allen Dulles


Zwei Jahrhunderte Rückstand im Spionagegeschäft


Die schmutzigen Tricks des Allen Dulles (Teil 3/4)

In den 50er Jahren versuchte die Regierung Eisenhower, andere Nationen durch verdeckte Operationen zu kontrollieren. Zum Kampf gegen den Kommunismus wurde Dulles ermächtigt, im Ausland Politiker und Militärs zu bestechen, Wahlen zu fälschen, zu verleumdenden Terrorismus zu inszenieren, fremde Staatschefs zu töten, Revolutionen zu steuern und verdeckte Kriege zu führen.

Teil 1: Über einen Täuschungskünstler, der die Welt zu seiner Bühne machte

Teil 2: Vom OSS zur CIA

„You have got to have a few martyrs. Some people have to get killed.“

> CIA-Chef Allen Dulles, 1953, freigegeben 2003

Als erster CIA-Direktor war 1947 Admiral Roscoe Hillenkoetter eingesetzt worden, dessen kurioseste Leistung im Schutz von Staatsgeheimnissen der Luftwaffe bestand. So waren Tests von geheimen Flugzeugen und Spionageballons aufgefallen, welche Beobachter für UFOs hielten. Die geheimnisgefährdende UFO-Forschung überwachte Hillenkötter später persönlich.

Foto:CIA educational materials

Covert Actions

Allen Dulles trat anfangs lediglich als Berater der CIA auf. Offizieller Leiter der „Abteilung für spezielle Operationen“ war ab 1948 OSS-Veteran, Wallstreet-Anwalt und Alkoholiker Frank Wisner. Zuvor hatte Wisner ein Jahr als CIA-Stationschef in Berlin fungiert, wo er gerade einmal einen einzigen Agenten geworben und während der Berlin-Blockade eine militärische Lösung vorgeschlagen hatte.

Als Cover für die Kontrolle des CIA-finanzierten „Radio Free Europe (RFE)“ rekrutierten Dulles und Wisner amerikanische Honoratioren wie die Herausgeber von Newsweek und der New York Times sowie den Filmproduzenten Cecil B. DeMille. Auch die US-Zeitungen sollten im Sinne der CIA berichten, die im Gegenzug kooperativen Journalisten Informationen zuspielte.

Im OSS-Stil wollte Wisner den Kommunismus durch per Fallschirm abgesetzte Agenten zurückdrängen, die Sabotage verüben und Untergrundorganisationen aufbauen sollten. Für die Planung dieser „Covert Actions“ waren George Kennan und James Forrestal verantwortlich. Forrestal nahm sich bereits 1949 in der Psychiatrie das Leben, auch Wisner wurde 1956 manisch depressiv und erschoss sich 1965, Kennan wurde Alkoholiker.

Fallschirmagenten

2005 wurden bislang geheime Akten freigegeben, welche das volle Ausmaß von Wisners Fallschirmagenten dokumentieren. Wisner rekrutierte in Westeuropa Kriegsflüchtlinge, die er im Schnellverfahren zu Agenten ausbilden ließ und in ihr Heimatland entsandte.

Einige sprangen direkt über Moskau mit dem Fallschirm ab, Hunderte über Albanien, Jugoslawien, den Karpaten und der Ukraine. Die meisten der Fallschirmagenten wurden bereits bei der Landung von den sie erwartenden gegnerischen Abwehrdiensten abgefangen, welche die CIA-Trainingslager in Deutschland längst mit eigenen Agenten infiltriert hatten.

Die ungebetenen Spione in Stalins Imperium erwartete der Tod. Eine wesentliche Ursache der Fehlschläge waren die Trinkgelage zwischen CIA-Abwehrchef James Jesus Angleton und seinem britischen Amtskollegen Kim Philby gewesen, bei denen Anglelton Details streng geheimer Operationen ausplauderte – die Doppelagent Philby sofort an das KGB weitergab.

Die CIA, die über 400 Millionen $ ihres Etats von 587 Millionen $ in Wisners sinnlose und kontraproduktive Covert Actions zu investieren pflegte, war in der Sowjetunion absolut blind. Als die Sowjets bereits 1949 überraschend die erste Atombombe gezündet hatten, glaubte die CIA zunächst an einen Propagandatrick.

Zwar hatte die CIA keine Information darüber, ob der Gegner über eine oder über tausend Atombomben verfügte, wohl aber offerierte man dem Präsidenten die beruhigende Nachricht, den Sowjets stünden die zum Transport der tödlichen Fracht erforderlichen Raketensysteme erst 1969 zur Verfügung. Bereits 1957 sollte Sputnik die USA überfliegen.

Während sich Wisner vergeblich um fähige Agenten hinter dem „eisernen Vorhang“ bemühte, führte er nicht einen einzigen Agenten dort, wo die USA am meisten welche benötigt hätte.

Korea

Der Koreakrieg traf die CIA 1950 völlig unvorbereitet, weshalb CIA-Chef Hillenkoetter gegen Eisenhowers früheren Stabschef General Walter Bedell Smith ausgetauscht wurde. Wisner rekrutierte Tausende Koreaner und Chinesen, die nach ihrer Schnellausbildung als Geheimagenten über Nordkorea abgesetzt wurden. Nicht einer kehrte lebend zurück.

Walter Bedell Smith. Foto: moscow.usembassy.gov

Nachdem CIA-gesteuerte Koreaner versehentlich das Schiff des südkoreanischen Präsidenten beschossen, wies auch dieser die CIA umgehend außer Landes. Die Spionageagentur gab hinsichtlich eines möglichen Kriegseintritts Chinas dem Präsidenten Entwarnung. Dieser sah sich plötzlich mit einer überraschend aufgetauchten 300.000 Mann starken chinesischen Streitmacht konfrontiert.

Erfolglos bemühte man sich um amerikanische Agenten, die gewillt waren, über China abzuspringen. Man versuchte es schließlich mit Chinesen, die wie ihre in Osteuropa eingesetzten Kollegen ihren Einsatz mit dem Tod bezahlten. Wisners im Schnellverfahren ausgebildeten Geheimkrieger, die vom Militär als Amateure bewertet wurden, stifteten allerhand Schaden, aber keinerlei Nutzen. Wisners Versuch, in Korea ein Spionagenetz aufzubauen, wurde zu einem lukrativen Nebenerwerb für CIA-eigene Märchenerzähler vor Ort. Von den tatsächlich geworbenen koreanischen Informanten stellten sich praktisch alle als umgedrehte Doppelagenten heraus.

Selbst Bedell Smith war der Ansicht, die CIA solle operative Aufträge dem Militär überlassen und sich stattdessen auf den Nachrichtendienst konzentrieren – bei dem die CIA noch immer keine Ergebnisse vorzuweisen hatte. Doch Wisner hatte eine starke Lobby.

Special Plans

Lobbyist Allen Dulles, der die Außenpolitik im Council of Foreign Relations beeinflusste, stänkerte in Memoranden an den Präsidenten gegen die seiner Ansicht nach schwache Führung der CIA.

Aufgrund des Totalversagens in Korea wurde der Kritiker auf einen eigens geschaffenen Posten in die CIA berufen. Seine als „Special Plans“ deklarierte Abteilung kümmerte sich in Wirklichkeit um die Covert Actions. Zwischen dem Befehlsstrukturen favorisierenden General und dem doppelzüngigen Anwalt waren Spannungen vorprogrammiert.

Der clevere Anwalt wusste Misserfolge ungleich besser zu verkaufen. Dulles schwadronierte gegenüber Mitgliedern des Kongresses von „CIA-Guerillas“ in Korea. Später, als Erfolge ausblieben, seien diese Guerillas wohl in Schwierigkeiten geraten oder umgedreht worden. In Wirklichkeit hatte es nie welche gegeben.

Den Phantomarmeen lieferte die CIA Waffen im Wert von 152 Millionen $ und sandte Hunderte von weiteren Fallschirmagenten, die entweder umkamen oder in jahrelange Kriegsgefangenschaft gerieten. Eine schließlich von der CIA gesponserte Armee eines Li Mi hatte schließlich vom Krieg genug und setzte sich ins „goldene Dreieck“ ab, um ein Drogenimperium aufzubauen.

Glaubt man Dulles’ 2003 freigegeben Worten von 1953, so hatte er sich nichts vorzuwerfen und würde jederzeit wieder entsprechend handeln.

Organisation Gehlen

Genauso wenig wie die CIA-Guerillas in Korea, existierte auch das „Spionagenetz“ des deutschen Generals Reinhard Gehlen hinter dem „Eisernen Vorhang“. Gehlen hatte seit dem Krieg unter US-Patronat den offiziell nicht existierenden deutschen Auslandsgeheimdienst „Organisation Gehlen“ aufgebaut, in dem zahlreiche nationalsozialistisch belastete Deutsche eine Bleibe fahnden. Die „Org“ gewann ihre Information durch Befragung von Kriegsheimkehrern und heimliche Postöffnungen.

Wie Wisner hatte Gehlen zahlreiche nach Deutschland verschlagene Osteuropäer zum Aufbau eines Spionagenetzes gen Osten geschleust, die nicht zuletzt dank hochrangiger Doppelagenten wie Heinz Felfe ebenfalls ins Verderben marschiert waren.

Gehlen war ein begnadeter Verschwörungstheoretiker, der zeitlebens fest davon überzeugt gewesen war, dass es keine zehn Jahre bis zur sowjetischen Invasion dauere. Mangels brauchbarer Quellen im Osten sog sich Gehlen die von Dulles nachgefragten Märchen aus den Fingern, was dem Westen ein maßlos übertriebenes Bild der militärischen Leistungsfähigkeit der Sowjetunion beschied.

Auch in den folgenden Jahrzehnten sollten sich die Org und ihr Nachfolger, der Bundesnachrichtendienst, als zuverlässige Lieferanten für aufblasbare Desinformation bewähren.

Strahlende Propaganda

Die Öffentlichkeit zu täuschen war in den 50er Jahren keine große Kunst. Die Regierung verbog sogar die Naturgesetze: Der amerikanischen Öffentlichkeit ließ man etwa durch prominente Wissenschaftsjournalisten einreden, Atombomben hinterließen keine Strahlung und verbreitete in einer Kampagne Optimismus, einen Atomkrieg durch Suchen von Deckung zu überleben, was jedoch gleichzeitig die Hysterie vor einem sowjetischen Angriff schürte.

Bei Atombombentests in Nevada fuhren gutgläubige Familien an das Testgelände heran, um Blitz und Druckwelle beim Barbecue zu genießen. Wer die konzertiert in den Medien propagandierte Meinung infrage stellte, wurde als „links“ oder „soft on comunism“ angesehen. Letzteres war auch Dulles Standardvorwurf, wenn jemand die Notwendigkeit seiner Aktionen hinterfragte.

Aufgrund spektakulärer Spionagefälle herrschte in den USA eine Hysterie vor russischen Agenten. Obwohl nicht einmal die CIA irgendwelche Informationen über Stalins Absichten hatte, wussten gute Amerikaner jedoch, wie mit den Kommunisten zu verfahren sei.

CIA-Chef Walter Bedell Smith vermochte Wisner und Dulles nicht nur nicht zu kontrollieren, er wusste nicht einmal, was die Beiden in der Welt so alles taten. Er beauftragte schließlich einen General mit einer Untersuchung der hauseigenen Aktivitäten – und war von den Ergebnissen schockiert.

So betrieb die CIA in Japan, Deutschland (Oberursel) und am Panamakanal geheime Gefangenenlager und entwickelte menschenverachtende Verhörmethoden. Seit 1950 hatte die CIA bei der Suche nach Wahrheitsdrogen mit LSD an Kriegsgefangenen experimentiert.

Westeuropa

Seit 1952 rekrutierte Wisner in Westdeutschland frühere Angehörige der Hitler-Jugend für den Aufbau einer geheimen „stay behind“ Armee, die sich im Fall eines sowjetischen Angriffs überrollen lassen und hinter den Linien Sabotage und Widerstand hätte organisieren sollen.

Etliche versteckte Lager für Waffen im Partisanenkampf wurden angelegt. Die sich nach einer früheren Organisation benennenden „Jungdeutschen“ glaubten, von „überwinterten“ Nazis geführt zu werden, während in Wirklichkeit die CIA die Fäden zog.

Einige liefen aus dem Ruder, indem sie Listen mit zu ermordenden kommunistischen und sozialdemokratischen Politikern führten. Nachdem sie mit der Abarbeitung der Liste begonnen hatten, flogen ganze Netzwerke auf, was einen Skandal auslöste, der jedoch nicht mit der CIA in Verbindung gebracht werden konnte.

Die Existenz der Gladio genannten geheimen Einzelkämpfer-Organisation blieb dem Bundestag bis zu den 90er Jahren unbekannt, als in diversen anderen NATO-Staaten Gladio-Einheiten aufflogen.

Ostberlin

Wisner hatte in Ostberlin das „Komitee freier Juristen“ ausfindig gemacht, das Kritik an der kommunistischen Führung übte. Wisner versuchte, die Gruppe zu bewaffnen. Da die Stasi nicht schlief, waren die freien Juristen umgehend alles andere als frei.

Als es 1953 in Ostberlin zum Arbeiteraufstand kam, war die CIA hiervon völlig überrascht. Für Pläne, die Dissidenten zu bewaffnen, war es zu spät.

Polen

Als vielversprechend präsentierte sich die polnische Untergrund-Organisation WIN, die mit der CIA kooperierte und erstklassige Informationen lieferte – so glaubte Dulles wenigstens und lieferte Spezialgerät und finanzielle Mittel in Millionenhöhe.

Tatsächlich war WIN eine seit 1947 andauernde Täuschungsoperation des polnischen Geheimdienstes, der auf diese Weise seine Gegner von Anfang an kontrollierte. Die Aktion wurde auf ihrem Höhepunkt in den polnischen Medien propagandistisch enthüllt.

Zu allem Überfluss hatte „WIN“ die Gelder der CIA an die italienischen Kommunisten weitergeleitet: Die CIA hatte den ideologischen Feind finanziert!

Stalin

Dulles, der bereits Hitler hatte liquidieren wollen, hatte auch auf Stalin ein Attentat geplant. Der sowjetische Diktator hätte bei einem Besuch in Paris erschossen werden sollen.

CIA-Chef Bedell Smith lehnte den Staatsmord ebenso ab wie Dulles Plan, die chinesische Regierung durch einen Flugzeugabschuss zu beseitigen.

Regierung Eisenhower

Bedell Smith gelang es nie, Wisner und Dulles unter Kontrolle zu bringen. Als Eisenhower 1953 die Präsidentschaftswahlen gewann, machte er seinen wichtigsten außenpolitischen Berater John Foster Dulles zum Außenminister, während Allen Dulles gegen vehementen Protest von Bedell Smith dessen Posten übernahm.

Mitbewerber Donovan kam nicht zum Zuge. Dessen zunehmend wunderliche Art wurde später als Geisteskrankheit erkannt, die zu Wahnvorstellungen über in New York einfallende Kommunisten führte.

CIA-Chef

Dulles Amtsantritt wurde vom Drama um seinen einzigen Sohn Allen Macy Dulles überschattet. Dieser hatte sich bislang vergeblich bei seinem Vater um Anerkennung bemüht und diese nun durch seinen freiwilligen Einsatz in Korea gesucht.

Der Spionagechef selbst hatte nie eine Uniform getragen oder wirklich sein Leben für sein Land riskiert. Sein Sohn erlitt in Korea eine schwere Kopfverwundung und bestritt seine restlichen Tage als apathischer Krüppel.

Während der spröde John Foster selbst bei seinen eigenen Mitarbeitern unbeliebt war, verstand es Allen mit seinem Charme, Kongressmitglieder und Ausschüsse zu manipulieren. Dulles verschaffte der CIA durch intensive Kontaktpflege mit prominenten Journalisten ein positives Image, obwohl nahezu keine Spionageerfolge vorzuweisen waren.

Die zahlreichen Desaster blieben praktischerweise Staatsgeheimnisse. Ebenso wie in den USA zementierte Dulles auch in Westdeutschland den Einfluss der CIA in den Medien. Als verlässlicher Partner wurde insbesondere der Verleger Axel Springer gerühmt. Für einen direkten Draht nach Deutschland sorgte Schwester Eleonor Dulles, die als „Mother of Berlin“ berühmt wurde.

Der junge Verleger, der wenig später die Bild-Zeitung erfinden sollte: Axel Springer Ende der 40er Jahre. Foto: dpa

Die Dulles-Brüder tauschten jede Nacht ihre Erkenntnisse aus und stimmten sich ab. Allen betrachtete sich als Werkzeug seines stets tonangebenden großen Bruders, des fanatischen Antikommunisten und Architekten des Kalten Kriegs – der fortan gelegentlich heiß werden sollte.

Da die CIA im Korakrieg noch immer keine Erfolge vorzuweisen hatte, war Dulles nun jedes Mittel hierzu recht. Entgegen den strengen US-Postgesetzten ließ er im New Yorker Flughafen die Briefe kontrollieren. Die benötigten Räume waren so eingerichtet, dass diese bei Auffliegen binnen Stunden ohne Spuren verlassen werden konnten.

MK Ultra

Sogar Hellseher ließ der Pastorensohn testen. Um Kriegsgefangene und potentielle Doppelagenten auf ihre Ehrlichkeit zu überprüfen, beauftragte Dulles den Militärchemiker Sidney Gottlieb mit der Perfektionierung von Wahrheitsdrogen, mit denen er bereits seit Kriegsende Menschenversuche an Kriegsgefangenen durchgeführt hatte.

Dulles wollte jedoch auch wissen, ob durch chemische, psychische und physische Manipulation Gehirnwäsche möglich sei. Der damals populäre Science Fiction-Roman „The Manchurian Candidate“, in welchem die Kommunisten Menschen ohne ihr Wissen zu Attentätern ausbildeten, die auf ein bestimmtes Codewort ihre programmierten Mordaufträge ausführten, inspirierte Dulles zu entsprechenden Forschungsaufträgen.

Im Rahmen dieses MK Ultra genannten Programms heuerte Dulles den damals prominentesten US-Zauberkünstler John Mulholland an, der Methoden entwickelte, wie CIA-Agenten ihren Gegner unauffällige Wahrheits-, Betäubungs- oder Morddrogen verabreichen könnten.

Dulles kannte wenig Skrupel: Die Drogen wurden nicht nur an Tieren und Kriegsgefangenen getestet, sondern auch an Amerikanern, denen etwa in einem inszenierten Bordell versetzte Drinks verabreicht wurden.

Das Programm wurde vom mysteriösen Tod des Militärbiologen Frank Olson überschattet, bei dem ein Taschentuch mit Mulhollands Initialen gefunden wurde.

MK Ultra wurde so geheim gehalten, dass weder der Präsident, noch Dulles Amtsnachfolger McCone später hierüber aufgeklärt wurden. Auch Zauberkünstler Mulholland nahm sein Geheimnis mit ins Grab.

Iran

Im Iran hatte der gewählte Premierminister Mohammad Mossadegh die anglo-britische Erdölgesellschaft verstaatlicht, die einseitig von den iranischen Bodenschätzen profitierte.

Mohammad Mossadegh. Foto: Wikimedia Commons

Als der britische Geheimdienst bei den Vorbereitungen eines Putsches durch General Zahedi aufgefallen war, bat Churchill die finanziell besser ausgestattete CIA um Hilfe, die er unter Verweis auf den britischen Beitrag im Koreakrieg einforderte.

Als Allen Dulles dem National Security Council den geplanten CIA-gesteuerten Putsch im Iran schmackhaft machen wollte, tischte er Geschichten über einen bevorstehenden kommunistischen Umsturz auf. Würde der Iran kommunistisch werden, fiele ein Staat nach dem anderen wie umfallende Dominosteine dem Kommunismus anheim. Die iranischen Ölfelder dürften keinesfalls in die Hände der Sowjetunion geraten.

In Wirklichkeit war Mossadegh Nationalist. Im Gegenteil hatte er die kommunistische Partei verbieten lassen, zuvor sogar selbst kommunistische Truppen vertrieben. Wohl um mit den USA zu pokern hatte er Verhandlungen mit dem sowjetischen Botschafter begonnen, was Dulles zur Untermauerung seiner Verschwörungstheorie benutzte.

Truman glaubte kein Wort und hoffte, Mossadegh durch Geld gefügig machen zu können. Dennoch wurde General Zahedi unterstützt. Kermit Roosevelt, Enkel des Ex-Präsidenten und seit Jahren CIA-Mann vor Ort, organisierte schließlich gemeinsam mit den Briten in der Operation Ajax terroristische Anschläge u.a. auf islamische Geistliche, die Mossadegh untergeschoben wurden.

Als Zahedi mit seinem Putsch losschlagen wollte, war der Plan bereits aufgeflogen und wurde im Rundfunk verkündet. Zudem stellte sich heraus, dass Zahedi nicht einen einzigen Soldaten unter sein Kommando gebracht hatte. Während sich Zahedi in einem CIA-Haus versteckt hielt, übernahm nun die CIA den Aufbau der Revolutionsarmee. In Flugblättern verleumdete man Mossadegh sowohl als Kommunisten als auch als Juden.

Die CIA bestach schließlich eine Vielzahl an politisch desinteressierten Iranern, die Mossadegh eine Revolte initiierten, die in einen Putsch mündete, der dreihundert Menschen das Leben kostete.

Während des Staatsstreichs hielt sich Dulles in einem Hotel in Rom auf – gemeinsam mit Shah Reza Pahlavi, der seinerzeit aufgrund von Wahlbetrug iranischer Staatschef gewesen und 1949 als Mandant von Sullivan & Cromwell von Dulles in die amerikanische Gesellschaft eingeführt worden war.

Pahlavi empfahl sich als künftiger Diktator. CIA-Mann Kermit Roosevelt war noch an einer Reihe ähnlicher Operationen beteiligt, bevor er in die Ölindustrie wechselte.

Guatemala

Ebenso wie im Iran war an Dulles bevorzugtem Urlaubsort ein ihm nicht genehmer Staatschef gewählt worden. Die Landwirtschaft Guatemalas wie die weiterer Länder der Region war bislang praktisch vollständig von der United Fruit Company (UFCO)kontrolliert worden, welche den Bauern ihr Land abgepresst und einseitig profitierten hatte, sich für die lokale Infrastruktur Guatemalas jedoch nicht verantwortlich fühlte.

Im Rahmen einer Bodenreform enteignete Präsident Jacobo Arbenz Guzmán die US-Firma und bot die Rückzahlung des einstigen Kaufpreises an. Die United Fruit Company, zu deren Aktionären etwa der Mafioso Meyer Lansky gehörte, wurde von Sullivan & Cromwell vertreten.

Der zum Kanzleichef aufgestiegene John Foster Dulles, selbst Aktionär der UFCO, sowie sein im Verwaltungsrat der UFCO sitzender Bruder, zugleich amtierender CIA-Chef, wollten sich derartiges nicht bieten lassen.

Zu den ersten Plänen gehörte Allen Dulles Vorschlag, den Kaffeeexport durch lancierte Gerüchte über einen Pilzbefall zu sabotieren.

Die CIA ließ den PR-Spezialisten Edward BernaysArbenz zum Kommunisten stilisieren:: und bildete „Revolutionskräfte“ aus, die nach Guatemala geschmuggelt wurden. Zur psychologischen Kriegsführung benutzte die CIA sowohl die einflussreiche katholische Kirche als auch Gangster und bestach hohe Militärs.

Die CIA lancierte 1954 Falschmeldungen über einen Währungsverfall, der zu Panikkäufen führen sollte und vermeldete schließlich die angebliche Kapitulation der Streitkräfte. Ein Millionär stellte der CIA Flugzeuge zur Verfügung, die mit Guatemalas Hoheitszeichen maskiert worden waren. Hiermit sollte eine übergelaufene Luftwaffe simuliert werden.

Stimmenimitatoren täuschten falsche Radionachrichten vor, die unter der Bevölkerung Panik auslösen sollten. Die irregeführten Soldaten ergriffen die Flucht – so jedenfalls stellte die CIA ihren coup d’etat dar, der zum Mythos wurde. Sogar Eisenhower gegenüber tischte Dulles das Märchen auf, der Putschist Castillo Armas hätte nur einen einzigen Mann verloren – tatsächlich waren es 43.

Der Erfolg der Mission beruhte nicht wirklich auf den gerühmten Täuschungsmanövern, sondern in erster Linie auf militärischer Gewalt und ein Quentchen Glück. „What we wanted to do was a terror campaign“ kommentierte CIA-Mann Howard Hunt.

Dulles nutzte die Gunst der Stunde, um das noch immer schwache Spionageressort der CIA aufzuwerten, und lancierte ein Märchen, das wieder mal ein Schiff betraf: Ein polnischer Agent hätte die CIA von dem schwedischen Frachter „Alfhem“ berichtet, der aus der Tschechoslowakei eine Ladung Waffen nach Guatemala exportiert hatte, die zur ultimativen Bedrohung hochstilisiert wurde.

Das Schiff habe während seiner Reise ab Europa unter CIA-Beobachtung gestanden. Entgegen der Darstellung vieler Geschichtsbücher erfuhren die USA in Wirklichkeit erst von dem Schiff, als es die Fracht bereits in Puerto Barrios gelöscht hatte. Dulles instruierte seine Mitarbeiter, zur Wahrung des Ansehens der CIA nachhaltig den eigenen Präsidenten zu belügen.

McCarthy vs. Dulles

Obwohl die CIA von der allgemeinen Hysterie vor den Kommunisten vital profitierte, wurde ausgerechnet der Verschwörungstheoretiker und Schweralkoholiker Senator Joseph McCarthy für die CIA zu einer ernsthaften Bedrohung: Frustrierte CIA-Leute hatten ihren Dienst quittiert und McCarthy über die Missstände informiert.

Der Senator forderte, die CIA nicht von der parlamentarischer Kontrolle auszunehmen und beschuldigte sie, kommunistisch unterwandert zu sein. Im Gegensatz zu den vielen Verleumdungen auf McCarthys berühmter Liste traf diese Anschuldigung tatsächlich zu, so etwa bei den zahlreichen im Ausland rekrutierten Doppelagenten.

Dulles, der nichts so sehr befürchtete wie Untersuchungen seiner illegalen Aktivitäten, sabotierte das Verhören seiner Leute, ließ „Joe“ in Gesellschaft wissen, dieser werde seine Leute nicht befragen und verwanzte McCarthys Büro. 2004 freigegeben Dokumenten zufolge spielte Dulles McCarthy Kuckuckseier zu und lancierte eine verdeckte Schmutzkampagne.

Schließlich intrigierte er erfolgreich bei Vizepräsident Nixon. Dulles hatte die Unantastbarkeit der nun niemandem Rechenschaft schuldigen CIA durchgesetzt, was selbst ihm wohl gesonnene Journalisten deutlich kritisierten. Es sollte zwei Jahrzehnte dauern, bis es zu effizienten parlamentarischen Untersuchungsausschüssen kam – nach Dulles Tod.

Chruschtschows Geheimrede

Als Stalin 1953 eines offenbar natürlichen Todes starb, hatte Dulles mangels Agenten im Osten nicht die geringste Ahnung, wer nun mit welcher Agenda in Moskau die Macht übernehmen würde.

Nachdem schließlich der neue Parteichef Nikita Chruschtschow im Kreml eine geheime Rede gehalten hatte, in welcher er den Stalinismus verurteilte, setzte Dulles alles daran, den Text zu bekommen.

Richard Nixon und Nikita Chruschtschow. Foto: archives.gov

Da die Russen im Spionagegeschäft zwei Jahrhunderte voraus waren, fehlten noch immer CIA-Quellen. Der ungleich besser vernetzten israelischen Geheimdienst half aus. Dulles lancierte die Rede in der Presse, welche den Text vor deren Freigabe durch den Kreml druckte. Zum Erstaunen von Dulles dementierte der Kreml die Rede nicht, rügte aber Ungenauigkeiten.

Dulles lancierte daraufhin gefälschte Versionen der Rede, welche Chruschtschow unglaubwürdig machen sollten. Nichts konnte der CIA schlimmeres passieren, als ihr Feindbild zu verlieren.

Die von Dulles zur Unzeit veröffentlichte Rede hatte den für die CIA unerwarteten Effekt, dass sich Dissidenten etwa in Polen zu Unruhen ermuntert sahen, die von Anfang an keine Chance hatten und blutig beendet wurden.

Chruschtschow betrachtete Dulles langfristig als seinen direkten Gegenspieler und schlug ihm einmal lakonisch vor, man könne sich doch die Spione teilen, dann müsse man sie nur einmal bezahlen.

Out of Control

Der Air Force Colonel Jim Kellys, Gründungsmitglied der CIA, sandte an Eisenhower einen Bericht über die Zustände in der CIA. So hatte Kellys herausgefunden, dass ein 1948 angeblich von Kommunisten ermordeter CBS-Reporter tatsächlich von rechtsgerichteten Kräften aus dem CIA-Umfeld umgebracht worden war.

Nachdem Kellis Eisenhower u.a. vom ganzen Ausmaß des Debakels mit WIN unterrichtet hatte, ließ der Präsident einen General eine Untersuchung durchführen. Viele CIA-Stationschefs hielten Dulles antikommunistischen Feldzug für zu emotional und beklagten die Verhältnisse in der nahezu unkontrollierten Organisation.

Dulles gelang es, den vernichtenden Report geheim zu halten, sogar vor Wisner. Parlamentarische Untersuchungskommissionen schüchterte er stets mit „Let’s not have another Pearl Harbour“ ein – obwohl sein Spionageapparat in Moskau nicht einen einzigen wertvollen Agenten hatte, der nicht sofort aufgeflogen war.

Eisenhower selbst sandte drei Vertrauensleute, welche die CIA gründlich untersuchen sollten. Da Dulles nach dem „need to know“ Prinzip verfuhr, vermochte er die verdeckten Operationen weitgehend geheim zu halten.

Doppelter Boden

Dulles benötigte dringend Erfolge und setzte nun zunehmend auf technische Aufklärung. Bereits seit 1949 hatten die Briten in Wien unter der russischen Botschaft einen geheimen Tunnel gegraben („Operation Silver“), um die Telefonleitungen anzuzapfen. Die westlichen Geheimdienste waren von den gewonnenen Erkenntnissen ebenso beeindruckt wie das KGB, dem der Doppelagent George Blake dieselben umgehend geliefert hatte.

In Berlin wollte man einen ähnlichen Coup landen, in dem man gemeinsam mit den Amerikanern einen Tunnel unter einen im Ostsektor befindlichen Telefonknotenpunkt grub. Diese von Dulles genehmigte und von dem Alkoholiker William K. Harvey durchgeführte „Operation Gold“ beanspruchte ein Höchstmaß an Tarnung, um die Bauarbeiten zu kaschieren.

Die zahlreichen Auswerter eingerechnet, beschäftigte das Projekt 350 Mitarbeiter. Aufgrund des von der Abhörelektronik erwärmten Bodens hätte der über dem Tunnel geschmolzene Schnee beinahe die Aktion enttarnt. Dies wäre jedoch nicht erforderlich gewesen, denn auch diesen Tunnel hatte Blake vor dem ersten Spatenstich verraten.

Im Rahmen einer perfekt inszenierten Propaganda-Kampagne wurde der Tunnel nach 11 Monaten 1956 schließlich „zufällig bei Wartungsarbeiten gefunden“ und zeitlich geschickt von Chruschtschow der Weltöffentlichkeit präsentiert, wobei der Desinformationsexperte aus taktischen Gründen die britische Beteiligung verschwieg und einzig der CIA diesen klaren Bruch Völkerrechts anlastete. (Das Tunnelbauen konnten die Amerikaner auch Jahrzehnte später nicht lassen.)

Darüber, warum das KGB die Abhöraktion so lange gewähren ließ und dabei den Verlust wertvoller Geheimnisse in Kauf nahm, ist viel spekuliert worden. Während oft vermutet wurde, das KGB habe die CIA mit Desinformation gefüttert und aufgrund der Vielzahl an Informationen die Auswertung blockiert, vertreten manche Historiker die Auffassung, man habe den antikommunistischen Verschwörungstheoretikern auf dieses Weise ein realistisches Bild der Sowjetunion aus erster Hand angeboten.

Die CIA fand nicht den geringsten Hinweis auf einen sowjetischen Angriffskrieg. Dies hinderte Dulles jedoch nicht, weiterhin deren Kampfkraft und Angriffslustigkeit maßlos zu übertreiben. Von der Furcht vor dem Fulda Gap profitierte vor allem die Rüstungsindustrie.

U2

Unter größter Geheimhaltung, insbesondere innerhalb der CIA, ließ Dulles zeitgleich zur Tunnelmission allerhand Fluggeräte für die Luftspionage über der Sowjetunion konstruieren. Bereits seit Kriegsende hatten die USA völkerrechtswidrig systematisch sowjetischen Luftraum überflogen.

Schließlich wurde ein Höhenaufklärer namens U2 realisiert, der für die damalige sowjetische Luftabwehr unerreichbar war. In die Existenz der U2 waren im Weißen Haus nur sechs Personen eingeweiht worden.

Die USA bestritten die Überflüge und taten sowjetische Beschwerden als Feindpropaganda ab. Chruschtschow bot den USA spöttisch an, ihnen soviel Luftbilder wie sie wollten zur Verfügung zu stellen. Ebenso wie der Spionagetunnel brachte die Luftauswertung keine Erkenntnisse über einen drohenden Angriffskrieg.

Im Gegenteil hatten die Russen als Kriegsbeute Schienenstränge aus Ostdeutschland herausgerissen und nach Sibirien verfrachtet. Im Falle einer Invasion hätten der schienenbasierten Roten Armee erforderliche Versorgungslinien gefehlt.

Japan

Kishi Nobusuke (1956)

Glück beim Nation-Building widerfuhr der CIA in Japan. Dort gelang es, den japanischen Politiker Kishi Nobusuke aufzubauen. Ausgerechnet der Mann, der die Kriegserklärung an die USA unterzeichnet und wegen Kriegsverbrechen inhaftiert gewesen war, wurde der erfolgreichste japanische CIA-Agent: Kishi bekleidete Ende der 50er Jahre zweimal das Amt des Regierungschefs. Bis 1970 finanzierte die CIA die japanische Regierungspartei.

Ungarn

Als es 1956 in Ungarn zu Unruhen kam, trat Dulles’ Radio Free Europe RFE auf den Plan. Wie erst etliche Jahrzehnte später freigegebene Protokolle beweisen, ermutigte RFE die Aufständischen vor und während der Revolte und verbreitete, der Aufstand werde von 80% der Bevölkerung getragen.

RFE erklärte die Handhabung von Molotow-Cocktails und versprach Waffen sowie militärischen Beistand. Tatsächlich aber hatten die USA nicht die Absicht, einzugreifen. Moskau fügte sich in das von den Dulles-Brüdern gezeichnete Bild des machtgierigen Aggressors und beendeten den Aufstand mit Panzern. Das Vertrauen der Ungarn in die CIA-Propaganda kostete über 3.000 Menschen das Leben.

In 75 Tage um die Welt

1956 unternahm Dulles mit seiner Frau eine ausgedehnte Weltreise, die als „bekannteste Geheimmission“ CIA-Geschichte schrieb. Mit einem CIA-Flieger besuchte er allerhand Länder, wo der mächtige Mann wie ein Staatsoberhaupt empfangen wurde.

Waren normale Spione im Allgemeinen eher für Diskretion bekannt, so liebte der verhinderte Außenminister Allen Dulles seine Präsenz in den Medien. Statt die CIA-Zentrale zu tarnen setzte Dulles gegen interne Widerstände sogar Hinweisschilder durch. Seine CIA sollte Glanz und patriotischen Stolz versprühen.

Ägypten

Der zunächst kooperative Nasser hatte in Ägypten CIA-Bestechungsgelder u.a. in den Bau eines Minaretts investiert, das er gegenüber dem Nil Hilton platzierte. Nachdem Nasser den Suezkanal verstaatlicht hatte, stellte sich der britische Geheimdienst eine Lizenz zum Töten Nassers aus.

Dulles wollte Nassers Zigaretten vergiften. Eisenhower hingegen favorisierte eine langfristige Kampagne gegen Nasser, zumal dieser mit der Sowjetunion sprach. Ohne das geringste von der CIA vernommene Anzeichen griff eine britisch-französisch-israelische Allianz Ägypten an. Nicht einmal über die Pläne befreundeter Nationen vermochte Spionageromantiker Dulles seinen verdutzten Präsidenten zu informieren.

Syrien

In Syrien hatte die CIA 1949 einen Staatschef eingesetzt, dessen sich die Ba’th-Partei und die kommunistischen Partei vier Jahre später entledigten. 2003 bekannt gewordene Dokumente des damaligen britischen Verteidigungsministers belegen detailliert, wie die CIA und das britische SIS 1957 versuchten, Syrien als „Sponsor von Terrorismus“ zu diskreditieren, indem sie „national conspiracies“ und „strong armed activities“ in Jordanien, Libanon und Irak verübten, die einer syrischen Moslemischen Bruderschaft angelastet werden sollten.

Der Anschein von Instabilität sollte die Stabilität schwächen. Ein als Diplomat akkreditierter CIA-Mann versuchte, syrische Offiziere zu kaufen. Der auf der Todesliste stehende syrische Geheimdienstchef war der CIA jedoch einen Schritt voraus. Die Offiziere nahmen das Geld freundlich an und präsentierten den Anwerbeversuch im Fernsehen.

Irak

Auch beim irakischen Staatschef Abd al-Karim Qasim, der 1958 gegen das pro-britische irakische Königshaus geputscht hatte, konnte Dulles nicht ausschließen, dass dieser eines Tages dem Kommunismus huldigen würde. Um ihm diese Versuchung zu ersparen, versuchte er erfolglos, Qasim ein mit Sporen verseuchtes Taschentuch aus der MK Ultra-Giftküche zuzuspielen.

Schließlich vergab die CIA den Mordauftrag an externe Fachleute der Ba’th-Partei, die das Vorhaben nach mehreren Anläufen jedoch erst 1963 auszuführen vermochten. Einer der 1958 geworbenen CIA-Mordagenten sollte es 1979 zum Staatschef bringen, bis ihm die USA seine Position 2003 wieder entrissen.

Indonesien

Selbst Vizepräsident Nixon hatte gegenüber der CIA konstatiert, dass der indonesische Präsident Sukarno kein Kommunist war – genauso wenig wie Mossadegh oder Abenz. Da Sukarno jedoch gegenüber Moskau und Washington gleichermaßen Neutralität wahren wollte und Indonesien über beachtliche Erdölvorkommen verfügte, erkannte Dulles eine nicht zu tolerable Anfälligkeit für Kommunismus.

Im örtlichen Leiter der CIA-Station, einem Kolonialisten und Alkoholiker, fand Dulles wieder einen geeigneten Verschwörungstheoretiker, der die gewünschten Einschätzungen lieferte. Hinzu kam, dass sich die blockfreien Staaten 1955 in einer Konferenz anschickten, miteinander zu kooperieren.

Dem National Security Council, der derartigen „Kommunismus“ nicht dulden konnte, gab Dulles in 2003 veröffentlichten Dokumenten eine Card Blanche. Obwohl die CIA Sukarnos politischen Gegner finanzierte, gewann Sukarno die folgende Wahl haushoch, während etwa die indonesischen Kommunisten nur geringe Erfolge erzielten.

Obwohl der US-Botschafter die CIA darüber informierte, dass das indonesische Militär loyal hinter Sukarno stand, beschlossen die Dulles-Brüder, die „kommunistische Bedrohung“ durch den Aufbau einer „Revolutionsarmee“ zu beenden.

Obwohl die Pläne an die Öffentlichkeit gelangt waren, schmuggelte die CIA 1958 Waffen ein. Sukarnos antikommunistisch eingestellten Offiziere, die zuvor selbst in den USA ausgebildet worden waren und sich als „Söhne Eisenhowers“ bezeichnet hatten, entdeckten und bombardierten Eisenhowers CIA-Armee. Ein „Sohn Eisenhowers“ erhielt sogar von einem nicht über den Geheimkrieg informierten US-Major auf Anfrage benötigte Landkarten.

Da die „Rebellen“ dringend militärische Unterstützung benötigten, die Operation von den USA jedoch plausibel abzuleugnen sein musste, sandte Dulles polnische Bomberpiloten, die seit den Albanienmissionen für die CIA flogen. Durch die dann tatsächlich abgeschossenen Piloten wurden die USA auf diese Weise nicht kompromittiert.

Entgegen Eisenhowers ausdrücklichem Befehl setzte Dulles dennoch einige US-Kampfpiloten ein, die die Schiffe versenkten. Der amerikanische Pilot Al Pope wurde abgeschossen und stand inklusive seiner geborgenen Einsatzpläne als lebender Zeuge für die Machenschaften der USA zur Verfügung. (Als sich der spätere Diktator Sukarno der Sowjetunion annäherte, sollte die CIA 1967 eine zweite Chance bekommen.)

Dulles hatte seinen Chef erneut gründlich blamiert. Ein ähnlich peinlicher Absturz sollte sich bald wiederholen – unter ungleich delikateren Bedingungen. Trotz Kritik konnte Dulles sich und die Zuständigkeit für verdeckte Aktionen halten. Der inzwischen depressiv gewordene Wisner wurde gegen den Leiter des U2-Programms, Richard Bissell, ausgetauscht.

Als Außenminister John Foster Dulles 1959 verstarb, schmälerte dies den politischen Einfluss des kleineren Bruders empfindlich. Dieser adaptierte die Rolle des harten Antikommunisten nun erst recht.

Kongo

Auch im Kongo hatte 1960 ein Politiker geglaubt, ein an Bodenschätzen reiches Land ohne den Bündnispartner USA selbstbestimmt regieren zu dürfen. Patrice Lumumba, der sich ebenfalls nie als Kommunist gesehen hatte, schickte sich an, ein afrikanischer Fidel Castro zu werden, zumal er mit Moskau sprach.

Selbst nach einem Staatsstreich unter CIA-Protektion schien der Gestürzte noch mächtig zu sein. Um sicher zu gehen, dass Lumumba nicht dem Kommunismus anheim fiel, schlug Pastorensohn Dulles dem Präsidenten und dem inzwischen eingerichteten Watchdog-Komitee die Liquidierung vor, welche verklausuliert akzeptiert wurde.

Dulles wies seinen Giftmischer Sydney Gottlieb aus dem MK Ultra-Programm an, Lumumbas Ermordung vorzubereiten. Der Name der Operation „Wizard“ (Zauberer) schien auf Mulholland anzuspielen.

Die CIA versuchte erfolglos, diverse mit Kontaktgiften kontaminierte Gegenstände wie Zahncreme, Frühstück, Kondome usw. zu lancieren. Die Tricks erwiesen sich nicht als praxistauglich. Lumumba wurde schließlich von seinen politischen Gegnern im Beisein von CIA-Leuten ermordet und die Leiche in Säure aufgelöst.

Dominikanische Republik

Der US-freundliche Diktator Rafael Trujillo hatte sich zwar als zuverlässiger CIA-Partner erwiesen, war jedoch wegen massiver Menschenrechtsverstöße und einem Attentat auf den venezolanischen Präsidenten nicht mehr tragbar gewesen. Bevor jemand anderes auf die Idee eines Putsches kommen konnte, besorgte dies die CIA.

Daraufhin wurden Waffen zunächst an die US-Botschaft geliefert. Einige hatten jedoch Bedenken, wie die Reaktion bei Bekannt werden amerikanischer Beteiligung ausfallen würde. Bis heute ist unklar, mit wessen Gewehren Trujillo zwei Wochen später sein Ende fand.

Sowjetunion

Nach Annäherung mit Chruschtschow in Camp David wollte Eisenhower das Klima vor dem bevorstehenden Pariser Friedensgipfel nicht durch weitere Flüge der U2 gefährden. Der Leiter des Programms, Richard Bissell, wollte zunächst auf ausländische Spionagepiloten zurückgreifen.

Schließlich ignorierte er einfach das Ansinnen und ließ ohne Wissen von Dulles die U2 sogar Moskau überfliegen. Für den Fall eines Absturzes über Feindgebiet hatten die U2-Piloten den Befehl, sich selbst zu töten. Als Cover-Story sollte die U2 als wissenschaftliches Forschungsflugzeug der NASA ausgegeben werden.

Als 1960 eine U2 vermisst wurde, versicherte Dulles dem Präsidenten, der Pilot könne aus dieser Höhe einen Absturz unmöglich überlebt haben. Eisenhower reiste Tage später zum Friedensgipfel nach Paris, wo er das angebliche Spionageflugzeug ableugnete.

Die Blamage war perfekt, als der abgeschossene Pilot Gary Powers lebend nebst geborgenen Einsatzplänen präsentiert wurde. Chruschtschow ließ den Gipfel platzen.

Militärisch-Industrieller Komplex

Die Erkenntnisse von Dulles Spionageagentur über die Sowjetunion hielten sich in überschaubaren Grenzen. So schätzte die CIA 1960 die Anzahl der auf die USA gerichteten sowjetischen Atomraketen auf 500 Stück. Tatsächlich waren es vier.

Im Januar 1961 hielt jemand im amerikanischen Fernsehen eine merkwürdige Rede. Er warnte die Nation vor einem militärisch-industriellen Komplex und einem unheilvollen Anwachsen unbefugter Macht, welche die demokratischen Prozesse gefährde.

Der Redner war nicht etwa ein kommunistischer Verschwörungstheoretiker – er war der scheidende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Teil 4: Von Kuba über Kennedy bis Vietnam

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Veröffentlicht am 8. April 2017 in Deutschland heute Abend, Tagesthemen und mit , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

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