Riester, Zinsen, die EZB, private Altersversorgung, das Finanzsystem und der Kapitalismus…


friedensnobelpreis 2012_Jörg SelanHerr Lehrer, Herr Lehrer ich weiß was…
Etwas Nachhilfe für unsere selbstgefälligen, fröhlich feiernden, „erfolgreichen“ und leider oftmals dummen Politiker, Journalisten und Unternehmer…

„Tja, auch wieder jemand der nicht versteht wie der Kaptialismus funktioniert.“

Leider stelle ich immer wieder fest, die Artikel und TV Berichte zu den EZB Zinsmaßnahmen strotzen nur so von fehlerhaften und falschen Informationen.

Scheinbar leben wir zwar alle in einem kapitalistischen System, aber das Wissen darüber ist entweder nicht vorhanden, oder es werden uns bewusst bestimmte Zusammenhänge verschwiegen.

Aktuell gibt es genügend Gründe uns so manche Wahrheit zu verschweigen…

Doch nun zum Thema:
Auch diese allgemein verbreitete Dummheit ist eine Ursache für unser aller Dilemma, denn gäbe es innovative, vernünftige und lohnende Projekte, würden sich auch viele dieser Finanzweltprobleme lösen lassen. Das Grundproblem aber ist, es finden sich keine lohnenden Projekte, deren Werthaltigkeit auch außerhalb bestimmter, interssengesteuerter, gesellschaftlicher Gruppen real ist!
Zur Zeit wird die Welt ganz einfach an zufielen Stellen vom „Münchhausen-Phänomen“ geprägt, bestimmt und dominiert. Daraus ergeben sich zwangsläufig die Folgen, mit denen wir zu tun haben…
Wie funktioniert der Kapitalismus?
Kapitalrenditen können nur entstehen wenn der Konsumgüterausstoß und damit der Konsum pro Kopf der Bevölkerung steigt. Anders ausgedrückt ist genau das die gesamtwirtschaftlich erwirtschaftete Kapitalrendite.
Wachsen kann eine Wirtschaft aber nur, wenn sie einen realen Produktivitätsfortschritt erzeugt und die freigesetzte Arbeitskraft wieder reaktivieren kann.
Nur produktivitätssteigernde Innovationen schieben das Wachstum an, wobei es tatsächlich aber erst durch die Reaktivierung des freigesetzten Arbeitspotentials entsteht. Das erfordert aber einen steigenden Einsatz möglichst aufwandsarm (billig) bereitstellbarer Energie. Damit war Mitte der 70er Jahre Schluss, weshalb der wirkliche Produktivitätsfortschritt in den hoch entwickelten Industriestaaten so niedrig wurde, dass er nicht mehr handlungsleitend war.
Um die Jahrtausendwende ist er dann ganz verschwunden.
Schumpeters Satz von der “kreativen Zerstörung” wird zwar immer gerne zitiert, ist aber von der gleichen Qualität, wie die Feststellung das Spinat besonders gesund ist. Denn “kreative Zerstörung” bringt gar nichts wenn da nichts wächst.

Das Problem ist eben heute nicht das “ineffiziente Strukturen” erhalten werden, sondern das es keine effizienteren Alternativen gibt.
Sprich es gibt keine lohnenden Investitionen (da kein Wachstum), weshalb sich alle aufs Spekulieren und Akkumulieren verlegt haben.
Oder anders ausgedrückt:
Die Kapitalrenditen (Kapital ist KEIN GELD!) wurden wieder durch Macht-, bzw. Eigentumsrenditen ersetzt wie sie in feudalen, nicht wachsenden (vorkapitalistischen) Wirtschaftssystemen der Normalfall sind.

Entgültig gekippt ist das System dann, als auch noch der Sparwahn ausgebrochen ist. Da geschlossene Volkswirtschaften aber nicht sparen können
– sie können übrigens auch keine Schulden machen, der Saldo aus (Geld)Vermögen und Schulden ist immer 0!!! –
wurde der Schaden durch diesen Versuch maximiert.

Was ja die Allermeisten nicht begreifen ist das ein Schuldenabbau immer einen synchronen Vermögensabbau bedeutet. Werden die gesamtgesellschaftlichen Schuldenstände reduziert müssen die Vermögensbestände ebenfalls fallen.
Schulden kann man nur über zwei Methoden abbauen: Die Vermögensbesitzer geben ihr Geld für neu zu produzierende Waren aus (denn nur durch reale Güter kann ein Kredit getilgt werden, alles andere verteilt ihn nur um) oder es erfolgt ein Schuldenschnitt. Und nichts anderes passiert gerade.
Wenn eine Volkswirtschaft bewusst “spart” bedeutet das nichts anderes als das die Volkswirtschaft gemeinschaftlich einen Schulden- und damit auch Vermögensschnitt beschlossen hat.
Der Satz “Wir wollen sparen” im Sinne von nichts ausgeben ist äqvivalent zu der Aussage “Wir wollen arm werden”. Also braucht jetzt niemand zu heulen das er keine Zinsen mehr kriegt. Das haben schließlich alle so gewollt (ergibt sich aus einfacher Saldenmechanik, Berufsschule erstes Jahr).
Im Moment ist der Buchverlust ja noch moderat, denn wir deponieren jedes Jahr 250 Millarden im Ausland. Nur das sind eben auch nur noch “Luftbuchungen” auf den deutschen Konten. Denn damit die je wieder zurückgezahlt werden können müssten sich der Aussenhandelsüberschuss irgendwann in der selben Höhe und der selben Dauer wieder in ein Aussenhandelsdefizit verwandeln.

Die Amerikaner waren da viel schlauer. Die lassen sich ihren Lebensstandard seit Jahrzehnten von Deutschland, China und Japan finanzieren. Und irgendwann gibt es dann einen netten Brief mit dem Dank für soviel Großzügigkeit und das wars dann. Man sollte eben nur dem einen Kredit geben bei dem man im Notfall auch das Inkasso durchsetzen kann.

Also werden die Vermögen der breiten Masse erst einmal langsam verschwinden. Sollte es zu einem Bruch des Euro kommen werden sie schlagartig verschwinden. Denn dann wird die “Neue Mark” immens aufgewertet, was nicht nur die Exportwirtschaft und damit die deutsche Wirtschaft insgesamt zerstören wird, sondern auch schlagartig die Auslandsschulden entwerten.

Die QE-Programme der Notenbanken dagegen spielen bei der ganzen Nummer überhaupt keine Rolle. Das sind Taschenspielertricks zur Belustigung des Publikums. Sie sind weder wirklich schädlich noch nützen sie irgendetwas. Denn diese Gelder kommen nie in der Wirtschaft an sondern zirkulieren nur virtuell über eine Reihe von Konten. Ihr einziger Zweck ist es politische Aktivität zu simmulieren um sich dem eigentlichen Problem nicht stellen zu müssen.
Natürlich werden irgendwann die Schuldner trotzdem zur Kasse gebeten und Ihre Zeche zu zahlen haben…Kapitalismus ist und bleibt ein System zur Vermögensumverteilung, erfunden von einer Handvoll OLIGARCHEN, perfekt umgesetzt, begleitet und koordiniert durch die USA und den Finanzpropheten…

P.S.: Sie können ja mal als Unternehmer oder Privatkunde versuchen einen Kredit mit negativen Zinsen zu bekommen um dann “völlig sinnlose” Investitionen zu tätigen…
Und übrigens die deutsche private Altersversorgung hat innerhalb von 5 Jahren über 30% an Wert verloren! Was das konkret bedeutet, kann jeder in seiner jährlichen Mitteilung seiner Versicherung nachlesen….einfach die genannte Ablaufleistung der einzelnen Jahre vergleichen….der Schock dürfte recht groß sein, versprochen!

Update vom 15.03.2016:

Das betrifft Euch alle!
Unbedingt lesen!
Welche Auswirkungen hat die Zinspolitik der EZB auf die private Altersversorgung?
Ich habe in den letzten Woche mal innerhalb der Verwandtschaft die privaten LV und Rentenversicherungsverträge überprüft…
Dabei habe ich jeweils die Jahresmitteilungen der Versicherungsunternehmen der Jahre 2010 und 2015 verglichen. Das Ergebnis ist erschreckend!
Die Prognosen über die zu erwartenden Ablaufleistungen sind um fast 30% gesunken!
Ein Beispiel:

Vergleich der Zahlen aus den Jahresmitteilungen einer Riester Lebensversicherung mit Wahlrecht zwischen Lebenslanger Rente und einmaliger Kapitalauszahlung Versicherungsgesellschaft R & V
Kapitalauszahlung
2010 zu erwartende Ablaufleistung 70.536,-€
2015 zu erwartende Ablaufleistung 50.342,-€
oder
Monatliche Rente
2010 zu erwartende mtl. Rentenzahlung 195,-€
2015 zu erwartende mtl. Rentenzahlung 156,-€

Es ist schon verwunderlich, dass der empörte Aufschrei darüber kaum stattfindet. Aber die Erklärung dafür ist ziemlich einfach.
Alle Verwandten erklärten mir gegenüber, sich damit nicht auszukennen und die Mitteilungen einfach nur abzuheften ohne den Inhalt zu lesen. Schließlich würden sie davon ja sowieso nichts verstehen.
Auffällig war darüberhinaus noch ein nicht unerhebliches Details. Einige der Verwandten haben auch sogenannte Riester-Verträge abgeschlossen, eine gute Sache sollte man meinen. Allerdings waren bei fast allen Verträgen die staatlichen Zuschüsse nicht für alle Jahre vorhanden.
Da ich kein ausgesprochener Riesterfachmann bin erkundigte ich mich bei den Versicherungsunternehmen nach den Hintergründen und die Antworten brachten erstaunliches zutage.
Um die Problematik zu verdeutlichen erläutere ich das Problem an einem Beispiel.
Riestervertag mit jährlichem Eigenvorsorgebeitrag in Höhe von 888,-€
Der Vertrag läuft seit 11/2006
Nur für das Jahr 2014 war der staatliche Zuschuss von ca. 345,-€ dokumentiert!
Alle anderen Jahresmitteilungen enthielten keine staatlichen Zuschüsse!
Nun zum Problem bzw. zu der Erklärung der Versicherungsgesellschaft.
Der Versicherungsnehmer hat angeblich versäumt diese Zuschüsse für die Jahre vor 2014 zu beantragen!
Die Probleme:
1. von dieser Notwendigkeit wusste der Versicherungsnehmer allerdings gar nichts!
2. das Versicherungsunternehmen stellt diesen jährlich erforderlichen Antrag auf die staatlichen Zuschüsse dann, wenn der Versicherungsnehmer es wünscht. Leider hat der Versicherungsnehmer davon erst später erfahren.
3. für die Jahre vor 2014 sind die jährlichen staatlichen Zuschüsse verloren, weil lt. Versicherungsgesellschaft die Ansprüche nach zwei Jahren verjährt sind.
Der Schaden? Immerhin fast 2.500,-€
Fazit:
Es sollte einem Angst und Bange werden, wenn es um die Altersversorgung in unserem Land geht. Aktuell bieten weder staatliche Renten noch private Vorsorgemöglichkeiten nur unzureichende Sicherheit für ein sorgenfreies Rentnerdasein!
Einzig die Beamten dürften sich auch in Zukunft ganz ordentlich abgesichert fühlen…
Warum ich das hier schreibe, weil ich glaube diese Erfahrung betrifft Millionen von Menschen, die genauso gedankenlos so einen Artikel lesen und den Bezug bzw. die Folgen für das eigene Leben nicht erkennen.
Und weil ich glaube, das hier schnellstens etwas geändert werden muss, sonst steuert unsere Gesellschaft fröhlich feiernd auf den „Eisberg der Titanic“ zu!

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Veröffentlicht am 10. März 2016 in Deutschland heute Abend, Tagesthemen und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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