Mein Kommentar zum Artikel: „Dann gebt doch die DDR den Russen zurück!“ von Jacques Schuster „Die Welt“ vom 29.11.2014


Die Welt

KOMMENTAR KRISE IN EUROPA 29.11.14


Jacques Schuster Chefkommentator

Jacques Schuster Chefkommentator

Dann gebt doch Russland die DDR zurück!

Die Russlandversteher und Leisetreter rufen beständig dazu auf, die russischen Sicherheitsinteressen anzuerkennen.

Wissen sie eigentlich, was das bedeutet? Auch die DDR gehörte in Moskaus Machtraum.“

 


Sehr geehrter Herr Schuster,
Sie scheinen zur Fraktion „Alternativlos“ zu gehören, denn sowohl ihre historischen Darstellungen sind falsch bzw. bewußt selektiv, um sich einer Historie zu bedienen, die durch die permante Wiederholung falscher Tatsachen nicht richtiger wird. Alleine schon die DDR mit ehemaligen Teilen der UDSSR gleichzusetzen, zeigt doch welchen demagogischen Ansatz Sie mit diesem Kommentar verfolgen! Es ist eben doch ein Unterschied, ob es sich um ehemalige Warschauer Pakt Staaten oder um ehemalige Teile der UDSSR handelt. In Anbetracht Ihrer besonderen Qualifikation ist Ihr Kommentar noch dazu eine bewusste Irreführung der Leser!
Das Problem, das es Ihnen und Ihresgleichen die Verbreitung Ihrer Propaganda mittlerweile erschwert, ist die Tatsache, dass selbst die Geschichte in Zeiten des Internets von jedem überprüfbar ist und jetzt auch noch die Lügenmärchen der Vergangenheit offenbar werden. Dazu werde ich die Gelegenheit nutzen Ihre historischen Lücken zu füllen.
1. Ausschließlich die Dummheit eines senilen Herrn Adenauer hat uns die Teilung Deutschlands eingebrockt. Seine ungesetzlichen und keinesfalls demokratischen Alleingänge zum Abschluss der Pariser Verträge hat die Teilung Deutschlands manifestiert.
Warum?
Ganz einfach, weil dieser Provinzpolitiker bei einer Gesamtdeutschen freien Wahl nicht einmal eine minimale Chance gehabt hätte diese Wahlen zu gewinnen.
Es währe also zu einer SPD Regierung gekommen, denen Adenauer ja den AltNazi Gehlen und seine Organisation (heute bekannt als BND) auf den Hals gehetzt hat. Selbst Willy Brandt wurde von diesem Greis als „Kommunistischer Agent“ denunziert.
2. Die von Ihnen verwendete Argumentation beruht ausschließlich auf der Annahme, dass ein anderer Weg uns damals den bösen Russen ausgeliefert hätte. Übrigens wurde der „Russe“ für die deutschen erst zum „bösen Russen“ durch die NaziPropaganda, denn zumindest waren Deutsche und Russen historisch sehr eng miteinander Verbunden und selbst bis zum Unternehmen „Barbarossa“, also auch noch zu Kriegsbeginn, eher Verbündete als Feinde. Für diese Entwicklung, die sich genau so ja auch nach 1945 fortsetzte, war vor allem Reinhard Gehlen und sein Auslandsgeheimdienst FremdeHeereOst, verantwortlich. Dabei hat eben auch die äußerst schwache Position der USA, mit ihren Geheimdienstlichen Möglichkeiten zu der, für Deutschland nachteiligen Konstellation geführt, dass gerade dieser Gehlen die eigene Haut nur retten konnte, wenn, sowohl die Deutschen Nachkriegspolitiker, als vor allem auch die USA, ihm die Geschichten vom bösen Russen abkauften. Vor allem diese für die drei Maßgeblichen Personen, Gehlen, Adenauer und dem späteren CIA Chef Allen Dulles (Bruder des späteren US Außenminister John Foster Dulles/Schröder Bank), äußerst vorteilhafte Rolle des „bösen Russen“ führte, zu den uns bis heute auferlegten Verpflichtungen.

General Reinhard Gehlen Leiter des Auslandsgeheimdienstes Fremde Heere Ost (FHO) Unter CIA Führung "Organisation Gehlens", später BND

General Reinhard Gehlen Leiter des Auslandsgeheimdienstes Fremde Heere Ost (FHO)
Unter CIA Führung „Organisation Gehlens“, später BND

Allen Dulles CIA Chef und

Allen Dulles CIA Chef und

 

 

 

 

 

 

 

 

Die mit den Pariser Verträgen verbundenen NATO Verpflichtungen, führten ja bereits zu Beginn der 50er Jahre, zu den ersten Massenprotesten, als ebenfalls ohne Beteiligung des deutschen Parlaments, Adenauer die Wiederbewaffnung Deutschlands zugesagt hat. Heute kaum noch bekannte Begleiterscheinungen dieser Proteste war der erste erschossene Demonstrant 1952 in Essen, der Rücktritt des damaligen Innenministers Gustaf Heinemann, dem späteren Bundespräsidenten und der Verfolgung von 230.000 Menschen, die man als staatsgefährdende Kräfte, wegen ihrer Friedensdemonstrationen strafrechtlich verfolgte. Gegen die Politik Adenauers hat die damalige Friedensbewegung, trotz eines Verbotes, mit einer Unterschriftenaktion etwas mehr wie 10 Millionen ( andere Quellen sprechen sogar von über 20 Mio. ) Unterschriften gegen die Wiederbewaffnung erzielt. Adenauer hat damals gegen den Willen der Deutschen diesen Weg beschritten, daran gibt es keinen Zweifel.

Heute diesen Weg als den richtigen zu bezeichnen hat schon etwas äußerst makaberes, nicht auszudenken, wenn der Kälte Krieg zu einem heissen, atomaren Inferno geführt hätte. Unser Glück, als Folge der damaligen Politik zu bezeichnen, gleicht der heutigen Argumentationskette, in der das Wort „alternativlos“ so gerne verwendet wird.
3. Willy Brandt, mit seiner Enspannungspolitik hat uns dann den Beweis für einen alternativen Weg geliefert. Eigentlich sollten spätestens an dieser Stelle alle heutigen Eskalationspropheten erkennen, dass es zu diesem Außenpolitischen Miteinander gar keine Alternative geben kann.
4. Die von Ihnen, Herr Schuster dann auch noch beschriebene Beliebigkeit, die sich als Folge einer Anerkennung der Krim-Situation bzw. der Ostukrainischen Situation ergeben würde, als Problematisch zu betrachten, sollte sie dann, um zumindest halbwegs ernsthaft zu bleiben, auch in Richtung USA hinterfragen. Moralische, rechtliche und vor allem glaubwürdige Politik wird aber besonders von den USA beliebig gehandhabt! Es gibt unstreitig kein zweites Land, dass sich mit seiner Art die Eigenen Interessen zu wahren so wenig um das Völkerrecht oder die Befindlichkeiten anderer Nationen kümmert ( NSA, Guantanamo, Iran, Irak usw. )!
Es lohnt also nicht mit dem Finger auf diesen Weg aus der Krise zu zeigen, wenn der eigene kein anderer ist. Gerade, weil es um das wiederherstellen von Vertrauen geht ist auch eine Diskussion, ob die, von Genscher und Baker, unstreitig gemachte, aber nicht schriftlich fixierte Vereinbarung anlässlich der deutschen Wiedervereinigung, zur NATO Osterweiterung, als gültig, ungültig oder nie gegeben beurteilt wird, sollte man, wie es sich eigentlich unter Partnern gehört, als sehr wohl für das Verhältnis relevant, betrachten! Wenn auf dem internationalen Parkett die Worte eines Politikers nichts mehr bedeuten, ist das Ende der Diplomatie schon längst erreicht. Politik national aber vor allem international muss sich neben den ausgeklügeltsten Vertragswerken zuerst und vor allem auf einen gemeinsamen Konsens berufen können! Ansonsten dürften gerade wir, mit unseren internationalen Vereinbarungen, die teilweise inhaltlich nicht einmal der Kanzlerin bekannt zu sein scheinen ( legale NSA-Überwachung ihres Handys ), noch gehörig wundern. Es gibt einige Vereinbarungen, die ich gerne zur Verfügung stelle, mit reichlich politischem Sprengstoff.
Hätten Sie, Herr Schuster auch nur im Ansatz neben einer billigen Polemik, etwas haltbares geliefert, ich wäre der erste, der sich sogar gerne überzeugen lassen würde.
Ich bin kein Putinversteher, ich war nie einer und will es auch gar nicht sein. Im Gegenteil, ich würde mich freuen, wenn ich das Amerika, das sicher nicht nur ich, aus der ferneren Vergangenheit bewundert habe, wieder finden würde!
Das Grundproblem wird leider auch hier im Kommentar von Ihnen, Herr Schuster deutlich, wo Argumente die überzeugen fehlen, greifen Sie zu billiger Demagogie, sie denunzieren und polarisieren, statt einen erkennbaren gemeinsamen Nenner aufzuzeigen.
So geht Deeskalation nicht, nicht hier und schon gar nicht in der Politik!
Jörg Selan

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Veröffentlicht am 30. November 2014, in Deutschland heute Abend, Tagesthemen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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