Nitinol, das Wunder-Metall revolutioniert die Energieversorgung!


Der Wissenschaftler Kevin Sanders berichtet in einem Aufsatz 1984 über die fantastischen Eigenschaften einer Metall-Legierung aus Nickel und Titanium, genannt Nitinol. Dieses Metall besitzt ein Formgedächtnis. D.h. es nimmt unter bestimmten Voraussetzungen immer wieder seine ursprüngliche Form ein, egal, wie stark es verformt wird. Daraus resultieren eine Vielzahl von Anwendungen. Der wohl interessanteste Aspekt ist die direkte Umwandlung von thermischer Energie, in mechanische Energie. Es existierten bereits Anfang der 1970-er Jahre funktionierende Prototypen von Nitinol Wärmekraftmaschinen, mit denen unsere gesamte Energieversorgung auf einen Schlag revolutioniert hätte werden können.
Wo sind diese Erfindungen geblieben?
Sucht man heut im Internet nach Nitinol, so beschränken sich die gefunden Ergebnisse auf ein paar medizinische Anwendungen und albernen Spielzeugkram wie Büroklammern und Schmetterlinge aus Nitinol.
Es wird Zeit, dieses Wunder Metall wieder aus der Versenkung zu holen und mit sinnvollen Anwendungen Leben einzuhauchen.

„Halte ein Stück dieses Metalls in kaltes Wasser und es fühlt sich weich und geschmeidig an. Dann tauche dasselbe Stück in heisses Wasser und erlebe was passiert.
Erst dann wirst Du verstehen warum es Wunder-Metall genannt wird!“

An der „McDonnell Douglas Astronautics Company“ in „Huntington Beach“, Kalifornien, gibt e seine Maschine, die nicht mit Gas, Öl oder Elektrizität angetrieben wird, sondern durch warmes Wasser. Das Antriebselement dieser Maschine ist ein spiralförmig aufgewickeltes Band aus „Nitinol“, einer Nickel-Titanium Legierung , die das Zeug dazu hat, das Schicksal der Welt tiefgreifend zu verändern. Einer Welt die krampfhaft nach neuen Energiequellen sucht.
Das Team von Wissenschaftlern, das die Maschine entwickelt hat, ermittelte, dass Kraftwerke auf Nitinol-Basis einen überwältigenden Kostenvorteil gegenüber herkömmlichen Öl, Gas und Atomkraftwerken besitzen.
Seit beinahe 20 Jahren forschen Dutzende von Wissenschaftlern in aller Welt, in bescheidenen Labors, heimlich an den Geheimnissen von Nitinol – einem der bemerkenswertesten Metalle aller Zeiten. Unter einer kleinen, jedoch rasch wachsenden Gruppe von Wissenschaftlern, wurde Nitinol zum Gegenstand von Neugier und Kontroversen.
Nitinol kam zu uns ohne Vorwarnung. Keine früheren Arbeiten prophezeiten seine Ankunft. Niemand weiss wie es genau funktioniert. Die erste Begegnung mit diesem erstaunlichen Material ruft gewöhnlich einen Schock oder Unglauben hervor. Bei Raumtemperatur ist ein Stück Nitinoldraht so stark wie Stahl. Taucht man den Draht in kaltes Wasser, wird er auf der Stelle weich und verformbar. Verbiegen Sie ihn und er bleibt verbogen. Aber sobald Sie ihn in heisses Wasser tauchen erwacht der Draht in Ihren Händen zum Leben. Er springt unter Entwicklung sehr grosser Kräfte zurück in seine ursprüngliche Form. Der Draht führt also eine „Form-Speicher“ Reaktion aus. Das bedeutet, es handelt sich dabei um einen Feststoff Energie-Konverter , der lediglich einen Temperaturunterschied von kalt nach warm benötigt, um Kräfte mit bis zu 55 Tonnen pro Quadrat Inch (1 Inch = 2,54 cm) zu entwickeln.
Nitinols beeindruckende Eigenschaften wurden im Jahre 1958 am „U.S. Naval Ordnance Labatory (NOL) entdeckt. Daher der Name: Ni (Nickel), Ti (Titanium) und NOL. Die Entdeckung war eigentlich ein Unfall. Als die ersten Barren aus dem Schmelzofen kamen, wurden sie von dem damaligen leitenden Metallurgisten der Navy – William Buchler – routiniert gegeneinander geschlagen und gaben dabei einen flachen bleiernen Ton von sich. Das war auch keine grosse Überraschung. Aber einige Minuten später bemerkte er, dass die nächsten zwei Barren die aus demselben Schmelzofen stammten, einen Klang wie Glöckchen hatten, wenn man sie aneinander schlug. Der Unterschied war nur die Temperatur. Während das erste Barrenpaar bereits abgekühlt war, war das zweite noch warm vom Hochofen.
Nicht lange danach, bei einem Treffen von Navy Wissenschaftlern, demonstrierte Buchler eine andere seltsame Eigenschaft von Nitinol . Es kann ohne jegliche Ermüdungserscheinungen beliebig oft gebogen werden. Und obwohl es an der Biegestelle wie jede andere Metall-Legierung warm wird, kühlt es sofort wieder ab, wenn es seine ursprüngliche Form wieder eingenommen hat.
Trotz seiner einzigartigen Eigenschaften wurde Nitinol bis zum Jahre 1973 als nicht mehr als eine wissenschaftliche Kuriosität angesehen. In diesem Jahr fand ein bemerkenswerter, wenn auch wenig beachteter Durchbruch statt, als der Erfinder Rigway Banks in dem Laurance Labor in Berkeley Kalifornien ein funktionsfähiges Modell einer Nitinol Wärme-Maschine vorstellte.
Banks Gerät ist ein Rad, das flach auf eine zentrale Welle aufgesetzt ist. An jeder Speiche des Rades hängen U-förmige Schleifen aus Nitinol. Ein Ende eines jeden Drahtes ist an einer Hülse befestigt, die sich entlang der Speiche nach innen oder aussen bewegen kann. Wenn die Schleife das warme Wasser berührt, springt sie auf und ein Teil der so entstehenden Energie sorgt für die Drehung des Rades.

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Ridgway Banks mit seiner Nitinol Wärmemaschine.

Die kleine Gruppe Wissenschaftler, die zu dieser Vorstellung anwesend waren, erahnten die historische Wichtigkeit dieses Ereignisses. Edwin McMiillan, der Direltor des Laurence Labors, schnappte sich eine Packung Papier Handtücher und begann darauf wilde Berechnungen anzustellen. Die Maschine produzierte ungefähr ein halbes Watt an mechanischer Leistung. Heutzutage befindet sich dieser Versuchsaufbau im inoffiziellen Nitinol Wärme Maschinen Archiv.
Banks hielt die Maschine ununterbrochen am Laufen. Er achtete auf Anzeichen von Materialermüdung. Zu seinem Erstaunen bemerkte er, dass sich das Rad nach einigen hunderttausend Umdrehungen schneller drehte. Es drehte sich deshalb schneller, weil das Nitinol ein Zwei-Wege Gedächtnis entwickelte. Es lernte im kalten Wasser seine U-Form einzunehmen. Damit wurde weniger der Energie benötigt, die der Sprung der Spule im warmen Wasser auslöste, um die Spule im kalten Wasser wieder zu stauchen. Die frei werdende Energie konnte nun das Rad umso stärker antreiben. Genau wie die ursprüngliche Form-Veränderungs-Reaktion, ist dieser Doppel- Memory Effekt nicht annähernd zufriedenstellend erklärbar.

Was Theoretiker denken:

Einige Theorien haben die Erklärung der ungewöhnlichen Eigenschaften von Nitinol vorangebracht. Keine davon ist schlüssig, aber die meisten Theortiker sind sich einig, dass der Formwechsel passiert, wenn der atomare Level des Nitinols von einer komplexen rhombischen Struktur in eine weniger komplexe würfelförmige Struktur übergeht. Der Übergang von der würfelförmigen in die rhombische Struktur während des Abkühlens, wird martensitische Transformation genannt. Wenn das Material bei kalten Temperaturen gebogen wird, behält es diese Form, solange die Temperatur gleich oder kälter ist. Wenn es jedoch erwärmt wird, wechselt die Struktur von rhombisch nach würfelförmig und das Material nimmt seine ursprüngliche Form wieder ein.
Bisher wurden überraschend wenige Untersuchungen mit einem Elektronen Mikroskop bei Nitinol durchgeführt. Die fortschrittlichste Arbeit zur Untersuchung des „martensischen Effekts“ wurde bisher an Bronze Legierungen vorgenommen, die ein ähnliches, jedoch deutlich schwächeres Form Gedächtnis besitzen. Professor Luc Delaey von der katholischen Universität in Louvain, Belgien, produzierte einen Farbfilm über den Formwandel einer Bronzelegierung, mit einem Elektronen Mikroskop. Dabei kamen scharfe Grate, ähnlich wie Berggipfel zum Vorschein, die verschwanden und wieder erschienen wenn das Metall abgekühlt oder erwärmt wurde. Niemand weiss jedoch mit diesem Phänomen etwas anzufangen.
Während eines kürzlich stattgefundenen Nitinol-Seminars am amerikanischen MIT Institut, bemerkte ein Metallurge, der sich seit Jahren mit dem Studium dieser Legierung beschäftigt –

„Es ist ein Geschenk Gottes, denkt nicht darüber nach, wie es funktioniert. Nutzt es einfach.“

Mittlerweile wird Nitinol an Universitäten in England, der Schweiz, Belgien, Deutschland und Spanien untersucht. Die Entwicklung von Nitinol Wärmemaschinen wird in zahlreichen privaten, sowie öffentlichen Forschungsinstituten durchgeführt. Unterstützt werden die Forschungen unter anderem vom amerikanischen Verteidigungsministerium, der US.Navy, der NASA, dem Energie Ministerium, der „National Science Foundation“, General Motors, Goodyear, McDonnel Douglas, Grumman und Lockhead. Bis jetzt wurden über 400 wissenschaftliche Papiere veröffentlicht und ständig kommen neue hinzu. Über 100 Nitinol Patente wurden bereits angemeldet, bzw. warten auf die Erteilung (12 davon betreffen Nitinol Wärmemaschinen). Jede Woche kommen neue Patentanmeldungen zur Nutzung von Nitinol hinzu.
Zwei Veröffentlichungen aus dem Jahre 1983, verfasst vom „Naval Surface Weapon Centre“ (ehemals NOL), sind verantwortlich für das jüngste Interesse. Eines davon ist ein Grundlagen Sammlung über wissenschaftliche und technische Arbeiten zu Nitinol, das Andere ein Bericht über die weltweit erste internationale Konferenz zu Nitinol Wärmemaschinen. Unterstützt vom „Department of Energy“ fand diese Veranstaltung im „Nitinol Technologie Center“ in Silver Spring – Maryland statt. Über 60 der weltweit führenden Forscher auf diesem Gebiet waren anwesend und packten einige der entscheidenden Fragen zur Thermodynamik dieses einzigartigen Materials an.
Anders als andere Wärmetauscher Systeme reagiert Nitinol auf grundlegend andere Weise bei Temperaturänderungen. Die Kraft, die für die Verformung bei niedrigen Temperaturen aufgebracht werden muss, ist ungleich kleiner, als die Kraft, die beim Einnehmen der ursprünglichen geraden Form abgegeben wird. Mit anderen Worten, es wird wesentlich mehr Energie abgegeben, als hineingesteckt wird! Dies ist etwas grundlegend Neues im Bereich der Thermodynamik, meint Elizabeth Rauscher, eine Atomphysikerin.

„Mit den Gesetzen der Thermodynamik hat alles seine Richtigkeit, es ist nur so, dass sie nicht berücksichtigen, was in Nitanol vor sich geht“.

Der Bericht über die Navy Konferenz kam zu dem Schluss, dass Nitinol Maschinen Energie deutlich günstiger umwandeln können als Kernkraftwerke und Photovoltaik Zellen. Weitergehende Untersuchungen bei der Navy sprechen dafür, dass Nitnol Wärmemaschinen die 24 Stunden rund um die Uhr laufen, sich innerhalb 18 – 24 Monaten amortisiert haben. Nach dieser Zeit, so David Goldstein, der Direktor des Nitinol Technologie Zentrums, wäre die gesamte Energie in gewisser Weise frei!
Einige Anwendungen für eine Nitinol Wärmemaschine sind bereits angekündigt. Aufgrund seiner charakteristischen Eigenschaften können Form Speichers Umwandlungen bereits bei Temperaturunterschieden von gerade einmal 9 Grad ausgelöst werden. Einfache Sonnen Kollektoren oder geothermische Quellen könnten einen ununterbrochenen Strom warmes Wasser erzeugen um Kleinmotoren anzutreiben. Nitinol Warmekraftmaschinen, die Bewässerungspumpen in Regionen antreiben, in denen keine klassische Energieversorgung zur Verfügung steht, wäre ideal für die meisten der unterentwickelten Dritte Welt Länder.
In höher entwickelten Nationen könnte Nitinol die sonst ungenutzte Abwärme, die über zwei Drittel der in der Industrie verbrauchten Energie ausmacht, direkt in mechanische Energie umwandeln. Und da Änderungen am Mischungsverhältnis von Nickel und Titanium den Temperaturbereich, in dem der Memory Effekt auftritt, beeinflusst, können Nitinol Maschinen für die verschiedensten Temperaturbereiche, in den unterschiedlichsten Temperaturregionen gebaut werden. Nitinol reagiert weniger auf die exakten Temperaturen in den Kalt- und Warmwasser Behältern, wie auf den Temperaturunterschied der beiden. Bei einem Mischungsverhältnis von 55% Nickel und 45% Titanium, vollführt Nitinol seinen Formwechsel bereits im Bereich der Raumtemperatur. Eine leichte Steigerung des Titanium Anteils jedoch, erhöht den Arbeitsbereich von Nitinol in Bereiche über 120° Celsius. Aus diesem Grund könnte es z.B. genutzt werden um automatische Feuerbekämpfungs- Einrichtungen anzutreiben.
Ingenieure ziehen nun in Erwägung, eine Serie von Nitinol Maschinen zu kombinieren, entwickelt, um auf die zunehmend niedrigeren Temperaturen zu reagieren, die sich entlang des heissen Wasser bilden, das Industrieanlagen mit ihrem Abwasser produzieren. Da dieses Abwasser der Grund für die thermische Umweltverseuchung von Bächen, Flüssen, Seen dem Meer ist, könnten Nitinol Wärmemaschinen, die die Abwärme absorbieren, einen enormen ökologischen Gewinn darstellen.
Auf lange Sicht sind wohl die Ozeane, Seen und künstlich angelegte Stauseen die bedeutendste Energiequelle für Nitinol Wärmemaschinen. Diese sind letztlich nichts anderes als riesige Sonnenkollektoren bzw. Wärmespeicher-Systeme. Der Temperaturunterschied von ungefähr 20° zwischen Oberflächen- und Tiefenwasser bildet die optimale Voraussetzung zum Betrieb von Nitinol Wärmemaschinen. Wissenschaftler haben berechnet, dass Maschinen, die nur mit 3 % Wirkungsgrad betrieben werden, genug Energie aus dem Golfstrom beziehen könnten, um die gesamte Ostküste der Vereinigten Statten mit Energie zu versorgen. Hydroelektrische Anlagen hätten zusätzlich den Vorteil, bereits vorhandene Energieübertragungsleitungen nutzen zu können. Einige Wissenschaftler behaupten sogar, dass Nitinol Wärmemaschinen den Energieausstoss von vorhandenen hydroelektrischen Anlagen verdoppeln könnten.
Nitinol existiert seit mehr als 20 Jahren (1984!). Warum wird diese Form der Energie – erzeugt von Wärmemaschinen, basierend auf dem Formgedächtnis von Nitinol noch nicht weltweit als Energiequelle genutzt? Steward Brand, ein Redakteur der Zeitschrift „Whole earth catalog“, der als Erster auf die Möglichkeiten der von Banks entwickelten Maschine, in seinem Magazin „CoEvolution Quarterly“ hingewiesen hat, meint dazu: „ Da sind einige Tatsachen, die so grundlegend sind, dass es noch eine Weile dauern wird, bis die Allgemeinheit damit wird umgehen können“. Brand ist sogar der Meinung, man sollte die konventionelle Energieversorgung dazu nutzen, um Teile der Erlöse daraus in die Entwicklung von Nitinol Wärmemaschinen zurückfliessen zu lassen.
Die erfolgreiche Entwicklung von kommerziellen Wärmemaschinen würde nicht zuletzt die bisher mit viel Kapitaleinsatz entwickelten alternativen Energiesysteme vor eine nicht unbedeutende Herausforderung stellen: Photovoltaik, Sonnenenergie-Türme und organische Abwärme-Turbinen, sogenannte „Rankine-Turbinen“. All diese Systeme würden durch Nitinol Wärmemaschinen überflüssig. Laut den zuletzt von der Navy veröffentlichten Zahlen, können Nitinol Wärmemaschinen für gerade einmal 6% Mehrkosten gegenüber der Stromerzeugung durch Photovoltaik Energie produzieren. Dabei sind Photovoltaikzellen mechanisch sehr empfindlich, wogegen Nitinol widerstandsfähig ist und immer widerstandfähiger wird. Nitinol verschleisst nicht, es wird immer besser und besser. Sonnenkraftwerke, mit gewaltigen Arealen von Spiegeln, die die Sonnenstrahlen auf einen zentralen Warmwasserspeicher fokussieren, der den Dampf zum Antreiben der Generatoren erzeugt, funktionieren nur tagsüber unter Sonneneinstrahlung. Nitinol Kraftwerke die mit Abwärme angetrieben werden, funktionieren rund um die Uhr. Derzeit werden „Rankine cycle Turbinen“ die mit Ammoniak betrieben werden als das Wärmetausch System für die am besten geeigneten Systeme zur Ausnutzung der thermischen Energie der Ozeane von den Regierungen angesehen. Aber Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Nitinol eine ganze Reihe von Vorteilen gegenüber der Verwendung von organischen Flüssigkeiten, wie Ammoniak besitzt. Nitinol kennt keine Korrosion und kann somit direkt mit Meerwasser in Kontakt gebracht werden ohne dieses zu verschmutzen. Nitinol Maschinen sind deutlich einfacher zu konstruieren als Rankine Turbinen. Berechnungen haben ergeben, dass die vergleichbaren Kosten für die Erzeugung von einer Kilowattstunde Energie, zwar momentan bei Rankine Turbinen noch etwas günstiger sind, diese sich jedoch sehr schnell angleichen.
Nitinol befindet sich noch in einem sehr frühen und primitiven Stadium der Entwicklung. Wenn das Material jenseits bestimmter Grenzen belastet wird, kann es bleibend verformt werden, oder es entsteht Materialermüdung. Ausserdem ist es sehr teuer (500 Gramm, 200 $ – Stand 1984) und schwierig herzustellen. Um die gewünschte Verformungstemperatur zu erreichen, muss das Verhältnis von Nickel zu Titanium auf ein Tausendstel genau sein. Die Herstellung verlangt ausserdem Vakuum-Öfen und eine hochentwickelte Ausrüstung, um die notwendige Reinheit des Materials zu gewährleisten. Einige Wissenschaftler behaupten, dass das bisher hergestellte Material unausgegoren sei, und das in richtiger Art und Weise hergestelltes Nitinol erheblich kraftvoller sein könnte. Vielleicht wäre es sogar fähig, auf Temperaturunterschiede von 3-4° Celsius zu reagieren. Kürzlich erreichte Fortschritte in der Metallurige schaffen neue Möglichkeiten zur Verbesserung der Genauigkeit, Reinheit und der Zusammensetzung. Das in der Nähe von Utika – New York ansässige Unternehmen „Special Metals Corp.“, ist im Begriff, eine Nitinol Produktion für kommerzielle Mengen aufzubauen. Einige andere Produktionsstätten sind in Vorbereitung.
Ridgway Banks, der Vater der Nitinol Wärmemaschine, arbeitet derzeit an einem neuen Modell , das die theoretische Eigenschaft von Nitinol nutzen soll, bei einer Überschreitung der Umwandlungstemperatur, eine zusätzliche Kontraktion von ca. 8% durchzuführen. Banks glaubt daran, dass dies der effektivste Weg sei, Nitinol zu nutzen, da so die Kraft der Formänderung gleichmässig über den gesamten Querschnitt des Antriebs-Elements auftritt. In seinem neuen Labor in Berkley, erhält er vom Modell eines Prototypen eine dauerhafte Leistung von 20 W. „Dies ist die erste Maschine dieser Art, mit der ich es zu tun habe“, sagt Banks, „das kann erweitert werden zu Kilowatts oder möglicherweise Megawatts an Energie!

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Ein anderer Erfinder aus San Francisco und ebenfalls ehemaliger Mitarbeiter der Berkley Laboratories, hat eine maschine gebaut, die wohl die grossartigste Nitinol Wärmemaschine ist, die nur aus einem Element besteht. Ein langes Wasserbad, durch einen breiten Nitinol Streifen in eine warme und eine kalte Zone geteilt. Das Wasserbad schaukelt an einer Achse hin und her und bringt dabei das Nitinol abwechselnd mit der kalten und warmen Seite in Kontakt. Trupin rechnet damit, dass seine Maschine eine Leistung von ca. 100 W erzeugen könnte, wenn er ein mechanisches Problem gelöst habe. Seine Nitinol Elemente bestehen aus kurzen Elementen, die aneinander geklammert sind. Die Wucht und die Kraft der Nitinol Reaktion sind so heftig und abrupt, dass die Klammern das Material nicht zusammen halten können.
In Belgien arbeitet man an eine Wärmemaschine, die die billigere, jedoch nicht so kraftvolle Bronze Legierung nutzt. Ein Prototyp mit geringer Leistungsabgabe auf Bronze Legierungsbasis konnte bei der Firma Delta Materials in England bereits entwickelt werden. Das Unternehmen führte kürzlich das erste kommerzielle Produkt auf Basis eines Bronze-Gedächtnismetalls ein – einen automatischen Fensteröffner für Treibhäuser – wenn es warm ist, öffnen sich die Fenster und wenn es kalt ist, werden sie wieder geschlossen.
Jüngste Berichte weisen darauf hin, dass in China an einer Nitinol Wärmemaschine gebaut werden soll, möglicherweise zu Bewässerungszwecken. Eine Abordnung von Wissenschaftlern aus Peking forderte Anfang des Jahres (1984) in Washington die Herausgabe von Kopien aller Unterlagen die zu Nitinol existieren. Ingenieure der „Battelle’s Columbus Laboratories“ in Ohio, arbeiten seit mehr als 10 Jahren an einem breiten Spektrum militärischer und industrieller Anwendungen. Einige der Forschungen werden vom US-Militär unterstützt und unterliegt der Geheimhaltung. Andere Projekte beinhalten ein „Feuer-Lösch-System“, bei dem ein Nitinol Element im Kopf des Sprinklers eine deutliche schnellere Auslösung bewirkt, als herkömmliche Systeme.

Biomedizinische Anwendungen:

Da Nitinol nicht nur ausgesprochen leicht und nicht magnetisch ist, sondern auch ungewöhnlich inaktiv, wenn es für längere Zeit mit dem Körper in Kontakt kommt, wurde es bereits in verschiedenen Laboratorien im Rahmen von Tierversuchen , in verschiedenen medizinischen Anwendungen getestet. Diese beinhalten neben Zahnspangen und Knochenplatten zur besseren Heilung von Knochenbrüchen unter Druckeinwirkung, bis hin zu chirurgischen Sonden für schwer zugängliche Stellen des Körpers und interne Hilfsmittel wie z.B. Apparaturen, die die Arterien offen halten. Das wahrscheinlich interessanteste medizinische Projekt ist ein auf Nitinol basierende Herzpumpe, die sich zusammenzieht und expandiert, wie ein natürlicher Muskel.
Frühere Untersuchungen des Energie Ministeriums und der World Bank betreffend die Verteilung von Nickel und Titan über den Globus haben ergeben, dass die beiden Elemente ergiebig vorhanden und billig zu haben sind (ca. 10$ für ein Pfund). Ausserdem sind sie gleichmässig über den Globus verteilt. So entsteht keine neue „OPEC“ für Nitinol.
Und so wird irgendwann gegen Ende des Jahrhunderts eine Nitinol Technologie, eine Nitinol Industrie und – wer weiss – in einigen Teilen der Welt sogar eine Nitinol Ökonomie entstanden sein. Das Zusammenbrechen und das laute Gebrüll des Zeitalters der Verbrennung fossiler Stoffe weicht dem Zeitalter des ruhigen Plätscherns zahlloser Drähte, Hebel, Schleifen, Flaschenzüge, Federn, Ventilatoren, Flossen, Bänder und Räder an Millionen von Geräten, die ununterbrochen zwischen kaltem und warmen Wasser hin und her wechseln und dabei einen Strom aus sauberer sicherer, endloser erneuerbarer Energie erzeugt. Angetrieben durch eine – wie auch immer funktionierende – mysteriöse Kraft, die die kristalline Struktur eines Metalls dazu veranlasst, sich zu erinnern…und zu vergessen…..zu erinnern…….und zu vergessen……und zu erinnern……….

Dies ist die Übersetzung eines Artikels aus dem Jahr 1984
Nitinol aus Science Digest 1982 by Kevin Sanders

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Veröffentlicht am 3. September 2013 in Deutschland heute Abend, Tagesthemen und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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