“Förderung der Demokratie” – Wie die CIA die Basis für die heutige Propagandaoffensive schuf!


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CIA steuert deutsche Politik

Der CIA hat Einzelpersonen und Bewegungen durch das ganze po­litische Spektrum hindurch in der Bundesrepublik Deutschland fi­nanziert. Ein erstklassiges Bei­spiel dafür ist Willy Brandt, ehe­maliger Kanzler der Bundesrepu­blik, der viel Unterstützung durch den CIA erhielt, als er Regierender Bürgermeister von Berlin war. Axel Springer, der christlich-demokratisch gesinnte Presse- und Verlagsmagnat, der mit dem Finger auf Brandt zeigte, weil dieser mit dem CIA zusammenarbeitete, war eben­falls eine Bereicherung für den CIA, der seine Druckerzeugnisse dazu benutzte, um CIA-Propag­anda und Desinformation zu ver­breiten. Es war ein Fall, wo der Topf den Kessel schwarz nannte; ich kannte seinen Sachbearbeiter sehr gut.
So sieht der CIA seine Mission, die Arbeit für die er geschaffen wurde. Der CIA soll mit jedem zu tun gehabt haben, nicht nur mit den Christdemokraten oder den Sozialdemokraten. Die Agentur soll überall ihre Hand im Spiel gehabt haben, auch bei den Kommunisten, so daß sie alle so manipuliert werden kön­nen, wie die US-Regierung es wünscht.
Quelle: Victor Marchetti – hochrangiger CIA-Mitarbeiter in Peter Blackwood, „Das ABC der Insider“, S. 169

“Springer erhält von CIA sieben Millionen Dollar“

19.6.82

Der junge Verleger, der wenig später die Bild-Zeitung erfinden sollte: Axel Springer Ende der 40er Jahre. Foto: dpa

Der junge Verleger, der wenig später die Bild-Zeitung erfinden sollte: Axel Springer Ende der 40er Jahre. Foto: dpa

Der CIA und Springer

Herr Springer, klagen Sie!

Am 19. Juni 1982 brachte das in den USA erscheinende Wochenmagazin The Nation unter dem Titel »Covert Charge« einen Beitrag des US-amerikanischen Journalisten Murray Waas. Kernpunkt des Artikels ist die Behauptung des Autors, der Axel Springer Verlag sei eine Kreatur des CIA! Etwa sieben Millionen Dollar seien Anfang der fünfziger Jahre aus den Kassen des CIA in die Kassen des bundesdeutschen Pressezaren gelangt. (Wir dokumentieren die deutsche Übersetzung)

Diese Behauptung ist so ungeheuerlich, daß man unwillkürlich Zweifel an ihrer Richtigkeit hegt. Sollte es tatsächlich zutreffen, daß Tausende von Redakteuren, Druckern und Setzern ohne ihr Wissen mit CIA – Dollars entlohnt worden sind? Diese Vorstellung rührt an die politischen, moralischen und verfassungsrechtlichen Grundlagen einer unabhängigen, freien Presse in unserem Land.

Springer hat folglich dementieren lassen. »Wir weisen entschieden darauf hin, daß weder Axel Springer persönlich noch seine Gesellschaft jemals geheime oder offene finanzielle Zuwendungen des CIA, von irgendeinem Geheimdienst oder von Regierungsstellen erhalten hat.« So Christian Kracht von der Axel Springer Gesellschaft in einem Leserbrief an The Nation. »Ich stehe zu meinem Artikel, der auf Interviews mit vier Informanten, davon sind zwei ehemalige Geheimdienst Mitarbeiter, und dokumentarischen Beweisen basiert.« So die lapidare Replik des Autors (vgl. The Nation vom 3. Juli 1982).
Wir sind der Auffassung, daß die in dem angesehenen Wochenmagazin The Nation erhobenen Vorwürfe zu schwerwiegend sind, als daß sie mit einem unscheinbaren Dementi in Form eines Leserbriefes abgetan werden könnten. Axel Springer, der sonst nicht zögert, seine Kritiker mit Prozessen zu überziehen, sollte vor einem ordentlichen Gericht den Beweis dafür liefern, daß er eine reine Weste hat. Stellen Sie sich Ihrer Verantwortung für die Glaubwürdigkeit einer unabhängigen, freien Presse in der Bundesrepublik Deutschland!

Herr Springer, klagen Sie!

Günter Neuberger/Michael Opperskalski


CIA – Gelder für Springers Medienimperium?

Nach verläßlichen Informationen aus dem Geheimdienst Bereich der USA hat der CIA in den frühen fünfziger Jahren etwa sieben Millionen Dollar an den westdeutschen Pressezar Axel Springer fließen lassen, um ihm beim Aufbau von seinem gewaltigen Medienimperium behilflich zu sein und den geopolitischen Interessen Amerikas zu dienen. Springers Verbindung mit dem CIA, so die Informationen, bestand mindestens bis in die frühen siebziger Jahre hinein, und es gibt keinen Grund anzunehmen, daß die Beziehung irgendwann beendet worden ist*

* Auf Anfrage von The Nation bestritt ein Springer Mitarbeiter, daß je eine Verbindung zwischen Springer und dem CIA bestanden habe. Ein CIA Sprecher sagte, es gehöre nicht zu den Gepflogenheiten des CIA, zu irgendwelchen Vermutungen Stellung zu nehmen.

Heute ist Springer Chef des größten Medienkonzerns in Westeuropa – einzigartig sowohl was seine Größe als auch seinen Einfluß in Nachkriegsdeutschland angeht. Neben zwei Radio- und Fernsehzeitschriften, zwei Sonntagsblättern und dem großen Ullstein Verlag gehört ihm auch die Bild-Zeitung, eine Tageszeitung mit elf Millionen Lesern, die bekannt ist für ihre Sensationsberichterstattung, ihre äußerst rechten Tiraden und ihre Storys über Sex und Gewalt. Daneben gehört ihm Die Welt, eine angesehene konservative Tageszeitung. Rudolf Augstein, Herausgeber des Spiegel:

»Kein einzelner Mann in Deutschland vor oder nach Hitler, ausgenommen vielleicht Bismarck oder die beiden Kaiser, hatte so viel Macht wie Springer.«

Nach Informationen aus Geheimdienst Kreisen wurden die geheimen Finanzzuwendungen an Springer und andere deutsche Journalisten nach dem Krieg gerechtfertigt als eine Möglichkeit, neonazistischen und rechtsgerichteten Elementen in Deutschland entgegenzuwirken. Zu jener Zeit galt Springer als ein liberaler, internationalistischer Verleger, der für nukleare Abrüstung und Entspannung mit der Sowjetunion eintrat. Ein ehemaliger hochrangiger CIA Offizier, der die geheimen Geldzuwendungen nach wie vor verteidigt, drückt das so aus: »Man muß das im Zusammenhang sehen. Springer war damals ein Liberaler, und wir wollten Nazis und andere Rechtskräfte im Lande bekämpfen. Wir wollten dem deutschen Volk ganz einfach amerikanische Werte und demokratische Grundsätze beibringen.«
Aber in den späten fünfziger Jahren begann Springers politische Philosophie sich zu änderen, und seine Zeitungen standen bald in dem Ruf, seine militanten nationalistischen und antikommunistischen Auffassungen wiederzugeben. Wie man hört, wurde Springer ein noch härterer Konservativer nach einer Moskau-Reise im Jahre 1958, während der er vergeblich versuchte, den sowjetischen Ministerpräsidenten Nikita Chruschtschow zur Aufnahme von Gesprächen über die Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland zu bewegen. Darüber hinaus läßt ein ehemaliger CIA Offizier durchblicken, daß Springer in dem Maße, wie er an Macht und Einfluß gewann, ganz einfach seine Auffassungen geändert und sich den anderen Reichen und Mächtigen in Deutschland angepaßt habe.

Wie dem auch sei, in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre hatte Springer den Höhepunkt seiner Macht erreicht und sich seine äußerst konservativen Ansichten zu eigen gemacht. Seine Tageszeitungen hatten eine Auflage, die 30 bis 40 Prozent der Gesamtauflage aller westdeutschen Tageszeitungen ausmachte, und seine Sonntagsblätter erreichten mehr als 80 Prozent der Leserschaft von Sonntagszeitungen. Damals startete er eine aggressive Leitartikel-Kampagne gegen die westdeutsche Linke und forderte ein hartes polizeiliches Vorgehen gegen Studentendemonstrationen. Nachdem im Juni 1967 in Berlin ein Student während einer Demonstration zu Tode gekommen war, wurde Springer von weiten Kreisen in der Bundesrepublik für die gewaltsamen Auseinandersetzungen verantwortlich gemacht. Im Frühjahr 1968 demonstrierten westdeutsche Studenten in Hamburg, Berlin und München gegen Springers Medienimperium und stürmten die Büroräume und Druckereien von einigen seiner Zeitungen.

Damals begann sich sogar bei Springers ursprünglichen Gönnern im CIA Besorgnis über seine feindselige Rhetorik und seinen Extremismus zu regen. Dazu ein ehemaliger hochrangiger Geheimdienst Mitarbeiter: »Einige Leute im CIA hatten das Gefühl, daß wir wie Dr. Frankenstein handelten, daß das, was wir mitgeschaffen hatten, langfristig weder den amerikanischen noch den westdeutschen Interessen dienlich sei.« Aber man mußte Springer gewähren lassen, denn, so ein anderer ehemaliger Geheimdienst Mitarbeiter, »er war eine zu mächtige Persönlichkeit geworden, als das wir ihm hätten sagen können, was er zu tun habe«. Tatsächlich war er so mächtig geworden, daß es für die Vereinigten Staaten weit peinlicher gewesen wäre als für Springer, wenn die geheime Operation enthüllt worden wäre. Darüber hinaus, so der Geheimdienst Mitarbeiter weiter, »waren es ja die Geheimdienst Leute, die die Operation Springer durchgeführt hatten, und in Notfällen war er für gewöhnlich zur Zusammenarbeit bereit und ließ sich als Propaganda Sprachrohr benutzen«. Nach Informationen aus Geheimdienst Kreisen war einer dieser Fälle eingetreten, als der CIA Springer bat, sowjetische Pläne zum Bau von Ölleitungen durch Westdeutschland und Italien zu attackieren. »Der CIA war damals von dem Gedanken besessen, daß alles getan werden müsse, um eine Wiederannäherung zwischen der Sowjetunion und den westeuropäischen Ländern zu bekämpfen. Solange uns Springer dabei behilflich war, konnten wir über seine Fehltritte hinwegsehen.«

Alles in allem ist diese geheime Geschichte bezeichnend für das, was die Vereinigten Staaten von Pressefreiheit und dem Zusammenspiel politischer Vorstellungen in einer Demokratie halten. Sie ist nichts als ein weiteres Teilchen im Puzzlespiel des Kalten Krieges und unterstreicht die Wichtigkeit, darauf zu beharren, daß die gegenwärtige Regierung uns bestätigt, daß solche Praktiken – einschließlich der geheimen Finanzierung von Axel Springer – heute der Vergangenheit angehören.
Aus: The Nation vom 19. Juni 1982 Murray Waas

(Aus http://www.das-gibts-doch-nicht.de/seite3.php)
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Die us-amerikanische „Förderung der Demokratie“
Wie die CIA die Basis der heutigen Propagandaoffensive schuf 1)

Wenn die US-Administration heute eine „Offensive für die Demokratie“
verkündet, dann kann sie sich bei deren Durchsetzung auf Strukturen
stützen, die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges systematisch von der
CIA – und anderen us-amerikanischen Geheimdiensten – aufgebaut wurden, um
eine politische und propagandistische Offensive zur Absicherung der US-
Interessen weltweit entwickeln und durchsetzen zu können. An dieser Stelle
soll weniger auf die aktuelle Konzeption dieser anhaltenden, weltweiten
politischen Intervention und ihre ökonomischen Hintergründe und Interes-
sen eingegangen werden. Es sollen vor allem jene Strukturen beleuchtet
werden, die die neuen Formen der politischen Intervention vorbereiteten
und deren Erfahrungen in sie einflossen (wobei die 80er Jahre von beson-
derer Bedeutung waren).

Die offiziell durch eine Direktive des „Nationalen Sicherheitsrates“
legitimierten Operationen der psychologischen Kriegführung der CIA
richteten sich 1948 zuerst gegen Italien. Die Vereinigten Staaten
fürchteten, daß die Kommunisten bei den in diesem Jahr abzuhaltenden
Parlamentswahlen einen Sieg erringen könnten. (1) Unter der Leitung
des späteren CIA-Direktors William Colby wurden auch in den fünfziger
Jahren Millionen von US-Dollar nach Italien gepumpt, um alle möglichen
antikommunistischen und pro-amerikanischen Kräfte zu stärken. Besondere
Unterstützung erfuhren in dieser Zeit die italienischen Christdemokra-
ten und Liberalen. (2)

Ein hoher Anteil der im Rahmen dieser verdeckten Aktion zur Wahlunter-
stützung eingesetzten Mittel wurde für Propagandaaktivitäten eingesetzt.
Ein hervorgehobener Nutznießer der zu dieser Zeit scheinbar unbegrenzten
Zahlungsfähigkeit der CIA waren die sich nach der Zerschlagung des Fa-
schismus in Italien neu formierenden Nachrichtenmedien.

Die US-Strategen nutzen jene Neuorganisierung der Medien im Nachkriegs-
europa in denen von ihnen besetzten oder kontrollierten Ländern aus, um
mit Geldern der CIA ihnen ergebene Männer und Frauen an die Schaltstellen
in Presse, Funk und Fernsehen zu platzieren.

Victor Marchetti und John D. Marks bestätigen diese Aussage in ihrem
„CIA-Klassiker“ „Die CIA und der Kult des Nachrichtenwesens (The CIA
and the Cult of Intelligence)“: „Viele ( . . . ) antikommunistische
Verlagskonzerne in Deutschland, Italien und Frankreich wurden in den
Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (. . .) durch die Agentur (gemeint
ist der CIA, d. Verf.) ermutigt und finanziell unterstützt.“ (3)

Exemplarische Berühmtheit für diese von der CIA gesponserte euro-
päische Medienlandschaft erlangte der Fall des inzwischen verstorbenen
Medienfürsten Axel C. Springer und seines weit verzweigten Imperiums in
der Bundesrepublik.

1982 veröffentlichte die US-amerikanische Zeitschrift The Nation
Informationen ehemaliger CIA-Beamter, die angaben, daß das Zeitungs-
imperium Springers kurz nach dem Krieg vom nordamerikanischen Geheim-
dienst materiell unterstützt worden sei. Insgesamt soll Springer von
der agency Anfang der fünfziger Jahre sieben Millionen US-Dollar erhal-
ten haben. Zudem behaupteten die CIA-Beamten der Zeitschrift The Nation
gegenüber, daß die Beziehungen zu Springer bis in die siebziger Jahre
fortgesetzt wurden und sie keinen Grund zu der Annahme hätten, daß sie
jemals beendet worden seien. (4)

Obwohl den Autoren keine ähnlich kompromittierenden Aussagen über Geld-
zahlungen der CIA an Robert Hersant bekannt sind, gleicht die steile
Karriere dieses französischen Gegenstücks zum bundesdeutschen Pressezaren
der von Axel Springer in einem entscheidenden Punkt. Zur Zeit der Nazi-
Besetzung Frankreichs unterstützte er die mit dem Hitlerfaschismus
kollaborierende Regierung des berüchtigten Marschalls Pétain. Nach dem
Krieg verschwand er für kurze Zeit wegen Verstoßes gegen das Ratio-
nierungsgesetz im Gefängnis. Daher war es ihm nach seiner Entlassung
verboten, ein öffentliches Amt zu bekleiden oder gar eine Publikation zu
besitzen bzw. zu verlegen. Als er 1952 Nutznießer einer Amnestie wurde,
übernahm er sowohl das eine wie das andere.

Wie Axel Springer startete Hersant sein Medienimperium genau zu einer
Zeit, als die CIA in Westeuropa mit großem finanziellem Aufwand bemüht
war, die Medienlandschaft im Interesse des kalten Krieges antikommu-
nistisch auszurichten. Neben den konservativen Tageszeitungen Le Figaro,
France-Soir und L`Aurore, kontrolliert Hersant heute in Frankreich 30
Radiostationen und mehr als 20 Periodika. (5)

Seit der Instehung des Hersant-Imperiums wird in der französischen Pres-
se regelmäßig über die Beziehungen seines Chefs oder von Teilen des
Imperiums zu den Vereinigten Staaten und Gruppen berichten, die auch mit
der CIA in Verbindung stehen.

Die Zeitschrift Le Canard Enchainé informierte über vielfältige Kontakte
der Hersant-Presse zur Vereinigungskirche von Reverend Moon und seinem
publizistischen Flaggschiff The Washington Times. (6)


Welch ein Zufall …

Wie es der Zufall nun einmal wollte, begann um das Jahr 1952 nicht nur
die Karriere von Robert Hersant und erhielt die von Axel C. Springer
einen deutlichen Schub, sondern auch der Aufstieg eines australischen
Oxfordabsolventen, der sich Großbritannien ausgesucht hatte, um eine
Zeitung nach der anderen unter seine Kontrolle zu bringen. Zur „News
Corp. Ltd.“ von Rubert Murdoch gehören mittlerweile in Großbritannien
die Times of London, die Sun, News of the World und die Sunday
Times. (7)

In den Vereinigten Staaten, wo er seit 1973 lebt, sind der Boston Herald
und das New York Magazine in seinem Besitz übergegangen. Zwischenzeit-
lich besaß er auch die Kontrolle über die Chicago Sun Times und die New
York Post.

Rupert Murdoch ist nicht nur wegen der Tatsache, daß er eine vielleicht
typische europäische Nchkriegskarriere im Pressewesen gemacht hat, mit
Springer und Hersant in einem Atemzug zu nennen. Zahlreiche Medien-
kampagnen der letzten Jahre, die von der CIA oder politischen Aktions-
komitees mit geheimdienstlichem Hintergrund ausgelöst wurden, konnte der
aufmerksame Beobachter in den Zeitungen dieser drei Männer wiederfinden.
Sie erhielten hier eine millionenfache Verstärkung und konnten so einen
nachhaltigen Einfluß auf die öffentliche Meinung besonders in West-Europa
und in den USA ausüben.

Mit Blick auf ein weiteres wichtiges europäisches NATO-Land ist in
diesem Zusammenhang auch das italienische Il Giornale Nuovo, das
vom Direktoriumsmitglied der Liberalen Partei, Enzo Betizza,
herausgegeben wird, zu nennen. Unter der Leitung ihres langjährigen
Direktors, Indro Montanelli, wurde diese Zeitung zu einem Zentrum der
Propaganda gegen die Politik des sogenannten „historischen Kompro-
misses“, der eine Zusammenarbeit zwischen Christdemokraten und Kom-
munisten in Italien zum Ziel hatte. International gehörten die
Vereinigten Staaten zu den schärfsten Kritikern dieser Politik des
nationalen Konsensus in Italien. Es ist daher nicht verwunderlich, daß
die in Mailand erscheinende Il Giornale Nuovo als eine „von der CIA
kontrollierte italienische Tageszeitung“ angesehen wird. (8) Wenige
Wochen nach dem Papstattentat gehörte sie zu den Lancierungskanälen,
über die die Desinformation verbreitet wurde, daß es sich bei den Schüs-
sen auf dem Petersplatz um eine Verschwörung osteuropäischer Geheim-
dienste gehandelt hätte. (9)

Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß Propagandaaktivposten der CIA
wie Teile des Springer-Konzerns im Laufe einer mehr als dreißig-
jährigen Existenz nicht einfach nur als Propagandatransmissionsriemen
funktionieren. Sie haben inzwischen eine bedeutende okönomische
Selbständigkeit und einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die
öffentliche Meinung in ihrem jeweiligen Land erlangt und können so als
Basen für verschiedenartige komplexe verdeckte Aktionen der CIA vorzugs-
weise im politisch-propagandistischen Bereich dienen.

Als im Januar 1981 eine Gruppe US-amerikanischer Neokonservativer
unter Führung von Norman Podhoretz und Irving Kristol den Versuch
unternahm, ihren Einfluß auf Europa auszudehnen, stellte der Springer-
Konzern in seinem Zeitungen die erforderlichen Spalten für die
Selbstdarstellung ihres sogenannten „Komitees für die Freie Welt“ zur
Verfügung. Im Aufruf des „Komitees“ an Gleichgesinnte hieß es, „daß
der Kampf um die Freiheit letzten Endes nicht auf den Schlachtfeldern
gewonnen oder verloren wird, sondern in den Büchern, Zeitungen, Rund-
funkstationen, Klassenzimmern, in allen öffentlichen Institutionen,
in denen der Wille, freizubleiben, hochgehalten oder unterminiert
wird.“ (10)

Hier klingen bereits die Grundthemen des von Ronald Reagan eineinhalb
Jahre später verkündeten „Kreuzzuges für Freiheit und Demokratie“ an.
Zu den Unterzeichnern des Aufrufes gehörten u. a. der verstorbene lang-
jährige Chefredakteur des Figaro, Raymond Aron, Enzo Bettiza und Indro
Montanelli vom Il Giornale Nuovo, Günther Zehm vom Springer-Konzern,
Melvin J. Lasky, ehemaliger Cheforganisator und Vorsitzender des mit
CIA-Geldern aufgebauten „Kongresses für Kulturelle Freiheit (Congress
for Cultural Freedom/CCF)“ und der harte Kern der US-amerikanischen
Neokonservativen um Norman Podhoretz, Irvin Kristol, Jeane Kirkpatrick
und Midge Decter. Mrs. Decter, die Ehefrau von Norman Podhoretz, wurde
zur Direktorin des „Komitees für die Freie Welt“ gewählt. Wie ihr Ehe-
mann hat auch Frau Decter in der Vergangenheit für die CIA gearbeitet
und von ihr Geld erhalten.(11) Sie war eine der Mitbegründerinnen der
„Koalition für eine demokratische Mehrheit“, die in den 70er Jahren der
Reagan-Mannschaft den Weg zur Macht ebnen half, und leistete Forschungs-
arbeit für die „Heritage Foundation“.

Trotz umfangreicher Vorarbeiten für einen erfolgreichen Öffentlichkeits-
start des Komitees in West-Europa kam jedoch nur eine Bruchlandung zu-
stande. Wesentlichen Anteil daran hatte der angesehene bundesdeutsche
Politologe und Liberale, Prof. Ralf Dahrendorf, der wegen seiner Mitar-
beit in dem Komitee angesprochen worden war. Er lehnte eine solche mit
der Begründung ab, daß ihn diese Gruppierung an den „Kongreß für Kultu-
relle Freiheit“ in der Zeit nach 1945 erinnere der „im Sumpf der CIA-
Enthüllungen ein wenig aromatisches Ende gefunden“ habe. (12) Dahren-
dorf schrieb diese Anmerkungen in der Wochenzeitung Die Zeit einige
Tage vor dem Erscheinen des Aufrufs des Komitees in der SpringerPresse.

Als sich im April 1983 in Paris die „Internationale des Widerstandes
(Resistance International)“ aus osteuropäischen Dissidenten, diversen
Contra- und „Freiheitskämpfern“ formierte, handelte es sich wieder um
Leute von Springer bis Hersant sowie die Gefolgschaft vom „Komitee
für die Freie Welt“, die sich an die Seite der „Berufswiderständler“ um
„Resistance International“ gesellten. Neben dem verstorbenen Raymond
Aron, Enzo Bettiza, Indro Montanelli und Norman Podhoretz gehören bzw.
gehörten dem internationalen Förderkomitee von „Resistance Internati-
onal“ u. a. Cornelia Gerstenmeier, damalige Herausgeberin der deutschen
Fassung der rechten Emigrantenzeitschrift Kontinent, und Jean-Francois
Revel, Chefredakteur des französischen Wochenmagazins L’Express an.


Geheimdienstlicher Hintergrund

Auch bei dieser Organisation ist der geheimdienstliche Hintergrund
unübersehbar. Seit der Existenz der CIA ist es die erklärte Politik des
amerikanischen Geheimdienstes gewesen, eine enge Verbindung mit in
West-Europa und den USA angesiedelten Emigrantengruppen und Organisa-
tionen zu halten.(13) Dies hat zwei Gründe: zum einen werden diese Grup-
pen und Personen als Informationsquelle über ihre Heimatländer benutzt,
zum anderen bilden sie die Kanäle der CIA für ihre „dirty tricks“ in die-
sen Ländern. (14) Aus der heutigen Sicht müssen die Gründung des „Komi-
tees für die Freie Welt“ und der Aufbau von „Resistance International“
als Früchte des „Project Democracy (Projekt Demokratie)“ der Reagan-
Administration angesehen werden, wobei das „Komitee für die Freie Welt“
im Vorfeld der Verkündigung des „Project Democracy“ in West-Europa das
geistige Umfeld bereiten sollte. Dabei kam es zu einer engen Verzahnung
der geheimen und geheimdienstlichen Ebene von „Project Democracy“ und
den mehr offiziellen Aktivitäten der USIA unter ihrem damaligen Direktor
Charles Wick, der nach außen für wesentliche Seiten der öffentlichen
Diplomatie der Reagan-Administration verantwortlich zeichnete.

Um die Friedensbewegung besonders in Europa zu kontern, bemühte
sich Charles Wick, ein transatlantisches Netzwerk konservativer
Gruppen aufzubauen. Zu diesem Zweck reiste Wick im September 1982 nach
West-Berlin. Dort traf er sich mit Hans-Joachim Maitre vom Springer-
Konzern. An diesem Treffen nahmen ausserdem teil: Glen Campbell von der
„Hoover Institution on War, Revolution and Peace“, Edwin Feulner, Präsi-
dent der „Heritage Foundation“, und Robert Reilly, der die „Heritage
Foundation“ verlassen hatte, um Direktor des „Office of Private Sector
Programme“ der USIA zu werden. (15)

Zu einer weiteren Begegnung hatte der USIA-Direktor für den 21. März
1983 nach Washington eingeladen. Zu den Gästen von Charles Wick
gehörten diesmal u. a. Sir James Goldsmith vom Pariser Express,
Rupert Murdoch und wiederum Hans-Joachim Maitre, zu diesem Zeitpunkt
Geschäftsführer des zum Springer-Konzern gehörenden Verlags „Ullstein/
Propyläen“. Gegenstand der Gespräche war erneut die Umsetzung des „Pro-
ject Democracy“, für das Charles Wick einen finanziellen Beitrag von
den Medienkonzernchefs erbat.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der US-amerikanische Kongreß die von
der Reagan-Administration beantragten 65 Millionen US-Dollar für eine
Reihe von Einzelprojekten noch nicht bestätigt. Den größten Brocken
aus den Einzelposten des „Project Democracy“ stellte das „weltweite
Buchpublizierungsprojekt“ dar. Für dieses Vorhaben alleine hatte die
Reagan-Administration eine Summe von 4.455.000 US-Dollar beantragt. (16)


Die „CIA-Bücher“

Bei seinem umfangreichen Buchprogramm, in dessen Rahmen die CIA von 1947
bis 1977 mehr als 1.000 (!) Titel in den unterschiedlichsten Sprachen
herausgebracht hat, stützte sich der amerikanische Geheimdienst im Aus-
land nicht zuletzt immer wieder auf seine wichtigsten Medienaktivposten
im Ausland. Ein Beispiel dafür ist der zum Springer-Konzern gehörende
Verlag „Ullstein/Propyläen“. Eine große Zahl von Büchern sowjetischer
Dissidenten, die im Kontakt zur CIA standen, wurden vom „Ullstein“-Ver-
lag herausgegeben. Der langjährige Chef dieses Verlages, Wolf-Jobst
Siedler, und heutige Teilhaber des Verlagshauses „Severin und Siedler“
war u.a. Generalsekretär des von der CIA finanzierten „Kongresses für
Kulturelle Freiheit“.

Da die durch die Administration beantragten Einzelposten Im Rahmen
des „Project Democracy“, einschließlich der Summe von 4,5 Millionen
US-Dollar für die Herausgabe von Büchern, durch den Kongreß nicht
bestätigt wurden, muß davon ausgegangen werden, daß die US-Regierung
ihre herkömmliche Praxis fortgesetzt und die CIA mit der Abwicklung des
Buchprogramms beauftragt hat. Dabei laufen alle Fäden der mit Ausländern
realisierten Buchprojekte im „Stab für verdeckte Aktionen“ der CIA
zusammen.

Die Zusammenarbeit zwischen der US-Regierung, CIA und internationalen
Medienkonzernen bei der Herausgabe von Büchern ist jedoch nur ein Teil-
bereich. Noch bedeutender ist diese Kooperation bei der Durchführung
weltweiter Propagandaaktivitäten .

Die Zeitungen von Springer, Hersant und Murdoch waren in der Vergangen-
heit stets die ersten, die manipulierte CIA-Einschätzungen über das
militärische Kräfteverhältnis zwischen Ost und West sofort kolportierten
und mit eigenen düsteren Kommentaren versahen.

Umfangreichen Forschungen der „Kennedy-Schule“ an der „Harvard-
Universität“ zufolge nutzte die US-Administration die CIA zur
Organisierung von Propagandakampagnen in der amerikanischen und
der west-europäischen Presse gerade auf diesem Feld. Diese
Forschungen analysierten besonders die Öffentlichkeitsarbeit in
Zusammenhang mit der damals beabsichtigten Stationierung der
Neutronenbombe in West-Europa. (17) Die CIA war durch die
Carter-Administration angewiesen worden, zahlreiche Artikel in
ausländischen Zeitungen zu dieser Thematik unterzubringen. Im
Ergebnis dieser Propagandakampagne erschienen besonders in
Großbritannien und in der Bundesrepublik Deutschland bedeutend mehr
Veröffentlichungen, die die Neutronenbombe verteidigten und die
Außenpolitik Moskaus diskreditierten.

Ähnliche Feststellungen lassen sich auch zur Kampagne um die Stati-
onierung US-amerikanischer Pershing-II-Mittelstreckenraketen und
Cruise Missles in West-Europa treffen. (18)

Einen Höhepunkt der Zusammenarbeit zwischen US-Regierungsstellen
und westdeutschen Mediengewaltigen gab es im Zusammenhang mit der sich
zuspitzenden Kontroverse über die Sternenkriegspläne der Reagan-Admi-
nistration. Zu einem streng vertraulichen Gespräch über die sogenannte
„Strategische Verteidigungsinitiative (SDI)“ trafen sich in der ersten
Märzhälfte 1985 größtenteils konservative Chefredakteure einiger bundes-
deutscher Massenmedien in München.

Eingeflogen aus Washington war der damalige wissenschaftliche Sicher-
heitsberater des US-Präsidenten, George A. Keyworth, der von einem
weiteren, nicht näher genannten Vertreter des Weißen Hauses begleitet
wurde.


Illustre Runde und Hintergrundgespräche

Zu den journalistischen Teilnehmern dieser illustren Runde gehörten
die Chefredakteure der Süddeutschen Zeitung, Dieter Schröder, Herbert
Kremp von der Welt, Manfred Geist von der Welt am Sonntag, Günter
Prinz von Bild, Felix Schmidt von Hörzu, Helmut Markwort von Gong
(heute Chefredakteur des Focus), ferner Lothar Loewe vom „Sender
Freies Berlin“ und Edmund Gruber von „ARD-Aktuell“. (19)

Nach Angaben des Informationsdienstes Kress-Report, auf den sich die
Frankfurter Rundschau in ihrem Artikel bezieht, ging die Initiative zu
diesem Treffen vom Chef der Illustrierten Bunte, Herbert Burda, aus. In
diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, daß die Bunte in der Vergangen-
heit Artikel veröffentlichte, die unschwer als Lancierungen der CIA zu
erkennen waren. So hatte wenige Wochen nach der Revolution auf der
kleinen Karibik-Insel Grenada die unter Kontrolle der CIA stehende
Zeitschrift Torchlight berichtet, daß auf Grenada ein Stützpunkt für
sowjetische U-Boote gebaut werde und daß dort bereits Raketen stati-
oniert seien, die sich gegen die karibischen Nachbarinseln Grenadas rich-
teten. Die „Fakten“ für diesen abenteuerlichen Bericht hatten die Redak-
teure des grenadinischen CIA-Blattes nicht etwa selbst recherchiert, son-
dern schlicht und einfach aus der Bunten abgekupfert… (20)

Material für solche Operationen erhalten die europäischen „Medien-
aktivposten der CIA“ aber nicht nur aus dem Hauptquartier in
Langley/Virginia oder den zahlreichen CIA-Stationen und Basen in
West-Europa. Oft stammt das Material aus einer der Denkfabriken,
Presseagenturen oder Hintergrunddiensten, die die CIA im Laufe der
Jahre in Zusammenarbeit mit befreundeten Diensten wie dem britischen
MI6 oder dem bundesdeutschen BND in London, Brüssel oder Paris
eingerichtet hat.

Der ehemalige CIA-Agent Philip Agee weist in diesem Zusarnmenhang
darauf hin, daß es gerade eine Methode der agency ist, weltweit
Propagandamaterial zu streuen, dessen Basis der kommerzielle
Versand sogenannter „Hintergrunddienste“ ist. Ein solcher spezieller
Nachrichtendienst ist der vom britischen Economist Magazine
herausgegebene „Foreign Report“. Einer der Chefredakteure dieses
„Foreign Report“ war in der Vergangenheit ein gewisser Robert Moss,
der über beste Kontakte zur CIA verfügte. Damit muß „Foreign Report“
als Multiplikator für CIA-Meinungen und -Stories angesehen werden …
Zum Abnehmerkreis dieser Publikation zählen Herausgeber und leitende
Redakteure viele Zeitungen. (21)

Eine Denkfabrik, die eng mit der CIA verbunden ist und zahlreiche
Nachrichtenmedien mit ihren Analysen versorgt, ist das Londoner
„Institute for the Study of Conflicts“. Es ging aus der „Forum-World-
Features“-Nachrichtenagentur hervor, die aufgelöst wurde, nachdem ihr
CIA-Hintergrund bekannt geworden war.

Das Institut gibt monatlich die Zeitschrift Conflict Studies heraus.
Zahlreiche konservative Medien zwischen London, Paris und Rom
beriefen sich auf diese „Konfliktstudien“, wenn es um die angebliche
Verwicklung Moskaus in den internationalen Terrorismus oder die
Überzeichnung der sowjetischen Rüstung ging. In der Bundesrepublik
waren das Deutschland Magazin von Kurt Ziesel und das von Prof.
Lothar Bossle gegründete „Institut für Demokratieforschung“ besonders
aktiv, die Konfliktstudien ihren Lesern bzw. ihren Kontaktkreisen
bekanntzumachen.

Zahlreiche Querverbindungen bestehen zwischen dem Londoner „Institut für
das Studium von Konflikten“ und dem „Ost-West-Institut“ in den Nieder-
landen und dessen „Internationalem Dokumentations- und Informations-
zentrum“, das durch seine „Who’s Who – What’s What“-Veröffentlichungen
über linke Aktivitäten in Europa bekannt geworden ist.


Das Netzwerk der „Denkfabriken“

Zum Netzwerk konservativer Denkfabriken mit geheimdienstlichem Hinter-
grund ist auch das „European Institute for Security Matters (EIS)“
zu zählen. 1982 gegründet, konzentrierte es sich zunächst fast
ausschließlich auf Desinformationsaktivitäten gegen die Friedensbe-
wegung in West-Europa und die Verteidigung US-amerikanischer Rüstungs-
pläne (z.B. SDI). Später kam die propagandistische Unterstützung der
angolanischen UNITA- und der mocambiquanischen MNR-Contras hinzu.

Zu dieser Art von Denkfabriken gehört ebenfalls das vom belgischen
Ex-General Robert Close gegründete „European Institute for Peace
and Security“. General Close forderte mit Hilfe seines Institutes die
Entsendung einer „Westeuropäischen Schnellen Eingreiftruppe“ auf die
ehemalige Luftwaffenbasis „Kamina Air Base“ in der Shaba-Provinz von
Zaire. Diese Luftwaffenbasis dient der CIA als logistisches Zentrum zur
Unterstützung der anti-angolanischen UNITA-Rebellen von zairischem
Boden aus. (22)

In einer Reihe mit dem EIS und dem EIPS ist das Lissaboner „Institute
for Strategic Studies“ zu nennen, das seit langem als eine Verbindungs-
stelle zwischen der CIA und portugiesischen Ex-Kolonialisten dient. (23)

Diese Aufzählung müßte durch die portugiesische „Atlantische Kommis-
sion“, das spanische „Europäische Dokumentationszentrum“ in Madrid, das
französische „Aderi“ und das ebenfalls französische „Geopolitische
Institut“ ergänzt werden.

Diese Institute und Gruppen gehören alle mehr oder weniger unmittelbar
zusammen mit bekannten Medienkonzernen, Pressediensten, Rundfunk- und
Fernsehstationen zu den Aktivposten, die die CIA in West-Europa für die
Durchführung großangelegter Propagandaoperationen – bei denen es sich im
Kern um Desinformationskampagnen handelt – aktivieren und einsetzen kann.

Das Gesamtpotential dieser Medienaktivposten der CIA in West-Europa
diente als eine wichtige Grundlage für Operationen der psychologischen
Kriegführung gegenüber den Ländern Osteuropas und der Sowjetunion.

Nicht zuletzt waren von dieser psychologischen Kriegführung auch die
Staaten der sogenannten Dritten Welt betroffen. Sie verfügen aufgrund
vielfältiger Abhängigkeiten von den Vereinigten Staaten und deren
Verbündeten bisher kaum über ausreichende Möglichkeiten, sich vor
den von der CIA gesteuerten Operationen der psychologischen Krieg-
führung zu schützen. Dabei sind zahlreiche Länder Afrikas, Asiens
und Lateinamerikas nicht nur schlechthin von geheimdienstlich ge-
steuerten oder beeinflußten Propagandakampagnen betroffen. Im Nor-
malfall sind diese Kampagnen Teil von großangelegten verdeckten
Aktionen der CIA, die auf den Sturz von bestimmten Regierungen oder
die Stabilisierung proamerikanischer Regimes zielen.

Fred Landis, ein anerkannter Spezialist für die Analyse von
Medienoperationen der CIA, beschäftigte sich besonders intensiv mit
der Rolle der chilenischen Zeitung El Mercurio bei der Schaffung eines
Putschklimas gegen die Regierung Allende in dem Andenland. Mit
seinen dabei gewonnenen Erkenntnissen arbeitete er in den siebziger
Jahren als Berater des „Subcommittee on CIA Covert Action in Chile“
des „Church-Komittees“. Fred Landis zeigte auf, wie sich das
gesamte Erscheinungsbild und die Inhalte von El Mercurio ver-
änderten, nachdem die Propagandaspezialisten der CIA dem Blatt
seinen spezifischen Platz in der Gesamtkampagne gegen die
Regierung Allende zugewiesen hatten. (24) Die Frontseite der Zeitung
erhielt ganzseitige Balkenüberschriften mit großen Fotos. Sie ähnelte
so mehr einem politischen Plakat denn einer Zeitungsseite. Lokale
Nachrichten bekamen einen immer bedeutenderen Platz zugewiesen
und wurden so aufbereitet, daß sie sich zu Aussagen gegen die
Regierung von Präsident Allende verwenden ließen. Zu dieser Methode
der psychologischen Kriegführung gehörte es zum Beispiel, auf einer
Seite die Opfer einer Vergewaltigung oder eines Raubüberfalls
zusammen mit Fotos von führenden Repräsentanten der Allende-Regierung
zu arrangieren. Auch wenn kein inhaltlicher Zusammenhang zwischen
beidem bestand, so suggerierte die systematische Zuordnung im Lay-Out
des Blattes jedoch, daß die ungeliebte linke Regierung mit allen nega-
tiven Entwicklungen im Lande zu identifizieren sei.

Zu den bevorzugten Themen von El Mercurio gehörte in dieser Zeit auch
das in grellsten Farben gezeichnete ökonomische und soziale Chaos, das
das Blatt der Regierung ankreidete.

Eine weitere Zeitung, die eine ähnliche Methamorphose wie El Mercurio in
den Jahren zwischen 1970 und 1973 erlebte, war 1980 der Daily Gleaner.
Diese Zeitung wurde damals als ein Hauptinstrument von der CIA benutzt,
um der sozialdemokratisch orientierte Regierung Michael Manleys in Ja-
maika die öffentliche Unterstützung zu entziehen. (25)

Im gleichen Jahr verwandelte sich auch die konservative nicaragu-
anische Tageszeitung La Prensa zu einem Kampfblatt gegen die
sandinistische Revolutions-Regierung. Wie Anfang der siebziger
Jahre El Mercurio und in Jamaika der Daily Gleaner bediente sich
die Zeitung La Prensa in zunehmenden Maße der Methoden der psycho-
logischen Kriegführung aus dem Arsenal der CIA und der US-ameri-
kanischen Streitkräfte. In der Ausgabe vom 5. Dezember 1980 von
La Prensa grenzt ein Foto des FSLN-Führers Humberto Ortega an eine
Fotografie, die in allen Details einen verstümmelten Körper ab-
schreckend abbildet. Verbunden wird der dazugehörige Artikel mit
einen sandinistischen Polizeiausweis, der angeblich in der Nähe der
Leiche gefunden worden sei. Auf diese perfide Art und Weise werden
die Führer der Sandinisten, die staatlichen Revolutionsorgane und
brutale Kapitalverbrechen in Zusammenhang gebracht und psychologisch
miteinander identifiziert. Besonders intensiv benutzte die Zeitung
Symbole der katholischen Kirche -so daß Kreuz -, um mit ihrer Hilfe
antisandinistische Gefühle unter der nicaraguanischen Bevölkerung zu
erzeugen. (26)

Der Vorwurf der damaligen nicaraguanischen Regierung, daß La Prensa
von der CIA gesteuert wird, konnte eindeutig nachgewiesen werden. (27)
Der Versuch der US-Administration, mit der Zahlung von 100.000 US-Dollar
über die Organisation „PRODEMCA“ der „National Endowment for Democracy“
an La Prensa der US-amerikanischen Unterstützung für die Zeitung den
Anschein der Legalität zu geben, ändert nichts an den Tatsachen.


Beeinflußte oder kontrollierte Zeitungen

El Mercurio, Daily Gleaner und La Prensa bildeten nur die Spitze eines
Eisberges von Zeitungen, Zeitschriften und Pressediensten, die von der
CIA auf die eine oder die andere Art kontrolliert und gesteuert wurden
(und zum Teil heute noch werden). Die New York Times stellte bereits
im Dezember 1977 im Ergebnis umfangreicher Recherchen und Interviews
mit ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern fest, daß die CIA zu unter-
schiedlichen Zeiten mehr als 50 Zeitungen, Pressedienste, Rundfunk-
stationen, Zeitschriften und andere Kommunikationseinrichtungen besaß
oder subventionierte. (28) Diese Zahl ist wahrscheinlich weit unter-
trieben, da nur solche Medienaktivposten erfaßt werden konnten, deren
CIA-Verbindungen enthüllt worden waren. Die von der New York Times ver-
öffentlichten Beispiele verdeutlichen aber die ganze Breite dieser Art
von Medienaktivposten der CIA.

Africa Forum und Africa Report erschienen mit Geldern der CIA, die
ihnen über die „American Society of African Culture“ und das
„African-American Institute“ zugeleitet wurden. In die alle zwei Monate
erscheinende lateinamerikanische Schrift Combate flossen CIA-Gelder.
In Nairobi/Kenia gründete die CIA den East African Legal Digest. In den
Vereinigten Staaten gab die CIA-gesponserte „Asia Foundation“ die
Zeitung The Asian Student heraus, die an Studenten aus dem Fernen
Osten verteilt wurde.

Ein aktuelles Beispiel für eine von der CIA beeinflußte Zeitung ist das
in London mit Geldern aus Saudi-Arabien publizierte Blatt Al-Shark
Al-Ahwsat. Es erscheint gegenwärtig in sieben Ausgaben und wird in der
ganzen Welt verbreitet. Der Zeitung ist ein „Zentrum für politische
Untersuchung“ angeschlossen, das Materialien zur weiteren journa-
listischen Auswertung besonders über Probleme des Nahen Ostens in
arabischer Sprache zusammenstellt und sie kostenlos an die einfluß-
reichsten Presseorgane der Region sowie an die arabischen Botschaften
versendet.

Daß die Vereinigten Staaten ihre Kontrolle über ausländische Zeitungen
nicht einschränken, sondern ausdehnen wollen, wurde u. a. an den
Einzelposten für das „Project Democracy“ sichtbar, das die Reagan-
Administration dem Kongreß Anfang 1983 zur Bestätigung vorlegte. Darin
war u. a. die Summe von einer Million US-Dollar für ein „Central American
Media Program“ enthalten. Dieses Programm sollte u.a. den Aufbau von
jeweils einer Regionalzeitung für die ländliche Bevölkerung in Honduras,
Guatemala und El Salvador ermöglichen.


Auch Rundfunkstationen „am Haken“ …

Neben den gedruckten Medien kontrolliert die CIA eine Reihe von
Rundfunk- und Fernsehstationen in der sogenannten Dritten Welt.

Am 23. April 1986 machte der damalige Unterstaatssekretär im
US-Statedepartment für Politische Angelegenheiten, Michael Armacost,
in einer Rede in Rosslyn/Virginia seine Zuhörer mit der Tatsache
bekannt, daß der philippinische Sender „Radio Veritas“ finanzielle
Unterstützung von Seiten der US-Regierung erhalten hat. (29) „Radio
Veritas“ ist der Sender der katholischen Kirche, der eine Schlüsselrolle
für den Erfolg der Revolte gegen den damaligen Diktator Ferdinand
Marcos im Februar 1986 spielte. Die Vereinigten Staaten hatten seit
1985 auf den Philippinen eine Politik zur Unterminierung der Positionen
von Marcos betrieben, dessen Politik langfristig nicht mehr in die
strategische Konzeption der US-Administration paßte und der nicht in
der Lage war, den Volksaufstand unter Führung der „New People’s
Army (NPA)“ einzudämrnen. Folgerichtig unterstützte und die CIA
Präsidentin Corazon Aquino als Nachfolgerin von Marcos und den
heutigen Präsidenten Fidel Ramos.

Die Regierung der Vereinigten Staaten setzte mit Hilfe der CIA darauf,
den Diktator Marcos mit Wahlen aus dem Präsidentschaftssessel zu
drängen und Corazon Aquino als proamerikanische „Dritte Kraft“ aufzu-
bauen. In dieser Strategie spielte der Sender „Radio Veritas“ eine
Schlüsselrolle.

Eine zweite Front hinter den gedruckten Medien und den Radiostationen
bilden die Presseagenturen im Besitz der CIA. Sie versorgen eine
große Zahl von Abnehmern mit Materialien, die das gesamte Spektrum
von grauer bis schwarzen Propaganda abdecken. „Agencia Orbe
Latinoamericano“ wurde z. B. von Philip Agee in seinem Buch „Inside
the Company: CIA Diary“ als ein „feauture news service“ identifiziert,
der den größten Teil Lateinamerikas versorgt und von der CIA durch
ihre Station in Santiago / Chile finanziert und kontrolliert wird.
„Copley News Service“ wurde im August 1977 in einem Artikel des Magazins
Penthouse als eine Frontorganisation der Agency entlarvt und einer
weiteren Betrachtung durch Carl Bernstein in Rolling Stone unterzogen.
(30) „Forum World Features“ mit Sitz in London produzierte sechs
Artikel pro Woche einschließlich Fotografien für 150 Zeitungen in mehr
als 50 Ländern der Welt. 1975 flog die Tarnung der Presseagentur auf.
„Latin“ wurde 1975 durch die New York Times als eine
CIA-Nachrichtenagentur identifiziert. (31)

Bei ihren „Psyops“ gegenüber den Staaten der sogenannten Dritten
Welt bedient sich die CIA zusätzlich der vom amerikanischen Geheim-
dienst geschaffenen, durchdrungenen oder beeinflußten internationalen
Organisationen.

Eine dieser Organisationen ist die „Asia Foundation“. (32)

Noch wichtiger für die CIA sind allerdings die diversen Organisationen
der „Vereinigungskirche“ des Reverend Sun Myung Moon. Einen nachhaltigen
Einfluß auf Journalisten, Redakteure und Herausgeber aus der ganzen Welt
versuchen konservative amerikanische Kreise mit geheimdienstlichem
Hintergrund über die regelmäßig von dieser „Vereinigungskirche“ durchge-
führten „World Media Conferences“ zu nehmen.

Auf der 5. Konferenz dieser Art im Oktober 1982 übernahm es
Generalmajor John Singlaub, die versammelten Medienrepräsentanten
mit den Grundelementen der Strategie der Reagan-Administration in
ihrer ersten Amtsperiode gegenüber der Sowjetunion bekanntzumachen.
In diesem Zusammenhang unterstrich er, daß man auf ein dauerhaft
feindliches Verhältnis mit der UdSSR und China eingestellt sein müsse,
daß die westliche Strategie das gesamte Konfliktspektrum einbeziehen
müsse und daß ein roll-back im Weltmaßstab notwendig sei.(33)


Medienkonferenzen

Was Ronald Reagan für die West-Europäer im Juni gleichen Jahres
als „Kreuzzug für Freiheit und Demokratie“ umschrieben hatte, brachte
General Singlaub im Oktober vor einer Zuhörerschaft, die demokratische
Rhetorik eher verwirren würde, auf den rationalen Nenner.

Als eine Hauptaufgabe in diesem Konflikt bezeichnete er es, die
sowjetische und chinesische Propagandapolitik in der „freien Welt“ mit
Hilfe von erweiterten und modernisierten multinationalen Rundfunk-
stationen – wie „Voice of America“, „Radio Liberty“, „Radio
Free Europe“, „Radio Free Asia“, „Radio Marti“ etc.-, anzuprangern
und zu kontern.

Neben der „World Media Conference“ steht aus dem Arsenal des Moon-
Imperiums besonders die „Confederation of the Associations for
the Unification of the Societies of the Americas (CAUSA)“ für
geheimdienstlich beeinflußte Propagandakampagnen zur Verfügung. In
der Führungsspitze von „CAUSA“ sitzen zahlreiche schillernde
Persönlichkeiten aus dem Geheimdienstgeschäft.

Eine von ihnen ist der aus dem aktiven Dienst ausgeschiedene Air
Force General E. David Woellner. Während des Vietnamkrieges
befaßte er sich mit „Geheimdienstangelegenheiten“. Nach seiner
Versetzung in den Ruhestand war er u. a. „National Director of
Organization for the Coalition for Peace Through Strength“ und „Field
Director of the American Security Council“. Interessanterweise
bekleidete er zudem noch den Posten des Vize-Präsidenten und „Chief
Executive Officer“ für die mit der CIA verquickte „International Public
Policy Foundation (IPPF)“. (34) Als Präsident von CAUSA/USA“ war General
Woellner eine der maßgeblichen Brücken zwischen der Organisation des
Moon-Imperiums und der US-amerikanischen Geheimdienstgemeinde. Ein an-
derer namhafter ehemaliger Geheimdienstler an der Spitze von „CAUSA“ ist
der langjährige ehemalige Direktor des militärischen Geheimdienstes,
„Defence Intelligence Agency“, Daniel Graham. Weitere Namen ließen
sich aufzählen, um die unentwirrbare Verschmelzung der Interessen der
US-Geheimdienste mit denen der einflußreichsten politischen Organi-
sationen aus dem Moon-Imperium zu belegen. Von besonderem Interesse ist
dabei, daß „CAUSA“ sich in zunehmendem Maße Zugriff auf Zeitungen in
Lateinamerika von Honduras bis Uruguay sichert. Sie stehen wegen den
engen Verbindungen von „CAUSA“ mit der nordamerikanischen Geheimdienst-
gemeinde jederzeit für Desinformationskampagnen zur Verfügung.

Eine weitere Organisation des Moon-Imperiums, die „Collegiate
Association for the Research of Principles (CARP)“ entfaltete ebenfalls
internationale Medienaktivitäten, in deren Rahmen die aggressive
Mittelamerikapolitik der Vereinigten Staaten gerechtfertigt und auch in
anderen weltpolitischen Fragen eine pro-US-Regierungsposition
eingenommen wurde.

Beim Lesen der Zeitungen von „CARP“ kann man sich nicht des
Eindrucks erwehren, daß neben „religiösen“ auch geheimdienstliche
Inhalte verbreitet werden sollen. „CARP“ konzentriert sich mit der
Herausgabe der World Student Times und deren Ableger im Ausland
wie der deutschsprachigen Studentenzeitung besonders auf die
studentische Jugend.

Ein weiteres schier unerschöpfliches Potential für vielfältige – von
der CIA direkt oder indirekt beeinflußte – Propagandaaktivitäten in
der Dritten Welt ist die „Antikommunistische Welt-Liga (World
Anticommunist League“; 1990 in „World League for Freedom and
Democracy“ umbenannt). Ihre regionalen Untergliederungen geben
eigene Zeitungen und Informationsmaterialien heraus, betreiben
Rundfunksender und haben einen breiten Zugang zu allen übrigen
Instrumenten einer wirksamen Öffentlichkeitsarbeit in den jeweiligen
Staaten. Daneben waren die zahlreichen in den USA in den 70er und
80er Jahren entstandenen „Public Pressure Groups“ für die
Unterstützung der verdeckten Kriege der Reagan-Administration
gleichzeitig wichtige Stützen für Operationen der psychologischen
Kriegführung der CIA in Afrika, Asien und Lateinamerika.

1) George P. Mill (USA) und Michael Opperskalski

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Veröffentlicht am 23. November 2014 in Deutschland heute Abend, Tagesthemen und mit , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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