Der Fall U. Hoeneß: Verdeckte Geldflüsse, FC Bayern, Leo Kirch und die WM 2006.


Der Kirch – FIFA Vertrag für die WM 2002 und 2006.
Bestechungsgeld-Konten FIFA Funktionär. Ein Konto bei der Vontobel Bank ist auch darunter!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Beim Stichwort ISL muss man zwei weitere wichtige Fakten nennen, die von den meisten Berichterstattern immer noch negiert werden:

Erstens: Konjunktive verbieten sich. Es war ein Schmiergeldsystem vom mindestens 141 Millionen Franken, das ist gerichtsfest. Und FIFA-Funktionäre wie Leoz, Havelange, Teixeira und Hayatou haben kassiert.

Zweitens: Dieses Schmiergeldsystem wurde in Deutschland von einem Deutschen geprägt und entworfen. Die Korruption im Weltsport ist ein Gespenst aus Deutschland. Es war der ehemalige Adidas-Chef und ISL-Gründer Horst Dassler, der die Fäden gezogen hat. Blatter und Franz Beckenbauer gehörten zu Dasslers besten Freunden. Beckenbauer war sogar mal Teilhaber einer ISL-Vorläuferfirma. Beckenbauer hat noch nie etwas zur Aufklärung beigetragen, sondern stand stets an Blatters Seite.

Artikel in der „Welt“ vom 21.Maerz 2014

Robert-Louis Dreyfus

Robert-Louis Dreyfus

Robert Louis-Dreyfus

Von ihm bekam Uli Hoeneß sein Zockerkapital

Mein Kommentar: Warum endet ihre Geschichte eigentlich genau da, wo es doch erst so richtig spannend wird? Das hier jeder ausschließlich über die Adidas Millionen spekuliert mag auch eine Berechtigung haben. Viel interessanter sind doch aber die damals weitaus spektakuläreren Entwicklungen im Zusammenhang mit den TV Vermarktungsrechten! Denn die Bayern Gier führte damals dazu, dass der ehrenwerte Club die gesamte Bundesliga hintergangen hat, manch ein Vereinsmanager sprach sogar offen von Betrug der Bayern. Damals hatte sich der FC Bayern durch den heute noch skandalösen eigenen Vermarktungs Vertrag mit Kirch in die Schlagzeilen gebracht! Dieser Vertrag sicherte dem FC Bayern zusätzliche Einnahmen von 160 Miollionen! Damals wie heute fühlte sich der FC Bayern absolut im Recht, Kritikern drohte man mit Klagen! Durchaus berechtigt erscheint die Frage bis heute, ob der Münchener Club anschließend tatsächlich auf diese Millionen verzichtet hat. Das damals zufällig die TV Übertragungsrechte dann auch noch an die bereits angeschlagene Pleite Gruppe von Kirch gingen und nicht an den Filmemacher Kloiber, der diese an die ARD weiterverkaufen wollte, überraschte umsomehr, weil dieser das höhere Angebot machte. Die TV Kommision, in der….., man ahnt es schon…., der ehrenwerte Steuerbetrüger U. Hoeneß maßgeblichen Einfluß nahm, entschied sich für die schon Pleite Kirch Gruppe! Und siehe da jetzt taucht auch wieder unser alter bekannter Robert-Louis Dreyfus auf! Dreyfus und der Hamburger Christian Jacobs waren die „Schattenmänner“ von Infront, deren Gallionsfigur, Günther Netzer, damals als Retter auftauchte und die TV Rechte zu einem Spottpreis von der bereits Insolventen Kirchgruppe erworben hat. Einer, der weiß, wie man mit Sportrechten handelt, ist Günter Netzer. Er leitete um die Jahrtausendwende Infront, eine ehemalige Tochterfirma von Leo Kirch. Dieses Unternehmen zahlte horrende Summen für die Rechte an Testspielen des FC Bayern München gegen die Nationalmannschaften von Thailand, Malta und Trinidad – und das kurz vor der Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland im Sommer 2000. Die Verträge verhandelte Netzers Firma unter anderem mit drei stimmberechtigten Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees. Ob es sich also um „Schwarze Kassen“ beim FC Bayern handelt ist vielleicht gar nicht die Frage. Mindestens genauso Brisant, dafür aber steuerlich völlig legal, wären weitere Zahlungen der Kirchgruppe an den FC Bayern bzw. an U. Hoeneß als, nennen wir es einfach „entgangene Einnahmen“ im Fall des FC Bayern und „Vermittlungs Provision“ im Fall von U. Hoeneß!

Nationalmannschaft Thailand - FC Bayern in Bangkok (03.06.00)

Nationalmannschaft Thailand – FC Bayern in Bangkok (03.06.00)

Am 07.06.2008 hat Jürg Altwegg für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Günter Netzer interviewt. Nach Plaudereien über Käse-Fondue taucht momenthaft auch der wirtschaftliche Aspekt auf. Den Vorwurf der Steuerflucht versucht Netzer so zu parieren:

„Fünf Kilometer von meinem jetzigen Wohnort entfernt wäre alles sehr viel billiger. Steuermäßig ist mein Wohnsitz Zürich sehr unvernünftig, aber das ist er mir wert. Wenn man mir in Deutschland vorwirft, in einem Steuerparadies zu leben, werde ich wütend. Immerhin bezahle ich in Zürich dreiundvierzig Prozent Steuern auf meine Einkünfte. Jedes Jahr bekomme ich ein Dankesschreiben des Bürgermeisters und des Steuerobmanns. Ich habe nie in meinem Leben aus Steuergründen meine Lebensqualität verändert.“

 

Man schrieb den 6. Juli des Jahres 2000. Mit dem knappsten aller denkbaren Ergebnisse, mit zwölf zu elf Stimmen, erhielt Deutschland damals, zum zweiten Mal nach 1974, den Zuschlag des Weltfußballverbands, die Fußballweltmeisterschaft auszurichten. Der Favorit Südafrika war geschlagen. „Es war sehr, sehr knapp und unerwartet“, erklärte Beckenbauer damals die Wahl. „Aber im Leben braucht man manchmal auch ein bisschen Glück.“

Nur Glück und den Glamour Beckenbauers?

Heute, drei Jahre nach der Entscheidung von Zürich, stellt sich die Frage, ob die Deutschen nicht auch mit Geld die Entscheidung in die richtige Richtung getrieben haben. Recherchen von manager magazin und neue Dokumente aus der Schweiz legen den Verdacht nahe, dass von deutscher Seite mithilfe des inzwischen insolventen Kirch-Konzerns versucht wurde, die Stimmen schwankender Fifa-Wahlleute zu kaufen.

Es geht um dubiose Verträge mit Verbänden und vermeintlichen Strippenziehern des Weltfußballs, um Überweisungen auf Treuhandkonten für TV-Rechte. Und um die Rolle der Saubermänner des deutschen Fußballs: Franz Beckenbauer und Günter Netzer.

Sollte sich der Verdacht erhärten, geriete die WM 2006 in Deutschland in Gefahr – und damit auch ein kräftiger Konjunkturschub für den Standort D. Im besten Fall, so eine Studie der Universität Paderborn, würde sich der Wohlstand hier zu Lande durch die WM bis 2015 um rund drei Milliarden Euro mehren.

Rückblick: In den Wochen und Monaten vor der Entscheidung im Juli 2000 herrschte Hektik im deutschen Lager. Die Delegation um Beckenbauer und seinen Vize Fedor Radmann versuchte, die Wackelkandidaten im Fifa-Exekutivkomitee auf den Austragungsort Deutschland einzuschwören. Selbst Bundeskanzler Gerhard Schröder warb bei ausländischen Staatsmännern um Stimmen für Deutschland.

Trotz all der Bemühungen war eine Mehrheit nicht in Sicht. Vier Wochen vor der Abstimmung in Zürich galten höchstens acht bis neun Stimmen für Deutschland als sicher. Hauptkonkurrent Südafrika hingegen konnte auf zwölf Befürworter im höchsten Fifa-Gremium hoffen.

In dieser für Deutschland hoffnungslosen Situation wurde Anfang Juni 2000 allem Anschein nach das Duo Radmann/Netzer aktiv. Ex-Fußballprofi Günter Netzer war zu dieser Zeit Direktor der Züricher Agentur CWL, die Übertragungsrechte für Fußballspiele an TV-Sender verkaufte. Die Firma gehörte zum Imperium von Leo Kirch. Und der wiederum war im Besitz der TV-Rechte an der Fußball-WM 2006.

Am 6. Juni schickte Kirchs Münchener Anwaltskanzlei einen Brief an Dieter Hahn („Persönlich/Vertraulich“), den Chefmanager des großen Leo Kirch. Ein Advokat der Kanzlei fasste in dem Schreiben den Inhalt eines Gesprächs zusammen, das er am Morgen mit Fedor Radmann geführt hatte, dem Adlatus des Weltmeisterschaftsakquisiteurs Beckenbauer.

Hintergrund der in dem Brief dokumentierten Unterredung waren offensichtlich Verträge der Netzer-Firma CWL mit Fußballverbänden beziehungsweise deren Funktionären in Malta, Thailand, Trinidad und mit einem Verein in Tunis.

Die Nationalmannschaften dieser Länder sowie der tunesische Verein sollten Freundschaftsspiele mit dem FC Bayern München absolvieren; die CWL erwarb für diese Spiele die TV-Rechte von den ausländischen Partnern und zahlte entsprechend. In der Regel rund 300.000 Dollar pro Spiel. Außerdem rankten sich die Gespräche um das weitere Vorgehen in Sachen Elias Zaccour. Der Libanese erhielt kurz vor der WM-Entscheidung einen mit einer Million Dollar dotierten Beratervertrag.

Peinlich genau listete der Anwalt seinem Mandanten Hahn auf, wie nach Ansicht Radmanns der Stand der Verhandlungen mit den entsprechenden Kontaktleuten sei.
Bei „Dr. Mifsud/Malta sei der Vertrag schon unterzeichnet. „Zahlung hat auf ein Trust Account zu erfolgen.“
Bei „Mr. Chiboub (Tunesien)“ sei der Vertrag noch von Netzer zu unterschreiben. „Der Betrag in Höhe von US $ 300.000 ist sodann innerhalb von 14 Tagen nach Unterschrift durch Günter Netzer zu bezahlen.“

Ähnlich prägnant ist die Zusammenfassung auch in den beiden anderen Fällen. „Mr. Makudi (Thailand)“ soll so schnell wie möglich bezahlt werden. „Das Spiel hat bereits stattgefunden.“ Und bei „Mr. Jack Warner (Trinidad)“ soll die „Zahlung“ ebenfalls auf „ein Trust Account“ erfolgen. „Einzelheiten bespreche ich mit Günter Netzer.“

Klingt kryptisch, doch bei näherem Hinsehen verbirgt sich in dem Schreiben des Kirch-Anwalts eine Bombe. Drei der vier in dem Anwaltsschreiben genannten Ansprechpartner sind Mitglieder des 24köpfigen Fifa-Exekutivkomitees – eben jenes Gremiums, das vier Wochen später über den WM-Austragungsort 2006 abstimmen sollte.

Auffälliger noch: Mit den Verbänden der Fifa-Oberen Joseph Mifsud (Malta) und Worawi Makudi (Thailand) werden zwei Organisationen mit Kirch-TV-Rechte-Zahlungen bedacht, die als Wackelkandidaten gehandelt wurden:

Worawi Makudi galt vor der Wahl als Königsmacher, weil er sich im Vorfeld auf keinen Kandidaten festgelegt hatte. Die Brasilianer umwarben ihn heftig. Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela versuchte kurz vor der Wahl telefonisch, Thailands König ins Lager der Südafrikaner zu ziehen – vergebens. Makudi votierte in geheimer Abstimmung höchstwahrscheinlich für Deutschland.
Joseph Mifsud galt nicht gerade als Freund der Deutschen; er sollte seinen Fifa-Posten für den DFB-Vize-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder räumen. Hier musste wohl Wiedergutmachung geleistet werden. Anscheinend mit Erfolg.

Nicht weniger illuster sind die Namen der anderen Herren auf der Liste:

  • Slim Chiboub ist nicht nur Präsident des tunesischen Rekordmeisters L’Espérance Tunis, sondern auch der Schwiegersohn von Staatspräsident Ben Ali. Erhoffte man sich von ihm Einfluss auf den tunesischen Fifa-Wahlmann Slim Aloulou, der als Befürworter der südafrikanischen Bewerbung galt?

Jack Warner ist – affärenerprobter – Fifa-Vizepräsident aus der Karibik und ehemaliger Strippenzieher des skandalumwitterten Ex-Fifa-Präsidenten João Havelange. Er galt als auf Südafrika festgelegt – aber ansprechbar.

Das ursprünglich mit den Bayern geplante Freundschaftsspiel fand nicht statt. Trotz des bereits geschlossenen Vertrags sei, laut Netzer, kein Geld geflossen. Gleichwohl bekam Warners Firma JD International auf den Cayman Islands am 18. Dezember 2001 die TV-Rechte für die Karibik für die WM 2002 und 2006 für die überschaubare Summe von zusammen 4,8 Millionen Schweizer Franken von Kirch. Gerüchte, die Summe sei in Wahrheit nie gezahlt worden, bezeichnet Netzer als „komplett absurd“.

Dennoch legen die gesamten Kirch-Aktivitäten einen ungeheuerlichen Verdacht nahe. Sollten die vier Herren oder ihre Verbände mit den angekündigten CWL-Zahlungen für die Freundschaftsspiele mit dem FC Bayern in ihrer Stimmvergabe beeinflusst werden? Was die Herren freilich energisch zurückweisen.

Dennoch spricht einiges für diese Vermutung. Nach mm-Informationen wurden die vier CWL-Verträge in einer Größenordnung von jeweils 250.000 bis 300.000 Dollar abgeschlossen. Das sei, so ein Fifa-Insider, ungefähr die Summe, „mit der man auch in den letzten Tagen noch Entscheidungen beeinflussen kann“.

Stutzig macht, dass überhaupt Rechte an solchen Freundschaftsspielen von der CWL erworben wurden. Zumal für die CWL neben dem Kaufpreis für die Rechte noch 200.000 Mark Gage plus Reisekosten für den FC Bayern anfielen. Das Interesse der Fernsehzuschauer an Spielen wie etwa dem von Tunis gegen Bayern dürfte sich ohnehin in Grenzen gehalten haben. „Die Rechte an den Spielen“, sagt ein Rechtehändler, „waren unter normalen Umständen unverkäuflich.“

Kein Wunder also, dass die Freundschaftsspiele im Kirch-eigenen Deutschen Sportfernsehen (DSF) versendet wurden – dessen Programm weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Zur Frage, was das DSF der CWL dafür gezahlt hat, hüllt sich Netzer in Schweigen.

Es sind nicht nur die Akteure und die Summen, die an den Verträgen überraschen. Auch wichtige Details der Abwicklung werfen Fragen auf:

Der TV-Vertrag für das Thailand-Match wurde erst einige Tage nach dem Freundschaftsspiel der Bayern gegen die Thai-Nationalmannschaft abgeschlossen. Warum?
Die Zahlungen an die Verbände von Warner und Mifsud sollten auf Treuhandkonten überwiesen werden. Ein nach Auskunft von Rechtehändlern „absolut unüblicher Vorgang“. Warum das, wenn die TV-Gelder regulär an den Verband ausbezahlt werden sollten?
Warum informierte WM-Werber Radmann den Kirch-Anwalt über Geschäfte, die die CWL betrafen?

Der damalige CWL-Direktor Günter Netzer wollte gegenüber manager magazin lediglich bestätigen, dass „CWL während der vergangenen zwei Jahre die Rechte zur Vermarktung von Freundschaftsspielen des FC Bayern München mit den Nationalmannschaften von Thailand und Tunesien sowie Malta erworben hat“. Die finanzielle Abgeltung sei gemäß den vertraglichen Verpflichtungen an die entsprechenden Federationen erfolgt.

War der Saubermann des deutschen Fußballs, legendärer Spielmacher von Borussia Mönchengladbach in den 70er Jahren, ehemaliger Diskothekenbesitzer, bekennender Langhaarträger, Ferrarifahrer und Grimmepreisträger etwa der Geldbote für den WM-Stimmenkauf?

Sicher ist, dass Netzer die mit Radmann abgestimmten Verträge unterschrieb und dass die Kirch-Gelder über Netzers Firma CWL ausgezahlt wurden. Das Geld bereitzustellen war offensichtlich die Aufgabe von Kirch-Vize Dieter Hahn. Insgesamt sollen für die Betreuung schwankender Fifa-Exekutiver rund 3,5 Millionen Euro im Topf gewesen sein.

Was könnte das Motiv für Hahn und Kirch gewesen sein, so viel Geld auszugeben, um die WM nach Deutschland zu holen? Ganz einfach. Der Kirch-Konzern war seinerzeit im Besitz der weltweiten TV-Rechte für das Fußballspektakel 2006.

Rund 500 Millionen Schweizer Franken Gewinn, so Kirch-interne Berechnungen, hätten bei einer WM im eigenen Lande der Weiterverkauf der TV-Rechte und die Übertragung der wichtigsten Spiele im konzerneigenen Pay-TV gebracht. Eine WM in Südafrika, so ein Insider, „hätte vielleicht gerade mal die Hälfte“ an Einnahmen in die Kirch-Kassen gespült.

Grund genug für Hahn, alles daranzusetzen, den Fußballcup 2006 nach Deutschland zu holen. Erleichtert wurde der mutmaßliche Coup dadurch, dass auf Seiten der deutschen WM-Werber ein Mann stand, der genau wusste, wie man internationale Sportveranstaltungen ins eigene Land holt: Beckenbauers Wasserträger Fedor Radmann.

Radmann war schon immer der Mann für schwierige Aufgaben. Gerade Mitte 20, organisierte er die Olympiade 1972 in München mit. Später wurde er Geschäftsführer der Sportagentur ISL und managte die Eishockey-WM in Deutschland.

Noch prägender dürfte seine Zeit als Direktor beim Sportartikelhersteller Adidas gewesen sein. „Radmann weiß genau, wie das Geschäft funktioniert – wie man auf die Schnelle noch Stimmen organisiert. Das hat er seinerzeit bei Adidas-Chef Horst Dassler gelernt“, sagt einer, der ihn aus dieser Zeit kennt.

Kein Wunder also, dass es Radmann war, der in den meisten Fällen den Kirch-Anwälten genaue Anweisungen gab, auf welche Konten welche Summen zu zahlen seien.

Von manager magazin zu seinem Einfluss befragt, gab Radmann durchaus zu, am Zustandekommen der Freundschaftsspiele beteiligt gewesen zu sein. Allerdings: „Die Festlegung der von CWL jeweils zu übernehmenden Kosten, die dazu erforderlichen Vereinbarungen, sind allein Sache von CWL“ gewesen, erklärte er.

Beteiligt war Radmann augenscheinlich auch am Vertrag mit Elias Zaccour, von dem sich die Kirch-Leute und Radmann wohl zusätzliche Schützenhilfe für die WM-Akquise erhofften. Insgesamt eine Million Dollar sollte dem Libanesen auf dessen Konto 15 97 51 bei der Banque de L’Europe Méridionale in Luxemburg überwiesen werden. Die Gegenleistung laut Beratervertrag mit der Kirch-Media: Zaccour sollte sein „Wissen und seine Kontakte im Bereich Film Entwicklung, Film Lizenzen, Merchandising“ zur Verfügung stellen.

Dass ein Zaccour einen Leo Kirch in Fragen von Film-Lizenzen beraten kann, scheint ein Scherz der besonderen Güte. Die Gegenleistungen dürften anderer Art gewesen sein. Zaccour war über Jahre eine graue Eminenz im Weltfußball. Das einzige Foto, das von ihm kursiert, stammt aus den 60er Jahren und zeigt ihn zusammen mit Brasiliens Fußballlegende Pelé und dem Diktator von Zaire, Mobutu.

Dem Libanesen werden beste Kontakte zu den südamerikanischen Verbänden nachgesagt; insbesondere zum früheren Fifa-Chef João Havelange. In Zürich wird Zaccour zudem häufig an der Seite des katarischen Fifa-Exekutivmitglieds Bin Hammam gesehen.

Pikant: Weder Südamerikaner noch Araber wollten bei der WM-Vergabe für Deutschland stimmen. Sollte Zaccour das mit der Kirch-Million ändern? Nur vor diesem Hintergrund scheint es Sinn zu machen, dass ausgerechnet WM-Werber Radmann am 7. Juni 2000 Zaccour persönlich in München treffen wollte, um ihm das hoch dotierte „Consultancy Agreement“ der Kirch Media zu übergeben.

Im Fall der WM-Vergabe an Deutschland sind viele Fragen offen. Auch die, was Franz Beckenbauer von dem Geschäft seines Vize Radmann mit Netzer & Co. gewusst hat.

Aber irgendwie bleibt ja alles in einer Familie. In den vergangenen Wochen kam heraus, dass Radmann seit Herbst 2000 mit einem „angemessen dotierten“ Beratervertrag an Kirch gebunden war. Sein Chef Beckenbauer unterhält seit Jahren einen millionenschweren Kontrakt mit dem ehemaligen Kirch-Pay-TV-Sender Premiere. Und auch Netzer wurde von der Kirch Holding vor drei Jahren mit einem üppigen Beratervertrag ausgestattet – obwohl er quasi Angestellter des Medienkonzerns war.

Drei Jahre sind seit der Entscheidung von Zürich vergangen. Die Vorbereitungen für die WM 2006 laufen. Doch bevor das Fußballfest starten kann, muss wohl geklärt werden, ob bei der WM-Vergabe alles mit rechten Dingen zuging.

Für Netzer, Radmann, Kirch & Co. waren alle Verträge, die damals geschlossen wurden, ganz normale Rechtedeals.

Wenn das stimmt, dann war das Zufall in weltmeisterlicher Form. Bei drei der fünf Verträge hatten Männer ihre Finger im Spiel, deren Stimmen in Zürich viel Geld wert waren. Alle Vereinbarungen wurden kurz vor der WM-Entscheidung unterzeichnet – und auch Geldgeber Kirch hatte ein nachvollziehbares Motiv, die WM nach Deutschland zu holen.

Related Articles

Advertisements

Veröffentlicht am 27. März 2014 in Deutschland heute Abend, FC Schalke 04, Tagesthemen und mit , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: