Deutsche Banken treiben Steuern für die USA ein!


 

Update 22.08.2015:

Antwort der US-Finanzbehörde auf meinen Antrag (Form W-7) auf Erteilung einer US-Steuernummer (ITIN)

Antwort der US-Finanzbehörde auf meinen Antrag (Form W-7) auf Erteilung einer US-Steuernummer (ITIN)

Heute habe ich Post von der IRS (Datum des Schreibens/Notice Date: 06.08.2015) bekommen, mein Antrag erfüllt nicht die Kriterien der IRS! Bis zum 21.09.2015 muss der korrigierte Antrag der IRS im schönen Austin/Texas vorliegen, ansonsten wird der Antrag abgelehnt wie mir unmissverständlich erklärt wird…
„Individual Taxpayer Identification Number (ITIN) (Form W-7)
The following documents you sent didn’t meet the IRS criteria:

  • Passport

Please provide a valid passport or other documentation by September 21, 2015. If we don’t hear from you by then, the application will be denied.“

Scheinbar ist der Personalausweis nicht ausreichend für diese Behörde. Also werden ich jetzt noch Kopien des Reisepasses nachreichen und hoffe dass damit alles erledigt ist…

Update 30.10.2015:

Leider erhielt ich heute die nächste Nachricht von der IRS zu meinem „Form W-7“-Antrag auf Erteilung einer US-Steuernummer „ITIN“.

„We need further informations to proceed your W-7 …“. Also wieder stimmt etwas nicht, leider fehlt die Angabe was jetzt noch fehlt oder nicht stimmt….

Also bleibt mir nichts anderes übrig als mich telefonisch zu informieren…Unter der Telefonnummer 001 267 941 1000 erreiche ich die „automatische Stimme“….Die Details erspare ich jedem an dieser Stelle, nur soviel 30 Minuten Wartezeit in der Warteschleife sind ein sehr gut, es geht noch schlimmer.

Ok, endlich eine menschliche Stimme, die mein Problem versteht und mir tatsächlich eine hilfreichen Hinweis gibt. Eine Kopie des Reispasses reicht nicht, es muss eine beglaubigte Kopie der Ausstellenden Behörde sein. Ok, da habe ich Glück, ich wohne immer noch da, wo der Reisepass ausgestellt wurde. Ärgerlich ist es trotzdem, das hätte man mir auch schon am 22.08.2015 mitteilen können. Aber die Zuversicht steigt, diese Hürde lässt sich bewältigen. Noch am selben Tag, geht die beglaubigte Kopie auf die Reise. Eile ist geboten, denn die gesetzte Frist von 30 Tagen bezieht sich immer auf das Erstellungs-Datum der Mitteilung und deshalb verbleiben einem gerade einmal ca. 6-7 Tage um die Frist einzuhalten. Versäumt man diese Frist, war es das, die Rückerstattung wird dann abgelehnt!

Update 18.12.2015:

Kurz vor Weihnachten, die IRS macht mir ein Weihnachtsgeschenk, meine „ITIN“ ist da! Ich habe jetzt also endlich eine Steuernummer in den USA…

Auch wenn ich nie in den USA gearbeitet habe, die USA halten das aber für erforderlich um mir mein „geklautes Geld“ zurückzuerstatten. Egal, dann steht der Erstattung jetzt ja nichts mehr im Wege. Kann jetzt ja nicht mehr lange dauern…

Update 27.01.2016:

Post von der IRS…

Leider wurden mir nur die beglaubigten Kopien des Reisepasses zurückgeschickt und ein verwirrendes Begleitschreiben, indem mir die Bearbeitung meines Antrag auf Erteilung einer US-Steuernummer mitgeteilt wird….Aber diese habe ich ja bereits! Egal, immerhin nichts negatives, nicht wieder ein Hinweis auf fehlende Unterlagen…

Update 28./29.01.2016:

Schon wieder Post von der IRS…Die Bewilligung der Steuererstattung? Leider wieder nicht! Stattdessen wieder ein Schreiben, indem mir mitgeteilt wird das zu meinem Antrag „1040-NR“ etwas fehlt. Diesmal werden mir aber 6 mögliche Punkte zur Auswahl genannt, was fehlen könnte. Blöd nur, das keiner der genannten Punkte auf mich zutrifft. Drei der genannten Punkte beziehen sich auf US Arbeitseinkommensnachweise – Ich habe und hatte nie ein Erwerbseinkomnen in den USA, das ich Belegen könnte – zwei weitere Punkte beziehen sich auf Einkünfte durch Grundbesitz – Ich habe und hatte nie Grundbesitz in den USA und daher auch keine Möglichkeit eines Einkommensnachweises!

Bleibt also nur der sechste und letzte Punkt „sonstiges“! Also schon wieder Rätsel raten, was könnte fehlen, was könnte gemeint sein.

Hilft nichts, ein erneuter Anruf ist fällig…

Ich mache es kurz, Warteschleife >60 Minuten und dann eine, nein zwei unfreundliche und an meinem Problem nicht wirklich interessierte IRS Mitarbeiter, da ich mich aber trotz aller Gegenwehr nicht abwimmeln ließ, wurde ich dann zu einem „special tax agent“ weiterverbunden. Diese Dame war zumindest bereit sich mit meinen Fragen zu beschäftigen und ich konnte die „fehlenden Unterlagen“ einkreisen. Diese vermeintlich fehlenden Belege, es geht um die jährliche Aufstellung von Merrill Lynch „Form 1099“, die Jahressteuerbescheinigung, waren aber schon als Anlage dem Antrag auf Steuererstattung „Form 1040-NR“ vom 14.07.2015 beigefügt. Das wollte der IRS Mitarbeiter nun gar nicht hören und erklärte mir, es wäre doch normal, dass Unterlagen verloren gehen können…Ok, egal also auf ein Neues…die Unterlagen werden heute am 29.01.2016 nochmals an die IRS übermittelt…Ja, auch hier wieder Eile ist geboten, denn die IRS Mitteilung datiert vom 06.01.2016, d.h. die 30-Tagefrist läuft bereits am 05.02.2016 ab! Und noch eine Information erhalte ich quasi beiläufig in der Telefonwarteschleife:

„Tax Return Form 1040 will take actually 6 Month…“

Aber es gibt noch Hoffnung…

Die Hintergründe: Warum ich in den USA 30% Steuern zahlen musste…

Die Antwort darauf ist zwar einfach aber unglaublich:

Die US-Finanzbehörde IRS hat Ende 2014 ganz einfach meine deutsche Staatsbürgerschaft angezweifelt! So einfach geht das und schon wurden von meinem Depotkonto in den USA 30% an die US-Finanzbehörde abgeführt! Wohlgemerkt 30% des gesamten Depotwertes, nicht etwa von Dividenden oder potentiellen Kursgewinnen.

Dieses Depot rührt aus meiner früheren Tätigkeit für den US-Konzern Tyco später Covidien und heute zu Medtronic gehörend, es wurden seit 2001 weder Käufe noch Verkäufe getätigt. Mein Wohnort hat sich in den ganzen Jahren nicht geändert. Ich habe mich um die Aktien einfach nie gekümmert, habe regelmäßig die Depotauszüge erhalten und diese abgeheftet, das war es. Dividenden wurden immer automatisch versteuert, also etwas Kapital auf der hohen Kante, nicht mehr und nicht weniger. Trotz der überall zu vernehmenden Aussagen „mit Aktien verdient man langfristig“, habe ich mit diesen Aktien nur Verluste erlebt. Im Zeitraum 2001-2014 hat sich der Depotwert halbiert, er war zwischenzeitlich auch mal nur noch 1/10tel des Ursprungskapitals wert, von Kursgewinnen kann also keine Rede sein.

Aber als ich Ende 2014 das Depot auflösen wollte und zu diesem Zweck die Aktien verkauft wurden, da hat die US-Finanzbehörde zugeschlagen…schwups, die US-Finanzbehörde erklärte mich kurzerhand zum US-Staatsbürger und als solcher kamen dann zu den Kursverlusten noch 30% an die USA abgeführte Steuern dazu. Es folgten unendliche Telefonate und seitenlanger Emailverkehr, genutzt hat es bis heute nichts. Mein Geld habe ich auch 9 Monate später immer noch nicht zurück erhalten!

Bei meiner Suche nach Hilfe, nach Wegen an mein Geld zu gelangen habe ich festgestellt, ich bin kein Einzelfall…

Tausende deutscher Aktienbesitzer haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

Aber noch viel schlimmer erscheint mir der, bei meinen Recherchen zutage getretene, Grund für diese unglaubliche Geschichte, denn dieser offenbart:

Es kann jeden Sparer, der sein Geld in Fonds oder Aktien anlegt und dabei in den Besitz von US-Aktien gerät, treffen! Warum erfahren sie im folgenden Beitrag.

7. Februar 2015 um 13:58
Ich habe eine solche Information nicht von der depotführenden Bank erhalten. Ich habe dort gestern aufgrund des Einstandskurses der eingebuchten Papiere angerufen, allerdings war u.a. die Rede von “steuerneutraler” Einbuchung.

9. Februar 2015 um 10:46
Hi Folks, nette Überraschung am Montagmorgen: mein Konto ist mit 20.000 EUR in den Miesen! Übrigens mit Buchungsdatum 9.2., aber Wertstellung 6.2.! Auf den Überziehungszinsen bleibe ich also auf jeden Fall sitzen .. Tipp: guckt Euch umgehend Euer Konto an!

9. Februar 2015 um 11:24
Hallo zusammen,
mich hat es heute dann auch erwischt.
Bin bei der DKB.
Schöne Scheiße!!

9. Februar 2015 um 11:28
Meine Bank ist die Pax-Bank, gehört zum Verband der Volks- und Riffeisenbanken, ein Bekannter von mir hat ein Konto bei der Kreissparkasse München – dasselbe! Ein anderer Bekannter hat ein Konto bei der Deutschen Bank – da ist nichts einbehalten worden, sondern es ist ganz neutral als “Tausch” abgewickelt worden!

So wie diese lauteten Anfang des Jahres viele Meldungen in diversen Aktien-Foren:

Medtronic verlegt Firmensitz nach Irland

ACHTUNG:
Bestandsbesteuerung der kompletten Depotposition

Was sich, dem ersten Anschein nach, als ein ganz spezielles Problem darstellt, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als ein Problem, dass grundsätzlich jeden Anteilseigner an einem US-Unternehmen betreffen kann. Doch dazu später mehr.
Zuerst bleibe ich bei dem Fall Medtronic, der sich ganz gut dafür eignet das generelle Problem dahinter zu verdeutlichen.

In dem Zusammenhang mit der Verlegung des Firmensitzes nach Irland, wurden die “alten” Medtronic-Aktien von den Märkten genommen und durch “neue” Aktien ersetzt. Die neuen Aktien heißen demnach nun Medtronic PLC.

Seit dieser Umwandlung bekamen viele Medtronic-Aktionäre Informationen von Ihren Banken geschickt, das ihre Medtronic-Aktien mit 30% besteuert werden. Und zwar nicht nur ein vermeintlicher Kursgewinn oder die angefallenen Dividenden, nein, es ging um den kompletten Aktienbestand! Stellen sie sich nur einmal vor ihre Bank teilt ihnen mit, ihre kompletten Bankguthaben würden morgen mit 30% versteuert und diese würden sofort an das Finanzamt abgeführt!

Von jetzt auf gleich um 30% ärmer…

Genau das ist passiert, mit dem Unterschied, es hat in diesen Fällen „nur“ Aktienbesitzer getroffen und das Geld wurde nicht vom deutschen Finanzamt eingefordert, sondern vom „Finanzamt“ der USA.

Doch weiter mit den Details dieser Geschichte…

Der Vorgang des Aktienaustausches ist einfach:

Die alten Aktien wurden ausgebucht (steuerrechtlich verkauft) und die gleiche Anzahl an neuen Aktien wurden eingebucht. Im Grunde ein Null-Summen Spiel, Gewinne entstehen nicht, es fällt auch keine Quellensteuer auf Zinsen oder Dividenden an.

Doch die US-Finanzbehörde hatte da eine andere Meinung und nur die zählt!

Der komplette Wert der Aktien sollte nach Auffassung der IRS mit sagenhaften 30% versteuert werden. Dieses Vorgehen betraf übrigens nur „Aliens“, so bezeichnet diese US-Behörde sogenannte „Non-Residants“, also Nicht-US Bürger. US-Bürger waren von dieser Geldeintreiber-Masche nicht betroffen.
Hintergrund dieser Aktion dürfte der Unmut der US-Finanzbehörden über immer mehr US-Unternehmen sein, die ihr steuerliches Domizil aus den USA, z.B. wie im Fall Medtronic, in eine Steueroase wie Irland verlagern. Diese Multinationalen Konzerne sparen dabei enorm, in den USA sind ca. 35% Steuern zu zahlen, in Irland sind es gerade einmal 12,5%. Ganz ohne Frage, diese Möglichkeiten der Steuervermeidung für Konzerne gehört abgeschafft und Konzerne, die sich auf diese Art und Weise bereichern, gehören bestraft. So, oder so ähnlich denkt wohl auch die US-Finanzbehörde, die IRS und findet Mittel und Wege sich die entgangenen Steuereinnahmen auf andere Weise zu beschaffen.

Im Fall Medtronic wird als Grund für die Besteuerung ein angebliches zeitliches Versäumnis von Mectronic Inc. genannt. Geplant und angekündigt war etwas anderes, demnach sollte der Aktientausch für alle Anteilseigner, den geltenden Gesetzen entsprechend, steuerfrei bleiben. Aber wegen “angeblich” zu spät abgegebener Unterlagen wurden die „ausländischen“ Nicht-US-Aktionäre von der IRS zur Kasse gebeten!

Die Belastung der Depotkonten fand ohne Vorankündigung oder vorherige Benachrichtigung statt und hatte für viele Aktienbesitzer ein dickes Minus auf ihren Konten zur Folge. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt warum und wieso dieser außergewöhnliche Vorgang stattfand und vor allem, niemand konnte es verhindern, denn die deutschen Banken haben sich als Geldeintreiber für die amerikanische Finanzbehörde aktiv an diesen illegalen Vorgängen beteiligt. Wer also einen großen Aktienbestand hatte, der musste schauen, dass sein Konto gedeckt ist, denn ein Depotbestand von 10.000,-€ bedeutete 3.000,-€ Steuern, 100.000,-€ entsprechend satte 30.000,-€ an das US-Finanzamt abführen zu müssen.

Es trifft ja keine Armen…

Dieser Satz wird an dieser Stelle vielen durch den Kopf gehen, doch soviel schon vorweg, es trifft unter Umständen sehr wohl auch „die Armen“, denn erstens besteht ein Unterschied darin Aktien zu besitzen und mal eben mir nichts dir nichts 3.000,-€ oder 30.000,-€ an liquiden Mitteln zur Verfügung zu haben und zweitens kann sich diese Geschichte durchaus auch für den kleinsten Sparer hier in Deutschland genauso abspielen. Warum? Dazu komme ich noch im weiteren Verlauf dieser Geschichte…

Weiter geht es mit dem Fall Medtronic…

Allen Nicht-US-Aktionären drohte dieser zwar illegale aber praktizierte Zugriff der Banken direkt auf das Konto des Aktieninhabers. Die US-Finanzbehörde IRS ignorierte dabei zwar das Deutsch-Amerikanische Doppelbesteuerungsabkommen aber das interessierte niemanden. Mithilfe der jeweiligen deutschen Geschäftsbanken wurden diese illegalen Steuern direkt von den Konten, wohlgemerkt von Konten in Deutschland, bei deutschen Banken, von deutschen Staatsbürgern, eingezogen!

An dieser Stelle kürze ich die Geschichte des Falles Medtronic mit seinen Besonderheiten ab und komme zu den, viele von uns betreffenden Hintergründen. Festzuhalten bleibt:

Das Geld war und ist bis heute bei vielen Betroffenen erst einmal Futsch!

Der anschließend notwendige Weg sein Geld zurück zu erhalten ist mühsam, teuer und ungewiss!

Das Geld befindet sich jetzt in den Klauen des US-Finanzamts und genauso wie in Deutschland, bleibt einem nur der Weg einen Antrag auf Steuerrückerstattung an die US-Finanzbehörde zu stellen, ja sie lesen richtig, ein deutsches Finanzamt ist da nicht zuständig, von dort erhalten Sie 0,0 Unterstützung bzw. Hilfe. Die dafür erforderlichen Formulare sind nur in Englisch zu erhalten und ein Ausfüllen ohne einen Steuerberater, der sich noch dazu im US-Steuerrecht auskennt, ist schier aussichtslos. Möglicherweise sind auch noch bestimmte Fristen einzuhalten, die man hier in Deutschland üblicherweise nicht kennt.

Warum konnte das überhaupt passieren? Wieso könnte das Gleiche auch jedem Riestersparer, jedem Fondssparer passieren?

Grundsätzlich gilt, weder die Amerikaner noch irgendein anderes Land  interessieren sich für deutsche Steuergesetze; es gelten zuerst einmal immer die Steuergesetze des jeweiligen Landes. Natürlich gibt es ganz unterschiedliche nationale Steuergesetze aber auch international einheitliche Steuergrundsätze sowie Bilaterale Abkommen zwischen den Ländern, um zum einen für eine gewisse Steuergerechtigkeit zu sorgen und zum anderen international gültige Regelungen zu treffen. Ein Beispiel sind die Doppelbesteuerungsabkommen der Bundesrepublik. Mit den USA besteht so ein Abkommen, darin ist unter anderem geregelt, das ein deutscher Staatsangehöriger mit festem Wohnsitz in Deutschland seine Quellen-/Abgeltungssteuern in Deutschland nach den hier geltenden Steuergesetzen entrichtet und deshalb von dieser Steuer in den USA „befreit“ ist. Ziel dieser Vereinbarung ist es also, zu vermeiden, dass ein und dieselben Steuern „doppelt“ entrichtet werden müssen. Eine sinnvolle Regelung, damit findet eine Versteuerung immer im Heimatland des Steuerpflichtigen statt und wird von den zuständigen Finanzbehörden durchgeführt. In Deutschland führen die Banken die Quellen-/Abgeltungssteuern in Höhe von derzeit 25% auf Kapilerträge automatisch an die Finanzämter ab.

Wie kommt eine deutsche Bank überhaupt dazu irgendwelche dubiosen US-Steuern, die KEINE Quellensteuern sind, abzuführen ?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach und ist gleichzeitig auch der Grund dafür, warum es so ziemlich jeden Sparer treffen könnte!
Wohlgemerkt, es geht um Quellensteuern nicht um Vermögenssteuern, diese werden fällig, wenn es zu Gewinnen (Kursgewinne beim Aktienverkauf, Zinsen, Dividenden) aus Kapitalanlagen (Sparguthaben, Aktien, Fonds etc.) kommt.

Diese Quellensteuern entstehen an der Quelle, den Aktienunternehmen, im Normalfall werden sie dann von der Kontoführenden Bank beim Endkunden erhoben. Allerdings gibt es bei Aktien-/Fondsdepots eine Besonderheit, die den meisten Bankkunden nicht bekannt ist. Denn auch wenn Banken fleißig für Depotkonten Gebühren kassieren, die Aktien liegen im Normalfall nicht bei der Depotführenden Bank.

Ungefähr so stellen sich die meisten den An- und Verkauf von Aktien vor. So, oder so ähnlich erklären es uns auch die Banken. Die Realität ist aber tatsächlich eine ganz andere!

Ungefähr so stellen sich die meisten den An- und Verkauf von Aktien vor. So, oder so ähnlich erklären es uns auch die Banken. Die Realität ist aber tatsächlich eine ganz andere!

Die Depotbank reicht die Anweisung nur durch. Die Aktien befinden sich physisch bei sogenannten „Zentralverwahrer„, hier werden bei An-/Verkauf der Aktien, statt die Aktien von einem Ort zum anderen zu schicken, nur die Eigentümer geändert, physisch bleiben sie beim „Zentralverwahrer„. Diese zentralen Stellen sind in der Regel keine staatlichen Einrichtungen, sondern rein privat geführte und gewinnorientierte Unternehmen. Für die deutschen und Luxemburger Wertpapiermärkte ist beispielsweise Clearstream, für die Schweiz SIX Group, für Österreich die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) und für die Vereinigte Staaten die Federal Reserve’s Fedwire Securities Service und The Depository Trust Company (DTC), als „Zentralverwahrer“ tätig.

Überblick des "Zentralverwahrers" Clearstream. Über diese Schaltzentralen werden auch die Länderspezifischen Steuern abgewickelt.

Überblick des „Zentralverwahrers“ Clearstream. Über diese Schaltzentralen werden auch die Länderspezifischen Steuern abgewickelt.

Wie kommt eine deutsche Bank überhaupt dazu irgendwelche dubiosen US-Steuern, die KEINE Quellensteuern sind, abzuführen ?

Der Zugang zum lukrativen Geschäft mit Aktien für die nationalen Geschäftsbanken, ist also abhängig von einer Zusammenarbeit mit diesen wenigen Zentralverwahrern. Gleichzeitig sind diese Zentralverwahrer abhängig von einer Vielzahl nationaler Regierungen und den Börsenhandelsplätzen. Damit dieses äußerst komplexe Multinationale Gebilde funktionieren kann, sind komplexe Verträge und Zulassungen, wie zum Beispiel „USA Patriot Act Certification“, zwischen den Beteiligten erforderlich. Das Problem, das dabei entsteht, ist zum Einen, dass der Inhalt dieser Verträge nur den obersten Regierungs-/Management-Ebenen bekannt ist und die Abhängigkeit von den Zulassungen, vor allem dem „USA Patriot Act Certification“, eine Existenzgrundlage darstellt.

Die „Zentralverwahrer“ übernehmen also die Aufgabe, verschiedenste nationale Gesetze anzuwenden, selbst wenn diese sich widersprechen! Wie sollte das funktionieren?

Im Grunde geht das natürlich nicht, zumindest dann nicht, wenn tatsächlich die Gesetze und Regelungen aller Länder berücksichtigt und angewendet werden. Der Trick lautet, man agiert nach außen hin so, als ob man alle Gesetze einhält und bei den wenigen Fällen wo es unmöglich ist, entscheidet man nach „eigenen Hausregeln“, im Grunde trifft der „Zentralverwahrer“ dann eine Risikoabwägung nach dem Motto, welcher Gesetzesverstoß dem eigenen Unternehmen mehr oder weniger Nachteile einbringen könnte.

Ja, so läuft das, um es unmißverständlich auszudrücken, geltendes Recht, geltende nationale Gesetze, werden in einem solchen Fall durch das Recht des Stärkeren ersetzt, denn der „Stärkere“ ist für das „eigene Haus“ nun einmal das vermeintlich größere Risiko! Damit wird klar, die USA sitzen oft am längeren Hebel, wie man so schön sagt.

Gerade die Hysterie in den USA nach 9/11 hat zu einem enormen Druck auf die internationalen Finanzsysteme geführt. Banken mussten sich quasi zur Mithilfe bei der Jagdt nach Terroristen verpflichten. Allerdings sind die Leidtragenden mittlerweile nicht nur Terroristen, die Instrumente des Patriot Acts werden zunehmend auch auf rechtschaffene Bürger weltweit angewendet.

Gewinnorientierung zum Einen und die notwendigen Verträge mit Regierungen zur Umsetzung nationalen Rechts zum Anderen, führen letztendlich, in der Umsetzung bestimmter Vorgänge, wie z.B. die Forderung der US-Finanzbehörde zum Einzug von Steuern, zu einer Risikoabwägung dieser Zentralverwahrungsstellen. Denn auch wenn man dort um die Unrechtmäßigkeit dieser Forderung der US-Behörde weiß, könnten die Auswirkungen dieser Forderung nicht nachzukommen weitaus größer sein, als diese Forderung einfach umzusetzen und an die Betroffenen nationalen Geschäftsbanken und damit an deren Kunden weiterzugeben.

Die Ursache und darin besteht auch die Gefahr für jeden normalen Sparer, der irgendwo in seinen Fonds irgendwelche US-Aktien besitzt, liegt also in den Vereinigten Staaten, um genau su sein, bei der US-Finanzbehörde IRS.

Und ausgerechnet an diese Behörde muss sich der geschädigte dann wenden um sein Geld zurückzuerhalten! Da ich selber Betroffener bin kann ich an dieser Stelle auch gleich erklären was alles erforderlich ist um zumindest die Aussicht darauf zu haben das eigene Geld zurück zu erhalten:

  1. Einen Nachweis, dass man deutscher Staatsbürger ist.
    1. Kopie von Personalausweis und Reisepass
    2. Ausfüllen des IRS Formulars „Certificate of Foreign Status of Beneficial Owner for United States Tax Withholding“
      Form W-8BEN
  2. Um eine Steuerrückerstattung überhaupt beantragen zu können benötigt man aber ein US-Steuernummer, die man zuvor mit dem folgenden IRS-Formular, beantragen muss, „Application for IRS Individual Taxpayer Identification Number“ Form W-7
  3. Zu guter letzt gilt es dann das IRS Formular für die Steuerrückerstattung auszufüllen, „U.S. Income Tax Return for Certain Nonresident Aliens With No Dependents“ Form 1040NR-EZ
  4. Fast hätte ich es vergessen, die Zustimmung dass die IRS auf ihre deutschen Steuerdaten zugreifen darf, muss zusätzlich erteilt werden.
  5. Auch wenn nicht explizit danach gefragt wird, für die Steuerelevanten Jahre sollte man die Daten etwaiger Aufenthalte in den USA besser gleich mit angeben, ansonsten könnte die IRS, wegen einem zu langen US-Aufenthalt doch noch eine Steuerpflicht konstruieren.

Der durchschnittliche Stundensatz eines Steuerberaters, der mit dieser Materie vertraut ist liegt bei ca. 250,-€!

Fazit:

  • Durch die Willkür der US-Finanzbehörde kann jeder deutsche Aktienfondssparer von US-Steuern betroffen sein!
  • Das Bankensystem agiert jenseits geltender Gesetze. Deutsche Banken agieren dabei als Handlanger ohne eine rechtliche Grundlage!
  • Für die US-Behörden ist es ein leichtes auf diese Weise an die Daten deutscher Steuerzahler zu gelangen!
  • Berichte oder Aufklärung durch deutsche Politiker, durch die Bundesregierung oder deutsche Medien findet nicht statt!
  • Diese Geschichte ist zugleich ein, wenn auch kleiner, Einblick in die Macht- und Parallelwelt der Finanzmärkte.

 

Lesenswert:

Clearstream (Wikipedia.org)
SIX Group (Wikipedia.org)

Weitere Informationen zum Fall Medtronic direkt auf Medtronic- Investors…

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Veröffentlicht am 20. August 2015 in Deutschland heute Abend, Finanzen, Tagesthemen und mit , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Interessanter Artikel, sehr informativ

    • Danke! Wer das ganze mal so richtig durchdenkt, der kommt schnell zu dem Gedanken, was wohl passiert, wenn die USA noch mehr wollen? Wie sich dann wohl das Finanzsystem, mit all ihren Abhängigkeiten von den USA, verhält? Dabei kann einem Angst und Bange werden! Denn das Prinzip, dass hier zur Anwendung kommt, ist mittelalterlich aber wirkungsvoll, das Prinzip des Stärkeren! Wer 1000 Militärstützpunkte im Ausland unterhält, aber nicht einen einzigen ausländischen Militärstützpunkt in seinem eigenen Land hat, der Verfolgt damit genau dieses Prinzip und er wird es wohl auch anwenden!

  2. Nicholas hereau

    Vielen Dank, derblauweisse !
    Ein sehr interessanter Artikel. Aus eigener Erfahrung als University Lecturer ( 4 Jahre in der USA) kenne ich das Problem. Ich habe ein Oesterreichischer Pass seit 1995 und zahle meine Steuern in Oesterreich. Seit 2003 habe ich auch eine Social Security Number, aber kein Einkommen in der USA. Ich war nicht dort seit 2008. Nun schickt mit ComDirectBank wo ich ein Depot mit amerikanischen Aktien habe ein W-8BEN Formular. Ich habe kein Wohnsitz dort, wieso muss ich das Formular einreichen ? Sonst droht die ComDirect mit der Aufloesung der Geschaeftsbeziehung. Glauben Sie ist es rechtens ? Danke !

    • Ja, das W-BEN Formular muss man wohl ausfüllen. Dieses Formular wird von der IRS für den Fall verlangt, dass der Aktien-/Kontoinhaber die Vorraussetzungen für eine Quellensteuerbefreiung erfüllt. Die Konto/Depot führende Bank, egal ob innerhalb oder außerhalb der USA, riskiert die Zulassung für den US-Markt, wenn sie ohne W-8BEN die US-Quellensteuer nicht abführt. Im Grunde gibt es nur eine Möglichkeit sich diesem Druck der USA zu entziehen. Kein US-Bank-/Depotinstitut verwenden und keine US-Unternehmensaktien kaufen/besitzen, dann hat man die Probleme erledigt.

      Traurig aber wahr, es gilt das Recht des Stärkeren und solange das Finanzsystem von der FED regiert wird, solange wird es keine andere Alternative geben. Aber clever, wie ich Putin einschätze, wird da bestimmt von den BRICS Staaten etwas zu erwarten sein.

      BWG
      derblauweisse

      P.S. Meine Steuern habe ich bis heute nicht zurück erhalten. Zuletzt erklärte mir die IRS, dass mein deutscher Personalausweis nicht ausreicht, um meine Staatsangehörigkeit zu beweisen! Mit einer sehr knappen Frist musste ich den Reisepass in Kopie übersenden. Wäre dieser z.B. abgelaufen, hätte ich mich von meinem Geld verabschieden können…

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